Sanierung einer Dreifeldsporthalle: Planung, energetische Maßnahmen und technische Herausforderungen am Beispiel der Melibokusschule

Einleitung

Die Sanierung von Sporthallen stellt im modernen Bauwesen eine komplexe Herausforderung dar, die weit über eine bloße Fassadenrenovierung hinausgeht. Insbesondere bei Bestandsgebäuden aus den 1970er oder 1980er Jahren, die oftmals über einen hohen Energieverbrauch und veraltete technische Infrastruktur verfügen, ist eine umfassende energetische und funktionale Aufwertung notwendig. Ein prominentes Beispiel für eine solche Maßnahme ist die geplante Sanierung der Dreifeldsporthalle an der Melibokusschule in Alsbach-Hähnlein.

Dieses Projekt verdeutlicht die Notwendigkeit einer strategischen Planung, die sowohl die Tragwerksicherheit als auch die energetische Effizienz und die technische Gebäudeausrüstung (TGA) umfasst. Basierend auf den vorliegenden Ausschreibungsunterlagen und kommunalen Informationen beleuchtet der vorliegende Artikel die zentralen Aspekte einer solchen Sanierung. Der Fokus liegt dabei auf den Planungsphasen, den technischen Anforderungen an die Tragwerksplanung und die Fachplanung für die technische Gebäudeausrüstung sowie auf den finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen, die für derartige Vorhaben im öffentlichen Bereich relevant sind.

Die Bedeutung der Tragwerksplanung bei der Sanierung von Sporthallen

Die Tragwerksplanung bildet das fundamentale Element jeder Gebäudesanierung. Bei der Dreifeldsporthalle in Alsbach-Hähnlein handelt es sich um eine Stahlfachwerkkonstruktion, die spezifische Anforderungen an die statische Sicherheit stellt. Die vorliegenden Informationen betonen, dass die bestehende Konstruktion aus Stahlfachwerkträgern keine zusätzlichen Lasten aufnehmen kann. Dies ist ein kritischer Punkt, da bei einer Sanierung häufig neue Komponenten – wie eine zusätzliche Dämmung oder eine neue Dachhaut – hinzukommen, die das Gewicht des Gebäudes erhöhen.

Herausforderungen der Tragwerksanierung

Eine Kernaufgabe der Tragwerksplanung im Rahmen dieses Projekts ist die sogenannte Ertüchtigung des Tragwerks. Dieser Begriff beschreibt Maßnahmen zur Erhöhung der Tragfähigkeit und Sicherheit eines bestehenden Bauwerks. Da die bestehende Stahlfachwerkkonstruktion nicht für die Aufnahme neuer Lasten ausgelegt ist, müssen planerische Lösungen gefunden werden, um die statische Stabilität zu gewährleisten, ohne die Substanz des Gebäudes zu gefährden.

Eine besondere Herausforderung stellt dabei das Dach dar. Laut den Planungsunterlagen soll die Dachhaut über die bestehende Konstruktion gelegt werden, jedoch ohne die vorhandenen Sheddachlichtbänder. Diese Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf das Tragwerk und die Belichtung der Halle. Die Tragwerksplanung muss hier prüfen, ob die bestehende Dachkonstruktion die neue Dachhaut inklusive Dämmung tragen kann oder ob Verstärkungen notwendig sind. Zudem ist die Entscheidung, die Sheddachlichtbänder zu entfernen, ein Eingriff in die Tageslichtversorgung, der durch künstliche Beleuchtung kompensiert werden muss.

Planungsumfang nach HOAI

Die Tragwerksplanung für dieses Vorhaben umfasst die Leistungsphasen 1 bis 6 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) 2021. Dies beinhaltet die Grundlagenermittlung, die Vorplanung, die Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung, die Ausführungsplanung und die Objektüberwachung. Eine solche detaillierte Planung ist essenziell, um die Sicherheit des Gebäudes während und nach der Sanierung zu gewährleisten.

Fachplanung Technische Gebäudeausrüstung (TGA)

Neben der statischen Sicherheit ist die moderne und energieeffiziente Ausstattung der Halle ein zentrales Sanierungsziel. Die Ausschreibung zur Fachplanung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) umfasst die ALG 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 8 gemäß § 55 HOAI 2021. Diese Aufteilung zeigt, dass praktisch alle technischen Systeme im Gebäude erneuert oder optimiert werden.

Erneuerung der Anlagengruppen

Die Planung umfasst die Erneuerung aller Technischen Anlagen der genannten Anlagengruppen. Dies ist notwendig, da die bestehenden Anlagen veraltet sind und den aktuellen energetischen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Ein zentraler Aspekt ist die Beleuchtung. Die vorhandenen Beleuchtungsanlagen sind als "abgängig" eingestuft, weshalb eine Umrüstung auf LED-Technik geplant ist. Der Wechsel zu LED-Beleuchtung in Sporthallen führt zu einer erheblichen Reduzierung des Energieverbrauchs und verbessert die Lichtqualität für den Sportbetrieb.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Überprüfung und Erneuerung der Stromleitungen. Die Unterlagen weisen darauf hin, dass Kabel und Leitungen zu Steckdosen zum Endverbraucher erneuert werden müssen, falls eine "klassische Nullung" oder ein "falscher Leiterquerschnitt" vorliegen. Solche Mängel sind in älteren Gebäuden nicht unüblich und stellen sicherheitstechnische Risiken dar, die im Rahmen einer Sanierung zwingend beseitigt werden müssen.

Energetische Sanierung und Wärmeversorgung

Die energetische Sanierung ist ein Kernbestandteil des Projekts. Sie umfasst nicht nur die Dämmung des Gebäudes, sondern auch die Optimierung der Wärmeversorgung. Laut den Informationen erfolgt die Wärmeversorgung der Sporthalle weiterhin durch Nahwärme über einen Gasbrennwertkessel der Schule. Dies bedeutet, dass die Halle an das bestehende Energienetz der Melibokusschule angeschlossen bleibt. Die Fachplanung muss hier die hydraulische Abstimmung zwischen Schule und Sporthalle sicherstellen, um eine effiziente Wärmeverteilung zu gewährleisten.

Zusätzlich zur Wärmeversorgung umfasst die energetische Sanierung die Fassade und das Dach. Die Dämmung der Gebäudehülle ist entscheidend, um die Heizenergiebedarf zu senken. Da die Tragwerksplanung berücksichtigt, dass die Konstruktion keine zusätzlichen Lasten tragen kann, kommen hier leichte Dämmstoffe und Dachhautsysteme zum Einsatz, die statisch unkritisch sind.

Trinkwasserversorgung und Sanitäranlagen

Die Trinkwasserversorgung erfolgt weiterhin über die bestehenden Anschlüsse der Melibokusschule. Im Zuge der Sanierung werden jedoch die Verteilungen erneuert und auf den neuesten Stand der Technik umgerüstet. Auch die Sanitäranlagen werden modernisiert. Die Planung umfasst den Einbau von zwei Lehrerumkleiden, einem Schiedsrichter- / Regieraum, einem Lager und einer behindertengerechten Umkleide inklusive behindertengerechtem Sanitärraum. Diese Maßnahmen sind nicht nur komfortabel, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben, um die Barrierefreiheit des Gebäudes zu gewährleisten.

Versammlungsstättenplanung und Brandschutz

Eine besondere Anforderung an die Sporthalle ist die geplante Nutzung als Versammlungsstätte mit mehr als 200 Sitzplätzen auf den Tribünen. Diese Einordnung als Versammlungsstätte hat weitreichende Konsequenzen für die Planung, insbesondere im Hinblick auf den Brandschutz und die Fluchtwegplanung.

Anforderungen an die Sicherheit

Die Nutzung als Versammlungsstätte erfordert die Erfüllung spezifischer brandschutztechnischer Anforderungen. Dies betrifft die Flucht- und Rettungswege, die Brandmeldeanlage und die Brandlasten durch die Tribünen und die Sportnutzung. Die Fachplanung TGA muss hier sicherheitsrelevante Systeme berücksichtigen. In den Unterlagen wird explizit auf "sicherheitsrelevante Systeme" hingewiesen, die im Rahmen der Planung zu berücksichtigen sind.

Die Planung des Schiedsrichter- / Regieraums mit Sichtverbindung in die Halle ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für den reibungslosen Ablauf von Wettkämpfen und Veranstaltungen. Diese Sichtverbindung muss im Einklang mit den Anforderungen an die Barrierefreiheit und den Brandschutz stehen.

Finanzieller und Zeitlicher Rahmen des Projekts

Die Sanierung einer Dreifeldsporthalle ist ein Großprojekt, das erhebliche finanzielle Mittel und eine langfristige Planung erfordert. Die vorliegenden Informationen geben Aufschluss über die Kosten und den Zeitplan.

Kostenstruktur und Finanzierung

Die Gemeinde Alsbach-Hähnlein hat sich bereit erklärt, die Sanierung mit einem Zuschuss in Höhe von bis zu einer Million Euro zu fördern, der an den Landkreis als Träger der Schule gezahlt wird. Die Gesamtkosten für die Maßnahme werden in einer Voruntersuchung auf etwa 7,5 Millionen Euro brutto geschätzt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass sich die Baupreise bis zum geplanten Sanierungsbeginn im Jahr 2025 noch verändern können. Diese Kostenprognose unterstreicht die Notwendigkeit einer präzisen und transparenten Ausschreibung, um Kostensteigerungen zu minimieren.

Zeitplan und Ausschreibungsphasen

Der Zeitplan für das Projekt ist detailliert in den Ausschreibungsunterlagen dargelegt. Die Ausschreibung für die Tragwerksplanung endet am 20. August 2025. Der Beginn der Ausführung für diese Leistung ist für den 13. Oktober 2025 vorgesehen, mit einem planmäßigen Ende am 31. August 2027. Für die Fachplanung der TGA endet die Frist für die Angebotsabgabe am 15. September 2025 um 10:00 Uhr. Die geschätzte Dauer für die Fachplanung erstreckt sich vom 30. Oktober 2025 bis zum 31. August 2029.

Diese langen Zeiträume verdeutlichen, dass es sich bei der Sanierung um ein mehrjähriges Projekt handelt, das eine sorgfältige Koordination zwischen den verschiedenen Planungsbeteiligten erfordert. Die Vergabe der Aufträge erfolgt über ein offenes Verfahren, was bedeutet, dass sich interessierte Planungsbüros und Ingenieure in einem regulellen Wettbewerb um die Aufträge bewerben können.

Vergabekriterien und Teilnahmebedingungen

Für die Vergabe der Aufträge gelten spezifische Kriterien. Die Aufträge sind für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geeignet, was die Teilnahme für eine breitere Palette von Planungsbüros ermöglicht. Für die Fachplanung der TGA ist die Teilnahme von Freelancern explizit als geeignet erwähnt. Bietergemeinschaften sind zugelassen, müssen aber eine bevollmächtigte Vertretung benennen und entsprechende Erklärungen einreichen. Die Angebotsabgabe erfolgt ausschließlich digital über eine Vergabeplattform (ELViS), Papierangebote sind nicht zugelassen.

Fazit

Die Sanierung der Dreifeldsporthalle an der Melibokusschule in Alsbach-Hähnlein ist ein vorbildliches Beispiel für eine umfassende Gebäuderegenerierung im öffentlichen Bereich. Das Projekt vereint notwendige Instandsetzungsmaßnahmen mit ambitionierten energetischen Zielsetzungen und der Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen.

Die zentralen Herausforderungen liegen in der Tragwerksplanung, da die bestehende Stahlfachwerkkonstruktion nicht für zusätzliche Lasten ausgelegt ist. Die Ertüchtigung des Tragwerks und die Planung einer neuen Dachhaut ohne die ursprünglichen Sheddachlichtbänder erfordern eine präzise statische Berechnung. Parallel dazu gewährleistet die Fachplanung der Technischen Gebäudeausrüstung die Modernisierung aller relevanten Systeme. Die Umstellung auf LED-Beleuchtung, die Erneuerung der Elektroinstallationen und die Optimierung der Wärmeversorgung über den Anschluss an das Nahwärmenetz der Schule sind entscheidend für die Energieeffizienz des Gebäudes.

Die Integration der Halle als Versammlungsstätte mit über 200 Sitzplätzen erweitert den Planungsumfang um spezifische Anforderungen an Brandschutz und Barrierefreiheit. Der finanzielle Rahmen mit einem Zuschuss der Gemeinde und einem geschätzten Volumen von rund 7,5 Millionen Euro unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die lokale Infrastruktur. Der detaillierte Zeitplan, der eine Fertigstellung der Planungsleistungen bis 2029 vorsieht, zeigt die Langfristigkeit und Komplexität solcher Sanierungsvorhaben. Für Bauherren und Planer bietet dieses Beispiel wertvolle Einblicke in die Notwendigkeit einer integrierten Planung, die statische, energetische und funktionale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Quellen

  1. Ausschreibung: Fachplanung Technische Gebäudeausrüstung für Sanierung der 3-Feld-Sporthalle in Alsbach-Hähnlein
  2. Ausschreibung: Melibokus-Schule, Alsbach-Hähnlein -Sanierung 3-Feld-Sporthalle- Fachplanung Technische Gebäudeausrüstung
  3. Grosssporthalle soll saniert werden
  4. Ausschreibung: Melibokus-Schule, Alsbach-Hähnlein -Sanierung 3-Feld-Sporthalle- Tragwerksplanung
  5. Sanierung von Sporthallen

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