Sanierung und Denkmalschutz: Die Erhaltung des architektonischen Meisterwerks Maria Regina Martyrum

Die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Charlottenburg ist weit mehr als nur ein religiöser Ort; sie ist ein herausragendes Zeugnis der deutschen Nachkriegsarchitektur und ein Mahnmal für die Opfer der NS-Zeit. Erbaut zwischen 1960 und 1963 nach Plänen des Würzburger Dombaumeisters Hans Schädel und des Architekten Friedrich Ebert, stellt dieses Bauwerk eine seltene Synthese aus moderner Architektur, Bauplastik und theologischer Aussagekraft dar. Für Bauherren, Architekten und Denkmalpfleger, die sich für die Sanierung und Instandhaltung historischer Bausubstanz interessieren, bietet die Kirche sowie die aktuelle Instandsetzung (2022–2025) wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Besonderheiten moderner Betonbaukunst unter Denkmalschutz.

Dieser Artikel beleuchtet die bauliche Struktur, die materiellen Eigenschaften und die laufenden Erhaltungsmaßnahmen, die notwendig sind, um dieses „Inkunabel des modernen Kirchenbaus“ (Quelle 3) für die Zukunft zu bewahren.

Die architektonische Struktur: Ein ortsbildprägendes Ensemble

Die Errichtung von Maria Regina Martyrum als „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit aus den Jahren 1933-1945“ (Quelle 1, 2) war von klaren gestalterischen und theologischen Intentionen geleitet. Architekt Hans Schädel entwarf einen Längsbau, der geostet und bewusst auf den nur wenige hundert Meter entfernten Ort des Grauens, Plötzensee, ausgerichtet ist. Diese Ausrichtung ist ein konzeptionelles Element, das bei jeder Sanierung respektiert werden muss.

Das Areal und die Umfassungsmauer

Das gesamte Areal ist von einer hohen Umfassungsmauer umschlossen, die einen klaren rechtwinkligen Rahmen bildet. Diese Mauer unterteilt das Grundstück der Länge nach und schafft zwei Bereiche: den Bereich der Gemeindezentren und den eigentlichen Kirchenbereich. Eine besondere architektonische Herausforderung bei der Instandhaltung ist die Gestaltung dieser Mauer. Während die Außenwände mit dunklen Platten aus Basaltkiesel verkleidet sind, wendet sich die Kirche selbst mit einer Fassade aus hell leuchtenden Carraramarmor-Kieseln dem Besucher zu (Quelle 4). Dieser Kontrast aus Licht und Dunkelheit ist ein zentrales Gestaltungselement, das bei Sanierungsarbeiten an der Fassade exakt nachempfunden werden muss.

Der Feierhof und der Zugang

Der Zugang zur Kirche erfolgt nicht direkt, sondern über einen sogenannten Feierhof. Dieser ist flach abfallend terrassiert gestaltet. Architektonisch zwingt dieser Weg den Besucher zu einer Verlangsamung („Achtsamkeit einfordert und den Schritt entschleunigt“ – Quelle 4). Über eine Strecke von mehr als 50 Meter gewinnt die fensterlose Wand der Kirche an Monumentalität. Ein markantes Element ist der Glockenträger, der aus der Umfassungsmauer zu wachsen scheint. Er wird von der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam genutzt und symbolisiert die ökumenische Verbundenheit (Quelle 6). Bei Sanierungsarbeiten an diesem Ensemble ist die funktionale und symbolische Einheit von Kirche, Glockenturm und Feierhof zu wahren, für die der Denkmalschutz gilt (Quelle 6).

Materialität und Bauausführung: Die Herausforderung Sichtbeton

Ein entscheidendes Merkmal von Maria Regina Martyrum ist die dominante Verwendung von Beton. Die Architekten und der künstlerische Berater Pater Urban Rapp gelang hier eine Synthese, bei der Konstruktion, Form und Materialität eine ästhetische und ikonographische Einheit bilden (Quelle 3).

Qualität der Betonbaukunst

Die industrielle und handwerkliche Ausführung der Betonelemente dokumentiert eine herausragende Qualität moderner Betonbaukunst und Gebäudetechnik der frühen 1960er Jahre (Quelle 3). Es handelt sich um einen Sichtbeton von hoher gestalterischer Anspruch. Die Oberflächen der Innenwände sind so gestaltet, dass sie in Verbindung mit dem Licht und der Farbigkeit des Raumes wirken. Im Inneren der Oberkirche fällt Licht durch Fensterbänder seitlich des Altargemäldes ein. Dieses Lichtkonzept – beschrieben als „österliche Verheißung im Angesicht von Plötzensee“ (Quelle 1) – ist untrennbar mit der Bausubstanz verbunden.

Die Restaurierung der Sichtbeton-Oberflächen

Die größte Herausforderung bei der aktuellen Sanierung (Bauzeit 2022–2025, vgl. Quelle 5) stellt die Restaurierung der Sichtbeton-Oberflächen dar. Sichtbeton aus dieser Ära ist anfällig für Umwelteinflüsse und Alterung. Die Denkmalpflege steht hier vor der Aufgabe, die originale Textur und Farbgebung zu erhalten, ohne die strukturelle Integrität des Materials zu gefährden. Wie in Quelle 3 erwähnt, bitten die Verantwortlichen um Spenden, um diese spezifische denkmalpflegerische Maßnahme zu finanzieren. Dies unterstreicht, dass die Instandhaltung solcher Bauwerke oft über normale Instandsetzungen hinausgeht und spezialisierte Restaurierungstechniken erfordert.

Künstlerische Ausstattung und ihre Integration

Die Architektur ist untrennbar mit der bildenden Kunst verbunden. Das Bauwerk wird als „herausragendes Beispiel einer gelungenen Einheit von Kirchenbau und Bauplastik“ bezeichnet (Quelle 2).

Altargemälde und Pietà

In der Oberkirche dominiert das gewaltige Altargemälde von Georg Meistermann. Es drückt in Form und Farbe Chaos und Untergang aus, doch in der Mitte einer Farbspirale taucht das Lamm auf, ein Symbol der Befriedung. Bei Sanierungsarbeiten im Innenraum muss die Interaktion zwischen Lichtfall und diesem Gemälde beachtet werden. In der Unterkirche (Krypta) befindet sich eine Pietà von Fritz Koenig. Sie übernimmt das mittelalterliche Motiv, steigert es aber ins Monumentale. Die Inschrift in der Krypta ehrt „Allen Blutzeugen, denen das Grab verweigert wurde“ (Quelle 1). Diese künstlerischen Elemente sind integraler Bestandteil des Denkmals.

Die „Apokalyptische Frau“

Über dem gläsernen Eingang der Kirche thront eine vergoldete Bronzeplastik von Fritz Koenig, die „Apokalyptische Frau“ (Quelle 4). Diese Skulptur ist der Fassade aus Carraramarmor-Kieseln vorgelagert und bildet einen Kontrast zwischen dem strahlend hellen Untergrund und dem goldenen Metall. Die Pflege dieser Metallskulptur und die Sicherung ihrer Verankerung sind Teil der laufenden Instandhaltungsmaßnahmen, die im Zeitraum 2022 bis 2025 von dem Architekturbüro Bernrieder . Sieweke Lagemann . Architekten BDA durchgeführt werden (Quelle 5).

Aktuelle Instandsetzungsmaßnahmen (2022–2025)

Da die Quellenlage eine aktuelle Sanierung bestätigt, lässt sich der Umfang der Maßnahmen konkret benennen. Laut Quelle 5 umfassen die Leistungen die Laufenden Instandsetzungsmaßnahmen (LP 1 – LP 8).

Ziel der Maßnahmen

Ziel ist es, die Bausubstanz zu erhalten und die Funktionstüchtigkeit der Gebäude zu gewährleisten. Da es sich um ein Denkmal handelt, das 2022–2025 saniert wird, liegen die Schwerpunkte wie erwähnt auf der Oberflächenrestaurierung des Betons und der Erhaltung der technischen Gebäudeausrüstung. Die Architekten Bernrieder . Sieweke Lagemann . Architekten BDA arbeiten hierbei eng mit dem Erzbistum Berlin als Bauherrn zusammen.

Lichtkonzept

Ein weiterer Aspekt der Sanierung ist die Beleuchtung. Quelle 5 nennt das „Designatelier Achtelik . Berlin“ für die Lichtplanung. Dies deutet darauf hin, dass nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die Inszenierung des Raumes durch Licht modernisiert und an den Denkmalschutz angepasst wird. Das ursprüngliche Lichtkonzept, das den Altar durch seitliche Fensterbänder beleuchtet, muss dabei erhalten bleiben.

Die künstlerisch-theologische Dimension als Herausforderung für die Sanierung

Die Sanierung von Maria Regina Martyrum ist nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein künstlerisches. Die Architekten des Originalbaus, Schädel und Ebert, sowie der theologische Berater Pater Urban Rapp schufen eine „überwältigende Synthese“ (Quelle 3).

Zusammenwirken von Architektur und Kunst

Jede Veränderung an der Bausubstanz wirkt sich auf die Wahrnehmung der Kunstwerke aus. Die Pietà von Fritz Koenig in der Krypta etwa benötigt ein bestimmtes Raumklima und Licht. Die monumentale Wirkung der Fassade aus Carraramarmor-Kieseln hängt von der Sauberkeit und Integrität der Oberfläche ab. Sanierungsarbeiten müssen daher immer die Gesamtwirkung im Blick behalten. Es ist eine „Inkunabel des modernen Kirchenbaus“ (Quelle 3), die instand gesetzt wird – ein Bauwerk, das in seiner Zeit eine Antwort auf die Schrecken der NS-Zeit suchte und dabei eine architektonische Form fand, die bis heute Bestand hat.

Ökumenische Nutzung

Die Kirche wird heute im ökumenischen Verbunden genutzt. Der gemeinsame Glockenturm ist ein Symbol dafür (Quelle 6). Sanierungsarbeiten an diesem Turm oder an der Kirche müssen daher auch die Nutzerinteressen beider Konfessionen berücksichtigen. Die Instandsetzung (2022–2025) dient also auch der Sicherung eines Ortes der Begegnung und des gemeinsamen Gedenkens.

Fazit

Die Sanierung der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum ist ein Paradebeispiel für die Denkmalpflege an modernen Bauwerken der Nachkriegszeit. Die Herausforderungen liegen in der Erhaltung des spezifischen Sichtbetons, der Integration von Skulpturen von Künstlern wie Fritz Koenig und Georg Meistermann sowie der Wahrung des strengen, rechtwinkligen Entwurfs von Hans Schädel und Friedrich Ebert.

Für Bauinteressenten und Fachleute zeigt das Projekt, wie wichtig die exakte Materialwahl (Carraramarmor-Kiesel, Basaltplatten) und die handwerkliche Qualität bei der ursprünglichen Errichtung (1960–1963) für die spätere Pflege sind. Die aktuellen Maßnahmen (2022–2025) unterstreichen den Wert, den die Gesellschaft in solche architektonischen und historischen Zeugnisse legt. Die Kirche bleibt, auch nach der Sanierung, ein Ort, an dem Architektur und Geschichte auf eindringliche Weise zusammenfinden – eine „österliche Verheißung im Angesicht von Plötzensee“.

Quellen

  1. Gedenkkirche Berlin - Die Gedenkkirche
  2. Berlin.de - Maria Regina Martyrum
  3. Berlin.de Landesdenkmalamt - Maria Regina Martyrum
  4. Herder - Gebaute Abstraktion
  5. BSL Architekten - Gedenkkirche Maria Regina Martyrum
  6. Pfad der Erinnerung - Tafel 7

Ähnliche Beiträge