Sanierung und Umbau des Schulzentrums am Spalterhals in Barsinghausen: Ein Mammutprojekt bis 2032

Die Stadt Barsinghausen plant ein umfassendes Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben für das Schulzentrum am Spalterhals. Dieses Großprojekt, das die Zusammenlegung von Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG) und Lisa-Tetzner-Oberschule (LTS) unter einem Dach betrifft, ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen und Komplexität moderner Bauplanung im öffentlichen Sektor. Mit einem Volumen von rund 90 Millionen Euro und einem Zeitplan, der bis ins Jahr 2032 reicht, stehen Planer, Architekten und Handwerker vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die Planungsphasen, die technischen Anforderungen und die zu erwartenden Veränderungen für das Schulzentrum aus bautechnischer und architektonischer Perspektive.

Ausgangslage und Bedarf des Projekts

Das Schulzentrum am Spalterhals beherbergt zwei bedeutende weiterführende Schulen der Region: das Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG) mit fünf Zügen und die Lisa-Tetzner-Oberschule (LTS) mit drei Zügen. Beide Schulen teilen sich bereits heute die Infrastruktur unter einem Dach. Die Notwendigkeit für eine umfassende Sanierung und den Umbau des Komplexes ergibt sich aus dem altersbedingten Zustand der Bausubstanz sowie dem Bedarf an modernen, zeitgemäßen Lern- und Arbeitsumgebungen.

Laut den vorliegenden Informationen ist das Ziel, das gesamte Areal zu sanierten und zu modernisieren. Die Planungen sehen vor, die bestehenden Trakte und Gebäude zu erneuern und durch gezielte Neubauten zu ergänzen. Die Stadt Barsinghausen hat bereits in Zusammenarbeit mit den Schulen ein abgestimmtes Raumprogramm entwickelt, das als Grundlage für die weiteren Planungsleistungen dient. Dieser Ansatz unterstreicht die Bedeutung einer interdisziplinären Planung, bei der architektonische Visionen auf pädagogische Anforderungen und technische Notwendigkeiten treffen.

Planungsphasen und Vergabe

Ein zentraler Aspekt dieses Projekts ist die strukturierte Vergabe von Planungsleistungen. Gemäß der Vergabebekanntmachung plant die Stadt Barsinghausen die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums und schreibt hierfür Leistungen der Technischen Ausrüstung gemäß § 55 HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) aus. Diese Leistungen umfassen die Anlagengruppen 4 bis 7, die die Bereiche Heizung, Lüftung, Sanitär, Gas, Wasser, Abwasser und Elektrotechnik abdecken, und zwar für die Leistungsphasen 1 bis 9. Dies bedeutet, dass die Planung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) von der ersten Idee bis zur Objektüberwachung vollständig ausgeschrieben und vergeben wird.

Die Planungsphase für die Bauvorhaben befindet sich in der Stadtverwaltung Barsinghausen am Deisterplatz, während die spätere Ausführungsphase am Standort Schulzentrum am Spalterhals erfolgt. Es ist wichtig zu beachten, dass die Vergabe der Überplanung für den TGA-Bereich (AG 4-7) in einer frühen Phase der Projektentwicklung aufgehoben wurde. Dies könnte auf Anpassungen in der Planung oder auf die Notwendigkeit hinweisen, die Vergabestrategie zu überdenken, um die Komplexität des Projekts optimal zu beherrschen.

Für die architektonische Vorplanung wurden bereits spezifische Büros vorgefasst: GÖDDE Architekten aus Gifhorn und REMKE PARTNER INNENARCHITEKTEN mbB aus Barsinghausen. Diese Büros bringen Expertise in die Gestaltung der räumlichen Strukturen ein. Auffällig ist, dass es für den Bereich der Technischen Ausrüstung keine Vorbefassung gibt, was die Notwendigkeit unterstreicht, hier eine umfassende und offene Vergabe durchzuführen, um die besten Ingenieurbüros für die anspruchsvollen Aufgaben zu gewinnen.

Das Raumkonzept: Trakte, Funktionen und Nutzungsstruktur

Die Struktur des Schulzentrums ist in mehrere definierte Trakte unterteilt, die spezifischen Funktionen zugeordnet sind. Die Kenntnis dieser Trakte ist entscheidend, um den Umfang der Sanierungsarbeiten zu verstehen.

  • A-Trakt: Klassenräume des Hannah-Arendt-Gymnasiums (HAG).
  • B-Trakt: Verwaltung und Klassenräume des HAG.
  • C-Trakt: Klassenräume des HAG und Bibliothek (gemeinsam genutzt von HAG und LTS).
  • D-Trakt: Verwaltung und Klassenräume der Lisa-Tetzner-Oberschule (LTS).
  • E-Trakt: Aula und Musikräume (gemeinsam genutzt).
  • F-Trakt: Naturwissenschaften (gemeinsam genutzt).
  • G-Trakt: Kunst, Werken, Musik (gemeinsam genutzt).
  • H-Trakt: Bücherei und Freizeit (gemeinsam genutzt).
  • Drei Sporthallen und ein Mensagebäude.

Die Planung sieht vor, dass die Fachklassentrakte (vermutlich F und G) auch zukünftig von beiden Schulen gemeinsam genutzt werden. Dies fördert die Ressourceneffizienz und stärkt die Vernetzung der beiden Schulgemeinschaften.

Sanierungsumfang und Neubau

Der Kern der Maßnahme ist die Sanierung eines Großteils der bestehenden Bausubstanz. Folgende Bereiche sind explizit zur Sanierung vorgesehen: * Mensa * Trakt A (Klassen HAG) * Trakt B (Verwaltung und Klassen HAG) * Trakt C (Klassen HAG, ohne Bibliothek) * Trakt D (Verwaltung und Klassen LTS) * Trakt E (ohne Aula) * Trakt F (teilweise) * Trakt G und H

Neben der Sanierung sind zwei Anbauten geplant, um die Anforderungen aus dem Raumprogramm zu erfüllen. Diese Neubauten werden voraussichtlich moderne, barrierefreie und flexibel nutzbare Räumlichkeiten für die wachsenden Schulstandorte bereitstellen. Die Bruttogeschossflächen (BGF) teilen sich wie folgt auf: * Sanierung: ca. 21.000 m² * Neubau: ca. 4.000 m²

Insgesamt umfasst das Projekt also eine Fläche von rund 25.000 m², was den "Mammutcharakter" des Vorhabens verdeutlicht.

Technische Anforderungen und Bauphysik

Bei einer Sanierung in diesem Ausmaß sind die technischen Anforderungen enorm. Die Planer müssen sicherstellen, dass die modernen Standards in den Bereichen Energieeffizienz, Brandschutz und Barrierefreiheit eingehalten werden.

Brandschutz

Die Erwähnung des Brandschutzes als zu berücksichtigender Belang ist essenziell. In einem Schulgebäude mit drei Sporthallen, einer Mensa und zahlreichen Klassentrakten müssen sichere Fluchtwege, Brandabschnitte und Brandschutzvorrichtungen (z.B. Brandmeldelanlagen, Rauchabzug) geplant und umgesetzt werden. Die Sanierung bestehender Gebäude stellt hier oft besondere Herausforderungen, da die vorhandene Bausubstanz oft nicht den aktuellen Normen entspricht.

Inklusion und Barrierefreiheit

Ein zentrales Ziel der Modernisierung ist die Schaffung barrierefreier Räume. Dies betrifft nicht nur den Einbau von Aufzügen und ramlosen Übergängen, sondern auch die Gestaltung von Sanitäranlagen, Türen und Verkehrswegen. Die Anforderung "Inklusion" verlangt zudem nach einer barrierearmen Gestaltung von Lernumgebungen, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Die Sanierung von 21.000 m² alten Gebäudebestands bietet die Chance, den Energieverbrauch drastisch zu senken. Obwohl die Quellen hierzu keine detaillierten technischen Spezifikationen liefern (z.B. Dämmstärken, Fenstertypen, Heizungssysteme), impliziert der Begriff "nachhaltige Bauweise" (aus Quelle 4) den Einsatz von energieeffizienten Technologien. Hierzu gehören modernisierte Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen (TGA AG 4-7), die den aktuellen Stand der Technik widerspiegeln. Die Vergebung der TGA-Leistungen über alle LPH (Leistungsphasen) 1-9 garantiert, dass die technischen Systeme von Anfang an integraler Bestandteil der Planung sind.

Moderne Unterrichtsformen

Die Berücksichtigung "moderner Unterrichtsformen" beeinflusst die Raumgestaltung massiv. Es geht weg von starren Frontalunterrichtsräumen hin zu flexiblen Lernlandschaften. Das bedeutet: * Flexible Wände oder großzügige Gruppenräume. * Digitale Infrastruktur (WLAN, Steckdosen, Beamer). * Rückzugsmöglichkeiten für Einzelarbeit. * Projekträume und Labore, die interdisziplinär nutzbar sind.

Die Neubauten von ca. 4.000 m² werden wahrscheinlich genau solche modernen Räume bereitstellen.

Zeitplan und Interims-Lösungen

Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert einen langen Atem. Der Zeitplan ist ambitioniert: Der Baubeginn ist für das Jahr 2027 geplant, und die Fertigstellung soll bis 2032 erfolgen.

Während der Bauzeit muss der Schulbetrieb aufrechterhalten werden. Hierzu sind Interimslösungen unerlässlich. Bereits jetzt ist eine Interims-Mensa in Betrieb gegangen. Diese Maßnahme entlastet die Baustelle und ermöglicht die Sanierung des originalen Mensagebäudes. Quelle 4 erwähnt zudem, dass nach dem Neubau der Wilhelm-Stedler-Schule (WSS) die alte Bert-Brecht-Schule als Interimsstandort genutzt werden könnte. Dies deutet auf ein komplexes Zusammenspiel von Bauphasen und Schulstandorten hin, um den Unterrichtsunterricht nicht zu gefährden.

Architektonische Vision: Verbindungen schaffen

Ein interessanter architektonischer Aspekt, der in den Quellen genannt wird, ist die Idee, durch neue Gebäudeteile Verbindungen zwischen den Türmen zu schaffen. Das Schulzentrum scheint aus höheren Gebäuden (Türmen) zu bestehen. Neue Verbindungsbrücken oder Zwischenbauten könnten nicht nur den inneren Schulweg verkürzen, sondern auch neue, barrierefreie Wegeverbindungen schaffen und das Erscheinungsbild des Komplexes modernisieren. Dies ist ein typischer Ansatz in der Schulsanierung, um oft weitläufige und unübersichtliche Gebäudekomplexe zu strukturieren.

Zusammenarbeit und Akteure

Das Projekt ist ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung (als Schulträger), den Schulleitungen und den Architekten. Die Tatsache, dass ein Raumprogramm bereits abgestimmt wurde, bevor die Planungsleistungen ausgeschrieben wurden, spart Zeit und verhindert teure Nachbesserungen später.

Auch die politische Unterstützung ist gesichert. Die Grünen im Stadtrat Barsinghausen bekennen sich öffentlich zu dem Projekt und betonen die Bedeutung moderner, barrierefreier und nachhaltiger Lernorte. Diese politische Stabilität ist für ein Projekt mit einem Horizon von über zehn Jahren entscheidend.

Fazit

Die Sanierung und der Umbau des Schulzentrums am Spalterhals in Barsinghausen stellen ein bedeutendes Bauvorhaben dar, das den Wandel von alter Bausubstanz hin zu modernen, nachhaltigen und inklusiven Lernorten exemplarisch verdeutlicht. Mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro und einem Sanierungsumfang von über 21.000 m² plus 4.000 m² Neubau handelt es sich um ein Projekt von beträchtlichem technischen und logistischen Aufwand.

Die Planung konzentriert sich auf die detaillierte Ausarbeitung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA), die Einhaltung von Brandschutz- und Barrierefreiheitsstandards sowie die Gestaltung von Räumen, die modernen Unterrichtsformen gerecht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Verwaltung und Schulen bildet das Fundament für den Erfolg dieses Vorhabens. Für die rund 1.200 Schülerinnen und Schüler (5 Züge HAG + 3 Züge LTS) und die Lehrkräfte verspricht das Projekt bis zur Fertigstellung im Jahr 2032 eine Zukunft mit verbesserten Lernbedingungen und einer lebenswerteren Schulinfrastruktur.

Quellen

  1. Aufgehoben: Überplanung Schulzentrum am Spalterhals Barsinghausen - TGA - AG 2023 Barsinghausen
  2. Barsinghausen: Vorbereitungen für den Umbau des Schulzentrums Am Spalterhals
  3. Barsinghausen: Schulzentrum am Spalterhals beschließt Sanierung und Umbau
  4. Grüne unterstützen Sanierungspläne für das Schulzentrum am Spalterhals

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