Sanierung des Münchner Stadtmuseums: Ein Mammutprojekt zwischen Denkmalschutz und moderner Architektur

Einleitung

Die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums stellt eines der bedeutendsten Kulturbauvorhaben der bayerischen Landeshauptstadt dar. Seit Januar 2024 ist das größte kommunale Museum Deutschlands geschlossen, um eine vollständige Modernisierung und denkmalgerechte Instandsetzung zu erfahren. Das Vorhaben ist nicht nur architektonisch und technisch anspruchsvoll, sondern auch von hoher städtebaulicher Relevanz. Ziel der Sanierung ist es, die Bausubstanz aus verschiedenen Epochen zu verbinden, die musealen Standards an heutige Anforderungen anzupassen und das Museum stärker in das städtische Gefüge zu integrieren. Der Zeitrahmen für die Fertigstellung erstreckt sich voraussichtlich bis zum Jahr 2031. Während dieser Zeit bleibt das Museum jedoch durch ein umfangreiches Interimsprogramm präsent.

Der historische Kontext und die Notwendigkeit der Sanierung

Das Münchner Stadtmuseum ist kein einheitlicher Bau, sondern ein Komplex aus mehreren Einzelbauten, die unterschiedlichen Epochen vom 14. bis zum 20. Jahrhundert entstammen. Diese historische Vielfalt macht das Museum zu einem Spiegel der Münchner Stadtgeschichte, stellt aber vor Sanierungsbeginn besondere Herausforderungen an die Bauausführung.

Laut den vorliegenden Informationen entsprachen Bausubstanz, Infrastruktur, Serviceeinrichtungen und Ausstattung des Hauses vor Beginn der Sanierungsarbeiten längst nicht mehr den heutigen Standards. Die Erwartungen der Besucher an die Aufenthaltsqualität konnten nicht mehr erfüllt werden. Der Stadtrat hat die Weichen für die Generalsanierung bereits im Jahr 2012 gestellt. Seit 2015 arbeitet das Architekturbüro Auer Weber an der Umsetzung. Trotz der Herausforderungen durch die Pandemie und Energiekrise wurde das Projekt weiterverfolgt.

Zeitplan und Interimsbetrieb

Während die Hauptgebäude bis 2031 saniert werden, sorgt ein Interimskonzept für die Kontinuität des Museumsbetriebs.

Das Filmmuseum und das Café

Das Filmmuseum, das im selben Komplex untergebracht ist, bleibt bis voraussichtlich Juni 2027 in Betrieb. Parallel dazu hat das Café im Museum eine neue Betriebskonzeption erhalten. Es wird nun unter dem Namen „Nash“ geführt. Betreiber Daniel Gitbud plant, den Platz durch ein kulturelles Programm zu beleben. Das Café wird bis zur Renovierung des Filmmuseums im Sommer 2027 betrieben und soll Tische und Stühle zur Synagoge hin aufstellen, um den Innenhof mit einzubeziehen. Geplant sind Lesungen, Musik und Filmvorführungen.

Die Interimsausstellung „What the City“

Im historischen Zeughaus, das separiert vom Haupthaus steht, wird bis Mitte 2027 die Interimsausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ gezeigt. Diese Ausstellung bündelt Themen aus fast allen Sammlungen des Hauses in zehn Kapiteln. Themen sind unter anderem Sicherheit, Armut, der Kampf um Gleichberechtigung, Tradition und Wachstum in München. Die Ausstellung zeichnet sich durch interaktive Mitmach- und Medienstationen aus und ist barrierefrei sowie kostenfrei zugänglich. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr, montags bleibt das Zeughaus geschlossen.

Architektonische und städtebauliche Maßnahmen

Das Kernziel der Sanierung ist die Verbindung von Denkmalschutz mit modernen Anforderungen an Klimaneutralität und Nutzbarkeit. Das Architekturbüro Auer Weber legte einen Entwurf vor, der einen respektvollen Umgang mit dem Bestand vorsieht.

Neuer Zugang und geöffneter Innenhof

Ein zentraler städtebaulicher Wandel ist die Schaffung eines neuen Haupteingangs. Dieser entsteht in Richtung Marienplatz beziehungsweise Rindermarkt. Um diesen neuen Zugang zu schaffen, wurde eine ausgemauerte Türöffnung als öffentlicher, barrierefreier Zugang hergestellt. Hinter dem neuen Eingang wird der bislang versteckte Innenhof geöffnet. Der Entwurf sieht vor, diesen Innenhof mit einem Glasdach zu überdachen und als multifunktional nutzbare Museumslobby zu gestalten. Er soll frei zugänglich sein und die innerstädtische Platzabfolge ergänzen, indem er ein verbindendes Glied zum St.-Jakobs-Platz und dem Jüdischen Zentrum bildet. Das Ziel ist es, das Museum näher an die Stadt heranzurücken und einen neuen öffentlichen Raum zu schaffen.

Das Kernstück: Der weiße Würfel

Das architektonische Highlight im neuen Innenhof wird ein riesiger, begehbarer weißer Würfel sein. Dieser Kubus dient als neuer Mittelpunkt des Museums. An seiner Außenwand sollen Hunderte von LED-Leuchten ausstellungsbegleitende Bilder zeigen, was den Innenhof auch nachts lebendig gestaltet.

Dachsanierung und Fassade

Sichtbare Fortschritte der Sanierung sind bereits erkennbar. Der „Marstall“ wurde instandgesetzt. Das Dach wurde saniert, wobei Biberschwanzziegel erneuert und Gauben sowie deren Fenster energetisch saniert wurden. Auch die Fassade wird den aktuellen Standards angepasst. Ziel ist die angestrebte Klimaneutralität des stadteigenen Gebäudebestandes.

Herausforderungen bei der Sanierung

Die Sanierung eines solch komplexen Gebäudeverbundes stellt die Bauausführenden vor besondere Aufgaben.

Logistik und Exponate

Eine der größten Herausforderungen ist der Umgang mit den rund drei Millionen Exponaten. Dazu gehören Objekte von einer Kutsche des „Floh Circus“ aus dem Jahr 1906 bis zum Hausmantel von König Ludwig I. Diese Objekte müssen unter Aufrechterhaltung spezifischer klimatischer Bedingungen in ein Zwischenlager umziehen. Als Zwischenlager dienen die ehemaligen Räume der Filmtechnikfirma Arri in der Türkenstraße. Der Umzug der Exponate wird als größte Herausforderung der ersten eineinhalb Jahre beschrieben.

Bauliche Besonderheiten

Da das Museum aus Häusern aus verschiedenen Epochen (14. bis 20. Jahrhundert) besteht, muss der Neubau diese verbinden, ohne die Denkmalschutzauflagen zu verletzen. Die Baureferentin Jeanne Marie Ehbauer betont, dass dies zwar keine leichte Sache sei, die Geschichte der Stadt aber im Museum reflektiert werden soll.

Kosten und Finanzierung

Das Projekt gilt als Mammutprojekt. Es ist das zweitgrößte Kulturbauvorhaben der Kommune nach der Sanierung des Gasteigs. Die Sanierungskosten werden mit rund 270 Millionen Euro veranschlagt. Der Stadtrat hat sich trotz schwieriger Haushaltssituation und Energiekrise entschieden, in die Kultur zu investieren. Zum Vergleich: Beim Neubau des Münchner Volkstheaters investierte der Stadtrat 271 Millionen Euro. Diese Summe zeigt das hohe finanzielle Engagement der Stadt München.

Das neue Konzept: Ein Museum für die Zukunft

Die Generalsanierung dient nicht nur der Instandsetzung, sondern auch der Weiterentwicklung des Museums.

Barrierefreiheit und Besucherfreundlichkeit

Ein Hauptziel ist die Erhöhung der Besucherfreundlichkeit. Durch den neuen, barrierefreien Haupteingang am Rindermarkt und die Öffnung des Innenhofs wird das Museum deutlich zugänglicher. Die interaktiven Elemente der Interimsausstellung zeigen zudem den Weg zu einer modernen, partizipativen Museumsarbeit.

Klimaneutralität und Nachhaltigkeit

Das Gebäude wird hinsichtlich der angestrebten Klimaneutralität ertüchtigt. Dies umfasst die energetische Sanierung von Fenstern und Dächern sowie die Anpassung der Haustechnik.

Städtebauliche Aufwertung

Durch die Schaffung eines neuen Stadtplatzes im überdachten Innenhof gewinnt die Umgebung des Museums erheblich an Aufwertung. Es entsteht ein verbindendes Glied zwischen dem St.-Jakobs-Platz und dem Marienplatzbereich, das die Innenstadt auflockert.

Fazit

Die Sanierung des Münchner Stadtmuseums ist ein komplexes Vorhaben, das Denkmalschutz, moderne Architektur und technische Innovation verbindet. Mit einem Investitionsvolumen von rund 270 Millionen Euro und einem Zeitrahmen bis 2031 plant die Stadt München, das größte kommunale Museum Deutschlands zukunftsfähig zu machen. Die Maßnahmen umfassen nicht nur die Instandsetzung der Bausubstanz, sondern auch eine Neukonzeption des Museums mit neuem Eingang, überdachtem Innenhof und einem begehbaren Würfel als architektonischem Kern. Während der Bauphase bleibt das Museum durch das Filmmuseum und die Interimsausstellung „What the City“ im Zeughaus präsent. Für Bauinteressierte und Eigentümer historischer Gebäude bietet das Projekt exemplarische Einblicke in die Herausforderungen der Verbindung von Altbausanierung, Denkmalschutz und moderner Nutzung.

Quellen

  1. München.de - Münchner Stadtmuseum
  2. tz.de - Sanierung des Münchner Stadtmuseums
  3. Münchner Stadtmuseum - Presse: Generalsanierung
  4. BR.de - München: Stadtmuseum wird saniert

Ähnliche Beiträge