Sanierung der Rebhangstraße und Im Gut in Bechtersbohl: Herausforderungen und Lösungen für eine historische Infrastruktur

Die Sanierung von Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur in historisch gewachsenen Ortskernen stellt Kommunen und Anwohner gleichermaßen vor komplexe Aufgaben. Im Ortsteil Bechtersbohl der Gemeinde Küssaberg steht ein umfangreiches Bauprojekt an, das die Erneuerung der Wasserversorgung, der Kanalisation und der Verkehrsflächen in den Straßenzügen „Rebhangstraße“ und „Im Gut“ zum Ziel hat. Dieses Vorhaben verdeutlicht die Notwendigkeit, veraltete Systeme zu modernisieren, um die Lebensqualität zu erhalten und die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, logistischen und wirtschaftlichen Aspekte dieser komplexen Sanierungsmaßnahme.

Die Ausgangslage: Historische Bausubstanz und moderne Anforderungen

Die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung in Bechtersbohl ergibt sich aus dem Zustand der dortigen Infrastruktur, die teilweise aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt. Laut der vorliegenden Informationen wurde die erste zentrale Wasserversorgung des Ortsteils im Jahr 1932 errichtet. Obwohl das zugehörige Pumpgebäude nicht mehr in Betrieb ist, gehen Experten davon aus, dass Teile der Wasserversorgung im Rebhang noch aus dieser Ära stammen. Ein derart hohes Alter der Leitungen führt unweigerlich zu Materialermüdung und Schäden, die eine Sanierung unumgänglich machen.

Die Probleme beschränken sich nicht nur auf die Wasserversorgung. Auch die Kanalisation weist gravierende Mängel auf. Berichte zufolge ist die Entwässerung an vielen Stellen defekt, Wurzeleinwuchs hat die Rohre beschädigt und die Kapazität ist bei Starkregenereignissen schnell erschöpft. Diese „prekäre Situation“ erfordert ein koordiniertes Vorgehen, bei dem nicht nur die Rohre ersetzt, sondern die gesamte Systematik der Untergrundversorgung auf den Prüfstand gestellt wird. Für die rund 50 Bürger, die in den beiden Straßen wohnen, und die etwa 303 Einwohner des gesamten Ortsteils bedeutet der Zustand der Infrastruktur eine erhebliche Beeinträchtigung.

Projektumfang und technische Maßnahmen

Das Sanierungsprojekt in Bechtersbohl ist als klassisches Tief- und Straßenbauprojekt konzipiert, bei dem die Arbeiten im Untergrund Vorrang vor der Oberflächengestaltung haben. Der Umfang der Maßnahmen ist erheblich und umfasst mehrere Gewerke.

Im Kanal- und Rohrleitungsbereich sind folgende Eingriffe geplant: * Beseitigung von Schadstellen: Lokale Defekte in den Leitungen werden repariert. * Aufdimensionierung der Rohre: Um die Abflusskapazitäten zu erhöhen, werden größere Rohrquerschnichte verbaut. * Verlegung neuer Leitungen: Die alten, teilweise seit 1932 bestehenden Wasserleitungen werden durch moderne Systeme ersetzt. * Umlagerung von Stromleitungen: Ein bedeutender zusätzlicher Aspekt ist die Verlegung der Stromleitungen. Bisher verlaufen diese noch oberirdisch über Dachträger. Die Sanierung nutzt die Gelegenheit, diese Leitungen in den Boden zu verlegen (Erdleitungen), was die Ästhetik des Ortsbildes verbessert und die Anfälligkeit für Witterungseinflüsse reduziert.

Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben, einschließlich der Ingenieurleistungen, werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Die Firma Schleith GmbH aus Waldshut-Tiengen wurde mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt, deren Volumen sich auf gut eine Million Euro beläuft.

Verkehrstechnische Herausforderungen: Rebhangstraße und Im Gut

Die Topographie und die historische Anlage der Straßen in Bechtersbohl erschweren die Sanierung erheblich. Beide Straßenzüge sind sehr schmal geschnitten, was den Einsatz von Baumaschinen logistisch anspruchsvoll macht und die Bewegungsfreiheit stark einschränkt.

Die Rebhangstraße: Es handelt sich hierbei um eine Kreisstraße, die als historische Verbindungsstraße von Bechtersbohl nach Küssnacht dient. Sie wird intensiv genutzt; täglich passieren bis zu 800 Autos die enge Trasse, vor allem morgens zwischen 7 und 8 Uhr sowie im Feierabendverkehr. Für die Anwohner ist dieser Durchgangsverkehr eine Belastung. Als Reaktion darauf plant die Gemeinde im Zuge der Sanierung eine Verkehrsberuhigung. Konkret ist eine Aufpflasterung mit einer Anrampung von 1:7 am Ortsausgang Richtung Küssnacht vorgesehen. Diese Maßnahme soll Autofahrer animieren, die Talstraße als Alternativroute zu nutzen. Zum Vergleich: In anderen Ortsteilen der Gemeinde (Ettikon und Rheinheim) wurden ähnliche Maßnahmen mit Anrampungen von 1:4 bzw. 1:10 umgesetzt.

Die Straße „Im Gut“: Diese Straße stellt eine besondere logistische Herausforderung dar, da es sich um eine Sackgasse handelt. Während die Rebhangstraße von zwei Seiten erreichbar bleibt (wenn auch zeitweise eingeschränkt), wird die Zufahrt zu „Im Gut“ während der Bauarbeiten nur bis zum jeweiligen Baustellenstandort möglich sein. Dies betrifft direkt zwei ansässige Firmen, Semitron und Keller Elektronik, die auf die tägliche Erreichbarkeit für Zulieferer und Paketdienste angewiesen sind. Die Gemeindeverwaltung hat zugesichert, Lösungsvorschläge für diese Unternehmen zu erarbeiten.

Finanzielle Lastenverteilung und Förderung

Die Finanzierung eines solchen Projekts ist komplex, da die Zuständigkeiten für verschiedene Aspekte der Straße bei unterschiedlichen Trägern liegen.

  • Kreisstraße (Rebhangstraße): Die Kosten für die eigentlichen Straßenarbeiten (Oberbau, Verkehrsflächen) trägt der Landkreis, da es sich um eine Kreisstraße handelt.
  • Gemeindestraße (Im Gut) und Untergrund: Die Gemeinde Küssaberg muss die Untergrundarbeiten (Tiefbau, Rohrleitungen) finanzieren. Dies umfasst die Erneuerung von Wasser- und Abwasserleitungen sowie die Verlegung der Stromnetze.

Ein zusätzlicher finanzieller Aspekt ergibt sich aus dem Status der Gemeinde Küssaberg. Mit dem Sanierungsgebiet „Ortskern Kadelburg II“ wurde die Gemeinde in das Landessanierungsprogramm aufgenommen. Dieser Satzungsbeschluss aus dem Jahr 2016 eröffnet Eigentümern innerhalb des definierten Gebiets die Möglichkeit, Fördergelder für die Modernisierung ihrer Gebäude in Anspruch zu nehmen. Obwohl sich das Programm primär auf Gebäude bezieht, ist der Status als Sanierungsgebiet oft auch förderlich für die Koordination und Unterstützung von Infrastrukturmaßnahmen.

Logistik und Kommunikation: Das Management der Baustelle

Eine Baustelle in engen, beengten Straßen betrifft nicht nur die Bewohner direkt, sondern auch die angrenzenden Gewerbebetriebe. Die Gemeinde Küssaberg und das beauftragte Ingenieurbüro Tillig aus Dogern (vertreten durch Ralf Mülhaupt) legen großen Wert auf eine frühzeitige und transparente Kommunikation.

Es fanden bereits eine Bürgerinformationsveranstaltung im März sowie eine erste Bürgerversammlung statt. Ziel war es, die Anwohner frühzeitig in das Projekt zu involvieren und die Dringlichkeit der Arbeiten zu erläutern. Bürgermeister Manfred Weber betont, dass ein funktionierendes Trinkwassernetz und eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung zu den grundlegenden Aufgaben einer Gemeinde gehören und man seit Jahren an deren Verbesserung arbeite.

Eine zweite Bürgerversammlung ist für den 7. Februar geplant, kurz vor dem geplanten Baubeginn. Hier sollen konkrete Informationen zum Ablauf und zu den Lösungen für die logistischen Herausforderungen (z.B. für die Sackgasse „Im Gut“) gegeben werden. Der Baubeginn ist voraussichtlich Ende Februar, sofern die Wetterverhältnisse es zulassen, und die Fertigstellung ist für Ende des Jahres geplant.

Zusammenfassung der Herausforderungen

Das Projekt in Bechtersbohl lässt sich als Musterbeispiel für die Sanierung alter Dorfkerpen betrachten. Die zentralen Herausforderungen sind: 1. Alter der Infrastruktur: Teile der Wasserversorgung stammen aus den 1930er Jahren. 2. Beengtheit: Die Straßen sind sehr schmal, was den Baumaschineneinsatz erschwert. 3. Verkehr: Die Rebhangstraße ist eine stark genutzte Verbindungsstraße, deren Sperrung oder Einschränkung den Verkehrsfluss beeinträchtigt. 4. Wirtschaftlichkeit: Gewerbebetriebe in der Sackgasse „Im Gut“ sind auf Zufahrt angewiesen. 5. Kosten: Das Projektvolumen beläuft sich auf ca. 1,2 Millionen Euro, wobei die Lasten zwischen Landkreis und Gemeinde geteilt werden.

Fazit

Die Sanierung der Rebhangstraße und der Straße „Im Gut“ in Bechtersbohl ist ein notwendiges und umfangreiches Infrastrukturprojekt. Es adressiert massive Mängel in der Wasserversorgung und Kanalisation, die teilweise aus dem Jahr 1932 stammen. Durch die Verlegung von Stromleitungen unterirdisch und die Aufpflasterung der Rebhangstraße zur Verkehrsberuhigung werden zudem die Lebensqualität und die Sicherheit der Bewohner nachhaltig verbessert.

Das Projekt verdeutlicht die Komplexität von Sanierungen in historischen Ortskernen. Die enge Abstimmung zwischen Gemeinde, Landkreis, Ingenieurbüro und den betroffenen Anwohnern und Gewerbetreibenden ist entscheidend für den Erfolg. Die geplanten Maßnahmen, unterstützt durch das Landessanierungsprogramm, zeigen einen strukturierten Ansatz, um die Infrastruktur des Ortsteils für die Zukunft zu sichern. Für Bauherren und Interessenten am Immobilienmarkt in Bechtersbohl unterstreicht die Maßnahme zudem das Engagement der Gemeinde in die Instandhaltung der lokalen Infrastruktur.

Quellen

  1. Südkurier: Arbeiten können bald beginnen – Küßaberg gibt Freigabe zu Strassensanierungen
  2. Küssaberg.info: Landessanierungsprogramm
  3. Südkurier: Die Situation im Wasserversorgungsbereich und beim Abwasser in Bechtersbohl ist prekär
  4. Südkurier: Die Gemeinde Küßaberg steht mit schwierigem Sanierungsprojekt in Bechtersbohl vor einer größeren Herausforderung

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