Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Trost in Nesselwang: Denkmalpflegerische Herausforderungen und technische Lösungen

Die Wallfahrtskirche Maria Trost, ein barockes Gotteshaus auf 1123 Metern Höhe über Nesselwang im Allgäu, steht seit fast zwei Jahren im Zentrum umfangreicher Sanierungsmaßnahmen. Der historische Dachstuhl, der nach dem Vorbild einer Spezialfirma Stück für Stück freigelegt wird, erfordert eine detaillierte Begutachtung und den Austausch maroder Balken. Diese Sanierung stellt Bauexperten und Handwerker vor die Aufgabe, die Bausubstanz aus dem frühen 18. Jahrhundert zu konservieren, ohne die denkmalpflegerischen Vorgaben zu verletzen. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen Aspekte dieser Renovierung, die Notwendigkeit der Stabilisierung und den Umgang mit empfindlichen Deckengemälden, wobei sich die Darstellung strikt an den vorliegenden Informationen der bereitgestellten Quellen orientiert.

Historischer Kontext und Bedeutung der Bausubstanz

Die Entstehung der Wallfahrtskirche Maria Trost ist eng mit der Geschichte der Region verknüpft. Die Ursprünge der Wallfahrt reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auslöser war ein Ereignis während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1633: Im niederbayerischen Markt Regen wurde das Anwesen des Bäckers Paul Regner von schwedischen Soldaten niedergebrannt. Ein Marienbild, das sich im Feuer befand, blieb angeblich völlig unversehrt. Dieses Bild gelangte über Umwege nach Salzburg in den Besitz des Adligen Rudolf von Grimming, der es zunächst auf dem nahegelegenen Plainberg zur Verehrung aufstellte.

Aufgrund von Schwierigkeiten mit der Obrigkeit kehrte von Grimming mit dem Originalbild nach Einsiedeln in der Schweiz zurück und hinterließ auf dem Wanker Berg in Nesselwang eine Kopie. Begleitet von dem Säumer Peter Enzensberger ließ er sich als Eremit auf einer Weide nieder. Mit Hilfe des Säumers und weiterer Hände errichtete er eine Bildsäule, die zunächst mit einer hölzernen Kapelle überbaut wurde. Aus den Spenden der Pilger entstand später ein gemauerter Nachfolgebau.

Die Wallfahrt gewann insbesondere während des Spanischen Erbfolgekrieges an Bedeutung, was zu gestiegenen Spendeneinnahmen führte. Dies ermöglichte ab 1704 den Bau des heutigen Langhauses, das an die bestehende Struktur angegliedert wurde. Die Weihe der vollendeten Kirche erfolgte im Jahr 1725 durch Bischof Alexander Sigismund Pfalzgraf von Neuburg. Zwischen 1759 und 1770 wurde die barocke Innenausstattung mit Fresken, stuckierten Seitenaltären und der Kanzel vollendet. Diese historische Entwicklung ist für das Verständnis der aktuellen Sanierung entscheidend, da sie die Materialien und Bauweisen des 18. Jahrhunderts widerspiegelt, die nun konsolidiert werden müssen.

Analyse des Dachstuhls: Zustand und Sanierungsbedarf

Der Fokus der aktuellen Renovierung liegt auf dem Dachstuhl der Wallfahrtskirche. Seit fast zwei Jahren finden in dem Gotteshaus keine Gottesdienste mehr statt, da umfassende Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen am Dachtragwerk notwendig sind. Eine detaillierte Begutachtung durch Kirchenpfleger Konrad Bach und die beauftragte Spezialfirma offenbarte den gravierenden Zustand der Holzkonstruktion.

Ein zentrales Problem ist die Materialermüdung des verwendeten Holzes. Einige Balken des Dachstuhls bestehen nur noch aus papierdünnen Fasern. Dieser Zustand macht einen sofortigen Austausch unerlässlich, um die statische Sicherheit des Gebäudes zu gewährleisten. Die Sanierung erfolgt dabei nach einer bewährten Methode: Die Spezialfirma öffnet das Dach Stück für Stück und tauscht die maroden Balken aus. Auf diese Weise arbeitet sich das Team systematisch durch den gesamten Dachstuhl.

Während dieses Prozesses wird zudem aufgeräumt: Moderne Hinterlassenschaften aus vorangegangenen Sanierungen, wie Metallwinkel, werden entfernt. Diese Elemente entsprechen nicht den denkmalpflegerischen Vorgaben und stören die historische Optik der Konstruktion. Die Entfernung solcher nicht originaler Bauteile ist ein wichtiger Schritt, um die Authentizität des Baudenkmals wiederherzustellen.

Innenraumsicherung und Umgang mit Deckengemälden

Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung historischer Kirchen ist der Schutz der Innenausstattung. Im Falle von Maria Trost sind dies insbesondere die empfindlichen Deckengemälde. Um diese während der Arbeiten am Dachstuhl zu schützen, wurde der Innenraum im oberen Bereich komplett eingestützt.

Der derzeitige Zustand im Inneren der Kirche wird als ein "Stangenwald" beschrieben. Spezielle Stützkonstruktionen tragen zusammen mit Stuckmatten, die über die Gerüststangen gespannt sind, die Decke. Diese Maßnahme dient als mechanischer Schutz gegen herabfallendes Material oder Erschütterungen, die beim Austausch der Dachbalken auftreten können.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Renovierung betrifft die Geometrie der Decke. Das Gewölbe im Schiff der Kirche hängt an einigen Stellen durch und weist ein Durchhängen von bis zu fünf Zentimetern auf. Im Zuge der Sanierungsarbeiten ist geplant, den "Himmel" im Schiff der Kirche etwas anzuheben. Dieser Eingriff erfordert höchste Präzision, da er die statische Balance des gesamten Innenraums beeinflusst.

Besonders sensibel ist die Durchführung von Arbeiten an den originalen Malereien. Die Datenlage zeigt, dass die Schwierigkeit der Prozedur darin besteht, dass die originalen Malereien nicht beschädigt werden dürfen. Die Maßnahme, das Durchhängen der Decke zu korrigieren und die Malereien zu sichern, ist für die Zeit nach Abschluss der Außenarbeiten geplant. Im Bereich der Außenwände ist von oben noch der alte Deckenansatz zu sehen, was Hinweise auf die ursprüngliche Bauweise und eventuelle Veränderungen über die Jahrhunderte gibt.

Logistische Herausforderungen und Materialtransport

Ein oft unterschätzter Faktor bei Bergbaustellen ist der Logistikaufwand. Die Wallfahrtskirche Maria Trost liegt auf einer Höhe von 1123 Metern auf einer Waldlichtung oberhalb von Nesselwang. Der Materialtransport auf den Berg war über lange Zeit sehr mühsam.

Erst der Bau des Alpweges durch den Viehtrieb und die spätere Anlegung von Wegen erleichterten die Erreichbarkeit. In der Vergangenheit musste jeder Baustoff mühsam auf den Berg geschafft werden. Auch in der aktuellen Sanierung spielt die Logistik eine Rolle. Die Kirche ist über die Alpspitzbahn und einen Forstweg erreichbar, wobei für Fahrzeuge eine Mautgebühr anfällt. Für die Transporte von schwerem Holz, Dachmaterial und Gerüsten ist eine gute Organisation erforderlich, um den Baufortschritt nicht zu gefährden.

Denkmalpflegerische Grundsätze und Erhalt der Volksfrömmigkeit

Die Sanierung von Maria Trost dient nicht nur der Sicherung der Bausubstanz, sondern auch der Bewahrung eines kulturellen Erbes. Die Wallfahrtskirche ist ein bedeutender Ort der Volksfrömmigkeit in Bayerisch-Schwaben. Die Verantwortlichen der Kirchenstiftung sehen die Aufgabe darin, die Wallfahrt für die nächsten Generationen zu erhalten.

Margot Luda, in den Quellen als Verantwortliche genannt, hat sich besondere Verdienste um den Erhalt dieser Zeugnisse der Volksfrömmigkeit erworben. Die Renovierung ist daher nicht nur ein technischer, sondern auch ein kultureller Akt. Die barocke Innenausstattung, die Fresken und die stuckierten Seitenaltäre aus dem 18. Jahrhundert sind Zeugnisse handwerklichen Könnens, das durch die Sanierung gewürdigt und erhalten wird.

Ein spezielles Element der Anlage ist der Kreuzweg mit 14 Stationen, der bereits seit 1842 am Wallfahrtsweg besteht. Sowohl der Kreuzweg als auch die Kirche selbst erforderten im Laufe der Zeit immer wieder Renovierungen. Die aktuelle Sanierung ist ein wichtiger Baustein in der langen Kette von Erhaltungsmaßnahmen, die notwendig sind, um historische Gebäude wie Maria Trost zu bewahren.

Zeitplan und Wiedereröffnung

Die Renovierungsarbeiten zogen sich über einen Zeitraum von fast zwei Jahren hin. Die Planung und Durchführung solcher Maßnahmen erfordert Geduld, da Witterungseinflüsse und die Komplexität der Arbeiten am Dachstuhl den Zeitplan bestimmen.

Laut den vorliegenden Informationen wurde die Wiedereröffnung der Wallfahrtskirche Maria Trost an Christi Himmelfahrt, dem 30. Mai 2019, feierlich begangen. Nach Abschluss der Sanierung erstrahlte das Gotteshaus wieder in neuem Glanz. Die Wiedereröffnung markiert das Ende einer "trostlosen Zeit" für die Gläubigen und die Gemeinde Nesselwang, die nun wieder regelmäßig Gottesdienste in dem historischen Gebäude besuchen können.

Die Baumaßnahmen umfassten dabei nicht nur den Dachstuhl, sondern auch die Sicherung des Innenraums und die Renovierung der Fassade. Der Fokus lag darauf, die Bausubstanz so zu konsolidieren, dass die Kirche auch für die Zukunft gesichert ist.

Fazit

Die Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Trost in Nesselwang ist ein Musterbeispiel für die denkmalpflegerische Arbeit an historischen Sakralbauten. Die Herausforderungen lagen in der Beseitigung von Schäden am Dachstuhl, bei dem Teile des Holzes nur noch eine papierdünne Substanz aufwiesen, sowie in der Sicherung empfindlicher Deckengemälde im Innenraum. Durch den systematischen Austausch maroder Balken und die Entfernung nicht denkmalgerechter Zusätze wie Metallwinkel konnte die statische Sicherheit wiederhergestellt werden. Gleichzeitig schützten aufwendige Gerüstkonstruktionen die historischen Malereien. Die Logistik auf dem Berg erforderte eine sorgfältige Planung. Die Renovierung sichert das barocke Erbe des Gebäudes aus dem frühen 18. Jahrhundert und erhält damit einen zentralen Ort der Volksfrömmigkeit für die Zukunft.

Quellen

  1. Kreisbote: Sanierung wird wohl über eine halbe Million Euro kosten
  2. Readkong: Wiedereröffnung von Maria Trost
  3. Bistum Augsburg: Wallfahrtskirche Maria Trost in Nesselwang
  4. Godmag: Maria Trost - 300 Jahre Wallfahrtskirche in Nesselwang
  5. Nesselwang: Gottesdienste in Nesselwang im Allgäu
  6. Nesselwang: Wiedereröffnung Maria Trost

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