Sanierung von Leichtathletik- und Kunstrasenanlagen: Nachhaltigkeit und Modernisierung im Georg-Gaßmann-Stadion

Die Sanierung von Sportstätten stellt eine zentrale Aufgabe für Kommunen und Vereine dar, um den steigenden Anforderungen an Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Nutzerkomfort gerecht zu werden. Ein herausragendes Beispiel für eine umfassende Modernisierung ist das Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg. Die durchgeführten Maßnahmen an der Leichtathletikanlage und den Kunstrasenplätzen zeigen eindrucksvoll, wie durch gezielte Investitionen in moderne Materialien und Technologien die Lebensdauer von Sportflächen verlängert und ökologische Standards gesetzt werden können. Für Planer, Bauunternehmen und Eigentümer von Sportimmobilien liefert der Sanierungsprozess in Marburg wertvolle Erkenntnisse über die Verbindung von technischer Erneuerung, ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft.

Die Entwicklung des Georg-Gaßmann-Stadions

Das Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg ist weit mehr als nur eine reine Sportstätte; es ist ein zentraler Bestandteil der städtischen Infrastruktur und dient einer breiten Öffentlichkeit. Laut der zur Verfügung gestellten Informationen wurde das Stadion ursprünglich im Jahr 1967 erbaut und verfügt über eine Zuschauerkapazität von 15.000 Personen. Damit zählt es zu den größten Stadien Mittelhessens. Neben dem Hauptstadion mit seiner Leichtathletikanlage umfasst das Gelände weitere Freizeitsportfelder, einen Kunstrasenhockeyplatz, zusätzliche Kunstrasenspielfelder und sogar einen Skatepark (Source 5).

Eine erste signifikante Aufwertung der Anlage fand 1991 statt. Damals wurde die veraltete Aschenbahn durch eine moderne Kunststofflaufbahn ersetzt. Dieser Umbau markierte einen Wendepunkt in der Qualität der Leichtathletik-Möglichkeiten vor Ort (Source 1). Zwischen 2005 und 2014 durchlief das gesamte Areal eine grundlegende Sanierung und den Umbau in verschiedenen Abschnitten. Für diese Planungs- und Bauleistungen (Leistungsphasen 1-8) war die Arbeitsgemeinschaft aus dem Büro für Frei- und Sportanlagen, Gersmann, und den BPG Landschaftsarchitekten verantwortlich (Source 5). Diese langfristige Investition unterstreicht das Bestreben der Universitätsstadt Marburg, die Sportinfrastruktur langfristig zu erhalten und an moderne Standards anzupassen.

Sanierung der Leichtathletikanlage: Präzision und Normen

Die Leichtathletikanlage im Georg-Gaßmann-Stadion wird intensiv genutzt. Schätzungsweise 4.000 Schülerinnen und Schüler nutzen die Sportstätte im Rahmen des Schulsportunterrichts, zusätzlich zu den zahlreichen Vereinen und Freizeitsportlern (Source 1). Durch diese hohe frequentierung ist eine regelmäßige Instandhaltung unerlässlich.

Im Jahr der Sanierungsmaßnahmen wurde erneut Investitionen in die Laufbahn getätigt. Die Notwendigkeit ergab sich aus dem Verschleiß des Belags. Parallel zur physischen Erneuerung der Bahn wurde eine technisch wichtige Anpassung vorgenommen: die Neulinierung der Laufbahnen. Diese Orientierung an der aktuellen Norm des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) ist für den offiziellen Sportbetrieb essenziell (Source 1).

Die Sanierung der Laufbahn ist ein klassisches Beispiel für eine Bauaufgabe, bei der die Einhaltung strenger Vorgaben entscheidend ist. Der DLV legt nicht nur die Länge und Anzahl der Bahnen fest, sondern auch die Beschaffenheit des Untergrunds und des Belags sowie die Krümmung der Kurven. Eine fehlerhafte Linierung oder ein unebener Belag kann die Leistung beeinträchtigen und die Gefahr von Stürzen erhöhen. Die Tatsache, dass die Arbeiten nach einer Bauzeit von nur vier Wochen abgeschlossen waren, deutet auf ein gut geplantes Sanierungsmanagement hin. Nach Abschluss der Maßnahmen stand die Anlage dem Schul- und Vereinssport sowie der Allgemeinheit wieder uneingeschränkt zur Verfügung (Source 1).

Für Bauexperten zeigt dieser Teil der Sanierung, wie wichtig die Koordination zwischen verschiedenen Nutzergruppen (Schulen, Vereine) und der Stadtverwaltung ist. Die Wahl des Zeitpunkts und die Effizienz der Ausführung minimieren die Ausfallzeiten der Anlage, was für die Nutzer von großer Bedeutung ist.

Nachhaltige Sanierung von Kunstrasenplätzen: Innovation im Mittelpunkt

Ein Schwerpunkt der Modernisierung im Georg-Gaßmann-Stadion lag auf der Erneuerung der Kunstrasenflächen. Besonders hervorzuheben ist die Sanierung des Kunstrasenplatzes II, die als Modellprojekt für nachhaltige Sportplatzgestaltung dienen kann.

Der Bedarf an Sanierungsmaßnahmen

Die Kunstrasenplätze im Stadion sind aufgrund der hohen Nutzungsdichte einem starken Verschleiß ausgesetzt. Wie Stadträtin Kirsten Dinnebier betonte, nutzen sich Plätze, die so häufig bespielt werden, schneller ab. Aus diesem Grund war eine grundlegende Sanierung notwendig, um den Spielbetrieb sicherzustellen und den Sportlern weiterhin hochwertige Bedingungen zu bieten (Source 2, 3). Im Vorfeld der umfassenden Erneuerung wurden im Laufe des Jahres bereits kleinere Mängel und Ausbesserungen durch Fachfirmen vorgenommen, um den Spielbetrieb im Sommer aufrechtzuerhalten. Die Hauptbauphase begann im November und umfasste eine komplette Erneuerung des Platzes.

Technische Spezifikationen des neuen Belags

Die Sanierung des Kunstrasenplatzes II war technisch und ökologisch bemerkenswert. Es wurde ein innovativer, als "CO2-neutral" bezeichneter Fußballrasen verlegt. Diese Bezeichnung basiert auf der Materialzusammensetzung und der Produktionsweise. Laut den Informationen bestehen bis zu 70 Prozent der Fasern aus biobasiertem Kunststoff (Source 4, 6, 7). Biobasierte Kunststoffe sind Polymere, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden, was die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert und den CO2-Fußabdruck des Produkts verringert.

Ein weiteres technisches Merkmal ist die Verfüllung des Rasens. Es wurde Quarzsand verwendet. Quarzsand ist ein klassisches Füllmaterial für Kunstrasen, das für Stabilität und Spielverhalten sorgt. Neu ist jedoch eine installierte Technologie, die verhindert, dass Granulat beim Spielen austritt. Granulat-Austritte (oft kleinste Gummipartikel) sind ein umstrittenes Thema im Sport, da sie einerseits das Spielverhalten beeinflussen und andererseits ökologische Bedenken aufwerfen können. Die neue Technologie verspricht nicht nur eine Reduzierung von Umweltauswirkungen, sondern erleichtert auch die Pflege des Platzes (Source 6, 7).

Wirtschaftliche Aspekte und Zukunftsplanung

Die Kosten für die Sanierung des Kunstrasenplatzes II beliefen sich auf 250.000 Euro. Diese Summe spiegelt den Einsatz von Spezialmaterialien und moderner Technologie wider. Die Stadt Marburg plant bereits die Fortsetzung des Modernisierungsprogramms: Die Sanierung des Kunstrasenplatzes I ist für das Jahr 2025 vorgesehen, wofür ebenfalls 250.000 Euro eingeplant wurden (Source 4, 6, 7).

Diese langfristige Planung ist für Kommunen und Investoren von großer Bedeutung. Sie zeigt, dass Sanierungen nicht als einmalige Ereignisse betrachtet werden, sondern als kontinuierlicher Prozess der Instandhaltung und Optimierung. Die Investition in nachhaltige Materialien rechtfertigt die Kosten durch die längere Lebensdauer und die geringeren Umweltauswirkungen.

Ökologische Verantwortung im Bauwesen

Die Sanierung im Georg-Gaßmann-Stadion ist ein Praxisbeispiel für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen im Bauwesen. Die Entscheidung für einen CO2-neutralen Kunstrasen mit hohem Anteil biobasierter Fasern ist ein Schritt in Richtung einer ressourcenschonenden Bauwirtschaft.

Biobasierte Kunststoffe im Sportplatzbau

Der Einsatz von Materialien, die aus erneuerbaren Ressourcen hergestellt werden, gewinnt im Sportbau an Bedeutung. Traditionell basieren Kunstrasenfasern auf Erdöl. Der Wechsel zu biobasierten Alternativen reduziert den ökologischen Fußabdruck bereits in der Produktionsphase. Für Planer bedeutet dies, dass die Auswahl von Materialien zunehmend von ökologischen Kriterien beeinflusst wird, ohne dass Kompromisse bei der Qualität oder Spielbarkeit eingegangen werden müssen. Die Marburger Lösung zeigt, dass eine Kombination aus 70 Prozent biobasierten Fasern und Quarzsand funktioniert und dabei ein hohes technisches Niveau bietet.

Granulatmanagement und Umweltschutz

Das Problem des "Auswaschens" von Granulat aus Kunstrasensystemen ist ein großes Thema in der Diskussion um Mikroplastik. Die in Marburg implementierte Technologie zur Verhinderung von Granulat-Austritten adressiert dieses Problem direkt. Für die Bauausführung bedeutet dies, dass Systeme gewählt werden sollten, die eine feste Bindung des Füllmaterials gewährleisten. Dies dient nicht nur dem Schutz der Umwelt durch Vermeidung von Mikroplastik, sondern erhöht auch die Sicherheit auf dem Platz (weniger Rutschgefahr durch aufgewirbeltes Material) und senkt die langfristigen Unterhaltskosten (weniger Nachfüllarbeiten).

Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Planern und Ausführenden

Der Erfolg der Sanierung beruht auf einer engen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Parteien. Die Universitätsstadt Marburg als Bauherr, der Fachbereich Sport, Bäder und Gesundheit unter der Leitung von Björn Backes sowie die Fachdienst Sport und die ausführenden Firmen arbeiteten Hand in Hand.

Die Kommunikation mit den Nutzern – den Schulen, Vereinen und der Allgemeinheit – war dabei ebenso wichtig wie die technische Planung. Die Tatsache, dass die Anlage nach Abschluss der Arbeiten sofort wieder voll genutzt werden konnte, spricht für eine gute Terminplanung und Ausführung. Die Investitionen in die Sportstätten werden explizit als Beitrag zur Attraktivität des Sportstandorts Marburg gesehen. Innovative Plätze kommen sowohl Profi- als auch Amateursportlern zugute (Source 6, 7).

Fazit

Die Sanierungsmaßnahmen im Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg bieten ein umfassendes Bild moderner Baupraxis im Bereich Sportstätten. Zwei Kernbereiche stehen im Vordergrund: die technische Erneuerung der Leichtathletikanlage unter Einhaltung der Normen des Deutschen Leichtathletikverbandes und die nachhaltige Sanierung der Kunstrasenplätze.

Die Erneuerung der Laufbahn zeigt die Notwendigkeit regelmäßiger Instandhaltung bei intensiver Nutzung, um die Funktionalität und Sicherheit zu gewährleisten. Die Sanierung des Kunstrasenplatzes II stellt hingegen einen Technologietransfer dar. Durch den Einsatz von Kunstrasenfasern, die zu 70 Prozent aus biobasiertem Kunststoff bestehen, und einer neuen Technologie zur Verhinderung von Granulat-Austritten, wird ein ökologischer Führungsanspruch sichtbar. Die Investition von 250.000 Euro pro Platz unterstreicht den Wert, den die Stadt in die Nachhaltigkeit und Qualität der Sportinfrastruktur legt.

Für die Bau- und Immobilienbranche sind diese Entwicklungen ein Indikator dafür, dass die Anforderungen an Sportflächen steigen. Es geht nicht mehr nur um die reine Bauausführung, sondern um Materialinnovation, Umweltbilanz und langfristiges Ressourcenmanagement. Die Planung der Sanierung des Kunstrasenplatzes I für 2025 zeigt zudem, dass solche Projekte als strategische Investitionen in die städtische Daseinsvorsorge zu verstehen sind. Die Sanierung des Georg-Gaßmann-Stadions ist damit ein Musterbeispiel für eine gelungene Verbindung von technischer Exzellenz und ökologischer Verantwortung im modernen Bauwesen.

Quellen

  1. Sonntag-Morgenmagazin
  2. Marburg.de - Meldungen
  3. Sport Marburg
  4. Marbuch Verlag
  5. BPG Biebertal
  6. Marburg.de - Meldungen (Kopie)
  7. Sport Marburg (Kopie)

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