Einleitung
Das Erwin-Piscator-Haus (EPH) in Marburg ist ein zentrales Kultur-, Veranstaltungs- und Tagungszentrum, das im Herzen der Universitätsstadt liegt. Benannt nach dem Regisseur Erwin Piscator, wurde das Gebäude ursprünglich im Jahr 1969 eröffnet. Nach einer mehrjährigen Sanierung fand im Juni 2016 die Wiedereröffnung statt. Das Haus zeichnet sich durch seine moderne, offene Architektur und ein vielseitiges Raumkonzept aus, das eine multifunktionale Nutzung ermöglicht. Es dient als zentrale Eventlocation der Stadt und wird im Regiebetrieb der Universitätsstadt Marburg betrieben. Neben dem eigentlichen Veranstaltungshaus umfasst der Betrieb auch die Schlossparkbühne, eine Open-Air-Location aus dem Jahr 1927.
Dieser Artikel beleuchtet die architektonischen und technischen Eigenschaften des Hauses, die durch die Sanierung im Jahr 2016 erreichten Qualitäten sowie die Bandbreite der Nutzungsmöglichkeiten unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen an ein modernes Veranstaltungszentrum.
Architektur und Bauweise
Die Architektur des Erwin-Piscator-Hauses prägt das Stadtbild Marburgs durch eine moderne, offene Gestaltung. Die Sanierung und der Umbau, die 2016 abgeschlossen wurden, zielten darauf ab, ein flexibles Raumkonzept zu etablieren, das sich dem Wesen unterschiedlichster Veranstaltungen anpassen kann. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt/Main honorierte diese Leistung mit dem „Preis für Architektur in Deutschland“, der an das Münchener Architekturbüro Hess/Talhof/Kusmierz vergeben wurde. Die Platzgestaltung übernahm das Büro OK Landschaft, wodurch der Außenbereich vor dem Gebäude als Aufenthaltsraum für Besucher gestaltet wurde.
Raumkonzept und Flexibilität
Ein Kernmerkmal des Hauses ist seine flexible Nutzbarkeit. Durch den Einsatz moderner Bühnen- und Saalkonzepte kann das Gebäude unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden. Zu den technischen Voraussetzungen für diese Flexibilität zählen: * Fahrbare Tribünen * Absenkbare Böden * Bewegliche Wände
Diese Elemente ermöglichen es, den Innenraum je nach Bedarf umzugestalten. Besonders hervorzuheben sind die Dachterrasse und der Panoramasaal, die einen Blick auf die Oberstadt Marburgs bieten und eine besondere Atmosphäre für Veranstaltungen schaffen.
Barrierefreiheit und Zugänglichkeit
Das Veranstaltungshaus ist als barrierefreie Einrichtung konzipiert. Dies ist ein entscheidender Aspekt moderner öffentlicher Gebäude, um den Zugang für alle Besucher zu gewährleisten. Die offene Architektur unterstützt diesen Ansatz, indem sie Wege und Zugänge klar und übersichtlich gestaltet.
Technische Ausstattung und Materialien
Die technische Ausstattung des Erwin-Piscator-Hauses ist auf dem neuesten Stand der Technik. Die Sanierung im Jahr 2016 beinhaltete die Ausrüstung mit zeitgemäßen Kommunikations- und Präsentationstechniken. Dies ist essenziell für die Nutzung als Tagungszentrum und für moderne Eventformate.
Innenraumgestaltung und Bodenbeläge
Der Objektbericht der Firma Rinn liefert detaillierte Informationen über die verwendeten Materialien im Außen- und Innenbereich. Für die Platzgestaltung und Teile der Innenausstattung wurden hochwertige Terralit-Platten eingesetzt. Die Auswahl der Materialien unterstreicht den Anspruch auf Langlebigkeit und Ästhetik.
Verwendete Produkte im Detail: * Magnum Platten: 8 und 14 cm in den Farben terralit hell, mittel und dunkel (Sonderfarben). * Bodenindikatoren: Rippen- und Noppenplatten Anthrazit mit Beschichtung RSF 5 Oberflächenschutz. Diese dienen der Orientierung und Sicherheit im Außenbereich. * Schrammborde: In terralit dunkel (Sonderfarbe). * Sitzbankteile: In terralit hell (Sonderfarbe). * Rinnenabdeckungen: Mit Entwässerungslöchern in terralit hell (Sonderfarbe).
Diese Materialien sind robust und für den öffentlichen Bereich konzipiert. Die spezifischen Farben (Sonderfarben) deuten auf eine maßgeschneiderte Gestaltung hin, die sich in das architektonische Gesamtkonzept einfügt.
Veranstaltungstechnik
Das Haus verfügt über eine große Bandbreite an technischer Infrastruktur, die es ermöglicht, verschiedene Genres zu bedienen. Die Kapazität des großen Saals ist für bis zu 3.600 Personen ausgelegt. Die technische Ausstattung ermöglicht die Durchführung von: * Konzerten und Theateraufführungen * Musical-Produktionen * Tagungen und Seminaren * Messen und Ausstellungen
Nutzung und Betriebskonzept
Das Erwin-Piscator-Haus ist mehr als nur ein Veranstaltungsgebäude; es ist ein zentraler Treffpunkt für die Bevölkerung. Der Betrieb als „offenes Haus“ bedeutet, dass die Öffnungszeiten der Bevölkerung offensteht und eine Kultur der Begegnung gefördert wird.
Vielfältige Nutzungsbereiche
Im Gebäudekomplex des EPH sind aktuell sechs Nutzungsbereiche vereint. Dazu gehören unter anderem: * Ein Kulturzentrum (im Zusammenhang mit dem Hessischen Landestheater) * Marburg Tourismus * Eine Schule
Diese Mischung aus kulturellen, administrativen und bildungsbezogenen Nutzungen erfordert ein hohes Maß an Koordination. Der Betrieb des Hauses wird als Regiebetrieb der Stadt Marburg geführt.
Organisationsstruktur und Herausforderungen
Die Betriebsführung des EPH stellt hohe Anforderungen an das Management. Eine durch die Firma BEVENUE durchgeführte Organisationsuntersuchung hob hervor, dass der ganzheitliche Betrieb des Hauses ein breites Spektrum an Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten erfordert. Die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Nutzungsarten und dem Gebäudebetrieb erzeugen einen erheblichen Koordinations- und Arbeitsaufwand. Besonders in den Sommermonaten wird das Aufgabenspektrum durch den Betrieb der Schlossparkbühne erweitert.
Eigenveranstaltungen und Kulturprogramm
Das EPH ist nicht nur Vermieter von Räumlichkeiten, sondern auch selbst Veranstalter. Zu den jährlichen Eigenveranstaltungen gehören: * Der Kunsthandwerkermarkt: Ein Highlight im Veranstaltungsjahr. * Das Neujahrskonzert: Traditionell in Kooperation mit dem Studentischen Sinfonieorchester Marburg (SSO).
Das Programm reicht von Theater und Kabarett bis hin zu Vorträgen und Tagungen. Mit mehr als 100.000 Besuchern jährlich ist das EPH die zentrale Eventlocation der Stadt Marburg.
Die Schlossparkbühne
Als Ergänzung zum Erwin-Piscator-Haus betreibt der städtische Fachdienst die Schlossparkbühne. Diese Freilichtbühne stammt aus dem Jahr 1927 und liegt in historischer Nachbarschaft zum Landgrafenschloss. Sie bietet Platz für Open-Air-Veranstaltungen, Konzerte und Theateraufführungen unter freiem Himmel. In den Sommermonaten dient sie zudem als Location für das Open Air Kino. Diese historische Bühne ergänzt das moderne Angebot des EPH und erweitert die Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen im Freien.
Fazit
Das Erwin-Piscator-Haus in Marburg stellt ein herausragendes Beispiel für die Sanierung und Neukonzeption eines bestehenden Kultur- und Veranstaltungszentrums dar. Durch die Sanierung im Jahr 2016 wurde ein moderner, barrierefreier und technisch hochwertiger Raum geschaffen, der durch seine Flexibilität und offene Architektur überzeugt. Die Verleihung des Architekturpreises durch das Deutsche Architekturmuseum unterstreicht die architektonische Qualität des Gebäudes.
Für Bauherren und Planer bietet das EPH Anregungen bezüglich der Verwendung robuster, ästhetischer Materialien im öffentlichen Raum (z. B. Terralit-Platten) und der Notwendigkeit, flexible Raumkonzepte durch bewegliche Elemente wie Tribünen und Wände umzusetzen. Die Organisation des Betriebs zeigt jedoch auch die Komplexität, die entsteht, wenn ein Gebäude multifunktional mit unterschiedlichen Nutzungsgruppen besetzt wird. Das Haus erfüllt seinen Zweck als zentraler Begegnungsort der Stadt Marburg und setzt Maßstäbe in der Verbindung von moderner Architektur, technischer Innovation und kultureller Vielfalt.