Die Erneuerung der elektrischen Installation in einem älteren Gebäude ist eine der kritischsten und komplexesten Aufgaben bei einer Modernisierung. Viele Bestandsimmobilien verfügen über veraltete Leitungsnetze, die den heutigen Anforderungen an Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz nicht mehr gerecht werden. Neben der reinen Sicherheitsrelevanz – etwa dem Schutz vor Brandgefahr durch überlastete Leitungen – spielt die Integration moderner Technologien eine zunehmend wichtige Rolle. Doch die Finanzierung einer solchen Sanierung stellt viele Eigentümer vor Herausforderungen.
Dieser Artikel beleuchtet die Kostenstruktur einer Elektrosanierung, geht auf die notwendigen Planungsschritte ein und stellt die vielfältigen Möglichkeiten der staatlichen Förderung und steuerlichen Absetzbarkeit dar. Wir basieren unseren Ratgeber ausschließlich auf den vorliegenden Informationen zu Preisen, Förderprogrammen und Vorgehensweisen.
Die Kostenstruktur einer Elektrosanierung verstehen
Die Kosten für die Erneuerung der Elektrik variieren stark und hängen von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere davon, ob es sich um einen Neubau oder eine Sanierung im Bestand handelt. Während im Neubau die Elektroinstallation oft zwischen 80 und 90 Euro pro Quadratmeter liegt, sind die Preise bei einer Altbausanierung deutlich höher.
Laut den vorliegenden Daten müssen Eigentümer bei einer Teil- oder Vollsanierung im Altbau mit Kosten zwischen 80 und 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern kann demnach Ausgaben von 11.000 bis 12.500 Euro verursachen. Bei einer hochwertigen Ausstattung oder komplexen Anforderungen können die Kosten auch mehr als 20.000 Euro betragen.
Materialkosten und Nebenkosten
Neben den Arbeitsleistungen fallen Materialkosten an. Für die grundlegenden Komponenten sind folgende Preisspannen zu berücksichtigen:
- Stromkabel: 0,50 bis 1 Euro pro Meter
- Leerrohre: 0,30 bis 1 Euro pro Stück
- Steckdosen: 3 bis 10 Euro pro Stück (abhängig von Hersteller und Design)
- Schaltersteckdosen: 0,50 bis 1 Euro pro Stück
Zusätzlich zu den reinen Installationskosten fallen Kosten für Entsorgung und Prüfung an. Alte Kabel, Schalter, Sicherungskästen und Steckdosen müssen fachgerecht entsorgt werden. Die Entsorgungskosten belaufen sich typischerweise auf 200 bis 500 Euro, können bei größeren Projekten oder schadstoffbelasteten Materialien (z. B. in sehr alten Installationen) jedoch höher ausfallen.
Eine gesetzlich vorgeschriebene Abnahme und Prüfung der neuen Installation durch eine Elektrofachkraft ist zwingend erforderlich. Diese kostet zusätzlich 150 bis 400 Euro. Die Prüfung umfasst die Isolationsmessung, die Messung der Erdungswiderstände und die Funktionsprüfung aller Schutzeinrichtungen. Die Dokumentation der Prüfung ist wichtig für Versicherungen und bei einem späteren Verkauf der Immobilie.
Sollte ein Starkstromanschluss nachträglich verlegt werden, um höheren Leistungsbedarf zu decken, sind Kosten zwischen 100 und 500 Euro einzuplanen.
Planung einer energetischen Sanierung
Eine energetische Sanierung, bei der die Elektrik oft als Teilmaßnahme oder Vorbereitung für Smart-Home-Systeme anfällt, sollte strukturiert erfolgen. Gerade wenn Fördermittel beantragt werden sollen, ist es sinnvoll, von Anfang an einen Experten hinzuzuziehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Planung gliedert sich in zwei wesentliche Schritte:
- Energetische Schwachstellen ermitteln: Zertifizierte Energieeffizienz-Experten führen eine Bestandsaufnahme durch, ermitteln den Sanierungsbedarf und erstellen einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Dieser Plan dient als Grundlage für die weitere Planung und ist oft Voraussetzung für bestimmte Förderprogramme.
- Maßnahmen planen, Angebote einholen und Kosten kalkulieren: Die Maßnahmen können in einer kompletten Kernsanierung gebündelt oder einzeln durchgeführt werden. Der iSFP dient hierbei als Leitfaden.
Besonders bei der Elektrosanierung kann eine Energieberatung im Vorfeld sinnvoll sein, da aufgezeigt wird, welche Maßnahmen notwendig sind und wie die Elektrikerneuerung optimal mit anderen Sanierungsmaßnahmen (z. B. Dämmung, Fenstertausch) kombiniert werden kann. Die Kosten für eine solche Energieberatung werden mit bis zu 80 Prozent bezuschusst.
Staatliche Förderung und Finanzierung
Die hohen Kosten für die Erneuerung der Elektrik können eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Es gibt jedoch verschiedene Fördermöglichkeiten, die die Investition erleichtern können. Wichtig ist zu beachten, dass die reine Elektrikerneuerung nicht direkt gefördert wird. Sie profitieren jedoch von günstigen Krediten oder Zuschüssen, wenn die Maßnahme Teil einer umfassenden energetischen Sanierung ist oder wenn Smart-Home-Technologien zur Energieeinsparung integriert werden.
KfW-Programme (Kreditanstalt für Wiederaufbau)
Die KfW bietet verschiedene Programme für die Sanierung von Wohngebäuden an.
- Programm 261 „Wohngebäude – Kredit“: Dieses Programm bietet zinsgünstige Darlehen für die Sanierung zum Effizienzhaus. Pro Wohneinheit können bis zu 150.000 Euro beantragt werden. Ein Tilgungszuschuss von bis zu 45 Prozent ist möglich. Dieser Zuschuss reduziert die Kreditsumme, die zurückgezahlt werden muss.
- Förderung von Smart-Home-Systemen: Wenn eine bestehende Immobilie mit einem Smart-Home-System ausgestattet wird, das auf Einbruchschutz und Barrierefreiheit ausgelegt ist, oder wenn ein solches System im Zuge einer energetischen Sanierung integriert wird, stehen ebenfalls Kreditprogramme zur Verfügung. Wichtig: Der Antrag muss vor dem Einbau gestellt werden.
BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
Für Einzelmaßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch oder Heizung steht die Förderung über das BAFA zur Verfügung. Zwar wird die reine Elektrik hier nicht explizit genannt, aber als Teil eines Gesamtpakets (z. B. im individuellen Sanierungsfahrplan) können Zuschüsse beantragt werden. Wer Maßnahmen nach einem iSFP umsetzt, erhält zusätzlich einen 5-prozentigen Bonus auf die BAFA-Zuschüsse.
Steuerliche Absetzbarkeit
Seit 2020 können energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutzten Immobilien steuerlich geltend gemacht werden (§ 35c EStG). Über einen Zeitraum von drei Jahren können 20 Prozent der Kosten, maximal 40.000 Euro, von der Steuerschuld abgezogen werden. Es ist zu beachten, dass dies nur für Gebäude gilt, die älter als zehn Jahre sind, und die Maßnahme von einem Fachunternehmen durchgeführt werden muss.
Umlegung auf Mieter (für Vermieter)
Vermieter dürfen die Kosten energetischer Sanierungsmaßnahmen anteilig auf Mieter umlegen, aktuell bis zu 8 % der Kosten pro Jahr (§ 559 BGB). Voraussetzung ist, dass es sich um förderfähige, energetische Maßnahmen handelt und die Mieter ordnungsgemäß informiert wurden. Die Mieterhöhung darf eine Belastungsgrenze nicht überschreiten und muss sozial verträglich sein.
Eigenleistung bei der Elektroinstallation
Die Arbeitskosten lassen sich durch Eigenleistung ein wenig reduzieren. Es gibt jedoch nur bestimmte Aufgaben, die Laien problemlos übernehmen dürfen. Hierzu gehört beispielsweise die Elektroplanung. Eigentümer können ihren Grundriss nutzen und überlegen, wie sie die Räume zukünftig nutzen möchten und wo Anschlüsse benötigt werden. Die eigentliche Installation – das Verlegen der Kabel, Anschließen der Steckdosen und Sicherungskästen – muss jedoch durch eine Elektrofachkraft erfolgen, um die Sicherheit und die Gültigkeit der Prüfung zu gewährleisten.
Energetische Sanierung: Beispiele für Dämmung und Heizung
Um den Kontext der energetischen Sanierung zu verstehen, in den die Elektrik oft integriert ist, lohnt ein Blick auf typische Kosten für Dämmungs- und Heizungsmaßnahmen (Preise inklusive Montage):
- Dämmung des Dachs: ca. 70 bis 250 Euro pro Quadratmeter
- Dämmung der obersten Geschossfläche: ca. 30 bis 100 Euro pro Quadratmeter
- Dämmung der Fassade: ca. 30 bis 350 Euro pro Quadratmeter
- Dämmung der Kellerdecke: ca. 30 bis 250 Euro pro Quadratmeter
- Austausch der Fenster: ab ca. 500 Euro pro Stück
- Heizungstausch: ab ca. 15.000 Euro
Diese Maßnahmen sind oft Pflicht, um bestimmte Effizienzhaus-Standards zu erreichen, und greifen technische Mindeststandards, sobald größere Baumaßnahmen umgesetzt werden.
Lohnt sich die Investition?
Die Investitionskosten einer energetischen Sanierung, einschließlich der Elektrik, wirken auf den ersten Blick hoch. Dennoch amortisieren sich viele Maßnahmen innerhalb weniger Jahre. Die lange Sichtweise ist entscheidend: Durch deutlich geringere Heiz- und Energiekosten, die Ersparnis durch Fördermittel und steuerliche Entlastungen rentiert sich die Sanierung. Eine Durchrechnung der Wirtschaftlichkeit mit einem Energieberater vor Beginn der Maßnahmen wird empfohlen.
Fazit
Die Sanierung der Elektrik in einem Altbau ist eine Investition in Sicherheit und Zukunftsfähigkeit. Mit Kosten zwischen 80 und 150 Euro pro Quadratmeter im Bestand ist es ein finanziell relevantes Vorhaben. Durch die Integration in eine energetische Sanierung ergeben sich jedoch erhebliche Fördermöglichkeiten über KfW und BAFA sowie steuerliche Vorteile. Eine professionelle Planung durch Energieeffizienz-Experten und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften bei der Installation und Prüfung sind unerlässlich, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Förderfähigkeit zu sichern.