Die Instandhaltung und Modernisierung von öffentlichen Gebäudebeständen, insbesondere von Schulen, stellt kommunale Verwaltungen vor erhebliche Herausforderungen. In Aachen ist dies kein neues Phänomen. Bereits seit dem Jahr 2003 investiert die Stadt kontinuierlich in die Bausubstanz ihrer Bildungseinrichtungen, um den entstandenen Investitionsstau abzubauen und die Gebäude den aktuellen technischen sowie energetischen Standards anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die Strukturen der Sanierungsprogramme, konkrete technische Sanierungsmaßnahmen an exemplarischen Gebäuden wie der Lindenschule und die strategische Ausrichtung der städtischen Gebäudeverwaltung.
Das Schulreparaturprogramm der Stadt Aachen
Das zentrale Instrument zur Sicherung der Bausubstanz der Aachener Schulen ist das sogenannte „Schulreparaturprogramm“. Es wurde als direkte Reaktion auf einen ermittelten Investitionsstau in der Erhaltung der städtischen Schulgebäude etabliert. Ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit dieses Programms ist der zeitliche Rahmen der Umsetzung. Die meisten Maßnahmen werden in den Schulferien durchgeführt, um den regulären Unterrichtsbetrieb nicht zu stören.
Laut den zur Verfügung gestellten Daten begann das Programm im Jahr 2003. Seitdem sind erhebliche Summen in die Infrastruktur geflossen. Allein über das Schulreparaturprogramm flossen bis zum Berichtszeitpunkt 60,6 Millionen Euro in die Schulgebäude der Stadt Aachen. Die jährlichen Haushaltsmittel für dieses Programm belaufen sich auf vier Millionen Euro. Diese finanzielle Grundlage ermöglicht es, über 20 Maßnahmen pro Jahr anzugehen.
Die Prioritäten des Programms haben sich über die Jahre verschoben oder konkretisiert. Ein Schwerpunkt liegt laut der Gebäudeverwaltung auf der Sanierung von „Böden und Decken“. Dies ist ein zentraler Aspekt der Gebäudesicherheit und -nutzbarkeit. Ein konkretes Beispiel für eine solche Maßnahme ist der Einbau eines neuen Schwingbodens in der Turnhalle der Grundschule Malmedyer Straße. Auch der Austausch von Fenstern gehört zum Standardrepertoire, wie der Austausch der großen Fenster in der Schwimmhalle der Grundschule Karl-Kuck-Straße zeigt. Allein ein entsprechend gedämmtes Fenster kostet hier schnell über 30.000 Euro, was die Kostenintensität solcher Standardarbeiten verdeutlicht.
Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch externe Firmen. Ein oft genanntes Problem dabei ist die Kapazitätsplanung, da viele Maßnahmen in einem engen zeitlichen Rahmen (den Ferien) umgesetzt werden müssen und oft dieselben spezialisierten Firmen beauftragt werden. Dies führt zu logistischen Engpässen, weshalb es laut der Gebäudeverwaltung „in der Regel nicht“ schafft, alle geplanten Maßnahmen des Jahres im vorgegebenen Zeitraum abzuarbeiten.
Technische Sanierung an der Lindenschule Aachen
Ein konkretes Beispiel für die Anwendung der Sanierungsmittel ist die Lindenschule in Aachen. Diese Schule ist eine Förderschule der StädteRegion Aachen mit dem Förderschwerpunkt Sprache, Primarstufe (Quelle 2). An dieser Schule wurden in den vergangenen Jahren mehrere technisch relevante Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die den Betrieb der Schule nachhaltig verbessern sollen.
Ein zentraler Eingriff war der Austausch des Heizungskessels. Eine funktionierende Heizungsanlage ist für die Nutzungsdauer von Schulgebäuden essenziell. Neben dem physischen Austausch des Kessels umfasste die Maßnahme auch die Installation eines neuen GLT (Gebäudeleittechnik) sowie neuer Steuermodule für die Heizungsanlage. Diese Nachrüstung der Steuerungstechnik ist ein Indiz für den Versuch, den Energieverbrauch zu optimieren und die Anlage modernen Standards anzupassen.
Neben der Haustechnik wurden auch bauliche Substanzerhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Hierzu zählen die Bodenerneuerung im Treppenhaus sowie die Inlinererneuerung von Abwasserleitungen. Das Verfahren der Inlinererneuerung (Cured-In-Place-Pipe) ist ein sanftes Verfahren zur Sanierung von Rohrleitungen ohne aufwendige Erdarbeiten, was für den Schulbetrieb von Vorteil ist. Zudem wurden an der Lindenschule Maßnahmen zur Nachrüstung von Flurseiten (Brandabschnitt F 30) durchgeführt. Brandabschnitte sind bauliche Maßnahmen zur Brandeindämmung, und die Erfüllung der Feuerwiderstandsklasse F 30 bedeutet, dass Bauteile mindestens 30 Minuten einem Brand standhalten müssen, um Flucht- und Rettungswege sicherzustellen.
Analyse der Bausubstanz: Das Beispiel Annaschule
Die Notwendigkeit von Sanierungsprogrammen wird an Beispielen wie der Annaschule deutlich. Die Annaschule ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden erlitt. Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren erfolgte unter Einsatz von Materialien, die rückblickend als „minderwertig“ eingestuft werden.
Ein spezifisches technisches Problem an der Annaschule betrifft den Dachstuhl im Bereich der Giebel. Laut der Gebäudeverwaltung überträgt dieser die Kräfte in das Mauerwerk nicht „werkgerecht“. Dieses statische Defizit führt zu Rissen in den Steinen der Fassade. Durch den Einfluss von Frost und Wasser vergrößern sich diese Risse, was eine unmittelbare Gefahr durch herabfallende Fassadenteile darstellt („Gefahr im Verzug“).
Die Sanierung der Fassade ist dementsprechend komplex. Sie erfordert das Öffnen des Dachstuhls und die Verlegung von Klassenräumen. Die Kosten für die Sanierung der historischen Fassade werden auf mehr als 700.000 Euro geschätzt. Zusätzlich fallen Kosten für die Sanierung von Betonelementen im jüngeren Anbau an (rund 20.000 Euro). Diese Maßnahmen müssen vor den OGS-Ferienspielen abgeschlossen werden, was den Druck auf die Projektplanung verdeutlicht.
Strategische Modernisierung: G8/G9-Ausbau und Energetische Sanierungen
Neben dem laufenden Reparaturprogramm verfolgt die Stadt Aachen strategische Modernisierungs- und Erweiterungsprojekte. Ein großes Thema ist der „G8/G9-Ausbau“, der die Rückkehr der Gymnasien zum Abitur nach der 13. Klasse begleitet. Dies erfordert bauliche Erweiterungen, um zusätzliche Klassenräume zu schaffen.
Am Rhein-Maas-Gymnasium in Burtscheid werden Naturwissenschaftsräume saniert und ein neues Geschoss in Holzbauweise aufgestockt. Die Wahl der Holzbauweise wird explizit mit der Nachhaltigkeit und der Statik des alten Bestandsgebäudes begründet. Durch diese Aufstockung werden neun Klassenräume gewonnen.
Ein anderes Beispiel für strategische Sanierung ist das Schulzentrum im Grünen in Laurensberg, das die Heinrich-Heine-Gesamtschule und das Anne-Frank-Gymnasium beherbergt. Hier wurde eine umfassende energetische Sanierung der Fassade durchgeführt. Das Projekt wird als „logistisches Mammutprojekt“ beschrieben, da eine Abstimmung auf allen Ebenen erforderlich ist. Ziel war die energetische Runderneuerung, um den Energiebedarf des Gebäudes signifikant zu senken.
Digitalisierung im Gebäudemanagement
Ein weiterer Aspekt der Modernisierung ist die Digitalisierung der Gebäudeverwaltung. In den Finanzdaten des Jahres 2023 sind Posten für die „Aufmaß/Digitalisierung der Bestandsgebäude“ sowie Kosten für die Einführung von Softwarelösungen (hier bezeichnet als E-View, früher KInvFG) ausgewiesen. Auch der „Zugang Maschinen, techn. Anlagen“ und „Betriebs- und Geschäftsausstattung / Engeräte“ für Schulen werden verzeichnet. Dies zeigt, dass der Fokus nicht nur auf der physischen Bausubstanz, sondern auch auf der Erfassung und digitalen Verwaltung des Gebäudebestands liegt.
Fazit
Die Stadt Aachen verfügt mit dem seit 2003 etablierten Schulreparaturprogramm über ein strukturiertes Instrument zur Bewältigung des Investitionsstaus im Schulbereich. Die jährliche Finanzierung von vier Millionen Euro ermöglicht über 20 Maßnahmen pro Jahr, wobei der Fokus auf der Erneuerung von Böden, Decken und Fenstern liegt, umgesetzt in den Ferien, um den Schulbetrieb nicht zu stören.
Konkrete Beispiele wie die Lindenschule zeigen, dass Sanierungen technisch anspruchsvoll sind: Sie umfassen nicht nur bauliche Instandsetzungen wie Bodenerneuerungen oder die Inlinererneuerung von Abwasserleitungen, sondern auch die Modernisierung von Haustechnik, insbesondere Heizungsanlagen inklusive Steuerungstechnik. Besonders bei historischen Gebäuden wie der Annaschule offenbaren sich komplexe statische und bauliche Probleme, die Sanierungskosten in Höhe von über 700.000 Euro erfordern.
Parallel zu den Reparaturprogrammen investiert die Stadt in strategische Erweiterungen (G8/G9-Ausbau) und energetische Sanierungen, wie die Fassadenerneuerung im Schulzentrum Laurensberg. Diese Maßnahmen dienen langfristig der Kostensenkung, Nachhaltigkeit und der Schaffung zeitgemäßer Lernumgebungen. Die Herausforderung bleibt jedoch die logistische Koordination, da viele Maßnahmen in den gleichen Ferienzeiten von denselben Handwerksfirmen umgesetzt werden müssen.