Moderne Bildung in historischen Wänden: Die Generalinstandsetzung des Maximiliansgymnasiums in München

Die umfassende Sanierung und Erweiterung historischer Schulgebäude stellt Bauherren, Architekten und Bauingenieure vor immense Herausforderungen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um denkmalgeschützte Ensembles handelt, die unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes modernisiert und gleichzeitig an zeitgemäße pädagogische und energetische Anforderungen angepasst werden müssen. Das Maximiliansgymnasium in München-Schwabing, gemeinsam mit dem angrenzenden Oskar-von-Miller-Gymnasium, dient hierbei als Paradebeispiel für ein solches Großprojekt. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, planerischen und architektonischen Maßnahmen dieser Generalsanierung, die als Vorzeigeprojekt der Münchner Schulbauoffensive gilt.

Der Ausgangszustand: Notwendigkeit und Rahmenbedingungen

Die beiden Gymnasien, die sich einen großen Gebäudekomplex in direkter Nähe zur Münchner Freiheit teilen, waren in die Jahre gekommen. Eine reine Instandsetzung der Bausubstanz hätte nicht ausgereicht, um den heutigen Anforderungen an den Schulbetrieb gerecht zu werden.

Gestiegene Schülerzahlen und Raumbedarf

Ein wesentlicher Treiber für die Baumaßnahme war die demografische Entwicklung. Die Schülerzahlen in München sind gestiegen, was zu einem erheblichen Raumdefizit führte. Laut den vorliegenden Informationen musste das notwendige Raumprogramm erfüllt werden, ohne zusätzliche Grundstücksflächen zu verbrauchen. Dies erforderte eine Verdichtung der vorhandenen Bebauung. Die Aufgabe, wie in einem Bericht zitiert, könnte „anspruchvoller kaum sein“, da eine Erweiterung unter Beibehaltung des Ensembleschutzes und der Denkmalwürde realisiert werden musste.

Denkmalgeschützte Substanz

Der Gebäudekomplex weist einen hohen historischen Wert auf. Das Maximiliansgymnasium wurde 1849 gegründet und zog 1912 in das jetzige Gebäude ein. Es handelt sich um ein prächtiges Jugendstilgebäude. Die Bausubstanz trug Spuren der Geschichte, darunter Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, die 1955 beseitigt wurden. Die jüngste Sanierung begann 2017 nach einem Beschluss des Stadtrats im Rahmen des 2. Schulbauprogramms. Ziel war es, die historische Hülle zu erhalten und gleichzeitig moderne technische Standards zu setzen.

Planerischer Ansatz: Denkmalschutz trifft Innovation

Die Planung und Steuerung dieser komplexen Baumaßnahme erforderte spezialisierte Expertise. Das Architekturbüro Maas Architekt arbeitete dabei in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro Braun und Partner Architekten. Die Projektsteuerung oblag der DEVENTER + PARTNER PROJEKTSTEUERUNG PartGmbB, die auf Erfahrungen aus dem Spezialtiefbau, beispielsweise am Wilhelmsgymnasium Thierschstr, zurückgreifen konnte.

Das Ziel: Erweiterung ohne Flächenverbrauch

Die Planer sahen sich vor der Aufgabe, die Nutzfläche signifikant zu erhöhen. Dies geschah durch zwei Hauptstrategien: 1. Dachgeschossausbau: Die Teilbereiche der Dachgeschosse wurden nutzbar gemacht. 2. Souterrain-Ausbau: Auch der Kellerbereich wurde erschlossen und als Aufenthaltsraum genutzt.

Zusätzlich wurde ein solitärer Neubau für naturwissenschaftliche Laboratorien (Fachlehrsaalbau) in das denkmalgeschützte Ensemble integriert. Dieser Neubau trägt maßgeblich zur Erweiterung der Hauptnutzflächen bei.

Technische Umsetzung und Bauphysik

Die technische Durchführung der Sanierung umfasste eine Vielzahl von Gewerken, die aufeinander abgestimmt werden mussten.

Barrierefreiheit und Schallschutz

Ein Kernanliegen der Modernisierung war die Schaffung von Barrierefreiheit. Dies betrifft nicht nur den Zugang zum Gebäude, sondern auch die interne Erschließung. Die Schülerschaft, die nach vier Jahren Sanierungszeit in das Gebäude zurückkehrte, bemerkte sofort die Unterschiede in der Nutzbarkeit.

Ebenso wurde der Schallschutz verbessert. In einem Schulgebäude mit über 600 Schülern ist die Akustik ein entscheidender Faktor für die Konzentration. Die Sanierung umfasste neue Möbel und bauliche Maßnahmen zur Schalldämmung.

Die unterirdischen Sporthallen: Spezialtiefbau im Innenhof

Ein Highlight und technisch anspruchsvollster Teil des Projekts sind die beiden unterirdischen Sporthallen. Um die begehrte Fläche im Gebäude zu schonen und gleichzeitig neue Sportmöglichkeiten zu schaffen, mussten die Hallen „in den Boden ausweichen“. Dies stellt eine enorme Herausforderung im Spezialtiefbau dar. Die Planer nutzten den Innenhof, um hier unterirdisch zwei Sporthallen zu errichten.

Durch diese Maßnahme konnten die historischen Turnräume, die sich in einem schlechteren Zustand befanden, umgenutzt werden. Sie wurden in eine barrierefreie Aula und eine Mensa umgestaltet. Diese Umwandlung war ein zentraler Pfeiler der Funktionsänderung, der den Schulalltag nachhaltig verbesserte.

Haustechnik und Energieeffizienz

Die Generalsanierung umfasste selbstverständlich auch die komplette Erneuerung der Haustechnik. Die Quellen sprechen von einer Modernisierung der Technik. Obwohl keine detaillierten Daten zu Heizungstypen oder Energiestandards vorliegen, ist davon auszugehen, dass die Maßnahme den aktuellen Standards entspricht, um den Energiebedarf des historischen Gebäudes drastisch zu senken. Auch eine neue Beleuchtung und moderne Klimatisierung sind in einem solchen Projekt Standard.

Chronologie und Bauausführung

Der Bau war ein langfristiges Unterfangen. Die Ausführung erstreckte sich über mehrere Jahre.

Zeitplan und Verzögerungen

Ursprünglich war laut einem Zeitungsbericht eine Bauzeit von 2018 bis 2022 geplant. Tatsächlich begannen die Arbeiten jedoch bereits 2017, wichen aber im Zeitablauf von der Planung ab. Verzögerungen ergaben sich durch Lieferschwierigkeiten, die sich bis ins Jahr 2023 hinzogen. Erst im Sommer 2023 war die Sanierung soweit abgeschlossen, dass eine Einweihung gefeiert werden konnte. Der Schulleiter des Maximiliansgymnasiums betonte, dass bis auf räumliche Einschränkungen der Unterricht seit 2022 wieder normal lief, was eine aufwendige Logistik und Koordination im laufenden Betrieb erforderte.

Die Übergabe

Die offizielle Übergabe der sanierten, modernisierten und erweiterten Räumlichkeiten erfolgte im Juli 2023. An der Übergabe nahmen Vertreter der Stadt München, darunter die Stadträtin Marion Lüttig, der Stadtschulrat Florian Kraus und die Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer, teil. Dies unterstreicht die Bedeutung des Projekts als Teil der städtischen Schulbauoffensive, für das die Landeshauptstadt München rund 165 Millionen Euro investiert hat.

Wirtschaftliche Aspekte: Die Kosten

Die Finanzierung eines solchen Sanierungsvorhabens ist ein entscheidender Faktor. Die vorliegenden Daten nennen eine konkrete Summe für die Gesamtmaßnahme.

  • Gesamtinvestition: Rund 165 Millionen Euro (für beide Gymnasien).

Diese Summe spiegelt den Aufwand wider, der notwendig ist, um denkmalgeschützte Bausubstanz zu erhalten, durch Spezialtiefbau neue Nutzflächen zu schaffen und gleichzeitig die Haustechnik auf den neuesten Stand zu bringen. Für Bauherren und Immobilienbesitzer, die ähnliche, wenn auch kleinere, Projekte planen, zeigt dies, dass Sanierungen im Denkmalschutz mit erheblichen Kosten verbunden sind, diese aber notwendig sind, um die Substanz zu sichern und Nutzungswert zu schaffen.

Funktionsänderung und Raumnutzung

Die Sanierung hat die Nutzung der Gebäude grundlegend verändert. Die reine Klassenzimmerfunktion wurde durch multifunktionale Räume erweitert.

Umnutzung der Turnhalle

Die Entscheidung, die historische Turnhalle in eine Aula und Mensa umzuwandeln, war strategisch klug. Da die neuen Sporthallen unterirdisch realisiert wurden, entstand im Erdgeschoss Platz für einen zentralen Versammlungsort. Die neue Aula verfügt über eine feste Bühne und moderne Technik, was das Gebäude auch für kulturelle Veranstaltungen öffnet.

Neubau von Fachlehrsälen

Der Bau von Fachlehrsälen (Labor-Neubau) ermöglicht modernen naturwissenschaftlichen Unterricht. In einem Gymnasium mit humanistischer Tradition, das sich aber modern gibt, ist die Ausstattung mit zeitgemäßen Laboren essenziell, um Schüler für MINT-Fächer zu begeistern.

Zusammenfassung der Baumaßnahmen

Um den Überblick über die durchgeführten Arbeiten zu behalten, lassen sich die Maßnahmen wie folgt kategorisieren:

  1. Instandsetzung des Baukörpers: Wiederherstellung der Fassade und des Daches unter Denkmalschutzauflagen.
  2. Technische Modernisierung: Einbau neuer Heizungs-, Lüftungs- und Elektroanlagen.
  3. Erweiterungsbauten:
    • Neubau Fachlehrsäle (Labor-Neubau).
    • Ausbau Dachgeschoss und Souterrain zu Aufenthaltsräumen.
    • Untertagebau: Zwei unterirdische Sporthallen im Innenhof.
  4. Innenausbau und Funktion:
    • Umbau historischer Turnhalle zu Aula/Mensa.
    • Schaffung von Barrierefreiheit.
    • Verbesserung des Schallschutzes.
    • Einbau neuer Möbel und Technik.

Fazit

Die Generalinstandsetzung des Maximiliansgymnasiums in München-Schwabing ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und modernem Baugche. Durch den kreativen Einsatz von Grundstücksflächen – insbesondere durch den Bau unterirdischer Sporthallen – konnte die bebaute Fläche effizient genutzt werden, um den gestiegenen Raumbedarf zu decken, ohne die historische Optik des Ensembles zu beeinträchtigen.

Für Bauinteressenten und Fachleute zeigt das Projekt deutlich: Sanierungen unter Denkmalschutz sind komplexe Vorhaben, die langfristige Planung, hohe finanzielle Mittel (in diesem Fall 165 Mio. Euro) und spezialisierte Fachfirmen erfordern. Der Erfolg misst sich jedoch am Ergebnis: Ein historisches Gebäude, das energetisch und technisch auf dem neuesten Stand ist, barrierefrei ist und den Schülern modernste Lernumgebungen bietet. Das Maximiliansgymnasium erstrahlt nicht nur in neuem Glanz, sondern ist auch zukunftsfähig aufgestellt.

Quellen

  1. Abendzeitung München
  2. Deventer Partner
  3. TZ München
  4. Stadt München
  5. Maas Architekt
  6. Ru München

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