Luftdichtheitsmessung bei der Sanierung: Normen, Grenzwerte und Vorgehensweisen für eine effiziente Gebäudehülle

Die Sanierung von Bestandsgebäuden stellt Bauherren, Handwerker und Planer vor die Herausforderung, den energetischen Standard zu verbessern und gleichzeitig Bauschäden zu vermeiden. Ein zentraler Faktor ist dabei die Luftdichtheit der Gebäudehülle. Undichte Stellen, sogenannte Leckagen, führen zu erhöhtem Energieverbrauch, Zugluft und oft zu Feuchtigkeitsschäden im Baufug. Um die Qualität einer Sanierungsmaßnahme zu sichern, sind daher nicht nur sorgfältige Planung und Ausführung entscheidend, sondern auch die Überprüfung der Luftdichtheit durch eine professionelle Messung. Dieser Artikel beleuchtet die rechtlichen Grundlagen, die relevanten Normen und die praktische Durchführung von Luftdichtheitsmessungen im Zuge einer Sanierung.

Die gesetzlichen und normativen Grundlagen

Die Anforderungen an die Luftdichtheit von Gebäuden sind in Deutschland durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und technische Normen fest verankert. Eine luftdichte Gebäudehülle ist nicht nur für den Wärmeschutz, sondern auch für die Bautenschutzphysik von großer Bedeutung. Sie verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in Bauteile eindringt, wo sie zu Tauwasser führen und die Bausubstanz schädigen kann.

Gebäudeenergiegesetz (GEG) und DIN 4108-7

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt die Anforderungen an den Wärmeschutz und die Energieeffizienz von Gebäuden. Im § 26 GEG wird die Messung der Luftdichtheit als Nachweisverfahren beschrieben. Wichtig ist zu unterscheiden: Während § 13 GEG die dauerhaft luftundurchlässige Gebäudehülle fordert, ist die Messung nach § 26 GEG eine Option zur Überprüfung. Die technischen Anforderungen an Planung und Ausführung sind in der DIN 4108-7 „Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele“ zusammengefasst. Diese Norm legt fest, wie die luftdichte Ebene beschaffen sein muss, um den Wärmeschutz und die Bausubstanz zu gewährleisten.

Das Verfahren: DIN EN ISO 9972

Das Prüfverfahren selbst ist in der DIN EN ISO 9972:2018-12 (Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren) definiert. Es ist der Standard für die Durchführung von Luftdichtheitsmessungen, auch bekannt als Blower-Door-Test.

Das Blower-Door-Verfahren in der Praxis

Die Luftdichtheitsmessung wird mittels des sogenannten Blower-Door-Verfahrens durchgeführt. Dabei wird ein Gebäude unter einen definierten Über- oder Unterdruck gesetzt, um Leckagen zu identifizieren und die Luftwechselrate zu bestimmen.

Vorbereitung und Durchführung

Damit eine Messung aussagekräftige Ergebnisse liefert, muss das Gebäude vor der Messung vollständig fertiggestellt und gemäß den Vorgaben der Normen abgedichtet werden. Fenster und Türen müssen geschlossen sein, offene Durchgänge versiegelt werden. Ein Ventilator wird in eine Außentür oder ein Fenster montiert und erzeugt eine Druckdifferenz von 50 Pascal (Pa). Diese Druckdifferenz simuliert die Windlast auf die Gebäudehülle und macht undichte Stellen sichtbar oder messbar. Gemessen wird der Luftvolumenstrom, der benötigt wird, um diesen Druck aufrechtzuerhalten. Zusätzlich kann die Leckageortung mittels Thermografie oder Rauchstäbchen erfolgen, um die genaue Position der Fehlstellen zu finden.

Kennzahlen: n50 und qE50

Die Ergebnisse der Messung werden in verschiedenen Kennzahlen ausgedrückt: * Luftwechselrate n50: Sie gibt an, wie oft pro Stunde das gesamte Luftvolumen des Gebäudes durch Leckagen ausgetauscht wird. Der Wert wird in der Einheit h⁻¹ angegeben. * Luftdurchlässigkeit qE50: Dieser Wert bezieht den Luftvolumenstrom auf die Hüllfläche des Gebäudes. Er wird in m³/(h·m²) angegeben.

Diese Kennzahlen sind entscheidend für die energetische Bilanzierung nach DIN V 18599-2, da sie die Lüftungswärmeverluste über Infiltration ermitteln.

Grenzwerte und Anforderungen bei der Sanierung

Bei der Sanierung von Bestandsgebäuden gelten spezifische Anforderungen, die sich von Neubauten unterscheiden können. Ziel ist es, die bestmögliche Qualität zu erreichen, um Bauschäden zu vermeiden und die Energieeffizienz signifikant zu steigern.

Anforderungen nach DIN 4108-7

Die DIN 4108-7 definiert Grenzwerte für die Luftdichtheit. Sofern die EnEV (die Vorgängerin des GEG) keine spezifischen Anforderungen stellt, gelten für Neubauten und sanierte Gebäude folgende Werte: * Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen (RLT): Die Luftwechselrate n50 darf 3,0 h⁻¹ nicht überschreiten. * Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen: Die Luftwechselrate n50 darf 1,5 h⁻¹ nicht überschreiten.

Für Gebäude mit einem Innenvolumen von mehr als 1500 m³ wird zusätzlich die Luftdurchlässigkeit q50 herangezogen, die den Wert von 3,0 m³/(h·m²) nicht überschreiten darf.

Empfohlene Werte und die Realität in der Sanierung

Die DIN 4108-7 empfiehlt sogar strengere Werte für eine hohe Qualität: n50-Werte von 1,0 h⁻¹, 1,5 h⁻¹ oder 3,0 h⁻¹, abhängig vom Lüftungssystem. In der Praxis der Sanierung von Altbaubeständen ist die Erreichung dieser Werte oft eine Herausforderung. Eine umfassende Analyse und Planung sind unerlässlich. Es wird empfohlen, eine Einpunkt-Messung bei 50 Pa mit Leckageortung durchzuführen, um die Ist-Situation zu erfassen und Maßnahmen abzuleiten. Sofern eine vollständige luftdichte Ebene nicht umsetzbar ist, muss die bestmögliche Qualität angestrebt werden.

Luftdichtheitskonzept: Planung vor der Sanierung

Eine Messung ersetzt niemals die sorgfältige Planung und Ausführung. Um die Qualität der Sanierung zu sichern, ist die Erstellung eines Luftdichtheitskonzepts vor Beginn der Arbeiten essenziell.

Ziele des Konzepts

Im Luftdichtheitskonzept werden alle Maßnahmen beschrieben, die für eine ausreichende und dauerhafte Luftdichtheit der Gebäudehülle notwendig sind. Es legt den Verlauf der luftdichten Ebene fest und definiert die zu verwendenden Materialien. Besonders bei Einzelmaßnahmen wie Fensteraustausch oder Dachmodernisierung ist die Überprüfung der Dichtheit entscheidend. Ein Konzept schafft Sicherheit für alle Beteiligten – vom Bauherren bis zum ausführenden Handwerker.

Die Stiftregel

Ein zentrales Planungsprinzip ist die sogenannte Stiftregel. Sie besagt, dass die luftdichte Schicht im Gebäudequerschnitt umlaufend, ohne Lücken und ohne abzusetzen, nachgefahren werden können muss. Die luftdichte Ebene muss raumseitig der Dämmung angeordnet werden, um die warme, feuchte Innenluft am Durchströmen der Konstruktion zu hindern.

Maßnahmen zur Sanierung und Nachbesserung

Ist bei einer Messung festgestellt worden, dass die Grenzwerte nicht eingehalten werden, sind Nachbesserungen notwendig. Hier gilt es, zwischen luftdichten Schichten und optionalen Messungen zu unterscheiden.

Identifikation und Sanierung von Leckagen

Werden bei der Dichtheitsprüfung unzureichende Werte gemessen und Fehlstellen erkannt, sind Nachbesserungen an der Luftdichtheitsebene oft aufwändig und teuer, besonders wenn die Ebene bereits vollständig verkleidet ist. Darum ist eine baubegleitende Qualitätskontrolle durch Zwischenmessungen sinnvoll. Leckagen können durch Sichtprüfung, Thermografie oder mittels des Blower-Door-Verfahrens lokalisiert werden. Typische Schwachstellen sind Anschlüsse von Fenstern und Türen, Durchdringungen im Dachbereich und Anschlüsse von Boden und Wand.

Kontrollierte mechanische Lüftung

Wenn eine luftdichte Gebäudehülle erreicht wird, sinkt der Luftwechsel durch Infiltration stark ab. Um dennoch einen gesunden Luftaustausch zu gewährleisten und Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden, wird oft eine kontrollierte mechanische Lüftung in Betracht gezogen. Diese ermöglicht einen bedarfsgerechten Luftaustausch und verhindert das Eindringen feuchter Raumluft über einzelne Leckagen in die Bausubstanz.

Zusammenhang zwischen Luftdichtheit und Energieeffizienz

Eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle ist ein wesentlicher Baustein für die Energieeffizienz eines Gebäudes. Undichte Stellen führen zu unkontrollierten Luftströmen, die Wärmeenergie nach außen transportieren (Lüftungswärmeverluste). Diese Verluste müssen durch eine höhere Heizleistung kompensiert werden, was den Energieverbrauch und die Betriebskosten erhöht.

Durch die Sanierung der Gebäudehülle und die Sicherstellung der Luftdichtheit können diese Verluste minimiert werden. Die in der Messung ermittelten Werte fließen direkt in die energetische Bilanzierung ein und belegen die Effizienz der durchgeführten Maßnahmen. Zudem wird die Lebensdauer der Bausubstanz verlängert, da keine feuchte Raumluft in kalte Bauteile eindringen und dort zu Schimmelbildung oder Bauschäden führen kann.

Wirtschaftliche Aspekte und Qualitätssicherung

Die Investition in eine professionelle Luftdichtheitsmessung und ein sorgfältiges Luftdichtheitskonzept amortisiert sich durch mehrere Faktoren.

Vermeidung von Folgekosten

Die Qualitätssicherung durch eine Messung ist sehr wichtig, da so eventuell nötige Nacharbeiten mit geringem Aufwand und kostengünstig erfolgen können. Werden Mängel erst nach Abschluss der Sanierung und nach Verkleidung der Bauteile entdeckt, sind die Kosten für Nachbesserungen deutlich höher. Eine frühzeitige Planung und Kontrolle beugt solchen teuren Fehlern vor.

Anforderungen des Baugewerbes

Die Luftdichtheitsmessung und die Sanierung von Altbauten sind zukunftsweisende Aspekte im Baugewerbe. Fachhandwerker sollten sich dieser Entwicklung bewusst sein und die Bedeutung der Luftdichtheitsmessung in ihre Planungen und Arbeiten integrieren. Durch die gezielte Umsetzung von Luftdichtheitskonzepten können Handwerker die Qualität ihrer Sanierungsprojekte gewährleisten und den Anforderungen des sich wandelnden Baugewerbes gerecht werden.

Fazit

Die Luftdichtheitsmessung ist ein unverzichtbares Werkzeug bei der Sanierung von Bestandsgebäuden. Sie liefert objektive Daten zur Qualität der Gebäudehülle und ermöglicht eine zielführende Optimierung. Die Einhaltung der normativen Vorgaben nach DIN 4108-7 und DIN EN ISO 9972 sowie die Berücksichtigung der Grenzwerte des GEG sind hierbei essenziell. Ein durchdachtes Luftdichtheitskonzept, das die Stiftregel berücksichtigt, bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung. Nur durch die Kombination aus sorgfältiger Planung, fachgerechter Ausführung und anschließender Überprüfung mittels Blower-Door-Test können energetische Ziele erreicht und die Bausubstanz langfristig geschützt werden. Für Bauherren und Handwerker ist es daher unerlässlich, die Luftdichtheit als integralen Bestandteil jeder Sanierungsmaßnahme zu betrachten.

Quellen

  1. Gebäudeforum - Luftdichtheit
  2. Bausubstanz - Gebäudeluftdichtheit in der Bestandssanierung
  3. luftdicht.info - Normen, Regelwerke, Grenzwerte
  4. Wöhler - Luftdichtheitsmessung und Sanierung von Altbauten

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