Sanierung der Lübschen Straße in Wismar: Umfangreiche Maßnahmen für eine historische Hauptverkehrsader

Die Lübsche Straße in Wismar ist mehr als nur eine Straße; sie ist die Lebensader der Hansestadt und mit einer Länge von 4,2 Kilometern ihre längste Verkehrsader. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung und ihres Alters ist die Straße in Mitleidenschaft gezogen, was eine umfassende Sanierung unvermeidlich macht. Für Eigentümer, Anwohner und in der Bauindustrie Tätige ist es entscheidend, den Umfang, die Planung und die Auswirkungen dieser Baumaßnahmen zu verstehen. Dieser Artikel beleuchtet die detaillierten Aspekte der anstehenden Sanierung, basierend auf offiziellen Ausschreibungen und lokalen Berichten.

Die Notwendigkeit der Sanierung

Die Lübsche Straße ist eine zentrale Achse im Wismarer Verkehrsnetz, die täglich von einer Vielzahl von Fahrzeugen genutzt wird. Die ständige Belastung hat zu erheblichen Schäden am Asphalt und der underlyingen Infrastruktur geführt. Laut lokalen Berichten ist eine Sanierung deshalb dringend erforderlich, um die Verkehrssicherheit und die Langlebigkeit der Straße zu gewährleisten. Die Sanierung ist Teil einer größeren städtebaulichen Initiative, die darauf abzielt, die historische Substanz der Stadt zu erhalten und gleichzeitig moderne Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur zu erfüllen.

Projektstruktur und Vergabe

Die Sanierung der Lübschen Straße ist in zwei Hauptabschnitte unterteilt. Ein wesentlicher Teil der Sanierung erstreckt sich vom Burgwall bis zum Lübschen Tor. Für diesen Abschnitt wurden spezifische Planungsleistungen ausgeschrieben.

Vergabeverfahren und Auftragsvergabe

Die Hansestadt Wismar, vertreten durch das Rechtsamt, ist der Beschaffer für dieses Projekt. Es handelt sich um einen Dienstleistungsauftrag im Bereich der Ingenieurbüros (CPV 71300000). Der Auftragstitel lautet: "Planungsleistungen Sanierung Lübsche Straße Burgwall bis Lübsches Tor einschließlich Ersatzneubau Brücke". Die Vergabe erfolgte in einem offenen Verfahren. Hierbei sind zwei Angebote eingegangen, die ausschließlich von kleinen Unternehmen stammten. Der Zuschlag wurde am 13. Dezember 2024 erteilt, nachdem die Auswahl der Gewinner bereits am 10. Oktober 2024 erfolgt war. Die Rechtsgrundlage bildet die Richtlinie 2014/24/EU.

Umfang der Planungsleistungen

Der Auftrag umfasst eine umfassende Objektplanung in verschiedenen Leistungsphasen (Lph). Dies beinhaltet: * Objektplanung Verkehrsanlagen: Von Lph 3 bis 7, was die detaillierte Planung der Verkehrsflächen abdeckt. * Besondere Leistungen der Objektplanung Verkehrsanlagen: Diese umfassen die gesamten Lph 1 bis 7, was eine ganzheitliche Planung von der Vorplanung bis zur Objektüberwachung bedeutet. * Objektplanung Ingenieurbauwerke: Abgedeckt werden die Lph 1, 2, 3, 4, 6 und 7. * Tragwerksplanung: Speziell für das Ingenieurbauwerk. * Technische Ausrüstung: Inklusive der Beleuchtung. * Objektplanung Umwelt / LBP / LAP: Für die Erschließung im Gewerbegebiet West.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der Ersatzneubau der Brücke über die Köppernitz (Brückenwerk-Nr. 28). Dieser Neubau ist nicht nur eine reine Verkehrsführung, sondern ein komplexes Ingenieurbauwerk, das eine sorgfältige Tragwerksplanung erfordert.

Zeitplan und Durchführung der Baumaßnahmen

Die Sanierungsarbeiten beginnen offiziell am 8. April. Für Autofahrer und den öffentlichen Nahverkehr bedeutet dies erhebliche Einschränkungen. Die Lübsche Straße wird in Teilabschnitten voll gesperrt, und es werden Umleitungen eingerichtet. Auch der Busverkehr ist von den Sperrungen betroffen, was die Verkehrsplanung für die Stadt und ihre Bewohner erschwert.

Geplante Sperrungen und Baumfällarbeiten

Neben den langfristigen Sanierungsarbeiten sind auch kurzfristige Sperrungen für spezifische Maßnahmen geplant. Der Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb der Hansestadt Wismar (EVB) hat für den Zeitraum vom 14. Oktober 2025, 7:00 Uhr, bis zum 15. Oktober 2025, 12:00 Uhr, eine Vollsperrung von Teilabschnitten der Lübschen Straße und des Schiffbauerdamms angekündigt.

Diese Sperrung ist für Baumfällarbeiten und Asphaltierungsarbeiten notwendig. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Kreuzung Lübsche Straße/Werftstraße/Am Köppernitztal und der Kreuzung Lübsche Straße/Schiffbauerdamm/Philipp-Müller-Straße. Zusätzlich wird der Schiffbauerdamm zwischen der Lübschen Straße und der Straße Burgwall gesperrt.

Für die Anlieger ergeben sich dabei besondere Einschränkungen: * Umleitung: Die Umleitung führt über die Philipp-Müller-Straße und die Straße Am Köppernitztal. * Sackgasse: Die Straße An der Koggenoor wird zwischen Wendorfer Weg und Lübsche Straße zur Sackgasse, ohne Wendemöglichkeiten für Lkw. * Erreichbarkeit: Der Zugang für Rettungsfahrzeuge und die Müllentsorgung ist gesichert. Anliegende Grundstücke sind jedoch nur zu Fuß erreichbar.

Die Stadt bittet um Verständnis und erhöhte Vorsicht. Die Maßnahmen werden so schnell wie möglich durchgeführt, um die Dauer der Einschränkungen zu minimieren.

Einbettung in die Gesamtsanierung der Altstadt

Die Sanierung der Lübschen Straße ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer langfristigen Strategie zur Stadtsanierung. Die Altstadt von Wismar ist seit 1992 ein Sanierungsgebiet. Stück für Stück wird sie mit Hilfe von Städtebaufördermitteln saniert.

Erfolgreiche Abschlüsse und anstehende Aufgaben

Kürzlich wurde ein weiterer Teilgebiet, das "Teilgebiet 4", fertig saniert. Es handelt sich um etwa 150 Grundstücke zwischen der Lübschen Straße und der Marienkirche auf einer Fläche von etwa zwei Hektar. Die Gebäude hier sind meist mehrstöckig und teilweise Jahrhunderte alt. Nach Abschluss der Sanierung in diesem Gebiet können die Eigentümer keine weiteren Städtebaufördermittel mehr in Anspruch nehmen. Stattdessen müssen sie einen Ausgleichsbetrag zahlen, dessen Höhe sich nach der Wertsteigerung des Grundstücks durch die Sanierung richtet. Dieses Geld fließt wiederum in die Städtebauförderung, um weitere Projekte zu finanzieren.

Langfristige Planung bis 2040

Trotz der Erfolge ist die Sanierung der historischen Altstadt noch lange nicht abgeschlossen. Laut Angaben der Stadt Wismar müssen noch etwa 70 Häuser saniert werden. Um dies zu ermöglichen, wurde die Laufzeit der Sanierungssatzung bis ins Jahr 2040 verlängert. Diese langfristige Planungssicherheit ist für Eigentümer und Investoren von großer Bedeutung, da sie den fortgesetzten Einsatz von Fördermitteln und die Verpflichtung zur Sanierung bis zu diesem Zeitpunkt garantiert.

Bedeutung für Eigentümer und Anwohner

Für Eigentümer von Immobilien entlang der Lübschen Straße und in der Altstadt bedeutet die anstehende Sanierung sowohl Chancen als auch Herausforderungen. * Wertsteigerung: Eine sanierte Straße mit neuer Asphaltdecke, moderner Beleuchtung und einer stabilen Brücke über die Köppernitz wird die Aufwertung des gesamten Gebiets fördern. Dies kann sich positiv auf den Immobilienwert auswirken. * Zugänglichkeit: Während der Bauphase muss mit erheblichen Einschränkungen bei der Anfahrt zu den Grundstücken gerechnet werden. Die Informationen des EVB zeigen, dass in Phasen wie der Baumfällung die Grundstücke nur zu Fuß erreichbar sein werden. Dies erfordert Planung, insbesondere für Lieferanten oder Handwerker. * Fördermittel: Für die eigenen Sanierungsarbeiten an den Gebäuden sollten Eigentümer die Möglichkeiten der Städtebauförderung prüfen, solange diese noch verfügbar sind. Mit dem Auslaufen der Sanierungssatzungen in den fertiggestellten Teilgebieten entfällt diese Option.

Fazit

Die Sanierung der Lübschen Straße in Wismar ist ein komplexes und langfristiges Bauvorhaben, das tief in die städtische Infrastruktur und die Lebenswelt der Bewohner eingreift. Die Maßnahmen umfassen nicht nur die Erneuerung der Asphaltdecke, sondern auch den Ersatzneubau einer wichtigen Brücke und die Anpassung der gesamten Verkehrsinfrastruktur. Die Vergabe der Planungsleistungen an kleine Unternehmen und der klare Zeitplan zeigen den strukturierten Ansatz der Hansestadt Wismar.

Für die Bewohner und Eigentümer bedeutet dies eine Phase der Umstrukturierung, die mit temporären Einschränkungen verbunden ist, langfristig aber zu einer Aufwertung der gesamten Zone führt. Die parallel laufende Sanierung der historischen Altstadt bis ins Jahr 2040 unterstreicht den umfassenden städtebaulichen Sanierungsprozess, der die historische Bausubstanz Wismars für die Zukunft sichert. Eine sorgfältige Information und Planung seitens der Betroffenen ist daher unerlässlich, um die Bauphase bestmöglich zu bewältigen.

Quellen

  1. Ostsee-Zeitung: Lübsche Straße in Wismar wird saniert
  2. Ostsee-Zeitung: Sanierung der Lübschen Straße startet
  3. Ausschreibungen Deutschland: Planungsleistungen Sanierung Lübsche 2025 Wismar
  4. NDR: Wismarer Altstadt - Sanierung eines Teilgebietes abgeschlossen
  5. Wismar.fm: Vollsperrung in der Lübschen Straße und im Schiffbauerdamm

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