Die Landesstraße L758, bekannt als Extertalstraße, bildet eine wesentliche Verkehrsader in der Region Ostwestfalen-Lippe und verbindet Städte wie Barntrup, Extertal und Rinteln. Aufgrund ihres Alters und der hohen Verkehrsbelastung ist eine grundlegende Sanierung unumgänglich geworden. In den kommenden Monaten sind umfangreiche Baumaßnahmen geplant, die nicht nur die Verkehrsführung erheblich beeinflussen, sondern auch langfristig die Sicherheit und Qualität der Infrastruktur verbessern sollen. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Details, die zeitliche Planung und die organisatorischen Herausforderungen dieser umfangreichen Renovierungsarbeiten, die sich über mehrere Abschnitte und sogar über Landesgrenzen hinweg erstrecken.
Die Sanierungsmaßnahmen der Straßen.NRW in der Region Lippe
Ein Großteil der geplanten Arbeiten wird von der Straßen.NRW, Regionalniederlassung OWL, durchgeführt. Diese Baumaßnahmen konzentrieren sich auf einen rund sieben Kilometer langen Abschnitt der L758, der sich zwischen Alverdissen und Bösingfeld erstreckt. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf approximately 2,3 Millionen Euro, wobei die Firma Eurovia als Auftragnehmer fungiert.
Technische Durchführung und Bauabschnitte
Die Sanierung umfasst primär die Erneuerung des Fahrbahnbelags. Auf der gesamten Länge der sieben Kilometer wird der alte Belag abgefräst und durch einen neuen ersetzt. Um die Verkehrsführung während der Bauarbeiten so zu gewährleisten wie möglich, wird die Baustrecke in insgesamt sechs Bauabschnitte unterteilt. Diese Unterteilung ist notwendig, da eine Sperrung der gesamten Strecke zu erheblichen Umleitungen führen würde und eine Bearbeitung in einem Stück logistisch nicht zu bewältigen ist.
Die genaue Unterteilung der Bauabschnitte gestaltet sich wie folgt:
- Bauabschnitt 1: Der Abschnitt beginnt kurz vor der Einmündung des Hellenweges (Bushaltestelle Schmalental), südlich von Alverdissen, und verläuft auf etwa 720 Metern bis zur Einmündung Helle (Abzweig nach Alverdissen).
- Bauabschnitt 2: Dieser Abschnitt schließt direkt an und führt von der Einmündung Helle bis zum Anschluss der Humfelder Straße. Die Länge beträgt hier 1,3 Kilometer.
- Bauabschnitt 3: Mit einer Länge von etwa 4,7 Kilometern stellt dieser Abschnitt den längsten Teil der Sanierung dar. Er startet am Ende von Bauabschnitt 2 und reicht bis kurz vor die Kreuzung der L861 (Sternberger Straße) in Bösingfeld.
- Bauabschnitt 4: In diesem Abschnitt wird der Kreuzungsbereich der L758 mit der L861 in Bösingfeld saniert.
- Bauabschnitt 5: Dieser Abschnitt umfasst Maßnahmen auf etwa 300 Metern Länge. Hierbei handelt es sich um den Bau eines Geh- und Radweges sowie einer Querungshilfe in Höhe von Eimke am Campingplatz.
- Bauabschnitt 6: Der letzte Abschnitt befindet sich in Bösingfeld. Hier wird ein Geh- und Radweg auf etwa 200 Metern Länge südlich der Einmündung des Papenwegs errichtet.
Die Arbeiten an den Bauabschnitten 1, 4, 5 und 6 sind Teil der Sanierung, während die Abschnitte 2 und 3 primär der Fahrbahnerneuerung dienen. Die Gesamtmaßnahme soll laut Planung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Verkehrstechnische Auswirkungen und Sperrungen
Während der Sanierung kommt es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Da die Bauarbeiten auf der Fahrbahn stattfinden, ist eine vollständige Sperrung der jeweiligen Abschnitte erforderlich. Die genauen Zeitpläne für die einzelnen Abschnitte werden von Straßen.NRW nicht detailliert veröffentlicht, jedoch steht fest, dass die Arbeiten Anfang Juni beginnen.
Für Anwohner und Pendler ist es wichtig zu wissen, dass die Verkehrsführung während der Bauphase dynamisch an die jeweiligen Abschnitte angepasst wird. Die Baustelle wird in der Regel so eingerichtet, dass der Verkehr – soweit möglich – auf die Gegenfahrbahn umgeleitet wird, was zu einer Fahrbahnverengung und eventuell zu Schlangenbildungen führen kann. Eine vollständige Sperrung ganzer Streckenabschnitte ist jedoch unvermeidbar, um die Sicherheit der Arbeiter und die Qualität der Arbeiten zu gewährleisten.
Erweiterung um Radinfrastruktur: Eine wichtige Säule der Verkehrswende
Neben der reinen Instandsetzung der Fahrbahn spielt der Ausbau der Radinfrastruktur eine zunehmend wichtige Rolle. Die Quellen weisen auf zwei getrennte, aber thematisch verwandte Projekte hin, die die Attraktivität des Radverkehrs entlang der L758 erhöhen sollen.
Lückenschluss zwischen Barntrup und Rinteln
Ein Bürgerantrag (Code: LIPPS-2023-08-108) thematisiert eine bestehende Lücke im Radwegenetz entlang der L758. Aktuell gibt es auf dem etwa neun Kilometer langen Abschnitt zwischen Rinteln und Barntrup keine durchgängige Rad- und Fußwegverbindung. Bestehende gut ausgebaute Radwege enden an der Ortseingangsgrenze von Bösingfeld. Radfahrer sind gezwungen, den Seitenstreifen der L758 zu nutzen, bis sie bei Silixen wieder auf einen gut ausgebauten Radweg treffen. Der Antrag fordert den Schließen dieser Lücke. Die Vorteile wären vielfältig: * Verbindung von Ortschaften: Dörfer wie Nalhof könnten besser mit Bösingfeld verbunden werden, ohne dass die Anwohner auf ein Auto angewiesen sind. * Touristische Aufwertung: Die Situation mit parkenden Autos an touristischen Zielen wie dem Patensteig könnte sich entspannen, wenn Besucher verstärkt das Fahrrad nutzen könnten. * Sicherheit: Eine separate Radinfrastruktur erhöht die Sicherheit für Radfahrer erheblich, da sie nicht mehr auf der Fahrbahn mit dem motorisierten Verkehr konkurrieren müssen.
Dieser Antrag zeigt den Bedarf an einer ganzheitlichen Verkehrsplanung, die nicht nur den Autoverkehr, sondern auch den Radverkehr priorisiert.
Maßnahmen in den Bauabschnitten 5 und 6
Die konkrete Umsetzung von Radwegen ist bereits in den Planungen von Straßen.NRW integriert. Wie in den Beschreibungen der Bauabschnitte 5 und 6 dargelegt, werden in diesem Zuge konkrete Neubauten von Geh- und Radwegen realisiert. * Bauabschnitt 5: Errichtung eines Geh-/Radweges (Länge ca. 300 m) und einer Querungshilfe in Höhe Eimke/Campingplatz. * Bauabschnitt 6: Bau eines Geh-/Radweges (Länge ca. 200 m) in Bösingfeld südlich des Papenwegs.
Diese Maßnahmen sind zwar punktuell, aber essenziell für die Sicherheit an kritischen Stellen und leisten einen Beitrag zur schrittweisen Verbesserung der Radinfrastruktur.
Langfristige Verkehrsplanung: Die Ortsumgehung Cappel
Die Sanierung der L758 ist Teil einer größeren Strategie zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in der Region. Quelle [5] liefert Einblicke in langfristige Planungen, die über die aktuelle Instandsetzung hinausgehen. Es geht um den Ausbau bzw. Neubau der L758 zwischen Detmold (B239) und Großenmarpe (Ostwestfalenstraße).
Hintergrund und Zielsetzung
Bereits frühe Überlegungen zur Linienfindung der L758n zeigten, dass ein Ausbau der bestehenden L758 zwischen Detmold und Cappel aufgrund der "naturräumlichen Gegebenheiten und des umfangreichen Anbaus" nicht zweckmäßig ist. Die bestehende Bebauung und die Topografie machen eine Neuverlegung der Trasse notwendig, um den Verkehrsfluss langfristig zu sichern und zu verbessern.
Der Streckenabschnitt wird daher in drei Teilabschnitte gegliedert: 1. Ortsumgehung Vahlhausen 2. K78 (Ausbau des vorhandenen Streckenzuges mit einem Geh-/Radweg und Aufstufung zur Landesstraße L758) 3. Ortsumgehung Cappel
Die Ortsumgehung Cappel
Besonders hervorzuheben ist der Neubau der Ortsumgehung Cappel, der in Dringlichkeitsstufe 1 des Landesstraßenbedarfsplans aufgenommen wurde. Ziel ist es, eine möglichst umweltverträgliche Streckenführung zu finden. Nach einem langwierigen Abwägungsprozess zwischen 1990 und 2005 wurde die "Variante 09.01 optimiert" als beste Lösung identifiziert. Diese Variante beginnt am Ausbauende der L758 (Ortsumgehung Großenmarpe), östlich der Ortschaft Cappel, und schwenkt von dort nach Süden. Diese Planungen zeigen, dass die L758 nicht nur eine regionale Verbindung ist, sondern Teil einer übergeordneten Verkehrsinfrastruktur, deren Weiterentwicklung kontinuierlich vorangetrieben wird.
Weitere Sanierungen im niedersächsischen Abschnitt (L 435)
Die Bedeutung der Extertalstraße erstreckt sich über Landesgrenzen hinaus. Während der Abschnitt in der Lippe-Region von Straßen.NRW saniert wird, finden gleichzeitig umfangreiche Arbeiten auf einer benachbarten Strecke im niedersächsischen Abschnitt statt. Quelle [7] berichtet von Sanierungsarbeiten auf der Landesstraße 435 zwischen Exten und Krankenhagen.
Vollsperrung und technische Details
Ab Montag, dem 2. September, bis voraussichtlich Ende Oktober kommt es hier zu Vollsperrungen. Grund sind Sanierungsarbeiten an der Fahrbahn und dem anliegenden Radweg. Die Sanierung kann aufgrund der geringen Fahrbahnbreiten aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nur unter vollständiger Sperrung erfolgen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit solcher Maßnahmen für die Sicherheit der Bauarbeiter.
Aufteilung und Umleitungen
Die Arbeiten werden in zwei Abschnitte unterteilt: * Erster Abschnitt (2. September bis Ende September): Reicht vom Kreuzungsbereich Behrenstraße/Extertalstraße in Exten bis zur Einmündung Silixer Straße/Kreisstraße 80 in Krankenhagen. * Zweiter Abschnitt (7. Oktober bis Ende Oktober): Reicht vom Kreuzungsbereich Behrenstraße/Extertalstraße bis zum Einmündungsbereich der L 435 und der Kasseler Straße vor Krankenhagen.
Während der Bauarbeiten gelten folgende Umleitungsstrecken: * Für den ersten Abschnitt: Die Umleitung führt über Krankenhagen (Silixer Straße) nach Möllenbeck auf die Bundesstraße 238 bis zur Anschlussstelle Rinteln Mitte (Extertalstraße). * Für den zweiten Abschnitt: Zusätzlich wird die Auf- und Abfahrt Rinteln Mitte gesperrt.
Interessant ist, dass die Bauarbeiten an den Tagen vor und nach dem Tag der Deutschen Einheit ruhen, was auf eine Koordination mit Feiertagen und eventuell erhöhtem Verkehrsaufkommen hindeutet.
Zusammenfassung der Verkehrsführung und Planungshinweise für Anwohner und Pendler
Die Koordination der verschiedenen Baustellen erfordert eine sorgfältige Planung seitens der Verkehrsteilnehmer. Während in der Region Lippe (Abschnitt Alverdissen-Bösingfeld) ab Juni gearbeitet wird, stehen in Niedersachsen (Abschnitt Exten-Krankenhagen) die Monate September und Oktober im Vordergrund.
Empfehlungen für die Praxis
Für Anwohner, Pendler und insbesondere für Bauunternehmen, die in der Region tätig sind, ergeben sich folgende strategische Überlegungen:
- Nutzung von Alternativrouten: Da die Umleitungen über die B238, B66, B83 und B1 führen, müssen Lieferanten und Dienstleister ihre Routenplanung entsprechend anpassen. Die westliche Umleitung (U13) führt von Exten über Lemgo nach Barntrup, die östliche (U10) von Rinteln über Hameln nach Barntrup. Diese Routen sind deutlich länger und können zu Verzögerungen führen.
- Zeitmanagement: Besonders während der Vollsperrungen im niedersächsischen Abschnitt im September und Oktober sind massive Verkehrsbehinderungen vorprogrammiert. Die Fahrzeiten werden sich deutlich verlängern.
- Information der Kunden: Handwerksbetriebe sollten ihre Kunden im Vorfeld über die Baustellen informieren, um Verspätungen zu vermeiden und Missverständnisse zu vermeiden.
- Beachtung der Lichtzeichenanlagen: An der Kreuzung L758/K55 im ersten Bauabschnitt der Straßen.NRW-Sanierung wird eine Lichtzeichenanlage aufgestellt. Hier ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten.
Die Rolle der Bauabschnitte bei der Minimierung der Beeinträchtigungen
Die Unterteilung in sechs Bauabschnitte bei der Straßen.NRW ist ein klassisches Beispiel für eine gute Baustellenlogistik. Indem man den Verkehr nur auf kurzen Abschnitten umleitet oder halbseitig sperrt, bleibt die Strecke für den Verkehr grundsätzlich offen. Dies reduziert die Belastung für die Anwohner. Allerdings bedeutet die Unterteilung auch, dass sich die Baustelle ständig verlagert und die Verkehrsführung regelmäßig angepasst werden muss. Für Pendler ist es daher ratsam, sich regelmäßig über den aktuellen Stand zu informieren.
Fazit
Die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der L758 (Extertalstraße) sind ein notwendiges Investitionsprojekt, um die Verkehrssicherheit und die Qualität der Infrastruktur in der Region zu gewährleisten. Die Maßnahmen der Straßen.NRW zwischen Alverdissen und Bösingfeld sowie die Arbeiten an der L435 zwischen Exten und Krankenhagen stellen zwar eine erhebliche Belastung für den täglichen Verkehr dar, sind aber unverzichtbar für die Instandhaltung dieser wichtigen Verkehrsadern.
Besonders hervorzuheben ist die Integration von Radinfrastruktur in den Sanierungsplänen. Der Bau von Geh- und Radwegen in den Abschnitten 5 und 6 sowie die politische Diskussion über den Lückenschluss zwischen Barntrup und Rinteln zeigen, dass die Verkehrsplanung zunehmend multimodal ausgerichtet ist. Gleichzeitig verdeutlichen die langfristigen Planungen für die Ortsumgehung Cappel, dass die Region auf eine wachsende Verkehrsbelastung vorbereitet wird.
Für Bauunternehmen, Handwerker und Pendler bedeutet dies in den kommenden Monaten: Planung ist alles. Die Kenntnis der Umleitungsstrecken (U13 und U10 im Norden, B238 im Osten) und die Einhaltung der Sperrzeiten sind entscheidend, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden und die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Trotz der temporären Einschränkungen ist das Projekt ein Gewinn für die gesamte Region, da es die Basis für eine moderne, sichere und vielfältige Verkehrsinfrastruktur schafft.
Quellen
- LZ.de: Sanierung der Extertalstraße beginnt
- Stadt Barntrup: Sanierung der L758 zwischen Barntrup und Extertal
- Stadt Barntrup: Bekanntmachungen - Sanierung der L758
- Rinteln-aktuell.de: Sanierung der Extertalstraße bis Bösingfeld
- Straßen.NRW.de: Neubau der Ortsumgehung Cappel
- Lippe-mitgestalten.de: Radweg Bösingfeld-Rinteln entlang der L758
- Rinteln-aktuell.de: Vollsperrung zwischen Exten und Krankenhagen