Die Sanierung und der Umbau von Stadien stellen komplexe Bauvorhaben dar, die weit über die reine Erneuerung von Beton und Stahl hinausgehen. Sie sind Investitionen in die städtische Infrastruktur, die Sicherheit und das Erlebnis für Tausende von Besuchern. In Magdeburg, einer Stadt mit reicher Sportgeschichte, stehen derzeit zwei bedeutende Arenen im Fokus der Bauplanung und Modernisierung: die MDCC-Arena, Heimspielstätte des 1. FC Magdeburg, und die GETEC-Arena, Austragungsort für Handball und kulturelle Veranstaltungen. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Fach- und Presseberichten beleuchten die Maßnahmen, die an diesen Standorten umgesetzt wurden und geplant sind.
Für Bauherren, Projektmanager und Immobilienexperten bietet der Blick auf diese Großprojekte wertvolle Einblicke in moderne Planungsmethoden, die Integration von Tragwerksanforderungen und die Notwendigkeit, Baumaßnahmen mit laufendem Betrieb zu koordinieren.
Die MDCC-Arena: Sanierung und Kapazitätssteigerung unter laufendem Spielbetrieb
Die MDCC-Arena (früher Stadion am Königsweg) ist ein zentrales Element der Magdeburger Sportkultur. Die Notwendigkeit für eine Sanierung wurde durch strukturelle Probleme deutlich, die bereits 2017 auftraten. Damals musste die Nordtribüne aufgrund von statischen Bedenken gesperrt werden, da das rhythmische Hüpfen der Fans – ein Phänomen, das Ingenieure als „Fußballer-Hüpfen“ oder „Tribünendynamik“ bezeichnen – die Tragfähigkeit der Konstruktion gefährdete. Dieser Vorfall löste den dringenden Handlungsbedarf aus.
Planung und Zuständigkeit
Für die umfassende Planung und Sanierung wurde die Ingenieurs- und Planungsgesellschaft phase10 beauftragt. Das Unternehmen präsentierte im November 2017 auf einem Stadiongipfel im Magdeburger Rathaus die Konzepte für den Umbau. Ein besonderes Merkmal der Planung war die interne Integration von Fachplanungen, darunter Haustechnik und Brandschutz. Diese Bündelung von Kompetenzen ermöglichte es, schnell schlagkräftige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.
Bauphasen und technische Umsetzung
Das Bauvorhaben wurde in mehreren Abschnitten durchgeführt, um den laufenden Spielbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Dennoch führten die Baumaßnahmen zu erheblichen Einschränkungen bei der Kapazität.
- Errichtung einer neuen Pressetribüne: Bereits vor Beginn der Hauptumbauarbeiten entstand eine neue Presse- und Medientribüne mit 77 Plätzen für TV-, Radio- und Printmedien sowie Fotografen. Diese wurde in den Blöcken 21 und 22 realisiert. Durch die Verlagerung der Medienplätze mussten an dieser Stelle Zuschauerplätze weichen.
- Umbau der Nordtribüne: Das Kernstück der Sanierung war die Umwandlung der Nordtribüne von einem Sitzplatz- in einen reinen Stehplatzbereich. Ziel war es, die durch die neue Pressetribüne verlorenen Plätze auszugleichen und die Gesamtkapazität der Arena zu erhöhen. Der Umbau erfolgte in zwei Phasen:
- Phase 1 (Rückrunde Saison 2018/19): Hierbei wurden die Blöcke 1 bis 4 sowie Teile des Blocks 5 saniert. Während dieser Phase fielen aufgrund der Teilsperrung rund 5.000 Plätze weg.
- Phase 2 (Sommerpause und Hinrunde 2019/20): In diesem Abschnitt wurden die restlichen Bereiche der Blöcke 5 bis 7 sowie Teile des Blocks 8 fertiggestellt.
- Verbesserung der Medieninfrastruktur: Parallel zum Umbau der Tribünen wurde auf der Haupttribüne ein Medienblock eingerichtet, um die Zweitligatauglichkeit zu gewährleisten. Dies beinhaltete die Optimierung der Voraussetzungen für Hauptkameras und die Medienverkabelung.
- Sicherheits- und Parkplatzmaßnahmen: In der Sommerpause 2019 wurden an allen Eingängen neue Vereinzelungsanlagen installiert, um die Sicherheit im Stadion zu erhöhen. Zudem erfolgte im Frühjahr 2020 eine Erweiterung des Parkplatzangebots um 400 Plätze.
Die Arbeiten, die bis Februar 2020 andauerten, wurden bei laufendem Spielbetrieb durchgeführt. Als Bauherr fungierte die Landeshauptstadt Magdeburg, vertreten durch das Kommunale Gebäudemanagement. Weitere beteiligte Planungsbüros waren Baudynamik Heiland & Mistler, Leonhardt, Andrä und Partner (Beratende Ingenieure VBI AG) sowie Elektroplanung Künzel.
Die GETEC-Arena: Zwischen Modernisierung und Neubau
Während die MDCC-Arena bereits saniert wurde, befindet sich die GETEC-Arena in einer Zukunftsdebatte. Die Halle, die 1997 eröffnet wurde und Heimat des SC Magdeburg (Handball) ist, bietet Platz für bis zu 7.782 Zuschauer und weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, der sich aus ihrem Alter und den Anforderungen moderner Veranstaltungstechnik ergibt.
Die Strategie der Stadtverwaltung
Die Magdeburger Oberbürgermeisterin Simone Borris hat sich mit einer klaren Positionierung in die Diskussion eingebracht. Die Stadtverwaltung hat eine Beschlussvorlage zur Zukunft der Arenalandschaft in Magdeburg vorgelegt. Dabei wurden drei grundsätzliche Optionen geprüft: 1. Betriebserhalt: Weiterbetrieb in der bestehenden Substanz. 2. Modernisierung: Eine grundlegende Sanierung der bestehenden Halle. 3. Ersatzneubau: Der Bau einer komplett neuen Arena.
Geplante Investitionen und Prüfung eines Neubaus
Aktuell hat sich die Politik für einen zweigleisigen Ansatz entschieden. Einerseits wurden Investitionen in Höhe von 13,55 Millionen Euro für die Erhaltung und Modernisierung der GETEC-Arena beschlossen. Diese Summe soll in die dringendsten Reparaturen und Updates fließen.
Andererseits wird parallel dazu die Prüfung eines Neubaus vorangetrieben. Konkret wird eine moderne Mehrzweckarena für Sport und Kultur mit bis zu 10.000 Plätzen untersucht. Diese Kapazität würde die aktuelle Halle deutlich übertreffen und größere Events ermöglichen. Die Überlegungen zu einem Neubau stehen im Kontext der Tatsache, dass die GETEC-Arena seit ihrer Eröffnung keine umfassende Modernisierung erfahren hat, die den heutigen Standards an Barrierefreiheit, Medientechnik und Energieeffizienz entspricht.
Das Heinrich-Germer-Stadion: Historie und aktueller Zustand
Ein dritter Standort, der in den Quellen Erwähnung findet, ist das Heinrich-Germer-Stadion. Mit einer Geschichte von über 100 Jahren (Einweihung 1920 als „Stadion am Königsweg“) ist es Magdeburgs zweitgrößte Sportstätte nach der MDCC-Arena. Es erinnert an glorreiche Zeiten, als hier im DDR-Zeitalter Europapokalspiele gegen Teams wie Arsenal London ausgetragen wurden.
Heute zeigt sich das Stadion in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Die Quellen erwähnen zwar, dass die Stadt einen Plan für die Anlage hat, liefern jedoch keine detaillierten technischen Informationen zu konkreten Umbaumaßnahmen, Kosten oder Zeitplänen, wie sie für die MDCC-Arena vorliegen. Es bleibt festzuhalten, dass es sich um einen Standort mit hohem Denkmalwert, aber dringendem Sanierungsbedarf handelt.
Fazit
Die Baumaßnahmen in Magdeburg verdeutlichen die Herausforderungen und Notwendigkeiten der modernen Stadion- und Arenaplanung. Die MDCC-Arena steht exemplarisch für eine gelungene Sanierung unter erschwerten Bedingungen (laufender Spielbetrieb) durch professionelle Ingenieursplanung. Der Fokus lag hier auf der Sicherheit (Tragwerksanpassung), der Erhöhung der Kapazität durch Stehplatzumbau und der Anpassung an medientechnische Anforderungen der 2. Bundesliga.
Für die GETEC-Arena zeigt sich ein anderes Bild: Hier befindet man sich in der strategischen Planungsphase. Die Entscheidung zwischen Modernisierung und Neubau einer 10.000er-Arena ist eine wirtschaftliche und städtebauliche Weichenstellung, die Investitionen im zweistelligen Millionenbereich erfordert.
Für Bauinteressierte und Projektverantwortliche in der Immobilien- und Baubranche sind diese Projekte Beispiele dafür, wie interdisziplinäre Planung (Ingenieurwesen, Architektur, Haustechnik, Brandschutz) und das Management von Teilsperrungen essenziell für den Erfolg von Sanierungen sind. Die Entscheidung, eine bestehende Bausubstanz zu erneuern oder durch einen Neubau zu ersetzen, bleibt eine Abwägung zwischen Erhalt von Tradition und der Notwendigkeit, modernen Anforderungen gerecht zu werden.
Quellen
- Stadionwelt: Magdeburger Stadion wird umgebaut
- Stadionwelt: Magdeburg: Pläne für MDDC-Arena und GETEC-Arena
- Phase-10: Sanierung MDCC-Arena Magdeburg
- Stadionwelt: Magdeburg: 100 Mio. Euro für neue Arena?
- Volksstimme: So geht es mit dem Heinrich-Germer-Stadion in Magdeburg weiter
- Volksstimme: Heinrich-Germer-Stadion: Sanierung, Tradition, FCM, Freizeit