Sanierung und Neugestaltung der Polizeidirektion Leipzig: Ein umfassender Überblick über das Bauprojekt

Die Sanierung und der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes der Polizeidirektion Leipzig in der Dimitroffstraße stellt ein bedeutendes Bauvorhaben in der Innenstadt von Leipzig dar. Das Projekt, das unter der Bezeichnung „Behördenzentrum Leipzig Mitte“ firmiert, zielt darauf ab, wesentliche Funktionseinheiten der Polizeidirektion Leipzig sowie des Polizeireviers Leipzig-Zentrum unterzubringen und moderne Anforderungen an die Nutzung zu erfüllen. Das Vorhaben ist geprägt von den Herausforderungen des Denkmalschutzes, der Notwendigkeit einer denkmalgerechten Erneuerung und der Sicherstellung des laufenden Dienstbetriebs während der Bauzeit. Der folgende Artikel beleuchtet die Planung, die technischen Anforderungen, die Bauabschnitte und die besonderen Herausforderungen dieses umfangreichen Renovierungsprojekts.

Hintergrund und Zielsetzung des Projekts

Das Gebäudeensemble an der Dimitroffstraße 1, das im Südteil des Leipziger Zentrums liegt, hat eine lange Geschichte als Hauptsitz der Leipziger Polizei seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bausubstanz ist jedoch sehr unterschiedlich: Während Teile bereits saniert sind, weisen andere Bereiche, insbesondere der zum Peterssteinweg gelegene Teil, erheblichen Sanierungsbedarf auf und stehen teilweise leer.

Ein wesentlicher Auslöser für die Notwendigkeit der Neuunterbringung war der EU-Gipfel 2020, der eine temporäre Verlegung von Polizeieinheiten erforderte und die Kapazitätsengpässe im bestehenden Gebäude offenlegte. Ziel des Projekts ist es, die notwendigen Räumlichkeiten für die Polizeidirektion und das Revier zu schaffen und dabei die historische Bausubstanz denkmalgerecht zu erhalten. Das Vorhaben umfasst eine Fläche von insgesamt 18.000 Quadratmetern Grundfläche.

Organisatorische Rahmenbedingungen und Auftragsvergabe

Das Projekt wird vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Auftraggeber betreut. Für die Planung und Bauüberwachung der Gewerke Sanitär, Heizung, Lüftung, Kälte sowie Gebäudeautomation ist die ZBP (Zimmermann und Becker Planungsgesellschaft mbH) beauftragt.

Das Bauvorhaben ist in mehrere Lose unterteilt. Die Ausschreibungen betreffen unter anderem die Leistungen der Objektplanung Freianlagen, Ingenieurbauwerke und Verkehrsanlagen im Rahmen der Leistungsphasen 5 bis 8 gemäß HOAI. Ebenfalls ausgeschrieben sind die technischen Ausrüstungen, darunter Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen, Wärmeversorgungsanlagen, luftechnische Anlagen, nutzerspezifische Anlagen und Gebäudeleittechnik. Die Bauaufgabe umfasst die Sanierung und den Umbau des Behördenzentrums Leipzig-Mitte zur Unterbringung der Polizei und von Teilen des Landgerichts.

Bauabschnitte und Struktur des Vorhabens

Das Gesamtbauvorhaben ist strukturell in sechs Bauteile (A bis E) unterteilt, wobei eine weitere Unterteilung in zwei Bauabschnitte erfolgt.

  • Bauteil A, B, C, D: Diese Teile sind Bestandsgebäude, die saniert, modernisiert, umgebaut und in Teilen erweitert werden.
  • Bauteil E: Dieses Bauteil ist ein Neubau, der als Anbau an das Bestandsgebäude D realisiert wird.
  • Interimsquartier: Um den Dienstbetrieb während der gesamten Bauzeit sicherzustellen, ziehen Teile der Polizeidirektion in ein Interimsquartier im Behördenzentrum Paunsdorf (Schongauer Straße 3).

Konkret gestalten sich die baulichen Inhalte wie folgt: * Sanierung und Umbau von Bauteil A (BT A): Dies beinhaltet viergeschossige Erweiterungsbauten im Innenhof 6. * Teilsanierung von Bauteil B (BT B) und Bauteil C (BT C): Bei BT C ist zudem eine eingeschossige Teilaufstockung in der Süd-/Ost-Ecke geplant. * Sanierung und Umbau von Bauteil D (BT D): Hier ist auch ein Teilabbruch vorgesehen. * Neubau von Bauteil E (BT E): Dieser beinhaltet eine Parkgarage, Verwaltungsnutzung und einen eingeschossigen Verbindungsgang zu BT A. * Außenanlagen und Innenhöfe: Die Neuordnung der umgebenden Außenanlagen und Innenhöfe sowie der Rückbau des Parkdecks im Polizeihof sind fester Bestandteil des Projekts.

Technische Anforderungen und TGA (Technische Gebäudeausrüstung)

Eine besondere Herausforderung liegt in der Anpassung der technischen Gebäudeausrüstung an moderne Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Kühlung und Klimatisierung. Die Planung und Bauüberwachung der Gewerke Sanitär, Heizung, Lüftung, Kälte sowie Gebäudeautomation obliegt dabei der ZBP.

Zentrale Anforderungen an die TGA sind: * Klimatisierungskonzept: Es muss ein ausführliches Klimatisierungskonzept entwickelt werden. * Mechanische Be- und Entlüftung: Für den Führungsstab sind aufgrund sehr hoher innerer Lasten (Wärmeentwicklung durch Personen und Geräte) spezielle mechanische Be- und Entlüftungssysteme erforderlich. * Kühlung von Elektroräumen: Die Kühlung der Elektroräume (Daten- und Medientechnik) erfolgt mittels eines VRV-Systems (Variable Refrigerant Volume). Dieses System der Kältetechnik gewährleistet eine effiziente Kühlung der sensiblen Technikräume.

Denkmalschutz und Architekturhistorische Aspekte

Der Gebäudekomplex ist denkmalgeschützt und wurde ursprünglich von Hugo Licht als „Königliches Polizeiamt“ entworfen. Die denkmalgerechte Erneuerung stellt eine wesentliche Anforderung an das Projekt dar.

Ein architektonisches Highlight ist die Wiederherstellung der originalen Kuppel am Haupteingang an der Ecke Dimitroffstraße/Petersteinweg. Diese Kuppel war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wurde bislang nicht wieder aufgebaut. Im Zuge der Sanierung soll sie rekonstruiert werden, um dem Gebäude wieder seine ursprüngliche Prägung zu verleihen.

Die Sanierung erfolgt abschnittsweise, um eine bestmögliche Koordination der Gewerke und Termine zu gewährleisten. Der straßenseitige Gebäudeteil wird denkmalgerecht umgebaut und saniert, während der hofseitige Teil abgebrochen und den Anforderungen der Polizei entsprechend neu errichtet wird.

Herausforderungen in der Projektplanung und -durchführung

Das Projekt weist mehrere spezifische Herausforderungen auf, die für Bauherren und Planer von Interesse sind:

  1. Enge Terminkette: Das Projekt ist unter einem sehr engen Zeitdruck geplant. Eine vorgezogene Bauanlaufberatung dient der Koordinierung der Termine und Gewerke im BAO-Raum (Bauantrags- und Objektmanagement).
  2. Begrenzte Platzverhältnisse: Die Arbeiten müssen in einem dicht bebauten Stadtbereich und in einem teilweise bereits genutzten Gebäude durchgeführt werden. Die engen Platzverhältnisse erschweren die Logistik und die Lagerung von Material.
  3. Sicherung des Dienstbetriebs: Um den Betrieb in der Polizeidirektion während der Bauarbeiten aufrechterhalten zu können, sind Teilsanierungen bereits im Gange. Ein Beispiel ist das Dachgeschoss des Gebäudeteils Petersteinweg 2, wo bis Ende August Umkleiden, Sanitäranlagen, Büros und technische Infrastruktur für Wachpolizisten entstehen.
  4. Komplexität der Bauaufgabe: Die Bauaufgabe umfasst nicht nur die Polizei, sondern auch Teile des Landgerichts, die auf Teilflächen des Gebäudes „Straße des 17. Juni“ untergebracht werden sollen. Zudem sind Teile der Staatsanwaltschaft, die derzeit noch im rückwärtigen Areal untergebracht sind, in den Umzug einbezogen.

Kostenschätzungen und Zeitplan

Laut einer Aufstellung der Industrie- und Handelskammer (IHK) wurden die Kosten für das Vorhaben zuletzt auf bis zu 40 Millionen Euro geschätzt. Genauere Angaben zu Umfang und Kosten wurden von SIB mit Verweis auf laufende Planungen zunächst nicht gemacht.

Die Zeitplanung ist ambitioniert. Ein Beispiel für die Geschwindigkeit der Maßnahmen ist der Ausbau der unsanierten Bereiche im Peterssteinweg 8. Nach Fertigstellung ziehen Abteilungen der Polizei in diese Räumlichkeiten, um weitere Baufreiheit für die folgenden Sanierungsabschnitte zu schaffen. Die Frist für die Vergabe der Leistungen der Objektplanung Freianlagen (Ausschreibung vom 24.11.2025) deutet auf einen langfristigen Planungshorizont hin.

Zusammenfassung der Baumaßnahmen

Zusammenfassend lässt sich das Vorhaben als eine komplexe Sanierung und Erweiterung eines historischen Gebäudeensembles beschreiben. Es kombiniert den Erhalt von Bausubstanz mit dem Einbau modernster Technik und der Schaffung effizienter Arbeitsbedingungen für die Sicherheitsbehörden. Die Maßnahmen umfassen:

  • Sanierung der Bestandsgebäude (BT A, B, C, D).
  • Neubau eines Anbaus mit Parkgarage (BT E).
  • Rekonstruktion der historischen Kuppel.
  • Anpassung der TGA, insbesondere der Klimatisierung und Kühlung von IT-Räumen.
  • Neuordnung der Außenanlagen und Stellplätze.
  • Sicherstellung des Betriebs durch Interimsquartiere und Teilsanierungen.

Fazit

Die Sanierung der Polizeidirektion Leipzig ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen moderner Stadtsanierung unter Denkmalschutzauflagen. Das Projekt zeigt, wie durch eine strukturierte Aufteilung in Bauteile und Bauabschnitte sowie durch den Einsatz spezialisierter Planungsgesellschaften komplexe Nutzeranforderungen in historische Bausubstanz integriert werden können. Für Bauinteressenten und Fachplaner bietet das Vorhaben wertvolle Einblicke in die Koordination von Gewerken, die Bedeutung der vorgezogenen Bauanlaufberatung und die technischen Lösungen für eine effiziente Gebäudeklimatisierung in sensiblen Bereichen. Die Umsetzung des Projekts wird das Stadtbild Leipzigs durch die Wiederherstellung historischer Elemente wie der Kuppel bereichern und gleichzeitig eine zeitgemäße Infrastruktur für die Polizei schaffen.

Quellen

  1. ZBP Leipzig - Polizeidienststelle Leipzig Mitte
  2. LVZ - Polizeidirektion Leipzig wird weiter saniert
  3. Ausschreibungen Deutschland - Polizeidirektion Leipzig Neuunterbringung
  4. Ausschreibungen AI - Neuunterbringung der Polizeidirektion Leipzig
  5. Ausschreibungen Deutschland - Projektmanagement im Bauwesen

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