Modernisierung von Schwimmbädern: Lehren aus der Sanierung des Kombibads Paffrath in Bergisch Gladbach

Einleitung

Das Kombibad Paffrath in Bergisch Gladbach steht exemplarisch für die Herausforderungen, die sich bei der Sanierung und Modernisierung großer kommunaler Infrastrukturprojekte ergeben. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1976 hat sich das Bad zu einem festen Bestandteil der regionalen Bäderlandschaft entwickelt und bietet eine kombinierte Nutzung von Hallen- und Freibad mit einer Wasserfläche von rund 3000 Quadratmetern. Die Anlage ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und erfreut sich besonders in den Sommermonaten großer Beliebtheit bei Familien und Freizeitsportlern.

In den vergangenen Jahren stand das Bad jedoch vor erheblichen Modernisierungsbedarfen, die in mehreren Phasen umgesetzt wurden. Die vorliegenden Informationen beleuchten die Komplexität von Sanierungsmaßnahmen im laufenden Betrieb, technische Störungen in der Wasseraufbereitung sowie die Schwierigkeiten bei der Sanierung von Kinderplanschbecken. Zentrale Themen sind dabei die Notwendigkeit frühzeitiger Planung, die Bedeutung von Qualitätsmanagement bei der Bauausführung und die Anforderungen an die technische Infrastruktur, um Betriebssicherheit und Nutzungsqualität zu gewährleisten.

Die Sanierung des Außenbereichs begann im Sommer 2019 und umfasste eine vollständige Neugestaltung der Becken, Umläufe und Rutschen auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Parallel dazu wurde der Innenbereich 2020 aufwendig saniert. Operative Zwischenfälle, wie die defekten Steuerungsmodule der Wasseraufbereitung im Juli, unterstreichen die Bedeutung robuster Technik und redundanter Systeme. Der Fall des Kinderplanschbeckens zeigt zudem die Konsequenzen mangelhafter Ausführung und juristischer Auseinandersetzungen auf.

Dieser Artikel analysiert die Sanierung des Kombibads Paffrath aus bautechnischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive und zieht Lehren für vergleichbare Projekte in der Immobilien- und Bäderbranche.

Historischer Kontext und Ausgangslage

Das Kombibad Paffrath wurde 1976 eröffnet und ist seitdem ein zentraler Treffpunkt für Schwimmer, Familien und Vereine in Bergisch Gladbach. Mit seiner Kombination aus Hallen- und Freibad, ergänzt um Sauna, Kursangebote und Gastronomie, bietet es ganzjährige Nutzungsmöglichkeiten. Besonders in den warmen Monaten zieht der Außenbereich mit drei Becken, einer Riesenrutsche und großzügigen Liegewiesen tausende Besucher an.

Trotz seiner Beliebtheit zeigte die Anlage in den 2010er-Jahren deutliche Alterungserscheinungen. Die Infrastruktur war über Jahrzehnte kaum modernisiert worden, was zu technischen Mängeln und Qualitätsverlusten führte. Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung war bereits seit rund 15 Jahren erkannt, jedoch immer wieder aufgeschoben worden. Erst 2019 begann die Umsetzung der dringend benötigten Maßnahmen.

Die Herausforderung bestand darin, dass die Modernisierung bei laufendem Schwimmbadbetrieb erfolgen musste. Dies erforderte eine sorgfältige Koordination zwischen Planung, Bauausführung und dem täglichen Betrieb. Gleichzeitig musste die Sicherheit und Qualität für die Badegäste jederzeit gewährleistet bleiben.

Der Modernisierungsprozess gliedert sich in mehrere Teilprojekte: - 2019–2022: Komplettumbau des Bads am Mohnweg Refrath - 2023–2025: Sanierung des Zanders-Bads in der Stadtmitte - Ab Sommer 2019: Umfassende Modernisierung des Außenbereichs im Kombibad Paffrath - 2020: Sanierung des Innenbereichs

Diese Planung unterstreicht die strategische Bedeutung des Bäderkonzepts der Stadt Bergisch Gladbach, das langfristige Investitionen in die Infrastruktur vorsieht.

Phasen und Zeitplan der Modernisierung

Der Außenbereich: Neugestaltung ab 2019

Die Modernisierung des Außenbereichs begann im Spätsommer 2019. Geplant war eine vollständige Neugestaltung der Becken, Umläufe und Rutschen auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Das Planungsverfahren startete mit einer europaweiten Ausschreibung nach einem geeigneten Architektenbüro. Die ausgewählten Büros mussten einen detaillierten Sachkundenachweis erbringen, einschließlich Referenzen aus den vergangenen fünf Jahren.

Der Zeitplan war ehrgeizig: Die Ausschreibung der Umbaumaßnahmen sollte Anfang 2019 erfolgen. Die Becken sollten in ihrer Anordnung erhalten bleiben, möglicherweise jedoch in veränderten Maßen. Der Park mit den beliebten Liegeflächen sollte unangetastet bleiben, und eine große Rutsche sollte weiterhin vorhanden sein.

Der Innenbereich: Sanierung 2020

Parallel zum Außenbereich wurde der Innenbereich 2020 aufwendig saniert. Diese Maßnahme war besonders komplex, da sie die kontinuierliche Nutzung des Hallenbads während der Wintermonate betraf. Der Innenbereich umfasst 25-Meter-Schwimmbahnen, ein Lehrschwimmbecken, ein Kinderplanschbecken sowie Sauna und Solarium.

Operative Zwischenfälle und Störungen

Im Juli 2024 kam es zu einem kritischen Vorfall: Ein Stromausfall im Stadtteil Paffrath führte zu defekten Steuerungsmodulen der Wasseraufbereitung. Diese Störung machte einen sicheren Badebetrieb unmöglich und erzwang eine vorübergehende Schließung des Bads. Die Reparaturen konnten jedoch schneller als erwartet abgeschlossen werden, sodass das Bad bereits um 10 Uhr wieder geöffnet war.

Für Frühschwimmer wurde ein Ausweichbetrieb ins Freibad Milchborntal organisiert, wo zwei zusätzliche Rettungsschwimmer eingesetzt wurden. Dieser Vorfall illustriert die Notwendigkeit redundanter Systeme und schneller Reaktionsketten, um Betriebsausfälle zu minimieren.

Die Sanierung des Kinderplanschbeckens: Ein Lehrbeispiel

Ausgangslage und Probleme

Das Kinderplanschbecken im Kombibad Paffrath war über drei Jahre gesperrt. Seit August 2022 war es geschlossen, weil undichte Stellen und eine marode Untergrundkonstruktion erneuert werden mussten. Die technischen Ursachen – undichte Stellen, unzureichende Untergrundkonstruktion – zeigen die Sensibilität von Beckenabdichtungen und Fundamentierungen in Freibereichen.

Verzögerungen durch Vertragsprobleme

Die Sanierung sollte ursprünglich sehr viel schneller erfolgen. Probleme mit der ersten ausführenden Firma führten jedoch zu erheblichen Verzögerungen. Laut Bäderbetriebsgesellschaft kam es zu mangelhafter Ausführung der Arbeiten, gefolgt von einem Rechtsstreit, der die Sanierung ausbremste.

Diese Verzögerung verdeutlicht die Bedeutung belastbarer Vertragswerke und transparenter Abnahmeverfahren. Die langfristige Stabilität von Beckenabdichtungen hängt unmittelbar mit Materialwahl, Bauausführung und Qualitätskontrolle zusammen.

Neueröffnung und Kosten

Schließlich wurde das Projekt an einen neuen Anbieter vergeben. Das fehlerhafte Becken wurde abgerissen und ein neues eingebaut. Das neue Kleinkindbecken hat rund 300.000 Euro gekostet und verfügt über eine Wasserfläche von 120 Quadratmetern mit zwei Rutschen und zahlreichen neuen Wasserspielgeräten. Die Neueröffnung erfolgte im Oktober 2025.

Der neue Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft, Nico van der Lucht, betonte, dass man sich sehr freue, den Familien in Bergisch Gladbach wieder ein attraktives und sicheres Angebot für die Jüngsten bieten zu können.

Technische Aspekte der Sanierung

Beckenabdichtungen und Fundamentierungen

Die Probleme beim Kinderplanschbecken unterstreichen die Sensibilität von Beckenabdichtungen und Fundamentierungen in Freibereichen. Marode Untergrundkonstruktionen und undichte Stellen können zu erheblichen Schäden führen, die eine vollständige Erneuerung erforderlich machen. Die langfristige Stabilität hängt unmittelbar von der Materialwahl, der Bauausführung und der Qualitätskontrolle ab.

Wasseraufbereitung und Steuerungstechnik

Der Vorfall mit den defekten Steuerungsmodulen der Wasseraufbereitung zeigt die Bedeutung robuster technischer Systeme. Ein Stromausfall führte zu einem Ausfall der Module, was einen sicheren Betrieb unmöglich machte. Dieser Fall illustriert die Relevanz von Redundanzen in kritischen Steuerungssystemen.

Für Betreiber und Planer in der Bäder- und Immobilienbranche ist der Fall Paffrath ein Lehrbeispiel dafür, dass späte Modernisierung zwar überfällig sein kann, aber durch stringente Governance, vorausschauende Technikplanung und klare Qualitätsprozesse zu einem tragfähigen Ergebnis führt.

Betrieb bei laufendem Schwimmbad

Die Modernisierung des Außenbereichs fand bei laufendem Schwimmbadbetrieb statt. Dies erforderte eine sorgfältige Koordination. Die Planungsbüros mussten nicht nur technisches Know-how, sondern auch Erfahrung in der Koordination von Baustellen im laufenden Betrieb mitbringen.

Betrieb und Nutzung: Außen- und Innenbereich im Jahresverlauf

Das Kombibad Paffrath ist ganzjährig in Betrieb. Das Hallenbad stellt den Winterbetrieb sicher, während die Außenbecken in der kalten Jahreszeit geschlossen sind. Im Sommer stehen die drei Außenbecken für Besucher bereit; Riesenrutsche und Kleinkinderrutsche ziehen Familien an. Die großzügigen Liegewiesen und Parklandschaften sind zentrale Erholungsbereiche. Das 50-Meter-Außenschwimmbecken ist insbesondere für sportliche Nutzer attraktiv.

Der Innenbereich bietet zusätzlich 25-Meter-Schwimmbahnen, Lehrschwimmbecken, Kinderplanschbecken sowie Sauna und Solarium. Diese Kombination ermöglicht eine ganzjährige Nutzung und spricht verschiedene Zielgruppen an.

Lehren und Empfehlungen für Sanierungsprojekte

Frühzeitige Planung und realistische Zeitrahmen

Die zentrale Lehre aus dem Kombibad Paffrath ist, dass Modernisierungsmaßnahmen frühzeitig angestoßen, phasenweise geplant und mit realistischen Zeit- und Budgetrahmen versehen werden sollten. Der Entscheidungsweg zur Modernisierung beruht auf einem langen Planungshorizont und dem Erkenntnisprozess, dass umfassende Erneuerungen notwendig sind.

Bedeutung von Qualitätsmanagement und Vertragswerken

Der Fall des Kinderplanschbeckens unterstreicht die Bedeutung von Vertragsqualität und Rechtssicherheit. Transparente Abnahmeverfahren und belastbare Vertragswerke sind Schlüsselelemente für erfolgreiche Sanierungsprojekte. Die Verzögerung durch Rechtsstreitigkeiten verdeutlicht, dass mangelhafte Ausführung zu erheblichen Mehrkosten und Zeitverlusten führen kann.

Redundanzen in kritischen Systemen

Der Vorfall mit den defekten Steuerungsmodulen zeigt, dass Redundanzen in kritischen Systemen notwendig sind. Schnelle Reaktions- und Kommunikationsketten sind essenziell, um Betriebsausfälle zu minimieren und Sicherheit zu gewährleisten. Aus Betreibersicht zeigt sich, dass即便 bei hoher Planungsqualität unvorhergesehene technische Ausfälle auftreten können und dass Pannenkonzepte essenziell sind.

Kommunikation und Ausweichbetrieb

Die Organisation eines Ausweichbetriebs im Freibad Milchborntal mit zusätzlichen Rettungsschwimmern illustriert die Notwendigkeit transparenter Kommunikation bei Betriebsstörungen. Für Betreiber ist es wichtig, dass Besucher frühzeitig informiert werden und dass Alternativen angeboten werden.

Rolle der kommunalen Steuerung

Die Betreiberstruktur als städtisches Unternehmen ist ein relevanter Faktor. Kommunale Steuerung kann strategische Kohärenz sichern, erfordert aber zugleich solide Ressourcenplanung und Governance, um Modernisierungsprojekte termingerecht und qualitätsgesichert umzusetzen.

Zusammenfassung der technischen und organisatorischen Herausforderungen

Die Sanierung des Kombibads Paffrath zeigt eine Vielzahl von Herausforderungen:

  1. Alterung der Infrastruktur: Über 40 Jahre Betrieb ohne umfassende Modernisierung führten zu erheblichen Mängeln.
  2. Komplexität der Planung: Die Notwendigkeit, bei laufendem Betrieb zu sanieren, erfordert hohe Planungsqualität.
  3. Technische Störungen: Defekte Steuerungsmodule der Wasseraufbereitung führten zu temporären Schließungen.
  4. Qualitätsprobleme bei Ausführung: Mangelhafte Ausführung beim Kinderplanschbecken führte zu Rechtsstreitigkeiten und erheblichen Verzögerungen.
  5. Kostenexplosion: Die Sanierung des Kinderplanschbeckens kostete 300.000 Euro, deutlich mehr als ursprünglich geplant.
  6. Organisatorische Maßnahmen: Ausweichbetriebe, zusätzliche Rettungsschwimmer und schnelle Reparaturdurchführung sind notwendig.

Fazit

Das Kombibad Paffrath verbindet historische Bedeutung mit den Herausforderungen einer alternden Infrastruktur. Die Sanierung des Außenbereichs ab 2019 und des Innenbereichs 2020 zeigen, dass umfassende Erneuerungen notwendig sind, aber durch stringente Governance, vorausschauende Technikplanung und klare Qualitätsprozesse zu einem tragfähigen Ergebnis führen können.

Die Kombination aus Innen- und Außenbereich, ergänzt um Sauna und Kursangeboten, schafft einen ganzjährigen Nutzen für Familien, Vereine und Schulen. Operative Ereignisse – wie die defekten Steuerungsmodule der Wasseraufbereitung – machen deutlich, dass technische Systeme robust und wartungsfreundlich ausgelegt werden müssen. Der Fall der Kinderplanschbecken-Sanierung unterstreicht die Bedeutung von Vertragsqualität und Rechtssicherheit.

Für Betreiber und Planer in der Bäder- und Immobilienbranche ist der Fall Paffrath ein Lehrbeispiel dafür, dass späte Modernisierung zwar überfällig sein kann, aber durch stringente Governance, vorausschauende Technikplanung und klare Qualitätsprozesse zu einem tragfähigen Ergebnis führt. Die zentrale Lehre lautet: Modernisierungsmaßnahmen sollten frühzeitig angestoßen, phasenweise geplant und mit realistischen Zeit- und Budgetrahmen versehen werden. Darüber hinaus sind Redundanzen in kritischen Systemen, transparente Kommunikation bei Betriebsstörungen und belastbare Vertragswerke Schlüsselelemente für erfolgreiche Sanierungsprojekte im Freizeit- und Sportbereich.

Quellen

  1. Austrasse Zuerich Blog
  2. Paffrath Gl
  3. Rundschau Online
  4. In Gl

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