Generalsanierung des Kulturforums Steele: Ein umfassender Fachbericht zu Denkmalschutz, technischer Modernisierung und Kosten

Die Generalsanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes stellt Bauherren, Planer und Handwerker vor besondere Herausforderungen. Die Sanierung des Kulturforums Steele in Essen dient hierbei als praxisnahes Beispiel für die komplexen Anforderungen, die sich aus der Kombination von historischer Bausubstanz, modernen Nutzungskonzepten und technischen Standards ergeben. Nach einer über fünfjährigen Bauphase wurde das Gebäude im September 2024 feierlich wiedereröffnet. Dieser Fachbericht analysiert die durchgeführten Maßnahmen, die technischen Details und die Kostenstruktur, basierend auf den verfügbaren Pressemitteilungen und Projektdokumentationen.

Ausgangslage und Bedeutung des Projekts

Das Kulturforum Steele, ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1898, war nach mehreren Verzögerungen in der Sanierungsplanung dringend sanierungsbedürftig. Ursprünglich als Sparkasse errichtet, dient es heute als zentraler Veranstaltungsort für Bildungs-, kulturelle und soziale Angebote im Essener Stadtteil Steele. Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem schlechten baulichen Zustand und der Notwendigkeit, die Nutzung als Volkshochschule und Begegnungsstätte langfristig zu sichern.

Die Sanierung begann im Frühjahr 2020 und zog sich über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren hin. Die Verzögerungen im Projektverlauf waren unter anderem auf die Aufdeckung massiver, vorab nicht erkennbarer Schäden zurückzuführen, die erst nach dem Einrüsten des Gebäudes sichtbar wurden. Das Projekt unterstreicht die Bedeutung von detaillierten Voruntersuchungen bei Altbauten, auch wenn diese im Vorfeld nicht immer alle Schäden offenbaren können.

Technische Gebäudeausrüstung (TGA): Kompletterneuerung der Leitungsnetze

Ein Kernbestandteil der Generalsanierung war die vollständige Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung. Hierbei wurde ein Umfang realisiert, der für einen Denkmalsanierungsprozess dieser Größenordnung beispielhaft ist.

Elektro-, Daten- und Informationstechnik

Die Anforderungen an die digitale Infrastruktur haben sich seit der Erbauung des Hauses drastisch verändert. Um den modernen Nutzungsansprüchen der Volkshochschule und der Allgemeinheit gerecht zu werden, wurden alle Räume daten- und informationstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Ein Indiz für den immensen Aufwand ist die Verlegung von über 30 Kilometern neuer Kabel im Gebäudeinneren. Diese Maßnahme war essenziell, um eine der modernen Lehr- und Veranstaltungspraxis entsprechende Ausstattung zu gewährleisten. Quellen zufolge verfügt das Kulturforum nun über dieselbe Unterrichtstechnik und WLAN-Ausstattung wie das Hauptgebäude der Volkshochschule am Burgplatz.

Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik

Die Erneuerung der Rohrleitungen umfasste sowohl die Frischwasser- als auch die Abwasserleitungen. Zudem wurden die Heizungs- und Lüftungsanlagen komplett ausgetauscht. Die Verlegung von mehr als einem Kilometer neuen Rohrleitungen zeigt, dass hier keine punktuellen Reparaturen, sondern ein flächendeckender Austausch der Installationen stattfand. Besonders in historischen Gebäuden ist die Verlegung neuer Leitungen oft kompliziert, da die Deckendurchführungen und Wanddurchbrüche denkmalgerecht gesichert werden müssen.

Bausubstanz und Denkmalschutz: Instandsetzung von Fassade und Dach

Die Instandsetzung der äußeren Hülle war ein zentraler Aspekt der Sanierung, um die Bausubstanz langfristig zu erhalten und das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gebäudes wiederherzustellen.

Fassadeninstandsetzung

Bei der Sanierung des Ziegelmauerwerks der Fassade zeigten sich massive Schäden, die eine umfassende Instandsetzung erforderlich machten. Die Maßnahmen umfassten: * Erneuerung sämtlicher Fugen im Ziegelmauerwerk. * Austausch einzelner beschädigter Ziegel. * Reinigung der Fassade, um diese vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen. * Neuanstrich der Giebelfront. * Restaurierung der Schmucksäulen und Fenstereinfassungen im ersten Obergeschoss.

Diese Arbeiten sind essenziell, um die Haltbarkeit des Mauerwerks zu gewährleisten und Feuchtigkeitsschäden zu verhindern, die oft zu Bauschäden im Inneren führen.

Dachsanierung und Holzschutz

Die Sanierung des Daches war einer der aufwändigsten Bereiche. Beim Öffnen der Dachkonstruktion wurden schwere Schäden festgestellt: * Hausschwammbefall: An den tragenden Bauteilen wurde Hausschwamm festgestellt, was den vollständigen Austausch betroffener Holzbauteile erforderte. * Kriegsschäden: Es wurden noch vorhandene Kriegsschäden (Splitterschäden) an der Bausubstanz vorgefunden, die fachgerecht behoben werden mussten, um die Standsicherheit wiederherzustellen.

Im Zuge der Sanierung wurde der Dachstuhl komplett ersetzt. Die Dacheindeckung erfolgte denkmalgerecht wieder vollständig in Schiefer. Ein besonderes gestalterisches Merkmal sind die drei historischen Türmchen (Gaubentürmchen) im Dachbereich zur Dreiringstraße hin, die ihre ursprüngliche Form zurückerhielten und wiederaufgebaut wurden. Zudem wurde die Regenwasserentwässerung und der Blitzschutz komplett erneuert.

Brandschutz und Statik

Eingriffe in die Bausubstanz gehen oft mit erhöhten Anforderungen an den Brandschutz einher. Besonders relevant war dies im Zusammenhang mit dem Einbau eines Aufzugs, der eine barrierefreie Erschließung des Gebäudes ermöglicht. Um den Aufzug einzubauen, musste tief in die Bausubstanz eingegriffen werden. Decken wurden entfernt, erneuert oder mit dem erforderlichen Brandschutz wiederhergestellt. Auch die Zwischendecken wurden instandgesetzt und ertüchtigt. Die Sanierung umfasste zudem die Beseitigung von Schäden, die durch Hausschwamm und Kriegseinwirkungen an tragenden Bauteilen aufgetreten waren, um die dauerhafte Standsicherheit zu gewährleisten.

Innenraumsanierung und Erhalt historischer Elemente

Die Sanierung im Innenbereich versuchte, einen Balanceakt zwischen Denkmalschutz und moderner Nutzung zu vollziehen.

  • Historische Fliesen: In den Fluren des Gebäudes befinden sich historische Fliesen. Es wurde darauf geachtet, diese soweit wie möglich zu erhalten. Beschädigte Fliesen wurden durch originalgetreue Repliken ersetzt.
  • Trockenbau und Oberflächen: Der Trockenbau für Zwischenwände und Abhangdecken war in den Bereichen, in denen keine Installationsarbeiten mehr anstanden, abgeschlossen. In diesen fertigen Bereichen wurden bereits erste Anstriche aufgetragen und Tapeten angebracht. Die neuen Oberböden wurden eingebracht.
  • Haupteingang: Die Restaurierung des ehemaligen Haupteingangs, der heute nur noch als Notausgang dient, erfolgte als einer der letzten Schritte der Sanierung.

Barrierefreiheit und Außenanlagen

Ein wesentliches Ziel moderner Sanierungen ist die Schaffung barrierefreier Zugänge. Im Kulturforum Steele wurde dies durch den Einbau eines Aufzugs realisiert. Die letzte Phase der Arbeiten umfasste den Bau einer Rampe für den barrierefreien Zugang zum Aufzug sowie die Herstellung der Außenanlagen. Die Schaffung der Barrierefreiheit war ein entscheidendes Kriterium für die Wiedernutzung durch die Volkshochschule und die allgemeine Öffentlichkeit.

Kosten und Projektmanagement

Die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes ist mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Die Quellen nennen unterschiedliche, sich im Laufe der Zeit entwickelnde Kostensummen.

  • Anfangs wurden Kosten in Höhe von etwa 5,5 Millionen Euro genannt.
  • Im weiteren Verlauf und nach Abschluss der Arbeiten beliefen sich die Investitionen auf schlussendlich 5,88 Millionen Euro.

Die Kostensteigerung ist auf die im Laufe der Sanierung aufgedeckten umfangreichen Schäden zurückzuführen. Die endgültige Summe kann laut den vorliegenden Informationen erst nach Abschluss aller Rechnungsprüfungen beziffert werden. Dies ist ein üblicher Vorgang bei komplexen Bauprojekten, bei denen Nachträge und Zusatzleistungen die Kalkulation beeinflussen.

Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS)

Die Sanierung erfolgte eng abgestimmt mit der Volkshochschule Essen (VHS), die das Gebäude als Hauptnutzerin wiederbezieht. Die VHS wird das Kulturforum Steele mit einem breit gefächerten Kursprogramm nutzen. Konkret sind 100 Kurse in fünf Kursräumen geplant. Die Wiedereröffnung am 11. September 2024, an der Oberbürgermeister Thomas Kufen und VHS-Direktor Stephan Rinke teilnahmen, markierte den Start des regulären Betriebs. Die VHS betonte, dass die technische Ausstattung (Unterrichtstechnik, WLAN) nun auf dem Stand des Hauptgebäudes am Burgplatz ist.

Fazit

Die Generalsanierung des Kulturforums Steele ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Revitalisierung historischer Bausubstanz unter Einhaltung moderner technischer und nutzerbezogener Standards. Das Projekt zeigt, dass eine solche Sanierung weit über eine bloße Fassadenreinigung hinausgeht. Die vollständige Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung (über 30 km Kabel, über 1 km Rohrleitungen), die aufwändige Instandsetzung von Fassade und Dach unter Berücksichtigung von Denkmalschutz sowie die Beseitigung von Hausschwamm und Kriegsschäden erforderten eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Bausubstanz.

Die Gesamtkosten von rund 5,88 Millionen Euro unterstreichen den hohen finanziellen Aufwand, der für die Sicherung solcher Gebäude notwendig ist. Für Bauherren und Planer ist dieses Projekt ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass bei Sanierungen von Baudenkmälern immer mit unvorhergesehenen Schäden (wie Hausschwamm oder versteckte Fassadenschäden) kalkuliert werden muss. Das Ergebnis ist ein modernes, barrierefreies und technisch aufgerüstetes Gebäude, das als kultureller und bildungspolitischer Treffpunkt für den Stadtteil Steele eine neue Zukunft hat.

Quellen

  1. Stadt Essen: Generalsanierung des Kulturforums Steele fast abgeschlossen
  2. Grundsucher: Generalsanierung des Kulturforums Steele fast abgeschlossen
  3. Stadt Essen: Sanierung Kulturforum Steele
  4. WAZ: Fast fünf Jahre Sanierung - Kulturforum in Steele ist fertig
  5. Lokalkompass: VHS Essen nimmt Kursbetrieb im Kulturforum Steele offiziell auf
  6. Stadt Essen: Sanierung Kulturforum Steele (Aktuelle Schulen und Projekte)
  7. Supertipp Online: Essen-Kulturforum Steele feierlich eröffnet

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