Einleitung
Die Königstorpassage in Nürnberg steht seit Jahren im Fokus öffentlicher und behördlicher Aufmerksamkeit. Ursprünglich als unterirdische Verkehrs- und Einkaufspassage konzipiert, entwickelte sich der Ort im Laufe der Zeit zu einem städtebaulichen und sozialen Brennpunkt. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Pressemitteilungen und Presseberichten beleuchten ausschließlich Maßnahmen, die der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg sowie die Polizei zur Verbesserung der Situation ergriffen haben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf baulichen Veränderungen, die eine Einschränkung der Zugangsmöglichkeiten und eine Erhöhung der Kontrollierbarkeit zum Ziel haben. Des Weiteren wird die soziale Komplexität des Ortes beschrieben, die zu spezifischen sicherheitstechnischen Herausforderungen führt.
Dieser Artikel analysiert die ergriffenen Maßnahmen unter den Gesichtspunkten der Bau- und Renovierungstechnik, der Sicherheitstechnik im öffentlichen Raum und der städtebaulichen Entwicklung. Er richtet sich an Eigentümer, Bauherren und Fachleute im Bauwesen, die sich für die Sicherung und Sanierung von öffentlichen oder halböffentlichen Infrastrukturen interessieren.
Bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit
Eine zentrale Komponente der Sanierung der Königstorpassage war die Installation einer Toranlage. Diese Maßnahme wurde im Jahr 2018 umgesetzt, um die Kontrollierbarkeit des Bereichs zu gewährleisten.
Installation der Toranlage am westlichen Ausgang
Im April 2018 wurde am westlichen Ausgang der Königstorpassage zum Stadtgraben eine Toranlage installiert. Diese Maßnahme war Teil einer Serie von Schritten, die darauf abzielten, die Sicherheit in der Passage zu verbessern. Die Kosten für diese bauliche Veränderung beliefen sich auf rund 42.000 Euro.
Die Notwendigkeit dieser Installation ergab sich aus einer veränderten städtebaulichen Situation. Durch den Rückbau der Treppenanlage zum Handwerkerhof im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsplatzes verlor der westliche Zugang an ursprünglicher verkehrstechnischer Bedeutung. Stattdessen entwickelte sich dieser Bereich zu einem Treffpunkt für die Nürnberger Trinker- und Drogenszene. Die bauliche Maßnahme der Toranlage diente somit primär der Sicherung dieses spezifischen Zugangs.
Die Toranlage ermöglicht es, den Zugang aus dem Stadtgraben in die Königstorpassage zu kontrollieren. Laut den Informationen ist der Ausgang aus der Passage zum Stadtgraben weiterhin geöffnet, während der Zugang aus dem Stadtgraben nur noch über die Königstraße möglich ist. Diese einseitige Zugangsregulierung durch ein technisches Element ist ein klassisches Beispiel für Sicherheitsarchitektur (Security by Design), bei der bauliche Elemente genutzt werden, um Nutzungsverhalten zu steuern.
Schließung der Königstraßen-Unterführung
Eine weitere bauliche Maßnahme zur Reduzierung von unerwünschten Zugangswegen ist die Schließung der Königstraßen-Unterführung vor dem Künstlerhaus. Diese Treppenanlage diente als zusätzlicher Zugang zur Königstorpassage.
Die Entscheidung zur Schließung wurde im Januar 2025 umgesetzt. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg verschloss den Abgang mittels einer Holzkonstruktion. Diese temporäre oder dauerhafte Barriere ist eine kostengünstige und effiziente Methode, um einen Bereich zu sichern, der seine ursprüngliche Funktion verloren hat.
Die Maßnahme wurde dadurch begründet, dass die Königstraße zur Fußgängerzone umgewidmet wurde und die unterirdische Treppenanlage dadurch überflüssig wurde. Zählungen ergaben, dass Passantinnen und Passanten die Treppenanlage äußerst selten nutzten, da der oberirdische Zugang zur Königstorpassage über die Rampe am Handwerkerhof bevorzugt wurde. Aus bautechnischer Sicht ist die Schließung eines ungenutzten Zugangs eine sinnvolle Maßnahme zur Reduzierung von Wartungskosten und zur Erhöhung der Sicherheit, indem potenzielle Flucht- oder Zugangsrouten eliminiert werden.
Sicherheitskonzepte und Präsenzmanagement
Neben den physischen baulichen Veränderungen spielt das Management der sozialen Interaktion eine entscheidende Rolle bei der Sanierung des Areals. Die Quellen beschreiben die Einrichtung einer Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „KöPa“ im Jahr 2017.
Einrichtung der BAO „KöPa“
Die BAO (Besondere Aufbauorganisation) wurde 2017 ins Leben gerufen, um den Fokus der Sicherheitsbehörden auf die problematische Situation in der Königstorpassage zu lenken. Die Organisation steht unter der Leitung von Polizeioberkommissar Rainer Brandl. Ziel der BAO ist es, die Attraktivität der Passage für alle Bürger zu gewährleisten.
Das Konzept basiert auf Präsenz und Dialog. Das Team geht auf Streife, sucht den Dialog mit den Aufenthaltsuchenden und erteilt bei Bedarf Platzverweise. Dieses Engagement wird als notwendig erachtet, da die statistische Erfassung von Straftaten die Verbesserung der Situation nur bedingt wiedergeben kann. Der Leiter der BAO betont, dass sich die Qualität der Delikte verändert habe. Massenschlägereien, wie sie im Mai 2020 mit 40 Jugendlichen stattfanden, sind kaum noch vorhanden.
Analyse der Nutzergruppen und sozialer Spannungen
Die Sanierung eines Gebietes erfordert ein Verständnis der dort vorherrschenden Nutzergruppen. Die Quellen beschreiben die Königstorpassage als Begegnungsort sehr unterschiedlicher Milieus. Es treffen aufeinander: * Obdachlose aus Osteuropa * Finanziell gescheiterte Menschen aus aller Welt * Betrunkenes Partyvolk * Pendler * Reiche und Arme
Diese Konstellation führt zu Spannungen. Die Sanierung beschränkt sich hier nicht nur auf den Einsatz von Zement und Stahl, sondern muss auch soziale Spannungen abbauen. Die BAO versucht, durch Präsenz die Passage für jeden attraktiv zu halten. Ein Polizeioberkommissar zitiert, dass die Qualität der Verwahrlosung neu sei. Dies unterstreicht, dass sich die Problematik gewandelt hat und bauliche Maßnahmen allein nicht ausreichen.
Bewertung der Zustände aus Sicht der Anwohner und Händler
Die Sanierung und Renovierung eines Areals muss immer auch die Perspektive der direkt Betroffenen einbeziehen. Die Presseberichte geben Einblick in die Wahrnehmung der Händler und Anwohner.
Wahrnehmung der "Verwahrlosung"
Im April 2024 wurde in einem Bericht der Zustand der Königstorpassage als "qualitativ neu" im Hinblick auf Verwahrlosung beschrieben. Händler äußerten sich zu den teilweise katastrophalen Zuständen. Diese Rückmeldungen sind entscheidend für den Erfolg von Sanierungsmaßnahmen. Wenn Händler, die den Ort wirtschaftlich nutzen, massive Probleme sehen, ist dies ein Indikator dafür, dass bauliche und organisatorische Maßnahmen greifen müssen.
Die Stadt Nürnberg hat das Ziel formuliert, gegen diese Zustände vorzugehen. Die Analyse der Quellen zeigt, dass dies ein fortlaufender Prozess ist, der sowohl bauliche Barrieren (Tore, Holzkonstruktionen) als auch personelle Präsenz (Streifen, Dialogarbeit) erfordert.
Fazit
Die Sanierung der Königstorpassage in Nürnberg ist ein komplexes Beispiel für die Sicherung und Renovierung von städtischer Infrastruktur. Die Maßnahmen, die in den Jahren 2018 bis 2025 umgesetzt wurden, konzentrieren sich auf zwei Hauptpfeiler: Bauliche Zugangsregulierung und organisatorische Präsenz.
Die Installation einer Toranlage für 42.000 Euro und die Schließung der Königstraßen-Unterführung durch eine Holzkonstruktion sind konkrete bauliche Eingriffe, die unerwünschte Nutzung eindämmen sollen. Diese Maßnahmen reagieren auf die veränderte städtebauliche Situation, insbesondere auf den Rückbau von Treppenanlagen und die Umwandlung von Straßen in Fußgängerzonen.
Gleichzeitig zeigt die Einrichtung der BAO „KöPa“, dass eine rein bauliche Sicherung nicht ausreicht. Die soziale Komplexität des Ortes, geprägt durch das Aufeinandertreffen unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen, erfordert eine kontinuierliche sicherheitstechnische Betreuung. Die Reduzierung von Massenschlägereien deutet auf Erfolge dieser dualen Strategie hin, auch wenn die visuelle Wahrnehmung von Verwahrlosung bei Händlern und Passanten weiterhin problematisch bleibt.
Für Bau- und Renovierungsexperten bietet die Königstorpassage eine Fallstudie dazu, wie physische Barrieren und soziale Managementstrategien kombiniert werden müssen, um die Nutzungsfähigkeit und Sicherheit von öffentlichen Räumen zu gewährleisten. Die Kosten und Aufwände, die hier betrieben werden, unterstreichen den Wert, den die Stadt Nürnberg in die Revitalisierung dieses urbanen Knotenpunktes legt.
Quellen
- Nürnberg: Toranlage in der Königstorpassage
- Nürnberg: Königstraßen-Unterführung vor dem Künstlerhaus wird geschlossen
- Unterführung geschlossen: Nürnberg macht Zugang zur Königstorpassage dicht
- So sehr hat sich die Königstorpassage verändert
- Die Königstorpassage in Nürnberg: Hier treffen Obdachlose aus Osteuropa auf finanziell gescheiterte Menschen
- Brennpunkt Königstorpassage in Nürnberg: „Die Qualität der Verwahrlosung ist neu“