Sanierung und Denkmalschutz: Eine Analyse am Beispiel der Alten Kongresshalle und der Feldherrnhalle in München

Einleitung

Die Denkmalpflege und die Sanierung historischer Gebäude sind zentrale Themen in der modernen Bauwirtschaft. Sie verlangen einen sensiblen Umgang mit architektonischem Erbe bei gleichzeitiger Anpassung an zeitgemäße technische und nutzerische Anforderungen. Zwei herausragende Beispiele aus München, die Alte Kongresshalle und die Feldherrnhalle, illustrieren die verschiedenen Facetten dieser Herausforderung. Während die Alte Kongresshalle eine gelungene Transformation von einem Messesitz zu einer hochmodernen Eventlocation durchlaufen hat, befindet sich die Feldherrnhalle erst am Anfang eines umfangreichen Sanierungsprozesses. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, wirtschaftlichen und denkmalpflegerischen Aspekte dieser Projekte, wobei die Informationen ausschließlich auf den vorliegenden Quellen basieren.

Die Alte Kongresshalle: Vom Messesaal zur modernen Kulturstätte

Architektonischer Hintergrund und Bedeutung

Die Alte Kongresshalle ist ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Errichtet wurde das Gebäude in den Jahren 1952 und 1953. Die Planung oblag den Architekten Ernst Etzold, Emil Freymuth und Josef Strobl. Ihre Bauweise wird in den vorliegenden Texten als "retrofuturistisch" beschrieben, ein Stil, der in der Nachkriegszeit für einen funktionalen und zukunftsgerichteten Baustil stand.

Das Gebäude liegt an der Theresienwiese im Stadtteil Schwanthalerhöhe und war ursprünglich Teil des Messegeländes der Messe München. Bis 1998 diente es als Veranstaltungszentrum der Messe und war zur Zeit seiner Eröffnung die größte Halle ihrer Art in Deutschland. Nach dem Umzug der Messe nach Riem blieb die Halle als architektonisches Denkmal erhalten, während viele andere Hallen des Areals abgerissen wurden.

Die Sanierung durch die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung

Ein entscheidender Wendepunkt für die Erhaltung des Gebäudes war die Übernahme durch die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung im Jahr 2004. Die Stiftung leitete eine umfassende Sanierung und Modernisierung ein, die 2007 abgeschlossen wurde. Das Ziel war es, das Gebäude denkmalgerecht zu renovieren und technisch auf den neuesten Stand zu bringen, ohne seinen charakteristischen ursprünglichen Charakter zu zerstören.

Die Sanierung konzentrierte sich darauf, die architektonischen Elemente der 1950er Jahre zu erhalten. Dazu gehören die klare, geradlinige Fassade, die riesigen Spinnenlampen im Innenraum sowie die Holzvertäfelungen. Der Innenhof wurde freigelegt und nach den originalen Plänen der 1950er Jahre neu bepflanzt, was das architektonische Ensemble vervollständigt.

Technische Ausstattung und Nutzungsflexibilität

Durch die Sanierung wurde die Alte Kongresshalle zu einem vielseitigen Veranstaltungsort. Die Quellen betonen, dass das Gebäude nun über neueste Technik verfügt, die es ermöglicht, unterschiedlichste Events individuell umzusetzen.

Die räumlichen Kapazitäten sind beeindruckend: * Der Hauptsaal: Bietet Platz für bis zu 850 Personen und verfügt über eine Optimalisierung für Konzerte, Tagungen und Kongresse. Die Akustik wird als "hervorragend" beschrieben, was die Eignung für musikalische Darbietungen unterstreicht. * Empore und Galerie: Der Saal besitzt eine Empore, und die Eingangshalle umfasst eine Galerie von 265 Quadratmetern. Diese Bereiche eignen sich besonders für kleinere Feiern, Privatpartys oder Firmenveranstaltungen. * Bühne: Die Bühne ist 162 Quadratmeter groß und hat einen direkten Zugang zu einem Seitenflügel-Séparée. * Foyer und Innenhof: Das beeindruckende Foyer dient als repräsentativer Ort für Galaabende, Premieren und Empfänge. Auch der Innenhof ist für Events ausgerichtet.

Die Nutzungspalette reicht von kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen im öffentlichen und privaten Rahmen bis hin zu Messen, Ausstellungen und Galas. Die Kombination aus retrofuturistischem Flair und modernster Technik macht die Location einzigartig in München.

Die Kongressbar als Teil des Ensembles

Zum Ensemble der Kongresshalle gehört auch die Kongressbar, die sich im ehemaligen Teehaus befindet. Auch sie ist ein Beispiel für die gelungene Konservierung des ursprünglichen Stils der 1950er Jahre, was die Gesamtwirkung des Areals als historische Location verstärkt.

Die Feldherrnhalle: Beginn einer umfangreichen Restaurierung

Ausgangslage und Notwendigkeit der Sanierung

Während die Alte Kongresshalle ihre Sanierung bereits erfolgreich abgeschlossen hat, steht die Feldherrnhalle am Odeonsplatz vor einem großen Eingriff. Die Feldherrnhalle ist ein herausgehobenes Baukunstwerk und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Münchens. Aufgrund ihres Alters und der starken Beanspruchung war eine umfangreiche Instandsetzung überfällig.

Laut den vorliegenden Informationen hat die Sanierung offiziell begonnen, wobei die Baufreigabe durch den Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtags erteilt wurde. Die Projektleitung liegt beim Staatlichen Bauamt München 1.

Zeitplan und Kosten

Die Sanierung der Feldherrnhalle ist ein langfristiges und finanziell aufwendiges Projekt. * Dauer: Die Arbeiten werden laut Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat etwa drei Jahre dauern. * Kosten: Die geschätzten Kosten belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Konkret werden in den Quellen rund 12,2 Millionen Euro genannt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass das Projekt Verzögerungen erlitten hat. Ursprünglich sollte die Sanierung bereits 2025 abgeschlossen sein. Verzögerungen durch die Corona-Pandemie und einen zunächst unvorhergesehenen Zusatzaufwand führten dazu, dass der Baustelleneintrag erst 2025 erfolgen soll, wobei die Arbeiten voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres beginnen.

Umfang der Baumaßnahmen

Die Sanierung ist technisch anspruchsvoll und umfasst mehrere Bereiche, um die dauerhafte Standsicherheit und die optische Substanz des Bauwerks zu gewährleisten.

Statik und Tragwerk

Ein Schwerpunkt der Maßnahme ist die statische Sicherung. Da es sich um ein Gewölbe mit Pfeilern handelt, ist eine statische Ertüchtigung der Eisenkonstruktion erforderlich, um die Standsicherheit langfristig zu gewährleisten. Auch die umlaufende Balustrade muss statisch gesichert werden.

Fassade und Oberflächen

Die Instandsetzung sämtlicher Natursteinoberflächen stellt einen weiteren Kernpunkt dar. Dies umfasst: * Eine Neuverputzung und Neufassung der Putzflächen an der Rückwand. * Die Restaurierung der drei Großbronzen im Halleninneren. * Die Restaurierung der markanten Löwenstandbilder aus Naturstein, die die Zugangstreppe flankieren. Diese Marmorlöwen wurden 1905 von Wilhelm Ruemann geschaffen und sollen ihren ursprünglichen Glanz zurückerhalten.

Dach und Boden

Auch das Dach der Feldherrnhalle wird saniert. Im Podium wird zudem ein neuer, dichter Belag aus geschliffenem Gussasphaltestrich eingebaut. Dies geschieht in Anlehnung an den historischen Asphaltbelag.

Historische Einordnung und Denkmalschutz

Die Feldherrnhalle erinnert mit ihren Bronzeplastiken von Ferdinand von Miller dem Jüngeren an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die drei Großbronzen und die Löwen sind integraler Bestandteil des Denkmalschutzes. Der Eingriff erfolgt daher unter strengen denkmalpflegerischen Auflagen, um die historische Substanz zu bewahren.

Vergleich der Sanierungsansätze

Beide Projekte, die Sanierung der Alten Kongresshalle und die der Feldherrnhalle, zeigen, wie komplex der Erhalt historischer Bauten in einer modernen Großstadt ist.

Unterschiedliche Ausgangslagen

Die Alte Kongresshalle war ein Gebäude, das nach dem Ende seiner ursprünglichen Nutzung (Messe) eine neue Funktion als Kultur- und Veranstaltungsort suchte. Die Sanierung 2007 war daher eine Transformation, die eine technische Umrüstung für neue Nutzungsgruppen (Konzerte, Galas) erforderte. Der Fokus lag auf der Modernisierung bei gleichzeitiger Stilisierung des ursprünglichen Charmes.

Die Feldherrnhalle hingegen ist ein stark frequentiertes Denkmal im öffentlichen Raum, das primär seiner ursprünglichen Funktion als architektonisches Wahrzeichen und Denkmal dient. Die Sanierung ist hier reine Instandhaltung und Sicherung der Substanz gegen Witterung und Alterung, ohne eine Änderung der Nutzung. Die Herausforderung liegt in der Sicherung der Statik und der Restaurierung von Kunstwerken (Bronzen, Löwen), die fest mit dem Bauwerk verbunden sind.

Wirtschaftliche Aspekte

Beide Projekte zeigen, dass Denkmalschutz teuer ist. Die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung investierte erhebliche Mittel, um die Alte Kongresshalle wieder nutzbar zu machen. Der Freistaat Bayern investiert nun über 12 Millionen Euro in die Feldherrnhalle. Für Bauherren und Investoren in der Denkmalpflege bedeutet dies, dass die Kosten oft schwer zu kalkulieren sind (Stichwort: unvorhergesehener Zusatzaufwand bei der Feldherrnhalle).

Fazit

Die Beispiele der Alten Kongresshalle und der Feldherrnhalle in München verdeutlichen die Bedeutung professioneller Planung und Durchführung bei Sanierungen im denkmalgeschützten Bestand. Die Alte Kongresshalle ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Revitalisierung, bei der die Wahrung des architektonischen Erbes der 1950er Jahre mit modernster Technik und hoher Nutzungsflexibilität kombiniert wurde. Sie steht heute als lebendiger Ort für Kultur und Gesellschaft.

Die Feldherrnhalle befindet sich dagegen in einer kritischen Phase der Erhaltungssicherung. Die komplexen statischen und restauratorischen Maßnahmen unterstreichen die Anforderungen an die moderne Denkmalpflege. Für Bauingenieure und Handwerker zeigt das Projekt, wie wichtig die exakte Analyse der Bausubstanz und die Kenntnis historischer Materialien und Konstruktionsweisen sind. Beide Bauwerke sind essentielle Bestandteile des Stadtbildes von München, deren Pflege und Erhaltung für die Zukunft von unschätzbarem Wert ist.

Quellen

  1. Alte Kongresshalle
  2. Werner Pietschmann
  3. In München
  4. München.de
  5. Tz.de

Ähnliche Beiträge