Einleitung
Das Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt ist eine Region mit einer über 800-jährigen Geschichte des Kupferschieferbergbaus. Diese jahrhundertelange industrielle Prägung hat nicht nur die Wirtschaft und Gesellschaft der Region nachhaltig beeinflusst, sondern auch erhebliche Umweltfolgen hinterlassen. Die Stilllegung der letzten Gruben Anfang der 1990er-Jahre markierte das Ende einer Ära und den Beginn einer komplexen und langfristigen Sanierungsphase. Der Abbau von Kupferschiefer und die anschließende Verhüttung haben zu einer weitreichenden Kontamination von Böden, Gewässern und der Atmosphäre mit Schwermetallen wie Kupfer, Blei, Zink, Cadmium und Arsen geführt. Die Bewältigung dieser Altlasten stellt eine immense technische und finanzielle Herausforderung für den Staat und die Gesellschaft dar.
Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die historische Entwicklung des Bergbaus, die daraus resultierenden Umweltbelastungen und die umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die im Rahmen des Ökologischen Großprojekts (ÖGP) Mansfelder Land durchgeführt werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Sicherung von Halden und der Behandlung von belasteten Wässern, was für Bauherren und Immobilieninteressierte in der Region von hoher Relevanz ist.
Historischer Kontext und wirtschaftliche Bedeutung
Die wirtschaftliche und soziale Struktur des Mansfelder Landes war über Jahrhunderte hinweg nahezu ausschließlich vom Bergbau geprägt. Der Legende nach wurde der Kupferschiefer bereits um 1199/1200 auf dem Kupferberg bei Hettstedt entdeckt. Anfänglich beschränkte sich der Abbau auf oberflächennahe Bereiche (Duckelbergbau). Mit fortschreitender Erschöpfung dieser Lagerstätten begannen ab dem 15. Jahrhundert tiefere Abbauarbeiten, die den Bau von Entwässerungsstollen erforderlich machten. Ein frühes Beispiel ist der Roßstollen, der ab 1511 aufgefahren wurde, um eindringendes Grundwasser abzuleiten. Im 16. Jahrhundert erlebte der Bergbau eine erste Blütezeit, sodass 1571 bereits etwa 130 Schächte mit rund 1.500 Bergleuten existierten. Die Einführung weiterer Entwässerungsstollen wie des Gonnaer Stollens (ab 1544) ermöglichte den Abbau in noch größeren Tiefen.
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte zu einer erheblichen Steigerung der Fördermengen. Die Einführung von Dampfmaschinen nach Wattscher Bauart im 18. Jahrhundert im Burgörner Revier sowie von Pressluftwerkzeugen und Sprengarbeiten im 19. Jahrhundert verbesserten die Gewinnungstechniken signifikant. Die Hochphase des Bergbaus erlebte die Region in der DDR-Zeit. In den 1970er- bis 1980er-Jahren beschäftigte das Kombinat Mansfeld "Wilhelm Pieck" laut Statistischem Jahrbuch der DDR von 1989 bis zu 45.000 Mitarbeiter in Bergbau, Hüttenwesen, Maschinenbau und Verarbeitung. Bis zu 70 Prozent der Bevölkerung in vielen Orten der Region arbeiteten in direkter oder indirekter Verbindung mit dem Bergbau. Neben Kupfer wurden auch Edelmetalle wie Silber und Gold sowie diverse chemische und metallurgische Nebenprodukte gewonnen. Diese wirtschaftliche Dominanz endete abrupt nach der Wende mit der Schließung der Anlagen, was zum Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen führte.
Umweltbelastungen und ihre Ursachen
Die jahrhundertelange industrielle Tätigkeit hat tiefgreifende Spuren in der Umwelt des Mansfelder Landes hinterlassen. Bis heute ist die Region mit den Folgen konfrontiert, deren ökologische Kosten noch Generationen beschäftigen werden. Die Hauptprobleme liegen in der Schwermetallbelastung von Böden und Gewässern.
Kontamination von Böden und Gewässern
Durch jahrhundertelange Verhüttung, das unkontrollierte Ablagern von Schlacken und das Einleiten von Prozessabwässern gelangten erhebliche Mengen an Kupfer, Blei, Zink, Cadmium und Arsen in die Umwelt. Besonders betroffen sind die Flüsse Helme und Böse Sieben sowie die Böden rund um Eisleben, Helbra und Siersleben. Das Umweltbundesamt spricht in einem Bericht von 2006 von einer "großräumigen Kontamination der Landschaft – mit Auswirkungen, die bis heute messbar sind".
Ein weiteres Problemfeld stellt die Grubenflutung nach der Stilllegung des Bergbaus dar. Seit 1970 in der Mansfelder Mulde und 1992 in der Grube Sangerhausen wurden stillgelegte Schächte und Stollen geflutet. Dies führte dazu, dass mit Schwermetallen belastetes Grubenwasser ins Grundwasser einsickerte. Laut dem Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt erfolgten viele dieser Flutungen "ungeregelt", was die Ausbreitung toxischer Stoffe begünstigte. Die toxischen Bestandteile gefährden noch heute das Umland über diffuse Ausbreitungswege.
Atmosphärische Belastung und Halden
Das Landschaftsbild wurde dauerhaft durch kilometerweite Abraumhalden verändert, die oft bis zu 150 Meter hoch sind und als "Pyramiden des Mansfelder Landes" an die industrielle Epoche erinnern. Die höchste Halde ist mit 153 Metern die des Fortschritt-Schachtes bei Eisleben. Diese Halden entstanden durch die Aufschüttung von taubem Gestein, das beim Kupferabbau anfiel. Aus Sicherheitsgründen ist eine Besteigung nur im Rahmen organisierter Führungen möglich.
Wind- und Wassererosion transportieren feine Staubpartikel mit Schwermetallanteilen in die Umgebung. Schwefeldioxid, Arsen und Blei gelangen mit dem Wind in die Quartiere der Menschen vor Ort und verursachten zahlreiche schwere Krankheiten. Diese historischen Belastungen sind für die heutige Immobiliensituation relevant, da die Bodenqualität und die Luftqualität nach wie vor von den vergangenen Aktivitäten beeinflusst werden.
Sanierungsmaßnahmen und Ökologisches Großprojekt Mansfelder Land
In den 1990er-Jahren begannen groß angelegte Sanierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Umweltfolgen. Ein zentrales Instrument ist das Ökologische Großprojekt (ÖGP) Mansfelder Land, das die Sanierung und Sicherung ehemaliger Bergbau- und Hüttenstandorte zum Ziel hat. Seit dem Jahr 2000 wurden hierfür rund 35 Millionen Euro investiert. Der Betrieb der Neutra-Anlage ist Bestandteil der Sicherungsmaßnahmen innerhalb dieses Projekts. Staatssekretär Gert Zender vom Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt unterstrich die Bedeutung der Anlage für den nachhaltigen Schutz der Gewässer.
Sicherung und Begrünung von Halden
Eine der Hauptmaßnahmen ist die Sicherung und Begrünung der Haldenflächen. Ziel ist es, den Schwermetallaustrag über die Luft zu unterbinden und die Sickerwasserbildung zu reduzieren. Hierzu werden Haldenflächen profiliert und abgedeckt. In Eisleben wurde mit der Fertigstellung des Entwässerungssystems in 2024 die Standortsicherung abgeschlossen. Diese Maßnahmen sind für die Bauindustrie und Grundsicherung von Bedeutung, da sie die Grundlage für eine mögliche spätere Nutzung der Flächen schaffen.
Behandlung von belasteten Wässern
Die Reinigung von kontaminierten Wässern spielt eine zentrale Rolle in der Sanierung. Hierbei sind Kläranlagen von entscheidender Bedeutung. Eine Kläranlage, auch als Abwasserbehandlungsanlage bezeichnet, ist eine technische Anlage, die zum Reinigen von Abwasser benötigt wird. Das Wasser fließt unterirdisch durch die Kanalisation und durchläuft am Klärwerk mehrere Reinigungsprozesse, bevor es sauber wieder in das Gewässer geleitet und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird.
Im Kontext des Bergbaus sind spezielle Anlagen zur Behandlung von Grubenwasser erforderlich. Abwasser enthält ein hohes Maß an Schadstoffen und Schwebstoffen. Wenn sie unbehandelt in ein Gewässer gelangen, sind sie schädlich für die Trinkwasserversorgung sowie für alle lebenden Organismen im Wasser. Aus diesem Grund muss das gesammelte Abwasser auf eine professionelle Art und Weise gereinigt werden. Bei einer mechanischen Reinigung wird das Wasser durch Rechen und Schotterfang von groben Verschmutzungen wie Hygieneartikeln, Steinen und Laub befreit. Für die spezifischen Schwermetallbelastungen im Mansfelder Land sind jedoch chemische und biologische Reinigungsprozesse notwendig, die in den speziellen Anlagen der Region umgesetzt werden.
Das ÖGP umfasst auch den Bau von Reinigungsanlagen für kontaminiertes Wasser sowie die Abdichtung von Altlasten-Deponien. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich im sicheren Regelbetrieb von Anlagen seit August 2024 und der deutlichen Reduzierung des Schadstoffaustrags, von der Mensch und Natur profitieren.
Langfristige Perspektiven und Kosten
Trotz der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist die vollständige Sanierung des Mansfelder Landes eine Aufgabe von Generationen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) warnt in einem Bericht von 2016: "Die vollständige Sanierung wird Jahrzehnte dauern – und selbst dann bleiben Ewigkeitskosten bestehen." Dies bedeutet, dass auch nach Abschluss der aktiven Sanierungsarbeiten langfristig Kosten für die Überwachung und Instandhaltung der Sicherungsmaßnahmen anfallen werden.
Für die Region ergeben sich jedoch auch neue Perspektiven. Die Sanierung schafft die Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Das ÖGP Mansfelder Land bietet Möglichkeiten weiterer wirtschaftlicher Ansiedlungen. Ein Beispiel für eine solche Transformation ist das ÖGP Zeitz, ein ehemaliges Braunkohlehydrierwerk, das heute Industrie- und Chemiepark für nachhaltige, innovative Chemieprodukte ist. Auch im Mansfelder Land könnten die sanierten Flächen zukünftig für neue gewerbliche oder private Nutzungen zur Verfügung stehen, sofern die Sicherheitsauflagen eingehalten werden.
Für Bauherren und Grundstückseigentümer in der Region bedeutet dies, bei Baumaßnahmen oder Grundstückserwerb stets die mögliche historische Belastung des Areals zu berücksichtigen. Bodengutachten und die Prüfung auf Altlasten sind hier unerlässlich. Die Sanierungsmaßnahmen der LMBV bieten jedoch die Gewähr, dass die großflächigen Belastungen durch die Halden und ehemaligen Betriebsflächen kontrolliert und gesichert werden.
Fazit
Das Mansfelder Land steht exemplarisch für die langfristigen Herausforderungen, die eine jahrhundertelange industrielle Nutzung für die Umwelt hinterlässt. Der Kupferschieferbergbau prägte die Region über 800 Jahre wirtschaftlich und sozial, hinterließ aber auch eine massive Schwermetallbelastung in Böden und Gewässern. Die Sanierung dieser Schäden ist ein komplexes Unterfangen, das seit den 1990er-Jahren mit erheblichen finanziellen Mitteln und technischem Aufwand betrieben wird. Das Ökologische Großprojekt Mansfelder Land bildet hierbei den Kern der Bemühungen, um die Sicherung von Halden, die Behandlung von belastetem Grubenwasser und die langfristige Wiederherstellung der Umweltqualität.
Trotz der Fortschritte, wie der Fertigstellung von Sicherungsanlagen und der Reduzierung des Schadstoffaustrags, bleibt die Sanierung eine Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte mit anfallenden "Ewigkeitskosten". Für die Region eröffnet die Sanierung jedoch auch Chancen für eine Neuausrichtung hin zu nachhaltigen Wirtschaftszweigen. Für Eigentümer und Interessenten von Immobilien in diesem Gebiet ist ein Bewusstsein für die historische Nutzung und die daraus resultierenden Bodenbelastungen essenziell.