Die energetische und funktionale Modernisierung von öffentlichen Gebäudebeständen stellt eine der zentralen Aufgaben der modernen Bauwirtschaft dar. Insbesondere Schulgebäude aus den 1970er Jahren, oft in Plattenbauweise errichtet, erreichen heute weder energetische Standards noch erfüllen sie die Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbetrieb. Ein exemplarisches Projekt, das die Komplexität und die Lösungsansätze einer solchen Transformation aufzeigt, ist die Sanierung des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums in Cottbus. Dieser Fall verdeutlicht, wie durch eine strategische Planung und Umsetzung ein veralteter Gebäudebestand in ein lernförderliches, energieeffizientes und architektonisch qualitativ hochwertiges Umfeld transformiert werden kann. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, planerischen und organisatorischen Aspekte dieses Projekts, wobei die Informationen ausschließlich auf den vorliegenden Quellen basieren.
Die Ausgangslage: Strukturelle und energetische Defizite
Das Ludwig-Leichhardt-Gymnasium in Cottbus repräsentiert einen in der Region häufig anzutreffenden Schulbautyp. Laut der Planungsunterlagen (Quelle 4) handelt es sich um einen Bau aus den 1970er Jahren in Plattenbauweise. Die architektonische Struktur besteht aus einem zweigeschossigen zentralen Verwaltungsflügel, dem eine aufgeständerte Aula angegliedert ist. Diese wird von zwei viergeschossigen Klassenraumflügeln flankiert.
Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus mehreren gravierenden Defiziten: 1. Technischer und energetischer Zustand: Das Gebäude entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen an den Wärmeschutz oder die Energieeffizienz. 2. Funktionale Anforderungen: Die bestehenden Raumstrukturen waren nicht auf die Bedürfnisse des modernen Schulbetriebs ausgerichtet. 3. Raumqualität und Identität: Es bestand ein Mangel an geeigneten Schüleraufenthaltsbereichen und eine unklare Orientierung innerhalb des Gebäudes.
Die Sanierung zielte daher nicht nur auf eine reine Instandsetzung ab, sondern verfolgte das Ziel, die Identität der Schule zu präzisieren und die Wertigkeiten der Zugänge zu revidieren, um eine positive Außen- und Innenwirkung zu erzielen.
Planung und Umsetzung: Ein mehrstufiges Konzept
Die Modernisierung des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums ist ein Langzeitprojekt, das sich über mehrere Jahre und Bauabschnitte erstreckte. Laut Quelle 4 erstreckte sich die Planung von 2014 bis 2019 und die Realisierung von 2015 bis 2022. Die Gesamtkosten für das Projekt beliefen sich auf ca. 9,08 Millionen Euro (Quelle 4). Die Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Cottbus als Bauherrn.
Bauabschnitte und Finanzierung
Die Sanierung wurde in mehrere Bauabschnitte (BA) unterteilt, um eine schrittweise Umsetzung zu ermöglichen. Besonders relevant für die Leser aus der Baubranche ist die Organisation der Arbeiten während des laufenden Schulbetriebs.
- Bauabschnitt Zwischenbau (Haus A und B): Ein erster Schritt war die Fertigstellung des Zwischenbaus, der die Häuser A und B verbindet. Hier wurde eine neue Unterkonstruktion der Aula geschaffen, die als Aufenthaltsraum für Pausen oder als Raum für Prüfung genutzt werden kann (Quelle 1).
- Bauabschnitt Haus A (4. Bauabschnitt): Im Jahr 2019 wurde die Sanierung des Hauses A fortgesetzt. Diese Arbeiten wurden durch Mittel des Kommunalinvestitionsfördergesetzes finanziert. Die Baukosten für diesen Abschnitt betrugen 4,5 Millionen Euro. Parallel dazu wurden die Freianlagen im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Stadtumbau Aufwertung" umgesetzt (Quelle 2). Die Fertigstellung des Hauses A war für die Herbstferien 2020 geplant (Quelle 2).
- Bauabschnitt Haus B: Der dritte Bauabschnitt betraf das Gebäude Haus B. Hier war vorgesehen, dass ein Teil der Schüler während der Sanierung in das ehemalige Steenbeck-Gymnasium ausweichen muss (Quelle 1).
Finanziert werden die Maßnahmen durch verschiedene Förderprogramme. Neben dem bereits genannten Kommunalinvestitionsfördergesetz kommt auch das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Soziale Stadt Sandow" zum Einsatz (Quelle 2).
Herausforderung: Sanierung bei laufendem Schulbetrieb
Eine der größten Herausforderungen für Architekten und Bauunternehmer war die Tatsache, dass die Sanierung faktisch bei laufendem Schulbetrieb erfolgen musste (Quelle 1). Dies erfordert eine präzise Koordination von Baustellenlogistik und Schultagesablauf. Die Quellen geben Hinweise darauf, dass die Stadt Cottbus die Sommerferien nutzt, um Bauleistungen komprimiert durchzuführen, um Belastungen für Schüler und Lehrkräfte zu minimieren (Quelle 2). Allerdings wird auch deutlich, dass es zunehmend schwieriger wird, ausreichend Firmenkapazitäten für diese engen Zeitfenster zu binden (Quelle 2). Trotz organisatorischer Hürden, wie einer Havarie, die im Juli 2020 erwähnt wurde, hielt die Sanierung laut Stadtverwaltung weiterhin im Plan (Quelle 3).
Technische und energetische Maßnahmen
Im Zentrum der Sanierung stand die umfassende Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) und die Anpassung an geltende energetische Standards.
Energetische Sanierung
Das Ziel war es, den sanierten Schulbau an heutige energetische Ansprüche anzupassen. Dies umfasst den sommerlichen und winterlichen Wärmeschutz (Quelle 4). Die Quellen geben an, dass die vorhandene Gebäudestruktur weitestgehend erhalten bleibt (Quelle 1). Dies ist ein wichtiger ökologischer und ökonomischer Aspekt, da die Substanz der Plattenbauten in der Regel noch gut ist, aber eine energetische Aufwertung der Hülle notwendig ist.
Eine vollständige Erneuerung erfuhr die folgenden Installationen (Quelle 1): * Elektroinstallation * Heizungsinstallation * Lüftungsinstallation * Sanitärinstallation
Gebäudeautomation und Sicherheit
Ein spezifischer Blick auf die technische Ausstattung, insbesondere im Bereich der Multifunktionshalle, zeigt den Umfang der Modernisierung. Laut Quelle 5 wurden umfangreiche elektrotechnische Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten: * Netzersatzanlagen * Leitungs- und Verteileranlagen * Zentrale Sonnenschutzsteuerung * Rauchabzugsanlagen * Allgemein- und Sicherheitsbeleuchtung * Blitzschutz und Potentialausgleich * Telefonanlagen und Zeiterfassung * Daten- und Telefonnetze
Die Investitionssumme allein für die Elektrotechnik in der Multifunktionshalle belief sich auf 178.000 € (brutto) (Quelle 5). Diese Detaillierung zeigt, dass Modernisierung weit über das „Stuck und Estrich“-Prinzip hinausgeht und tief in die IT- und Sicherheitsinfrastruktur des Gebäudes eingreift.
Räumliche und architektonische Konzepte
Neben der technischen Erneuerung war die Verbesserung der Raumqualität und die Schaffung neuer Nutzungsflächen ein Kernanliegen. Die Architekten (PPS Architekten, Quelle 4) verfolgten einen Anspruch, interne Raumkonzepte den heutigen Funktionsabläufen anzupassen.
Schaffung von Aufenthaltsräumen
Ein zentraler Mangel in vielen älteren Schulgebäuden ist der Mangel an qualitativ hochwertigen Pausenbereichen. Das Projekt am Ludwig-Leichhardt-Gymnasium adressiert dies direkt. Durch den Ausbau unter der Aula entstand ein Multifunktionsraum. Dieser Raum ist explizit als Pausenbereich und gleichzeitig als Raum für Prüfungen und Klausuren konzipiert (Quelle 4). Diese multifunktionale Nutzung ist ein Paradebeispiel für effizienten Raumgebrauch in öffentlichen Gebäuden.
Verbesserung der Orientierung und Lichtführung
Ein weiteres Ziel war die Überdenkung der Orientierung im städtebaulichen Kontext und innerhalb des Gebäudes. Die Planer haben die "Wertigkeiten der Zugänge" revidiert. Dies deutet auf eine bessere visuelle Anbindung und eine klare Strukturierung der Eingangsbereiche hin. Zudem wurde darauf geachtet, natürliches Licht in alle Teile des Gebäudes zu lenken (Quelle 4). Dies ist ein essenzieller Faktor für die Lernförderung und die psychologische Wahrnehmung von Schulräumen.
Innenraumgestaltung: Farben und Bänder
Die ästhetische Aufwertung folgte einem klaren Gestaltungsleitthema: "Farben und Bänder". Für die Fassaden und Innenräume wurden 18 evidente Farbtöne ausgewählt und zu Sequenzen gebildet (Quelle 4). Diese systematische Farbgestaltung dient nicht nur der Verschönerung, sondern auch der besseren Orientierung innerhalb des Gebäudes und der Stärkung der Schulidentität.
Barrierefreiheit und Lernförderung
Die Sanierung integriert auch verbindliche Standards zur Barrierefreiheit (Quelle 4). Dies ist gesetzlich vorgeschrieben und stellt sicher, dass das Gebäude für alle Nutzergruppen zugänglich ist. Ebenso wurde die Anforderung an eine lernfördernde Raumluftqualität umgesetzt. Dies impliziert oft den Einbau von Lüftungsanlagen, die eine konstante Luftqualität sicherstellen, was für die Konzentration von Schülern essenziell ist.
Fazit: Ein Modell für die Schulbausanierung
Das Sanierungsprojekt des Ludwig-Leichhardt-Gymnasiums in Cottbus ist ein umfassendes Beispiel für die Revitalisierung von Bauten der 1970er Jahre. Die Auswertung der vorliegenden Informationen zeigt einen systematischen Ansatz, der weit über eine einfache Instandsetzung hinausgeht.
Die zentralen Erkenntnisse für die Baubranche und Eigentümer von vergleichbaren Gebäudebeständen sind: 1. Schrittweise Umsetzung: Die Unterteilung in Bauabschnitte ermöglicht eine Finanzierung über verschiedene Programme und eine Handhabung bei laufendem Betrieb. 2. Erhalt der Substanz: Die weitestgehende Erhaltung der bestehenden Gebäudestruktur bei gleichzeitiger vollständiger Erneuerung der TGA ist ein ökonomisch sinnvoller Weg. 3. Multifunktionale Raumgestaltung: Die Schaffung neuer Nutzungsflächen (z.B. unter der Aula) steigert den Wert des Gebäudes signifikant und löst Defizite im sozialen Raumangebot. 4. Ganzheitliche Planung: Die Verknüpfung von energetischen Maßnahmen, technischer Erneuerung, barrierefreier Gestaltung und ästhetischer Aufwertung (Farbkonzept) führt zu einem nachhaltigen Ergebnis.
Das Projekt zeigt, dass die Transformation von Plattenbauten zu modernen, lernförderlichen Umgebungen möglich ist, wenn eine klare Planung, die Nutzung von Fördermitteln und eine sensible Handhabung der Betriebsabläufe zusammenspielen.