Der Neubau der Kreuzschule in Regensburg ist ein komplexes Bauvorhaben, das nicht nur architektonische und pädagogische Aspekte umfasst, sondern auch politische Diskussionen über Bauweisen und die Nutzung alter Gebäudestrukturen aufwirft. Für Immobilienbesitzer, Bauinteressierte und Handwerker bietet der Fall der Kreuzschule ein instruktives Beispiel für die Herausforderungen moderner Schulbauplanung, die Diskussion um nachhaltige Baumaterialien und die Planungsunsicherheiten bei der Sanierung von Bausubstanz. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten des Projekts, basierend auf den vorliegenden Informationen.
Der Realisierungswettbewerb und die architektonische Konzeption
Die Planung für den Neubau der Kreuzschule begann mit einem Realisierungswettbewerb, der von der Stadt Regensburg ausgelobt wurde. Im Jahr 2016 reichten 26 Teilnehmer ihre Entwürfe ein, und die Jury entschied sich am 4. März 2016 für einen Siegerentwurf. Der Siegerpreis ging an das Architektenbüro sdks aus Darmstadt. Ein weiterer Wettbewerbsbeitrag, der eine Anerkennung erhielt, stammte von den Architekten Gesswein Landschaftsarchitekten.
Die konzeptionelle Ausrichtung der Siegerarbeit zeichnet sich durch eine klare Strukturierung des Geländes aus. Das Areal wird logisch in drei Hauptzonen unterteilt: 1. Wohnen: Im Norden des Geländes ist die Wohnbebauung angesiedelt. 2. Schulnutzung mit Hort: Diese befindet sich im mittleren Bereich. 3. Freiflächen: Im Süden des Geländes liegen die Freiräume der Schule.
Ein markantes gestalterisches Element ist die Anordnung der Gebäude. Zwischen der geplanten Wohnbebauung und der schräg gestellten Schule entsteht ein keilförmiger Platz. Dieser dient als zentraler Erschließungspunkt und endet an der Prüfeninger Straße. An diesem Platz liegen sowohl der Haupteingang als auch der Ausgang der Quartiersgarage. Die Erschließung der einzelnen Schulnutzungen ist logisch und übersichtlich gestaltet, was eine gute Orientierung für die Nutzer gewährleisten soll.
Die Bebauung selbst gliedert sich in vier ablesbare Bausteine. Diese orientieren sich zusammen mit den Freianlagen zur südlichen Grundstücksgrenze. Besonderes Augenmerk wurde bei der Planung auf eine klare Struktur gelegt, um den Kindern eine gute Orientierung zu ermöglichen. Dieses Prinzip wird auch in der inneren Struktur der Gebäude verfolgt.
Das Gelände bietet optimale Voraussetzungen für eine Aufteilung in Grundstücksflächen für Schule, Hort und Sporthalle. Zudem sind ausreichend Flächen für ergänzenden Wohnungsbau vorgesehen. Die geplante 3- bis 4-geschossige Wohnbebauung im Norden und Osten arrondiert die Rückseiten der bestehenden Bebauung an der Prüfeningerstraße und zum Hochhaus hin. Zur Schule hin entsteht ein harmonischer Übergang durch einen neu geschaffenen, baumbestandenen Straßenraum. Der Wohnbau wird als aufgelockerte Straßenrandbebauung mit sogenannten Spännertypen und einer Tiefgarage interpretiert. Der Hort wird über eine neu geschaffene, verkehrsberuhigte Planstraße A im Norden erschlossen, was eine gute Erreichbarkeit aus allen Richtungen sicherstellt.
Die Diskussion um die Holzbauweise
Ein zentraler politischer Diskussionspunkt im Zuge der Planung war die Frage, ob der Schulneubau ganz oder teilweise in Holzbauweise realisiert werden kann. Die Fraktion der öDP (Ökologisch-Demokratische Partei) stellte hierzu einen Stadtratsantrag.
Argumente für die Holzbauweise: Laut dem Antrag hat sich die Bauweise mit Holz in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die Vorteile dieser Bauweise rücken zunehmend in den Fokus der öffentlichen Diskussion. In Regensburg gibt es bereits aktuelle Beispiele für den Einsatz von Holz im Schulbau: Der an die Grundschule Königswiesen angegliederte Kinderhort wird derzeit mit dem Baustoff Holz gebaut. Auch in anderen Städten, wie beispielsweise dem Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf bei Augsburg oder dem Erweiterungsbau der Ernst-Göbel-Schule in Höchst im Odenwald, wurden Schulneubauten oder -umbauten mit Holz realisiert.
Ein entscheidendes Argument für die Holzbauweise ist die Regelwerkssicherheit. Nach Angaben der Antragsteller ist die Holzbauweise mittlerweile keine ungewöhnliche Bauart mehr. Bauliche Risiken sollen entfallen, da die Bauweise als breit anerkannt in die entsprechenden Regelwerke aufgenommen ist. Dies bedeutet, dass keine besonderen Befreiungen oder komplizierte Zulassungen, insbesondere im Brandschutz, mehr erforderlich sein sollen.
Technische Kompatibilität und Prüfung: Die Antragsteller gingen auf Basis von Nachfragen bei Experten davon aus, dass der Siegerentwurf der Architekten sdks mit seinen mehrgliedrigen Lernhäusern, die über Gänge miteinander verbunden sind, mit der Holzbauweise kompatibel ist. Sie forderten die Verwaltung auf, dies zumindest zu prüfen. Der Antrag sah vor, dass die Verwaltung klären soll, ob der Neubau auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Jahnstadions in Holzbauweise umgesetzt werden kann und ob zusätzliche Fördermittel für diese Bauweise akquiriert werden können.
Der Zustand der alten Kreuzschule und die Zwischennutzung
Parallel zu den Planungen für den Neubau entstand eine Debatte über die Nutzung der alten Kreuzschule. Die Fraktion der Grünen stellte einen Antrag, eine Zwischennutzung des alten Gebäudes zu prüfen. Dies führte zu einer hitzigen Diskussion im Bildungsausschuss.
Hintergrund der Debatte: Die Stadtverwaltung prognostiziert steigende Schülerzahlen in den kommenden Jahren, was das ohnehin vorhandene Platzproblem in Regensburg verschärft. Die Idee einer temporären Weiternutzung der alten Schule fand inhaltlich parteiübergreifend Zustimmung, jedoch zeigten sich Zweifel an der Machbarkeit.
Das Problem Brandschutz: Ein Hauptargument gegen eine Zwischennutzung ist der Zustand des alten Schulgebäudes. Laut Aussage der Feuerwehr war der Zustand offenbar so bedenklich, dass die Nutzung nur noch gestattet wurde, weil der Neubau bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befand. Ein exaktes Urteil über die Brandschutzsituation konnte jedoch erst nach Vorliegen eines Brandschutzgutachtens gefällt werden. Verwaltungsvertreter merkten an, dass der Brandschutz auch bei einer abschnittsweise Nutzung „gar nicht so einfach“ sei. Es wurde kritisiert, dass ein Treppenhaus nicht isoliert von den oberen Stockwerken betrachtet werden kann. Zudem wurden Bedenken geäußert, dass durchgeführte Sanierungsmaßnahmen an der alten Substanz „nicht in ein paar Jahren obsolet werden“ dürften, wenn das Gebäude später generalsaniert wird, da die Maßnahmen zu teuer seien.
Politische Positionen: Die Grünen (vertreten durch Daniel Gaittet) zeigten sich verärgert über die Haltung der Verwaltung. Sie forderten konkrete Zahlen: „Wir wollen mit unserem Antrag wissen, was der Spatz in der Hand kostet.“ Die Generalsanierung der Kreuzschule wurde als „Taube auf dem Dach“ bezeichnet – ein Versprechen, dessen Einhaltung offen war. Sinnvolle Alternativlösungen wurden gefordert. Die Fraktion Brücke (Joachim Wolbergs) war von den Ausführungen der Verwaltung ebenfalls nicht überzeugt. Auch die FW (Freie Wähler, vertreten durch Günther Riepl) und die SPD (Evelyn Kolbe-Stockert) mischten sich in die Debatte ein, wobei letztere ein „ungeschriebenes Gesetz“ verletzt sah. Letztlich blieb die Frage nach einer temporären Nutzung offen, bis das Brandschutzgutachten vorlag.
Zusammenfassung der Bauweise und Planungsdaten
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen planerischen und baulichen Eckdaten des Projekts zusammen, soweit sie den vorliegenden Quellen entnommen werden können.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Projekt | Neubau einer Grundschule, Sporthalle und Kinderhort in Regensburg (Kreuzschule). |
| Standort | Regensburg, Gelände des ehemaligen Jahnstadions / Prüfeninger Straße. |
| Baujahr (Wettbewerb) | 2016. |
| Auslober | Stadt Regensburg. |
| Sieger (1. Preis) | sdks Architekten, Darmstadt. |
| Anerkennung | Gesswein Landschaftsarchitekten. |
| Bauweise (geplant/ursprünglich) | Massivbauweise (laut Wettbewerbsdaten). |
| Alternative Bauweise (diskutiert) | Holzbauweise (teilweise oder vollständig). |
| Gebäudestruktur | Vier ablesbare Bausteine, mehrgliedrige Lernhäuser, über Gänge verbunden. |
| Geländegliederung | Zonierung in Wohnen (Norden), Schule/Hort (Mitte), Freiflächen (Süden). |
| Erschließung | Haupteingang über keilförmigen Platz, Planstraße A für Hort (verkehrsberuhigt). |
| Wohnungsbau | 3-4 geschossig, aufgelockerte Straßenrandbebauung, Tiefgarage. |
| Freianlagen | „Grünpuffer“ zum Brauereigelände, Pausenhof. |
Fazit
Der Neubau der Kreuzschule in Regensburg ist ein Vorhaben, das die verschiedenen Aspekte modernen Bauens beleuchtet. Architektonisch setzt der Siegerentwurf auf eine klare, funktionale Struktur, die sowohl pädagogischen Anforderungen (Orientierung, Aufteilung in Lernhäuser) als auch städtebaulichen (Einbindung in den Blockrand, Erschließung) gerecht wird. Die Integration von Wohnraum und Schule in einem Areal spiegelt den Trend zu Quartiersentwicklung wider.
Die Diskussion um die Holzbauweise zeigt, wie sehr Nachhaltigkeit und moderne Bautechniken in den Fokus von Politik und Verwaltung rücken. Die Argumentation der Befürworter stützt sich auf die zunehmende Akzeptanz und Regelwerkssicherheit von Holzbauten, auch im öffentlichen Bereich. Für Bauherren und Planer in der Region ist es relevant zu wissen, dass solche Bauweisen auch für größere Projekte wie Schulen als realistische Optionen diskutiert und bereits umgesetzt werden.
Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Erhalt und der Nutzung der alten Bausubstanz machen deutlich, wie komplex Sanierungsprozesse sein können. Insbesondere der Brandschutz stellt bei alten Gebäuden oft ein kritisches Hindernis dar, das weitreichende Auswirkungen auf die Machbarkeit von Zwischennutzungen oder Teilsanierungen hat. Die Forderung nach Transparenz über Kosten und Nutzen solcher Maßnahmen, wie sie von den Grünen eingebracht wurde, ist für Eigentümer alter Immobilien eine nachvollziehbare Forderung.
Insgesamt bietet der Fall der Kreuzschule wertvolle Einblicke in die Planungs-, Entscheidungs- und Diskussionsprozesse eines modernen Schulbaus. Er verdeutlicht die Notwendigkeit, architektonische Visionen, technische Innovationen (Holzbau), rechtliche Vorgaben (Brandschutz) und politische Zielsetzungen (Nutzung alter Substanz) in Einklang zu bringen.