Naturschutz und Hochwasserschutz: Die multifunktionale Bedeutung des Neffelsees bei Zülpich

Einleitung

Der Neffelsee, auch bekannt als Naturschutzsee Füssenich, stellt ein herausragendes Beispiel für die Transformation einer ehemaligen Braunkohle-Förderlandschaft in ein ökologisch wertvolles Gewässer dar. Gelegen im Kreis Euskirchen, Bezirksregierung Köln, fungiert der See heute als ein zentraler Knotenpunkt im Biotopverbund und als essentielles Hochwasserschutzelement. Der vorliegende Artikel beleuchtet die geologischen und historischen Wurzeln des Sees, seine ökologische Bedeutung gemäß den Vorgaben des Naturschutzes sowie die technischen Aspekte seiner Nutzung als Rückhaltebecken für den Neffelbach. Dabei stützen sich alle Ausführungen ausschließlich auf die bereitgestellten Quellendokumente, um eine faktenbasierte Darstellung der aktuellen Situation und der Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.

Geologische Entstehung und Rekultivierung

Die Existenz des Neffelsees ist untrennbar mit dem Braunkohletagebau in der Region um Zülpich verbunden. Der See entstand als sogenannter Tagebaurestsee durch die Rekultivierung des ehemaligen Braunkohletagebaus „Zülpich-Mitte“, der auch unter dem Namen Grube „Victor“ bekannt war. Diese Grube sowie die dazugehörige Brikettfabrik Victor Rolff KG waren zwischen 1953/55 und 1969 in Betrieb. Nach der Aufgabe des Bergbaubetriebs im Jahr 1969 begann die natürliche Flutung der Restgrube, die sich um 1967 formierte und den heutigen See entstehen ließ.

Die geographische Lage des Sees wird als Westdeutschland, spezifisch im Gebiet der Stadt Zülpich, im Ortsteil Füssenich, beschrieben. Die Koordinaten sind mit 50° 41′ 50″ N, 6° 37′ 31″ O angegeben. Die Fläche des Sees wird in den vorliegenden Daten leicht unterschiedlich beziffert: Während die offizielle Schutzzonenverordnung von einer digitalisierten Fläche von 73,21 ha (offiziell 73,00 ha) ausgeht, nennen andere Quellen eine Größe von ca. 67 ha oder 65 ha. Die maximale Tiefe des Gewässers beträgt laut einer Quelle 28 Meter.

Die Topographie des Sees ist geprägt von einer Böschung, die sich um den gesamten See legt. Diese Böschung weist eine Neigung von etwa 20 Grad auf und variiert in ihrer Höhe zwischen 5 und 30 Metern. Ursprünglich war vorgesehen, am Neffelsee, ähnlich wie am nahegelegenen Wassersportsee Zülpich, einen Badestrand anzulegen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch technisch, da die aus Sand aufgeschütteten Böschungen immer wieder abrutschten. Infolgedessen wurde auf eine touristische Nutzung als Badegewässer verzichtet.

Schutzstatus und Naturschutzgebiet

Im Jahr 1979 wurde das Gebiet offiziell zum Naturschutzgebiet (NSG) erklärt. Die Schutzmaßnahmen basieren auf § 20 Buchstaben a, b, c sowie Satz 2 des Landesnaturschutzgesetzes (LG NW). Das Kernziel des Schutzes ist die Erhaltung des Sees als funktionierender Lebensraum für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten. Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung für Wasservögel, Limikolen (Schnepfenvögel), Amphibien und Libellen.

Das NSG Neffelsee (Kennung EU-010) erfüllt zudem eine wichtige Funktion als regionale und teils landesweite Biotopverbundfläche. In einer intensiv genutzten Agrarlandschaft fungiert der See als Vernetzungsbiotop, der es wildlebenden Tieren ermöglicht, sich zwischen verschiedenen Lebensräumen fortzubewegen. Ein spezifisches Schutzziel ist die Erhaltung und Optimierung des Gebietes als gut ausgeprägter, strukturierter Biotopkomplex. Dazu gehört insbesondere die Sicherung der Flachwasser- und Röhrichtzonen in den südlichen Uferbereichen.

Um die ökologische Integrität des Sees zu wahren, werden Freizeitnutzungen stark reglementiert. Die Vermeidung weitergehender Freizeitnutzungen am See und seinen Uferbereichen ist explizit als Schutzziel genannt. Das Betreten der Ufer und angrenzender Waldbereiche abseits der Wege ist untersagt. Ebenso sind Grillen, Feuermachen, Baden sowie die Nutzung der Wege mit Fahrzeugen verboten.

Ökologischer Zustand und Biodiversität

Der Neffelsee hat sich zu einem regional bedeutsamen Rast- und Lebensraum für Wasservögel und Watvögel mit hoher Arten- und Individuenzahl entwickelt. Er stellt im Komplex mit dem nahegelegenen Zülpicher See ein wertvolles Überwinterungsgebiet für Enten, Gänse und Möwen dar.

Die Unterwasservegetation des Sees wurde früher durch zahlreiche Armleuchteralgen geprägt, die auf einen geringen Nährstoffgehalt hindeuteten. Im Laufe der Zeit, wahrscheinlich bedingt durch fortschreitende Eutrophierung, nehmen die Armleuchteralgenbestände jedoch kontinuierlich ab. Bei einer Untersuchung im Jahr 2017 wurden nur noch spärliche Vorkommen nachgewiesen. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für das Management des Gewässers dar.

Die Uferbereiche sind unterschiedlich ausgebildet. Während Teile der Ufer mit Beton befestigt sind, haben sich an anderen Stellen schmale, fragmentarische Röhrichte entwickelt. Die Böschungen sind im Norden und Nordwesten mit struktur- und artenreichen Gehölzen bewachsen, die einen hohen Anteil an Balsam- und Hybridpappeln aufweisen. Im Süden und Südosten dominieren fremdländische Gehölze, insbesondere Pappelmischwälder mit hohem Robinienanteil. Innerhalb der ufernahen Gehölzbestände im Westen und Südwesten finden sich zudem einige wasserführende Rinnen und Kleinstgewässer, die den Biotopkomplex aufwerten.

Technische Funktion: Hochwasserschutz und Regenrückhaltebecken

Neben seinem ökologischen Wert erfüllt der Neffelsee eine wichtige technische Aufgabe für den Erftverband. Seit über 20 Jahren dient er als Regenrückhaltebecken für den vorbeifließenden Neffelbach. Der Bach fließt westlich am See vorbei.

Das System ist so konzipiert, dass bei Überschreiten eines festgelegten Pegelstandes von 98 cm im Neffelbach überschüssiges Wasser über ein Überlaufbauwerk in den See abgeleitet und dort zwischengespeichert wird. Dies entlastet das Gewässer und schützt die Unterlieger entlang des Neffelbachs vor Hochwasser. Die Anlage, die landläufig als „Neffelsee-Kaskaden“ bezeichnet wird, besteht aus einem Überlaufbauwerk und einer breiten Schneise zum Seeufer hinunter, durch die das bei Hochwasser hinabströmende Wasser fließt.

Diese Funktion als Hochwasserrückhaltebecken wird im Eigentum des Erftverbandes betrieben. Die Kombination aus Naturschutz und Hochwasserschutz macht den See zu einem wichtigen Element der regionalen Wasserwirtschaft und des Umweltschutzes. Eine ursprüngliche Planung, den See auch für den Wassersport zu nutzen, wurde aufgrund der beschriebenen Böschungsproblematik und dem Fokus auf Schutzfunktionen nicht weiterverfolgt.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Nutzungsregeln

Die Verwaltung und Überwachung des Naturschutzgebietes obliegt der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Euskirchen. In Kooperation mit dem Erftverband werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um Verstöße gegen die Schutzverordnung zu unterbinden. Hintergrund ist die zunehmende Freizeitnutzung, die in den vergangenen Jahren zu einem erhöhten Freizeitdruck auf die Seeufer und umliegenden Waldbereichen geführt hat. Dies führte dazu, dass an vielen Stellen Unrat und wilder Müll liegen.

Die Verordnung zum Schutz des Naturschutzgebietes legt fest, dass Hunde an der Leine zu führen sind. Parken ist ausschließlich auf den ausgewiesenen Parkplätzen am Nord- und Westufer gestattet; die Nutzung der Wege zum Abstellen von Fahrzeugen ist verboten.

Ein Teilbereich des Ufers ist an einen Angelverein (ASV Zülpich) verpachtet. Das Befischen dieses Abschnitts ist für die Mitglieder nach Abstimmung mit dem Verein gestattet, während der Rest des Sees als störungsarmes Rastgewässer geschützt wird. Diese geregelter Angelnutzung stellt einen Kompromiss zwischen Erholungssuchenden, Naturschutz und traditioneller Nutzung dar.

Fazit

Der Neffelsee bei Zülpich ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Nachnutzung einer ehemaligen Bergbaufolgelandschaft. Aus den Restlöchern des Braunkohletagebaus „Victor“ hat sich ein ökologisch hochwertiges Gewässer entwickelt, das heute unter strengem Naturschutz steht. Seine Bedeutung erstreckt sich über drei Kernbereiche:

  1. Naturschutz: Als Refugium für gefährdete Vogelarten, Amphibien und Libellen ist er ein unverzichtbarer Biotop in der Agrarlandschaft.
  2. Wasserwirtschaft: Als Hochwasserschutzbecken für den Neffelbach bietet er Sicherheit für die Anwohner im Unterlauf und reguliert den Wasserhaushalt.
  3. Regionale Identität: Er ist ein Ort der stillen Erholung, dessen Zugang jedoch durch strikte Regeln zugunsten des Artenschutzes eingeschränkt ist.

Die Herausforderungen liegen aktuell in der Stabilisierung des ökologischen Zustands, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Eutrophierung und den Rückgang der Armleuchteralgen. Gleichzeitig erfordert die hohe Freizeitnachfrage ein konsequentes Management durch die zuständigen Behörden, um die Schutzziele des Gebietes langfristig zu sichern. Für die Region stellt der Neffelsee somit eine dauerhafte Investition in den Umwelt- und Hochwasserschutz dar, die historische Aufarbeitung mit moderner Naturschutzpraxis verbindet.

Quellen

  1. Naturschutzinformationen NRW - NSG Neffelsee (EU-010)
  2. Geschichten Rheinisches Revier - Der Neffelsee
  3. RömerRadwege Zülpich - POI Wrapoi09
  4. De-Academic - Neffelsee
  5. Erftverband - Naturschutzgebiet Neffelsee

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