Modernisierung einer Berufsschule: Eine Bestandsaufnahme der Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule in Müllheim

Die Modernisierung von Bildungseinrichtungen stellt eine der zentralen Aufgaben der öffentlichen Hand dar, um den Anforderungen an zeitgemäßen Unterricht, Energieeffizienz und Barrierefreiheit gerecht zu werden. Ein exemplarisches Projekt für eine umfassende Gebäudefsanierung ist die Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) in Müllheim. Der Sanierungsprozess dieser beruflichen Schule mit Gymnasien, der über mehrere Jahre andauerte und Investitionen im zweistelligen Millionenbereich umfasste, bietet wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung komplexer Bauprojekte im öffentlichen Bereich.

Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen der Sanierung, von den politischen Beschlüssen über die technischen Maßnahmen bis hin zur fertiggestellten Immobilie. Er dient als Informationsquelle für Bauherren, Projektverantwortliche und Immobilieninteressierte, die sich für die Sanierung von Bestandsgebäuden und die Modernisierung von Büro- und Schulgebäuden interessieren.

Politische Rahmenbedingungen und Projektinitiierung

Die Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule begann nicht mit den ersten Handwerkern auf der Baustelle, sondern mit politischen Entscheidungen auf Kreisebene. Im April 2015 fasste der Schulausschuss des Kreistags den Beschluss, die Landrätin mit der Vergabe von Architektenleistungen für ein Gesamt-Sanierungskonzept zu beauftragen. Ziel war es, die Weichen für eine Generalsanierung zu stellen, mit der eine Investition von 7,8 Millionen Euro bis zum Jahr 2025 verbunden war. Diese Entscheidung markierte den Startschuss für ein langfristiges Sanierungsvorhaben, das den Erhalt des Standorts Müllheim sichern sollte.

Zu diesem Zeitpunkt war die Zukunft der Schule noch Gegenstand von Diskussionen. Der Schulausschuss signalisierte jedoch klar seinen Willen, den Standort Müllheim zu stärken. Zeitgewinn war ein entscheidender Faktor, da die nächste Sitzung des Schulausschusses für eine zügige Vergabe der Architektenleistungen zu spät terminiert war. Durch die Beauftragung der Landrätin konnte der Prozess beschleunigt werden. Parallel dazu musste die räumliche Situation der Schule neu organisiert werden, da die benachbarten Kaufmännischen Schulen nach Bad Krozingen umzogen. Ihr ehemaliges Schulgebäude wurde ebenfalls kernsaniert und sollte der Georg-Kerschensteiner-Schule zur Verfügung gestellt werden. Diese Erweiterung des Campus war ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtplanung.

Die Gewerblichen und Kaufmännischen Schulen (GKS) nach der Sanierung

Nach einer sechsjährigen Sanierungsphase, die Investitionen in Höhe von 20,7 Millionen Euro erforderte, konnte die Gewerblichen und Kaufmännische Schule (GKS) Müllheim feierlich wiedereröffnet werden. Das Projekt, das 2015 vom Kreistag beschlossen wurde, führte zu einer vollständigen Transformation des Gebäudekomplexes. Die Schule, die als berufliche Schule mit Gymnasien fungiert, ermöglichte nach Abschluss der Arbeiten vielfältige Bildungs- und Ausbildungswege. Das Fächerspektrum reichte von der dualen Ausbildung bis zum allgemeinbildenden Abitur in den Bereichen Technik und Wirtschaft.

Die sanierten Räumlichkeiten boten nun neue, modern ausgestattete Unterrichtsräume und Aufenthaltsmöglichkeiten inklusive einer Schülerkantine. Die Schule profilierte sich zudem als zertifizierte Digitale Schule, die eine datenschutzkonforme KI-Nutzung ermöglichte, und als anerkannte Europaschule. Die Sanierung diente also nicht nur der Bausubstanz, sondern auch der Aufwertung des pädagogischen Angebots.

Technische Aspekte der Sanierung und Modernisierung

Die technische Planung und Umsetzung der Sanierung umfasste eine Vielzahl von Gewerken, die aufeinander abgestimmt werden mussten. Die Quellenlage gibt Aufschluss über spezifische Maßnahmen, die sowohl der Energieeffizienz als auch der Sicherheit dienten.

Energetische Sanierung und Gebäudehülle

Ein wesentliches Ziel der Modernisierung war die Verbesserung der Energiebilanz. Die energetische Sanierung umfasste die Erneuerung der Fenster. In einem der beschriebenen Projektfälle (Kreisberufschulzentrum Mühlacker BA2, das in diesem Kontext als Vergleichsprojekt dient) wurden Fenster mit 3-fach Verglasung eingesetzt. Ebenso wurde das Flachdach saniert. Die Fassade wurde energetisch überprüft; in dem genannten Vergleichsprojekt blieb die Fassade erhalten, wohingegen der außenliegende Sonnenschutz erneuert wurde. Auch in Müllheim wurden moderne Gestaltungsqualität und Bestandsqualität kombiniert, beispielsweise durch den Einbau bodentiefer Fenster, die fließende Übergänge von innen nach außen ermöglichen und die ursprüngliche Fassade des Altbaus aus den 60er Jahren in Szene setzen.

Haustechnik (Sanitär, Heizung, Lüftung)

Die Haustechnik wurde vollständig modernisiert. In der Ausschreibung für die Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule (1. Bauabschnitt) wurde die Sanitärinstallation als separates Los ausgeschrieben. Dies unterstreicht die Bedeutung dieser Gewerke für den Gesamtstandard der Schule.

Im Vergleichsprojekt wurde zudem eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erneuert, was ebenfalls als Standardmaßnahme in modernen Sanierungsprojekten angesehen werden kann. Die Schule soll einen "Wohlfühlcharakter" entwickeln, was auch auf ein angenehmes Raumklima durch moderne Technik zurückzuführen ist.

Elektrotechnik und Brandschutz

Der Brandschutz spielte eine zentrale Rolle. Da es sich oft um Bestandsgebäude aus den 60er oder 80er Jahren handelt, waren Anpassungen an aktuelle Normen erforderlich. Kritisch wurde im Vergleichsprojekt die im Bestand über die Flucht- und Rettungswege geführte Elektroinstallation bewertet. Diese wurde daher erneuert, inklusive energiesparender Beleuchtung, ELA (Elektro-Licht-Anlagen) und Datennetzwerk.

Der Einbau einer Brandmeldeanlage mit Aufschaltung auf die Feuerwehrleitstelle war Teil der umfangreichen Brandschutzmaßnahmen. Zudem wurde in allen Räumen die Unterdecke erneuert. Die neuen Decken wurden als freie Akustik-Deckensegel ausgeführt, was sowohl der Akustik als auch der Ästhetik dient.

Sanitäre Installation

Die Bedeutung der Sanitärinstallation wird durch die separate Ausschreibung deutlich. Ein Tender (Ausschreibung) vom 14.06.2019 betraf speziell die "Sanitärinstallation für Georg-Kerschensteiner-Schule, 79379 Müllheim 1. Bauabschnitt Sanierung und Modernisierung". Der Auftraggeber war das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Solche Ausschreibungen folgen strengen Verfahren, in diesem Fall einem "Offenen Verfahren". Die Schätzung des Vergabetermins begann am 14.06.2019, mit einer Frist bis zum 17.07.2019. Dies zeigt die detaillierte Planung im Vorfeld der eigentlichen Baumaßnahmen.

Projektmanagement und Bauausführung

Die Durchführung eines solchen Großprojekts erfordert professionelles Projektmanagement. Die Bauherrschaft lag beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Die Planung und Ausführung erstreckten sich über mehrere Jahre. Ein Beispiel aus einem vergleichbaren Projekt (Kreisberufschulzentrum Mühlacker BA2) zeigt typische Zeitrahmen: Die Planung begann im Juli 2008, die Bauzeit dauerte von Mai 2009 bis September 2010. Die Leistungsphasen (LPH) nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) wurden von 1 bis 9 durchlaufen, was eine Vollplanung einschließlich Objektüberwachung und Dokumentation bedeutet.

In Müllheim wurde der Umbau des Gebäudeteils A abgeschlossen, wobei Schülerinnen und Schüler der GKS selbst einen Film über das sanierte Gebäude produzierten. Dies unterstreicht die Einbindung der Schulgemeinschaft in den Veränderungsprozess. Die Veränderungen von "großen Dimension" begannen im September 2019.

Finanzielle Aspekte und Investitionsvolumen

Die Finanzierung von Sanierungsprojekten im öffentlichen Bereich ist komplex. Für die Georg-Kerschensteiner-Schule in Müllheim wurde ursprünglich eine Investition von 7,8 Millionen Euro bis 2025 geplant. Nach Abschluss der sechsjährigen Sanierungsphase beliefen sich die Gesamtkosten jedoch auf 20,7 Millionen Euro. Dieser Betrag bezieht sich auf die Modernisierung der gesamten GKS Müllheim.

Die Kostenstruktur in der Bauwirtschaft unterliegt starken Schwankungen, und die Endsumme solcher Projekte übertrifft oft die ursprünglichen Schätzungen, insbesondere wenn umfassende energetische und brandschutztechnische Auflagen erfüllt werden müssen. Die Quelle [7] erwähnt die Summe von 20,7 Millionen Euro explizit als Investition nach sechsjähriger Sanierung.

Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen im Überblick

Um die Komplexität der durchgeführten Arbeiten zu veranschaulichen, fasst die folgende Tabelle die Kernbereiche der Modernisierung zusammen, basierend auf den Informationen aus den Quellen und vergleichbaren Projekten.

Gewerke Maßnahme Ziel
Energie / Gebäudehülle Erneuerung der Fenster (3-fach Verglasung), Sanierung des Flachdachs, Überprüfung der Fassade, Erneuerung des Sonnenschutzes. Energieeinsparung, Verbessertes Raumklima.
Elektrotechnik Erneuerung der Installationen, energiesparende Beleuchtung, Datennetzwerk, Brandmeldeanlage (BMA) mit Aufschaltung Feuerwehr. Sicherheit (Brandschutz), IT-Infrastruktur, Effizienz.
Haustechnik (Sanitär) Sanitärinstallation (ausgeschrieben als separates Los). Hygiene, Funktionalität.
Haustechnik (Lüftung) Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Raumklima, Energieeffizienz.
Innenausbau / Akustik Erneuerung der Unterdecken, Einbau von Akustik-Deckensegeln. Verbesserte Akustik, Ästhetik.
Raumkonzept Bodentiefe Fenster, neue Aufenthalts- und Kantinenbereiche. "Wohlfühlcharakter", moderne Lernwelten.

Herausforderungen und Besonderheiten

Ein spezifischer Aspekt der Sanierung in Müllheim war die Integration des ehemaligen Gebäudes der Kaufmännischen Schulen. Nach deren Umzug nach Bad Krozingen entstand die Notwendigkeit, den gesamten Standort neu zu strukturieren. Die Schule wurde im Zuge dessen in "Gewerblich Kaufmännische Schule (GKS)" umbenannt und das Angebot an Schulformen neu justiert (Wirtschaftsgymnasium, Technisches Gymnasium, Berufskolleg etc.).

Ein weiterer Punkt war die politische Unsicherheit im Vorfeld. Hätte der Schulausschuss nicht 2015 den Beschluss zur Sanierung gefasst, wäre der Standort eventuell aufgegeben worden. Die Investition von 20,7 Millionen Euro zeigt das hohe Engagement des Landkreises, die Infrastruktur für die berufliche Bildung am Standort zu erhalten und auszubauen.

Fazit

Die Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule in Müllheim ist ein Musterbeispiel für die Revitalisierung von Bestandsimmobilien im öffentlichen Sektor. Das Projekt verdeutlicht, dass eine moderne Schule mehr ist als nur ein Dach über dem Kopf. Sie ist ein komplexes Gefüge aus energetischen Anforderungen, Brandschutzvorgaben, technischer Ausstattung und pädagogischem Raumkonzept.

Die Investition von 20,7 Millionen Euro über sechs Jahre hat die Schule zu einer modernen, leistungsfähigen Bildungseinrichtung mit "Wohlfühlcharakter" transformiert. Für Bauherren und Projektverantwortliche lässt sich ableiten, dass frühzeitige Planung, politischer Rückhalt und die Bereitschaft, in umfassende technische Maßnahmen (wie Brandmeldeanlagen, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Fenstererneuerung) zu investieren, entscheidend für den Erfolg solcher Projekte sind. Die GKS Müllheim steht nun als moderner Campus bereit, der den Anforderungen an digitale und europäische Bildung gerecht wird.

Quellen

  1. Schwarzwälder Bote: Müllheim Komplette Sanierung bis 2025
  2. ABJ Journal: Georg-Kerschensteiner Schule Müllheim
  3. GKS Müllheim: Schule mit Wohlfühlcharakter
  4. Lohr Architekten: Sanierung der Georg-Kerschensteiner-Schule
  5. Badische Zeitung: Sanierung der ehemaligen kaufmännischen Schulen
  6. Mercell: Sanitärinstallation für Georg-Kerschensteiner-Schule
  7. GKS Müllheim: Startseite

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