Einleitung
Öffentliche Freizeit- und Erlebnisbäder stellen komplexe Bauwerke dar, deren Betrieb eine ständige Herausforderung für Technik, Unterhaltung und Sicherheit bedeutet. Um die Bausubstanz zu erhalten, die Nutzererfahrung zu verbessern und technische Standards aktuell zu halten, sind regelmäßige, umfassende Revisionsarbeiten unerlässlich. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Instandhaltungs- und Modernisierungsphase ist das Nautimo in Wilhelmshaven. Als eines der größten Freizeitbäder an der Nordsee mit einer Fläche von 7.500 m² und etwa 300.000 Besuchern jährlich (Quelle 4) stand das Bad im Spätsommer 2015 vor der Herausforderung, gravierende Mängel an der Bausubstanz zu beheben und gleichzeitig technische Anlagen auf den neuesten Stand zu bringen.
Dieser Artikel beleuchtet die Sanierungsmaßnahmen des Nautimo aus bautechnischer und renovatorischer Sicht. Basierend auf den vorliegenden Informationen zur Sanierung im Jahr 2015 sowie weiteren Revisionsarbeiten im Jahr 2019 werden die Herausforderungen, die angewendeten Lösungen und die Bedeutung von nachhaltigen Materialien und moderner Technik im Bäderbau detailliert analysiert.
Die Herausforderung: Sickernässe und Bauschäden
Ein zentrales Problem, das eine tiefgreifende Sanierung erforderte, betraf die Abdichtung und Entwässerung der Beckenbereiche. Laut den vorliegenden Berichten war es in den ersten sieben Betriebsjahren des Nautimo zu massiven Problemen mit Spritzwasser gekommen. Wasser sickerte durch die Decke in den darunterliegenden Keller. Dieser Zustand barg ein erhebliches Risiko für die Statik und Lebensdauer des Bauwerks. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Wilhelmshaven, Volker Lotsch, betonte, dass dieser Zustand die Betonkonstruktion des Bades auf Dauer enorm beschädigt hätte (Quelle 4). Eine einfache Reparatur schied hier aus; eine komplette Sanierung der Bodenabdichtung und Entwässerung war zwingend notwendig, um Stau- und Sickernässe im Bodenaufbau dauerhaft zu verhindern.
Sanierung der Entwässerung: Der Einsatz von Badrinnen
Das Kernstück der Sanierung im Bereich der Becken bildete der Austausch der Entwässerungssysteme. Die Entscheidung fiel auf ein System des österreichischen Herstellers Aschl, der als Kompetenz- und Innovationsführer für moderne Entwässerungs- und Rohrleitungstechnik gilt (Quelle 4). Die Maßnahme umfasste eine Fläche von mehr als 1.500 m² Bodenfläche in den Sport-, Sprung- und Erlebnisbecken.
Technische Ausführung der Sanierung
Der Sanierungsprozess gestaltete sich aufwendig: 1. Entfernung des alten Bodens: Die alte Bodenfliese und der darunterliegende Aufbau wurden komplett entfernt. 2. Einbau des neuen Systems: Das Aschl-Entwässerungssystem aus Edelstahl wurde millimetergenau eingebaut. 3. Abdichtung: Es wurde eine hochwertige Abdichtung hergestellt. 4. Verfliesung: Der Boden wurde anschließend wieder verfliest.
Das Herzstück: Die Badrinne Sparin
Als Herzstück der Sanierung wurde die sogenannte Badrinne Sparin verbaut. Diese europaweit patentierte Ausführung wird aus rostfreiem Edelstahl gefertigt. Ihre spezifischen Eigenschaften machen sie besonders für den öffentlichen Bäderbau relevant: * Barrierefreiheit: Durch eine Schlitzbreite von 8 mm ist die Badrinne barfußbegehbar, auch für Kinder. Da sie randlos ausgeführt ist und keinen umlaufenden Sichtsteg besitzt, entstehen keine Stolperfallen. Sie kann daher als barrierefrei bezeichnet werden (Quelle 4). * Funktionalität: Trotz der schmalen Einlassbreite verschwindet das Oberflächenwasser sehr schnell, was die Sicherheit auf dem Beckenrand gewährleistet.
Diese Maßnahme war essenziell, um die Bausubstanz langfristig zu sichern und die Funktionalität des Bades zu gewährleisten.
Modernisierung der Infrastruktur und IT
Neben den kritischen baulichen Mängeln standen auch Modernisierungen der Infrastruktur und der IT-Systeme auf dem Programm. Bei den Revisionsarbeiten im September 2019 (und auch schon 2015) wurde deutlich, dass auch scheinbar banale Elemente wie das Kassensystem einer Erneuerung bedürfen.
IT-Update und Kassensystem
Im Eingangsbereich des Nautimo wurde während einer Revision das Kassensystem komplett erneuert und auf den neuesten Stand gebracht. Es handelte sich dabei um das größte IT-Update seit der Eröffnung des Bades im Jahr 2007 (Quelle 1). Die Vorteile lagen auf der Hand: eine bessere IT-Sicherheit und eine einfachere Bedienung für die Mitarbeiter. Die Umstellung erforderte jedoch eine gewisse Zeit für das Aufspielen der Software und die Einrichtung der Systeme, was zu einer Verschiebung der Wiedereröffnung führte.
Sanierung von Nassbereichen und Leichtbauwänden
Feuchtigkeit stellt nicht nur im Bereich der Beckenabdichtung ein Problem dar, sondern auch in den Umkleiden und Toiletten. Während der Revisionsarbeiten 2019 wurde festgestellt, dass die Leichtbauwände in den Toilettenbereichen zwischen Umkleide und Schwimmhalle durch die Feuchtigkeit komplett durchweicht waren. Die Wände waren so stark aufgeweicht, dass drohte, dass die Toiletten von der Wand fallen würden (Quelle 3).
Als Gegenmaßnahme wurden diese Wände durch massivere Konstruktionen ersetzt. Dies zeigt, dass in Nassbereichen von Schwimmbädern nicht nur auf Dichtigkeit, sondern auch auf die Wahl von Materialien geachtet werden muss, die der ständigen Feuchtigkeit langfristig standhalten.
Ästhetik und Nutzerkomfort
Auch optische und komfortbezogene Verbesserungen wurden durchgeführt. Im Foyer des Nautimo wurde der Fußboden erneuert und die alten Hängestrahler durch ringförmige Leuchter ersetzt. Letztere haben den Vorteil, dass sie das Licht besser verteilen und auch gut für die Pflanzen im Eingangsbereich sind (Quelle 3). Solche Maßnahmen steigern die Aufenthaltsqualität und tragen zum modernen Erscheinungsbild des Bades bei.
Revisionsmanagement und Betriebsführung
Die Durchführung von Sanierungsarbeiten in einem laufenden Betrieb – oder während einer kompletten Schließung – erfordert ein exzellentes Management. Das Nautimo zeigt, wie dies organisiert werden kann.
Schließzeiten und Koordination
Umfangreiche Arbeiten können nur durchgeführt werden, wenn der Schwimm- und Saunabetrieb ruht (Quelle 1). Bei der Revision im September 2019 blieb das Bad vom 1. September bis voraussichtlich 22. September (Schwimmbadbereich) bzw. 28. September (Saunabereich) geschlossen (Quelle 2). In diesem Zeitraum arbeiteten Handwerker von rund 30 verschiedenen Firmen sowie die eigenen Mitarbeiter des Nautimo (Quelle 3).
Einbindung der Mitarbeiter
Ein interessanter Aspekt der Betriebsführung während der Schließung ist die Einbindung der Mitarbeiter. Neben den Reinigungsarbeiten nahmen die Angestellten an Schulungen teil. Dies nutzt die Stillstandszeit effizient, um das Personal zu qualifizieren (Quelle 3).
Unabhängigkeit von Freibädern
Wichtig für die Region war die Information, dass das Freibad Nord unabhängig vom Nautimo weiterhin geöffnet hatte. Dies zeigt eine strategische Planung, um die Wasservergnügsmöglichkeiten in der Stadt zumindest teilweise aufrechtzuerhalten.
Nachhaltigkeit im Bäderbau
Ein wiederkehrendes Thema in den vorliegenden Informationen ist die Nachhaltigkeit. Bei den Revisionsarbeiten setzten die Stadtwerke Wilhelmshaven im Sinne der Nachhaltigkeit auf langlebigere Materialien, wenn etwas ersetzt werden musste (Quelle 3).
Langlebige Materialien
Die Entscheidung für Materialien, die eine längere Lebensdauer haben, ist für öffentliche Bäder von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Sie reduzieren die Frequenz zukünftiger Sanierungen und senken die langfristigen Kosten. Obwohl die spezifischen Materialien nicht immer detailliert genannt werden (außer im Bereich der Badrinne und der Toilettenwände), ist die Prämisse klar: Investitionen in Qualität und Langlebigkeit sind Priorität.
Energie und Infrastruktur
Auch moderne Infrastrukturleistungen wie das Angebot einer E-Ladesäule für Elektroautos (Quelle 5) zeigen, dass moderne Bäder wie das Nautimo auch in die Energieinfrastruktur der Zukunft investieren. Dies stärkt die Attraktivität für eine breitere Zielgruppe und leistet einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.
Fazit
Die Sanierung und Modernisierung des Nautimo Wilhelmshaven ist ein lehrreiches Beispiel für die Instandhaltung komplexer Freizeitbäder. Die Maßnahmen gingen weit über einfache Reparaturen hinaus und adressierten strukturelle Gefahren wie Sickernässe, die die Bausubstanz gefährdeten.
Drei Kernbereiche lassen sich aus den durchgeführten Arbeiten ableiten, die für Eigentümer von Immobilien und Bädern sowie für Bauunternehmen relevant sind:
- Abdichtung und Entwässerung: Die Sanierung der Beckenbereiche durch den Einbau hochwertiger, barrierefreier Badrinnen aus Edelstahl (System Aschl) war essenziell, um die Statik des Bauwerks zu schützen. Die Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden im Bodenaufbau ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Bädersanierung.
- Materialwahl: Der Einsatz massiverer Wände in Nassbereichen und langlebigerer Materialien generell beugt Schäden vor, die durch Feuchtigkeit und hohe mechanische Belastung entstehen.
- IT und Infrastruktur: Die Erneuerung von IT-Systemen (Kassensysteme) und die Optimierung der Nutzerführung (Beleuchtung, barrierefreie Gestaltung) sind notwendig, um den Betrieb wirtschaftlich und benutzerfreundlich zu gestalten.
Die durchgeführten Sanierungen zeigen, dass der Erhalt von öffentlichen Bädern ein Balanceakt zwischen technischer Notwendigkeit, wirtschaftlichem Kalkül und dem Wunsch nach einem attraktiven Angebot für die Besucher ist. Die Investitionen in die Bausubstanz sichern das Wahrzeichen am Jadebusen für die Zukunft.
Quellen
- NWZOnline - Revisionsarbeiten im Nautimo: Wilhelmshavener Freizeitbad modernisiert IT und Gastronomie
- NWZOnline - Schwimmbad in Wilhelmshaven: Nautimo schließt wegen Revisionsarbeiten fast den gesamten September
- NWZOnline - Revisionsarbeiten im Nautimo: Wilhelmshaven Freizeitbad öffnet nach Modernisierung
- bba-online - Stolperfreie Entwässerung
- nautimo.de - Info
- nautimo.de - Startseite