Legionellen in der Trinkwasserinstallation: Ursachen, Sanierungsmaßnahmen und Prävention für Immobilieneigentümer

Einleitung

Das Vorhandensein von Legionellen im Trinkwasser stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, insbesondere für ältere, kranke oder immungeschwächte Personen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 6.000 Menschen an der Legionärskrankheit, wobei die Sterblichkeitsrate zwischen 10 und 20 Prozent liegt. Eine mildere Verlaufsform ist das Pontiac-Fieber. Die Bakterien können beim Duschen oder über Sprühanlagen aus dem Wasser gelangen und über die Atemwege in die Lunge eindringen. Um die Gebrauchstauglichkeit einer Trinkwasser-Installation wiederherzustellen und die Gesundheit der Nutzer zu schützen, sind bei einem Befall sofortige und gezielte Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis vorliegender Fachinformationen die notwendigen Schritte zur Sanierung und Prävention.

Gesundheitliche Risiken und Grenzwerte

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in warmen Wassersystemen ideale Wachstumsbedingungen finden. Das Gesundheitsrisiko besteht ab einer bestimmten Konzentration. Nach dem aktuellen Wissensstand wird eine Infektionsgefahr ab etwa 1.000 KBE/ml (Koloniebildende Einheiten pro Milliliter) angenommen. Gesunde Menschen verkraften eine Exposition oft, während die genannten Risikogruppen schwer erkranken können. Neben der Legionärskrankheit kann es zum grippeähnlichen Pontiac-Fieber kommen, bei dem keine Todesfälle bekannt sind.

Analyse der Schadensursachen

Eine erfolgreiche Sanierung basiert auf der genauen Identifizierung der Ursachen. Eine Gefährdungsanalyse oder Risikoabschätzung ist hierfür essenziell. In einem konkreten Beispiel eines Gebäudekomplexes aus den 80er-Jahren mit 170 Einheiten und 63 Steigleitungen ergab die Untersuchung, dass die Veränderungen der Wasserqualität auf mehrere Faktoren zurückzuführen waren:

  • Korrosion: Die Rohrleitungen bestanden aus schmelztauchverzinkten Eisenwerkstoffen, die im Laufe der Jahre stark unter Korrosion litten.
  • Ablagerungen und Verkalkung: Durch Kalkablagerungen kam es zu deutlichen Querschnittsverengungen der Leitungen, teilweise bis zu einer erheblichen Verkleinerung des Durchflussdurchmessers.
  • Mangelhafte Durchströmung: In einzelnen Leitungsteilen floss das Wasser zu langsam oder stagnierte.
  • Temperaturhaltung: Die Temperaturen wurden nicht konstant eingehalten.

Diese physikalischen und chemischen Veränderungen schaffen Lebensräume für Bakterien und verringern die Wasserqualität signifikant, was zu Wasserverfärbungen und einer "unappetitlichen Brühe" führen kann.

Sanierungsmaßnahmen nach DVGW

Laut dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) werden Sanierungsmaßnahmen in drei Kategorien unterteilt: betriebstechnische, bautechnische und verfahrenstechnische Maßnahmen. Eine Kombination dieser Ansätze ist oft am effektivsten.

Betriebstechnische Maßnahmen

Betriebstechnische Maßnahmen sind oft schnell umsetzbar und erfordern keine baulichen Veränderungen. Sie dienen dazu, die hygienischen Betriebsbedingungen wiederherzustellen. Ziel ist es, die Trinkwasser-Installation planungsgemäß zu betreiben. Dazu gehören:

  • Einhaltung von Temperaturen: Es muss sichergestellt werden, dass die vorgeschriebenen Temperaturen für Warm- und Kaltwasser konstant eingehalten werden.
  • Vermeidung von Stagnation: Wasserstagnation begünstigt das Bakterienwachstum. Dies wird durch regelmäßige Wasserentnahme an allen Entnahmestellen verhindert.
  • Einhaltung von Wartungsintervallen: Regelmäßige Inspektionen und Wartungen sind zwingend erforderlich.

Bautechnische Maßnahmen

Bautechnische Maßnahmen sind notwendig, wenn die bauliche Substanz der Installation geschädigt ist. Im Beispiel des älteren Gebäudekomplexes wären dies Maßnahmen gegen die Korrosion und die Ablagerungen. Dazu kann die Erneuerung von Rohrleitungen oder die Sanierung von Korrosionsschäden gehören. Ziel ist es, die Installation so zu erneuern, dass sie den aktuellen Anforderungen entspricht und keine Verengungen oder Rostbildung mehr stattfindet.

Verfahrenstechnische Maßnahmen

Verfahrenstechnische Maßnahmen umfassen spezielle Verfahren zur Reinigung und Desinfektion der Anlage. Diese werden eingesetzt, um die bereits vorhandenen Bakterienpopulationen abzutöten und Biofilme zu entfernen. Die Auswahl des Verfahrens hängt von der Art der Verunreinigung und dem Zustand der Anlage ab.

Vorgehensweise bei einem Legionellenbefall

Ein systematisches Vorgehen ist entscheidend, um die Hygiene schnellstmöglich wiederherzustellen und behördliche Auflagen zu erfüllen.

1. Sofortmaßnahmen

Bei Nachweis von Legionellen im Grenzwertbereich sind umgehende Maßnahmen erforderlich: * Information der Gesundheitsämter: Die zuständigen Gesundheitsämter müssen unverzüglich informiert werden. * Reduzierung der Exposition: Es sollten Duschverbote ausgesprochen und Maßnahmen zur Vermeidung von Aerosolbildung getroffen werden, um das Inhalationsrisiko zu minimieren.

2. Gefährdungsanalyse und Ursachenforschung

Eine detaillierte Untersuchung der Trinkwasseranlage durch Fachpersonal ist zwingend. Ziel ist es, die Ursache und das Ausmaß des Befalls exakt zu bestimmen. Dies beinhaltet: * Fotos und Dokumentation: Der Zustand der Anlage muss fotografiert und dokumentiert werden. * Analyseergebnisse: Die gesammelten Daten dienen als Grundlage für die Planung der Sanierung. * Risikoabschätzung: Eine Risikoabschätzung nach § 51 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ist gesetzlich vorgeschrieben, sobald der technische Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml erreicht ist. Diese sollte verständlich aufbereitet werden, um Klarheit über die notwendigen Maßnahmen zu schaffen. Unklare oder unvollständige Angaben in Risikoabschätzungen können zu einer unzureichenden Sanierung führen.

3. Abstimmung mit Behörden

Die Sanierungsmaßnahmen müssen in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt durchgeführt werden. Oft sind wiederholte Wasserproben und Nachuntersuchungen erforderlich, bis die Belastung wieder unter den akzeptablen Wert gesunken ist.

4. Dokumentation und Kommunikation

Alle ergriffenen Maßnahmen und deren Ergebnisse müssen gründlich dokumentiert werden. Regelmäßiger Kontakt zu den Nutzern (Mietern) ist wichtig, um sie über die Fortschritte und notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu informieren. Transparenz reduziert Verunsicherung.

5. Begleitung der Sanierung

Die beste Sanierung nützt nichts, wenn sie falsch umgesetzt wird. Eine professionelle Begleitung der Arbeiten an der Trinkwasser-Installation stellt sicher, dass Legionellen nicht nur kurzzeitig weggespült, sondern dauerhaft entfernt werden. Dies vermeidet unnötige Folgekosten, die im vier- bis sechsstelligen Bereich liegen können.

Prävention und langfristige Sicherheit

Um zukünftige Legionellenbefälle zu vermeiden, sind präventive Maßnahmen unerlässlich. Diese müssen dauerhaft implementiert werden:

  • Regelmäßige Wartung und Inspektion: Die Trinkwasseranlage muss in festgelegten Intervallen überprüft werden.
  • Einhaltung der Wassertemperaturen: Die Einhaltung der Temperaturen für Warm- und Kaltwasser ist kritisch für die Verhinderung des Bakterienwachstums.
  • Nutzung der Entnahmestellen: Durch regelmäßige Nutzung der Wasserentnahmestellen wird Wasserstagnation verhindert.

Durch diese Maßnahmen wird das Risiko eines erneuten Befalls minimiert und die Trinkwasserqualität langfristig gesichert.

Wirtschaftliche Aspekte und Vermeidung von Kosten

Ein Legionellenbefall kann für Eigentümer und Verwalter erhebliche finanzielle Folgen haben. Dazu gehören: * Hohe Sanierungskosten: Umfangreiche Sanierungen können Kosten im vier- bis sechsstelligen Bereich verursachen. * Mietminderungen: Bei Nutzungsbeschränkungen drohen Mietminderungen von 5 % bis 20 %. * Behördliche Strafen: Bei Nichteinhaltung von Auflagen können teure Strafgebühren anfallen.

Eine frühzeitige und fachgerechte Sanierung, unterstützt durch Experten mit technischem Fachwissen, schützt vor diesen finanziellen Risiken und reduziert den Verwaltungsaufwand erheblich. Ziel ist es, die Trinkwasser-Installation wieder in einen bestimmungsgemäßen Betrieb zu versetzen, der den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.

Fazit

Die Sanierung von Trinkwasserleitungen bei Legionellenbefall ist eine komplexe Aufgabe, die ein hohes Maß an Fachkenntnis erfordert. Die Ursachen sind meist vielschichtig und reichen von Korrosion und Ablagerungen über mangelhafte Durchströmung bis hin zur Nichteinhaltung von Temperaturvorgaben. Ein systematisches Vorgehen, beginnend mit einer umfassenden Gefährdungsanalyse und der Einleitung von Sofortmaßnahmen, ist unverzichtbar. Die Sanierung selbst sollte nach den Vorgaben des DVGW in die Bereiche betriebstechnische, bautechnische und verfahrenstechnische Maßnahmen unterteilt werden. Eine enge Abstimmung mit den Gesundheitsämtern und eine professionelle Begleitung der Arbeiten stellen sicher, dass die Maßnahmen nachhaltig wirken und die Trinkwasserqualität dauerhaft sichern. Nur durch konsequente Prävention, bestehend aus regelmäßiger Wartung und Einhaltung der Betriebsparameter, können zukünftige Befälle und die damit verbundenen finanziellen und gesundheitlichen Risiken vermieden werden.

Quellen

  1. IKZ - Sanierung von Trinkwasserleitungen bei Legionellenbefall
  2. Haustec - Sanierung bei Legionellen: So kann die Installation erhalten werden
  3. ACB Berlin - Sanierung von Trinkwasserinstallationen bei Legionellen
  4. Hausjournal - Legionellen Sanierung
  5. Die Legionellengutachter

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