Sanierung Freizeitbad Nautilla Illertissen: Planung, Kosten und technische Herausforderungen einer Generalsanierung

Einleitung

Die Sanierung von öffentlichen Großbädern stellt kommunale Verwaltungen und Bauherren vor komplexe Herausforderungen. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche Modernisierungsmaßnahme ist die Generalsanierung des Freizeitbades Nautilla in Illertissen. Nach über 30 Jahren Betriebszeit steht das Bad vor einer umfassenden Kernsanierung, die nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch die energetische Effizienz und die barrierefreie Gestaltung der Anlage betrifft. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die Planung, die finanziellen Rahmenbedingungen und die notwendigen technischen Maßnahmen, die für eine solche Baumaßnahme erforderlich sind.

Das Vorhaben dient als Fallstudie für die Instandhaltung kommunaler Immobilien und zeigt auf, wie Sanierungsprojekte in mehreren Phasen – von der Vorplanung bis zur Ausschreibung – strukturiert werden müssen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Einhaltung moderner gesetzlicher Vorgaben, wie der Energieeinsparverordnung (EnEV) bzw. des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), sowie fachspezifischer Normen im Bauwesen.

Ausgangslage und Sanierungsbedarf

Das Freizeitbad Nautilla ist ein etablierter Standort für Badespaß und Wellness in der Region Illertissen. Mit einem jährlichen Besucheraufkommen von rund 300.000 Gästen ist die Anlage ein wichtiger sozialer und kultureller Treffpunkt. Dennoch erfordert der Zustand der Bausubstanz nach 31 Jahren Betrieb eine dringende Erneuerung.

Bauliche Gegebenheiten und Alter der Anlage

Die Heterogenität der Bausubstanz ist ein entscheidender Faktor für die Notwendigkeit der Sanierung. Über die Jahrzehnte haben verschiedene Umbauten und Veränderungen zu einem Stilmix geführt, der eine einheitliche und moderne Optik verhindert. Diese "Vielgestaltigkeit der Baustile" macht eine grundlegende Renovierung erforderlich, um eine konsistente Ästhetik und Funktionalität wiederherzustellen.

Neben den optischen Aspekten steht vor allem die technische Substanz im Fokus. Wie bei Objekten dieser Baujahre üblich, sind die Haustechnik und die Beckenkonstruktion einem hohen Verschleiß ausgesetzt. Die Notwendigkeit einer Generalsanierung ergibt sich daher aus dem Zwang, die langfristige Funktionsfähigkeit des Bades zu gewährleisten und den aktuellen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen.

Betriebliche Herausforderungen während der Planung

Ein zentrales Problem bei der Sanierung von Badeseen oder Freizeitbädern ist der Betriebsausfall. Um die Zeit bis zum Start der umfassenden Generalsanierung zu überbrücken und den Betrieb aufrechtzuerhalten, wurden bereits jetzt notwendige Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Im Sommer des Planungsjahres fanden umfangreiche Revisions- und Verschönerungsarbeiten statt, die eine Schließung der Anlage notwendig machten.

Zu diesen notwendigen Erhaltungsarbeiten gehörten: * Erneuerung der Filtermaterialien aller Beckenkreisläufe zur Sicherung der Wasserqualität. * Neue Auskleidung der abgenutzten Schwallwasserbecken. * Umfangreiche Fliesenarbeiten an den Beckenumgängen, die stark in Mitleidenschaft gezogen waren.

Diese Maßnahmen verdeutlichen, dass selbst vor einer Großen Sanierung laufende Instandhaltungen unverzichtbar sind, um den Betrieb uneingeschränkt weiterführen zu können.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Haushaltsplanung

Die Finanzierung eines Sanierungsvorhaben in Höhe von 16 Millionen Euro ist für eine mittelgroße Kommune eine erhebliche finanzielle Belastung. Die Stadt Illertissen hat dennoch eine stabile Haushaltslage vorgelegt, die die Durchführung des Projekts ermöglicht.

Kostenrahmen und Finanzierbarkeit

Der veranschlagte Kostenrahmen für die Sanierung und Attraktivierung des Freizeitbades Nautilla beläuft sich auf 16 Millionen Euro. Diese Summe deckt die energetischen, technischen und gestalterischen Maßnahmen ab. Trotz zunehmender Ausgaben und einer hohen Kreisumlage, die den Haushalt der Stadt belastet, bleibt das Sanierungsprojekt im Plan. Bemerkenswert ist, dass die Stadt Illertissen derzeit ohne Neuverschuldung auskommt, was die Finanzierbarkeit des Projekts unterstreicht.

Politische Unterstützung

Für die Durchführung einer solch teuren Sanierung ist eine breite politische Unterstützung essenziell. Im Fall des Nautilla wurde ein Grundsatzbeschluss gefasst, der vom Stadtrat einstimmig bestätigt wurde. Diese Einstimmigkeit signalisiert, dass die Notwendigkeit der Sanierung von allen politischen Gremien anerkannt wird und das Projekt als Investition in die Zukunft der kommunalen Infrastruktur gesehen wird.

Technische und rechtliche Planungsgrundlagen

Die Detailplanung einer Generalsanierung ist ein komplexer Prozess, der die Einhaltung zahlreicher technischer Normen und gesetzlicher Vorgaben erfordert. Bevor mit der eigentlichen Sanierung begonnen werden kann, müssen die Planungsleistungen ausgeschrieben und vergeben werden.

Vergabe von Planungsleistungen (HOAI)

Die Stadtwerke Illertissen haben die Vergabe von Leistungen für die Objektplanung Gebäude und Innenräume (Leistungsphasen 1-3 gemäß § 34 HOAI) ausgeschrieben. Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) regelt die Planungsphasen von der Grundlagenermittlung über die Vorplanung bis zur Entwurfsplanung. Diese Phase ist entscheidend, um eine klare Grundlage für die spätere Ausführung zu schaffen.

Einhaltung von Normen und Richtlinien

Ein zentraler Punkt in der Ausschreibung ist die Verpflichtung zur Einhaltung sämtlicher gültiger Richtlinien und Normen. Dies betrifft einerseits moderne Anforderungen im Bereich des Energieeinsparens (EnEV/GEG) und andererseits alle fachspezifischen Normen (DIN, EN) im Bauwesen. Zu den relevanten Bereichen zählen: * Brandschutz: Sicherstellung der Sicherheit für Badegäste im Brandfall. * Barrierefreiheit: Gestaltung der Anlage für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. * Haustechnik: Planung der modernen Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik.

Ablauf und Zeitplanung

Die Planung und Vorbereitung des Sanierungsvorhabens ist zeitintensiv. Von der Entscheidung im Stadtrat bis zum tatsächlichen Baubeginn dauert es nach aktuellen Schätzungen mindestens zwei Jahre. Ein wesentlicher Faktor für diese Zeitspanne ist das notwendige Ausschreibungsverfahren, das der Instandsetzung vorausgeht. Diese Zeit wird genutzt, um die Detailplanung zu erstellen und die Finanzierung final zu sichern.

Betriebliche Anpassungen und Modernisierungsschritte

Parallel zur laufenden Planung der Generalsanierung werden betriebliche Anpassungen vorgenommen, um das Kundenerlebnis zu verbessern und die Anforderungen der Gäste zu erfüllen.

Erweiterung der Betriebszeiten

Um auf den Wunsch der Gäste nach längeren Besuchszeiten zu reagieren, hat das Bad seine Öffnungszeiten deutlich erweitert. Seit April ist die Bade- und Saunalandschaft dienstags bis samstags von 9 bis 22 Uhr und sonntags von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Diese Maßnahme dient der Attraktivierung des Angebots in der Übergangsphase bis zur Sanierung.

Personalwechsel und Kontinuität

Ein weiterer Aspekt der betrieblichen Stabilisierung ist die Personalentwicklung. Trotz der Aussage, die ständigen Personalwechsel hinter sich lassen zu wollen, kommt es erneut zu einem Wechsel in der Geschäftsführung. Der bisherige Chef Axel Siewert geht zum Jahresende. Positiv ist jedoch, dass die Nachfolgerin aus dem eigenen Haus kommt und über mehrere Wochen Einarbeitungszeit verfügt. Dies sichert das Hauswissen und die Kontinuität in der Phase der Planung der Generalsanierung.

Fazit

Die Sanierung des Freizeitbades Nautilla in Illertissen ist ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit, kommunale Infrastruktur nach Jahrzehnten des Betriebs grundlegend zu erneuern. Das Projekt zeigt, dass eine solche Maßnahme nur durch eine sorgfältige finanzielle Planung, politische Geschlossenheit und die Einhaltung strenger technischer Normen erfolgreich sein kann.

Die Herausforderungen liegen nicht nur in der technischen Umsetzung der 16-Millionen-Euro-Investition, sondern auch in der Überbrückungszeit bis zum Baubeginn. Durch notwendige Instandhaltungsmaßnahmen und die Anpassung der Betriebszeiten wird versucht, die Anwendungsfähigkeit des Bades bis zur Generalsanierung zu erhalten. Für Bauherren und Entscheider ähnlicher Projekte zeigt der Fall Nautilla, dass eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Jahren für die Planung und Ausschreibung realistisch ist und dass eine stabile Haushaltslage der entscheidende Faktor für die Realisierung von Sanierungsvorhaben ist.

Quellen

  1. Austrasse Zuerich - Nautilla Illertissen Komplette Kernsanierung
  2. SWP - Nautilla Illertissen 31 Jahre auf dem Buckel
  3. Ausschreibungen Deutschland - Sanierung Freizeitbad Nautilla
  4. SWP Sonderthemen - Neueröffnung Freizeitbad Nautilla
  5. SWP - Haushalt in Illertissen Sanierung des Nautilla bleibt im Plan
  6. Augsburger Allgemeine - Illertissen Nautilla neue Chefin Sanierungspläne

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