Sanierung von Schulgebäuden: Ein Fallbeispiel am Lessing-Gymnasium in Berlin

Die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, insbesondere von Schulen, stellt eine der größten Herausforderungen für Städte und Gemeinden dar. In Berlin ist das Thema "Sanierungsstau" bei Schulen von zentraler Bedeutung, da viele Gebäude baulich marode sind und dringend Modernisierungsarbeiten benötigen. Ein exemplarisches Beispiel für diese Notwendigkeit ist das Lessing-Gymnasium im Bezirk Mitte. Die Sanierung dieses denkmalgeschützten Gebäudes sowie die Errichtung einer neuen Sporthalle zeigen die Komplexität von Baumaßnahmen im Bestand. Dieser Artikel beleuchtet den technischen und organisatorischen Ablauf von Sanierungen im Bildungswesen, basierend auf den vorliegenden Informationen zu den Baumaßnahmen in Berlin.

Die Ausgangslage: Sanierungsbedarf in Berliner Schulen

Berlin investiert stark in den Ausbau und die Sanierung seiner Schulen. Den Bezirken fehlt es jedoch oft an Personal, um die notwendigen Maßnahmen schnell und effizient umzusetzen. Die Sanierung der Sporthalle am Lessing-Gymnasium in Berlin-Wedding ist ein konkreter Beleg für den Sanierungsstau, der die Berliner Schulen betrifft.

Laut einer Erhebung der Bezirke im Auftrag der Senatsbildungsverwaltung beläuft sich der gesamte Sanierungsbedarf an allen Berliner Schulen auf gigantische 3,9 Milliarden Euro. Dieser Betrag unterstreicht die Dimension der Aufgabe. Viele Gebäude weisen erhebliche Mängel auf, die von undichten Dächern über marode Sanitäranlagen bis hin zu gesundheitsgefährdendem Schimmelwachstum reichen. Im Fall des Lessing-Gymnasiums war der Bedarf an Sanierungsarbeiten bereits vor Jahren offensichtlich. Ein offener Brief der Schulleitung im Jahr 2009 forderte verlässliche Rahmenbedingungen und ausreichende finanzielle Mittel zur Sanierung der "teilweise maroden Bausubstanz".

Das Lessing-Gymnasium: Historisches Gebäude, moderne Anforderungen

Das Lessing-Gymnasium blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1882, ist es seit 1945 in einem denkmalgeschützten Gebäude in der Schöningstraße untergebracht. Der Bau stammt aus einer städtebaulichen Maßnahme vom Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Einwohnerzahl im Wedding stark anstieg. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann ließ in den Jahren 1909 bis 1911 am Schillerpark zwei neue Schulhäuser errichten, wozu auch das Gebäude des Lessing-Gymnasiums gehört.

Architektonisch handelt es sich um einen viergeschossigen Bau mit einem Hauptflügel und zwei Seitentrakten, die drei Innenhöfe umschließen. Besonders bemerkenswert ist die Fassade des dreistöckigen Lehrerwohnhauses, die mit Werksteinen im klassizistischen und spätbarocken Stil gestaltet ist. Elemente wie vorgesetzte Kalksteinquadern im Erdgeschoss, Wandpfeiler mit ionischen Kapitellen und ein Mansarddach unterstreichen den historischen Wert des Gebäudes.

Solche denkmalgeschützten Gebäude stellen eine besondere Herausforderung für Sanierungsarbeiten dar. Die Erhaltung der Bausubstanz und architektonischer Details kollidiert oft mit modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und barrierefreiem Zugang. Die Sanierung des Lessing-Gymnasiums muss daher einen Kompromiss zwischen Denkmalschutz und moderner Nutzung finden.

Sanierungsarbeiten im Bestand: Rückbau und Entkernung

Im Oktober 2023 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten am Lessing-Gymnasium. Das Ziel war die Umwandlung der alten naturwissenschaftlichen Räume in neue Unterrichtsräume. Bei diesen Arbeiten im Bestand wurde ein radikaler Ansatz gewählt: "Aus dem Altbestand bleibt kaum etwas erhalten", wie es in den Projektdokumenten heißt. Alle Bodenbeläge, Putze, Wandoberflächen, Decken und die gesamte Gebäudetechnik wurden erneuert.

Der Prozess begann mit dem Rückbau und der Entkernung der alten Räume. Dieser Schritt umfasste: - Den Rückbau von losen Elementen, Fachraumausstattung und Tafeln. - Die Demontage von Decken, Böden und Sitztribünen. - Den Abtrag von altem Putz.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Denkmalschutz. Im Musikraum war die alte Holzvertäfelung denkmalgeschützt und musste erhalten bleiben. Dies erforderte eine sorgfältige Planung, um die historischen Elemente zu integrieren, während der Rest des Raumes modernisiert wurde.

Diese Art des "Rückbaus auf die Rohsubstanz" ist bei tiefgreifenden Sanierungen üblich. Sie ermöglicht eine vollständige Erneuerung der Haustechnik (Heizung, Elektro, Sanitär) und die Installation moderner Isolierungen, die in alten Bauten oft fehlen. Für Bauherren und Planer ist dies ein wichtiges Lernfeld: Eine Sanierung im Denkmalschutz erfordert nicht nur die Sicherung historischer Fassaden, sondern auch eine präzise Dokumentation und Freilegung der originalen Bausubstanz, um entscheiden zu können, was erhalten bleibt.

Die Berliner Schulbauoffensive: Sanierungen in den Sommerferien 2025

Die Sanierung des Lessing-Gymnasiums ist Teil eines größeren Rahmensprogramms, der "Berliner Schulbauoffensive". Ein Schlüsselelement dieser Offensive ist die Nutzung der Sommerferien für Baumaßnahmen. Da während des Schuljahres kein Unterricht ausfällt, können umfangreiche Arbeiten in der unterrichtsfreien Zeit durchgeführt werden.

Im Jahr 2025 plant der Bezirk Mitte 13 Baumaßnahmen an Schulen während der Sommerferien. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist der Neubau der Sporthalle am Lessing-Gymnasium. Dies ist eine signifikante Investition, da Sporteinrichtungen in Schulen oft stark beansprucht sind und häufig Sanierungsbedarf aufweisen.

Neben dem Lessing-Gymnasium sind weitere Projekte geplant: - Willy-Brandt-Oberschule: Strangsanierung der WC-Anlagen und Sanierung des Hallenbodens. - Charlotte-Pfeffer-Schule: Neu- und Umbau. - Möwensee-Grundschule: Sanierung der Küche und Schadensbehebung. - Carl-Bolle-Grundschule: Instandsetzung der Fassade. - Miriam-Makeba-Grundschule: Sanierung der Gebäudehülle. - Carl-Kraemer-Grundschule: Kellersanierung. - Papageno-Grundschule: Sanierung und Anbau. - Schulgebäude Schulstraße: Neubau. - Schule am Zille-Park: Sanierung Hallenboden und Mensa. - Gustav-Falke-Grundschule: Neubau eines MEB (Medien- und Erweiterungsbau?). - Moabiter Grundschule: Sanierung Dachterrasse / Fassade.

Dieses breite Spektrum an Maßnahmen zeigt die Vielfalt der Herausforderungen im Schulbau. Von der Sanierung von Nasszellen (WC-Anlagen) über die Erneuerung von Bodenbelägen in Sporthallen bis hin zu kompletten Fassadensanierungen und Neubauten ist alles vertreten. Für die Planer bedeutet dies, dass ein einheitlicher Standard oft nicht ausreicht; jedes Gebäude erfordert eine individuelle Lösung.

Technische Aspekte der Sanierung von Bildungsbauten

Die Sanierung von Schulen, wie am Beispiel des Lessing-Gymnasiums und der anderen genannten Projekte, umfasst spezifische technische Herausforderungen:

  1. Raumlufttechnik und Schimmelprävention: In der Quelle wird erwähnt, dass in einer Turnhalle Schwarzschimmel aus den Lüftungsschächten kroch. Dies ist ein häufiges Problem in alten Gebäuden ohne moderne Lüftungskonzepte. Schimmel entsteht durch Feuchtigkeit, die nicht abgeführt wird. Sanierungen müssen daher oft die Installation von raumlufttechnischen Anlagen (RLT) oder zumindest die Überprüfung und Sanierung der Lüftungswege beinhalten. In modernen Neubauten oder sanierten Bereichen ist eine kontrollierte Lüftung oft Pflicht, um die Luftqualität für Schüler und Lehrer zu gewährleisten.

  2. Statik und Tragwerke: Besonders bei Neubauten von Sporthallen oder bei größeren Anbauten (wie an der Papageno-Grundschule) muss die Statik neu berechnet werden. Neue Anforderungen an Schneelasten, Windlasten oder Nutzungslasten (z.B. moderne Technik in Klassenzimmern) können die Tragwerksplanung beeinflussen. Bei der Sanierung des Lessing-Gymnasiums, bei dem die Substanz bis auf die Rohwände zurückgebaut wurde, muss das Tragwerk der alten Bausubstanz genau untersucht werden, um Stabilität zu gewährleisten.

  3. Energieeffizienz und Dämmung: Eine komplette Erneuerung von Boden, Decken und Wänden, wie im Lessing-Gymnasium, bietet die ideale Gelegenheit, die thermische Hülle des Gebäudes zu verbessern. Alte Fenster werden durch moderne, dreifach verglaste Fenster ersetzt, und Wände erhalten eine Dämmschicht. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu senken, was im Zuge der Klimaziele und zur Kostensenkung für die Stadt Berlin essenziell ist.

  4. Denkmalschutz und moderne Technik: Wie bei der Holzvertäfelung im Musikraum des Lessing-Gymnasiums zu sehen, muss der Denkmalschutz respektiert werden. Dies bedeutet oft, dass moderne Technik (Kabel, Heizkörper, Lüftung) dezent verlegt werden muss, ohne die historische Optik zu zerstören. Sanierungsfirmen benötigen hier Spezialwissen, um historische Materialien fachgerecht zu behandeln und zu konservieren.

Finanzielle und organisatorische Herausforderungen

Die Sanierung von 3,9 Milliarden Euro ist nicht nur eine technische, sondern auch eine finanzielle und organisatorische Mammutaufgabe. Die Quellen erwähnen, dass den Bezirken das Personal fehlt, um diese Summen schnell in die Tat umzusetzen. Das bedeutet für Bauunternehmen und Handwerker, dass Ausschreibungen oft langwierig sind und Projekte sich verzögern können.

Zudem sind die Kosten für Sanierungen im Bestand oft schwerer zu kalkulieren als bei Neubauten. Erst beim Rückbau offenbaren sich oft weitere Schäden, die in der Planung nicht vorhergesehen wurden ("Altlasten"). Ein Beispiel sind die üblen Gerüche in den Sanitäranlagen, die auf verstopfte Leitungen oder undichte Abflüsse hindeuten. Die Beseitigung solcher versteckter Mängel treibt die Kosten in die Höhe.

Die Pressemitteilung des Bezirks Mitte vom Juli 2025 zeigt jedoch, dass die Projekte Realität werden. Der Bezirksstadtrat für Schule und Sport, Benjamin Fritz, betont die Notwendigkeit, die Sommerferien für diese Arbeiten zu nutzen. Dies erfordert eine enge Abstimmung zwischen der Schulleitung, dem Bezirk und den ausführenden Firmen. Logistik, Materiallagerung und Sicherheitsvorkehrungen müssen genau geplant werden, damit der Schulbetrieb zum Schuljahresbeginn reibungslos aufgenommen werden kann.

Fazit

Die Sanierung des Lessing-Gymnasiums in Berlin ist ein Paradebeispiel für die Modernisierung von Baudenkmälern unter hohem Zeitdruck. Die Maßnahmen zeigen, dass eine Sanierung weit mehr ist als das Streichen von Wänden. Es handelt sich um einen kompletten Rückbau auf die Rohsubstanz, um eine vollständige Erneuerung der technischen Infrastruktur und der inneren Werte des Gebäudes.

Gleichzeitig ist das Lessing-Gymnasium nur ein Puzzlestück in der Berliner Schulbauoffensive. Mit einem Investitionsvolumen von 3,9 Milliarden Euro und zahlreichen Baumaßnahmen in den Sommerferien 2025, wie der Sporthallensanierung oder dem Neubau an anderen Standorten, zeigt Berlin, dass das Thema Bildungsinfrastruktur Priorität hat.

Für Bauinteressierte und Fachleute bleibt festzuhalten: Sanierungen im Bildungsbau erfordern eine hohe Flexibilität. Der Umgang mit denkmalgeschützter Substanz, die Einhaltung moderner Energiestandards und die Organisation von Baustellen im laufenden Betrieb (oder in knappen Ferienzeiten) machen diese Projekte zu komplexen Aufgaben. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Sanierungen sichert nicht nur die Bausubstanz für die Zukunft, sondern schafft auch moderne und gesunde Lernumgebungen für die kommenden Generationen.

Quellen

  1. taz - Schwerpunkt Schulbau in Berlin II
  2. Derichsukonertz - Bauen im Bestand: Sanierung Lessing Gymnasium
  3. De-Academic - Lessing-Gymnasium (Berlin)
  4. Berlin.de - Baumaßnahmen in Schulen während der Sommerferien 2025

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