Sanierung der Lobdeburg in Jena: Ein umfassender Überblick über die Außenanlagen und Bauwerkssicherung

Die historische Lobdeburg in Jena, ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt mit einer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, befindet sich derzeit in einem umfangreichen Sanierungsprozess. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrere Bauabschnitte der eigentlichen Burganlage restauriert wurden, konzentrieren sich die aktuellen Maßnahmen auf die Aufwertung der Außenanlagen und die Sicherung des historischen Mauerwerks. Ziel der umfassenden Baumaßnahmen ist es, die Ruine für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich zu machen, die historische Substanz zu erhalten und ein neues touristisches Highlight in Jena zu schaffen. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Details, die Planung und die Umsetzung der Sanierung, basierend auf den verfügbaren Informationen der beteiligten Akteure.

Die historische Bedeutung und der aktuelle Sanierungsbedarf

Die Lobdeburg wurde erstmals im Jahr 1166 erwähnt und diente über Jahrhunderte als strategisch wichtiger Stützpunkt. Heute ist sie als Ruine erhalten und stellt ein wertvolles Kulturdenkmal dar. Die Erhaltung dieser Bausubstanz ist für die Stadt Jena von großer Bedeutung.

Seit dem Jahr 1995 wurde die Burganlage in mehreren baulichen Abschnitten restauriert. Dennoch bestand, wie in Quelle 6 beschrieben, erneut ein erheblicher Sanierungsbedarf. Die Schäden am Mauerwerk, die sich durch Risse, Auswaschungen und Fehlstellen zeigten, waren gravierend. Der dringende Handlungsbedarf war unübersehbar, um größeren Schaden abzuwenden. Bereits im Jahr 2004 wurde eine Notsicherung durchgeführt.

Im Fokus der aktuellen und in den Quellen genannten Sanierungen stehen zwei Bereiche: Die Sicherung des Palas (Wohnturm) und die Gestaltung der Außenanlagen.

Sicherung des Palas und des Mauerwerks

Ein zentraler Teil der Sanierungsarbeiten betrifft den Palas, den Wohnturm der Burg. Die Planung für diese umfangreichen Sanierungen begann bereits 2013, wurde jedoch bis 2018 zurückgestellt. Die Verantwortung für die Planung lag bei einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus Architektin Dr. Löffler und Tragwerksplaner Dr. Trabert.

Die eigentlichen Sanierungsmaßnahmen am Palas begannen im März des laufenden Jahres unter der Federführung des Eigenbetriebs Kommunale Immobilien Jena (KIJ). Ausführende Baufirma ist die Denkmalplan Bauwerksanierung GmbH. Die Arbeiten erfolgen von einer kompletten Einrüstung des Wohnturms aus.

Ein wesentlicher technischer Aspekt der Bauwerkssicherung ist der Einbau von Ringankern. Diese werden mittels Bohrungen in das Mauerwerk eingebracht. Durch diese Maßnahme wird das Mauerwerk statisch-konstruktiv gesichert, was eine Stabilisierung gewährleistet. Als Folge dieser Sicherung können die früheren Notsicherungseingriffe zurückgebaut werden. Ebenso entfallen die alten Diagonalverstrebungen. Um die besonders gefährdeten Mauerwerkskronen zu schützen, werden diese vor direktem Feuchtigkeitseintritt gesichert. Diese Maßnahmen sind essenziell, um die Bausubstanz langfristig zu erhalten und den Verfall durch Witterungseinflüsse zu stoppen.

Umfassende Sanierung der Außenanlagen durch die KIJ

Parallel zu den Arbeiten am Palas startete der städtische Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena (KIJ) mit der Sanierung der Außenanlagen. Ziel dieser Maßnahme, die etwa ein Jahr geplant wurde, ist es, die Burganlage vollständig für Menschen zugänglich zu machen und die Geschichte erlebbar zu gestalten. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 450.000 Euro.

Landschaftsbau und Vegetationsgestaltung

Die Gestaltung der Außenanlagen umfasst umfangreiche Landschaftsbauarbeiten. Dazu gehört die Pflanzung von geeigneter Vegetation. Besonders hervorzuheben ist die Rodung des wild gewachsenen Buschwerks, die den Auftakt der Sanierungsarbeiten bildet. Aufgrund der schwierigen Geländeverhältnisse am Hang und der Höhenunterschiede kommt hier ein spezielles Gerät zum Einsatz: ein Schweizer Schreitbagger. Dieser wird in den Quellen als hochmodernes Gerät beschrieben, das sich durch Flexibilität und Geländegängigkeit auszeichnet und ideal für Rodungen in unwegsamem Gelände ist. Die Rodungsarbeiten werden voraussichtlich zwei bis drei Tage andauern.

Nach den Rodungsarbeiten folgt die Baustelleneinrichtung, gefolgt von ersten Naturstein- und Metallbauarbeiten.

Erschließung und Zugänglichkeit für Besucher

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Verbesserung der Zugänglichkeit. Geplant sind: * Gestaltung von Wegen: Neue Wege sollen die Besucher sicher durch das Areal führen. * Laufstege und Treppenanlagen: Diese werden am Hang errichtet, um schwieriges Terrain zu überwinden. * Außentreppe zum Zisternenturm: Eine neue Außentreppe ermöglicht den Zugang zum Zisternenturm. Dieser soll künftig als neue Aussichtsplattform dienen und einen Blick über die Burganlage und die Stadt Jena ermöglichen. * Freischnitt historischer Mauerteile: Historische Mauerreste werden freigelegt, um die historische Struktur der Anlage sichtbar zu machen. * Sitzbänke: Aufgestellte Sitzbänke laden zum Verweilen ein und verbessern die Aufenthaltsqualität.

Begleitende Maßnahmen: Beschilderung und Koordination

Die Sanierung beschränkt sich nicht nur auf bauliche Veränderungen. Um den Besuchern Informationen über die Geschichte und die Bedeutung der Anlage zu vermitteln, arbeitet JenaKultur parallel zur Unteren Denkmalschutzbehörde an einem neuen Beschilderungssystem. Dieses soll wichtige und interessante Informationen bereitstellen und die Wahrnehmung des Areals als kulturelles Erbe schärfen.

In die Planungen waren zudem die Naturschutzbehörde, der Stadtforst sowie der Verein Lobdeburg-Gemeinde 1912 e.V. einbezogen. Der Verein widmet sich mit Engagement dem Erhalt der Ruine.

Herausforderungen in der Projektumsetzung

Die Planung des Projekts gestaltete sich anspruchsvoll. Laut den Quellen war es eine Herausforderung, geeignete Firmen für die Ausschreibung zu finden. Erst im Sommer 2024 bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus Architekt, Landschaftsplaner und Statiker, die nun die Umsetzung übernimmt. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist notwendig, um die Anforderungen des Denkmalschutzes, der Statik und der Landschaftsplanung unter einen Hut zu bringen.

Zeitplan und Fertigstellung

Die Arbeiten an den Außenanlagen wurden gestartet und sollen bis November des laufenden Jahres abgeschlossen sein. Während der Baumaßnahmen bleiben die Wanderwege im Umfeld der Lobdeburg-Ruine für die Öffentlichkeit zugänglich, sofern es die Sicherheitslage vor Ort zulässt. Dies ermöglicht es Interessierten, den Fortschritt der Sanierung zu verfolgen.

Tilo Peißker, Abteilungsleiter für Kulturimmobilien bei der KIJ, betont die übergeordnete Zielsetzung: "Mit dieser Maßnahme möchten wir nicht nur zur Aufwertung der Burganlage beitragen, sondern gemeinsam das touristische Angebot der Stadt bereichern." Die Sanierung wird als wichtige Aufgabe gesehen, um sowohl neue Werte zu schaffen als auch bestehende Werte für die Stadt Jena zu bewahren.

Zusammenfassung der technischen und organisatorischen Aspekte

Die Sanierung der Lobdeburg in Jena ist ein komplexes Bauvorhaben, das strukturelle Sicherung und landschaftsarchitektonische Aufwertung vereint.

Technische Maßnahmen am Palas: * Einrüstung des Wohnturms. * Einbau von Ringankern zur statischen Sicherung. * Rückbau von Notsicherungen und alten Diagonalverstrebungen. * Schutz der Mauerwerkskronen vor Feuchtigkeit.

Maßnahmen im Außenbereich (durch KIJ): * Rodung von Buschwerk (Einsatz eines Schweizer Schreitbaggers). * Pflanzung von Vegetation. * Anlage von Wegen und Laufstegen. * Errichtung von Treppenanlagen und einer Außentreppe zum Zisternenturm (neue Aussichtsplattform). * Freilegung historischer Mauerteile. * Aufstellung von Sitzbänken. * Ein neues Beschilderungssystem.

Organisation: * Federführung: Kommunale Immobilien Jena (KIJ). * Ausführung (Palas): Denkmalplan Bauwerksanierung GmbH. * Planung (Außenanlagen): ARGE (Architekt, Landschaftsplaner, Statiker). * Beteiligte: JenaKultur, Untere Denkmalschutzbehörde, Naturschutzbehörde, Stadtforst, Verein Lobdeburg-Gemeinde 1912 e.V. * Kosten: ca. 450.000 Euro für die Außenanlagen. * Fertigstellung: November des laufenden Jahres.

Fazit

Die Sanierung der Lobdeburg in Jena stellt eine wesentliche Investition in den Erhalt eines historischen Kulturdenkmals und die touristische Aufwertung der Region dar. Durch die Kombination aus statischer Sicherung des Palas und der gestalterischen Aufwertung der Außenanlagen wird die Anlage nach Abschluss der Arbeiten ein attraktives Ziel für Besucher sein. Die Verwendung spezialisierter Technik, wie des Schweizer Schreitbaggers, und die Einbindung zahlreicher Fachplaner unterstreichen den professionellen Anspruch des Projekts. Für Bauherren und Immobilieninteressierte in Jena zeigt das Vorhaben exemplarisch, wie Denkmalschutz und moderne Nutzbarkeit durchdacht miteinander verbunden werden können.

Quellen

  1. Jenaer Nachrichten
  2. thib24.de
  3. OTZ
  4. KIJ
  5. Rathaus Jena
  6. JenaKultur

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