Neubau des Gymnasiums Nepomucenum Rietberg: Planung, Gründung und Bauausführung eines modernen Bildungsortes

Die Stadt Rietberg hat mit dem Neubau des Gymnasiums Nepomucenum ihr größtes Bauprojekt in der Geschichte realisiert. Dieser Bauvorstand markiert nicht nur einen Meilenstein für die Kommune, sondern dient auch als exemplarisches Fallbeispiel für die Planung und Ausführung von öffentlichen Bildungsbauten unter anspruchsvollen geologischen Bedingungen. Der Entschluss zum Neubau fiel vor dem Hintergrund, den etwa 1000 Schülerinnen und Schülern eine zeitgemäße Lernumgebung zu bieten und die räumlichen Gegebenheiten an moderne pädagogische Anforderungen anzupassen. Die folgende Analyse beleuchtet die baulichen Maßnahmen, die geotechnischen Herausforderungen sowie die architektonische und technische Ausgestaltung des Gebäudes, basierend auf den verfügbaren Informationen aus der Bauphase und der Einweihung.

Geologische Voraussetzungen und Gründungstechnik

Eine der zentralen Herausforderungen des Bauvorhabens stellte die geologische Beschaffenheit des Baugrunds dar. Das Grundstück am Torfweg, auf dem das neue Gymnasium errichtet wurde, wies eine erhebliche Torfbelastung auf. Diese Bodenbeschaffenheit machte eine aufwändige Gründungstechnik notwendig, da tragfähiger Baugrund erst in größeren Tiefen erreicht wird. Um die Stabilität des großen Baukörpers zu gewährleisten, wurde eine so genannte Pfahlgründung gewählt.

Im Zuge der Vorarbeiten, die bereits im Jahr 2021 begannen, wurden insgesamt 347 Betonpfähle in den Boden gerammt. Diese Pfähle erreichten eine Tiefe von jeweils 22 Metern. Die Anzahl und Tiefe der Pfähle unterstreichen die Intensität der Bodenvorbereitung. Um das Ausmaß dieser Maßnahme zu veranschaulichen, wurde im Kontext der Bauplanung darauf hingewiesen, dass die Gesamtlänge aller Pfähle, wenn man sie aneinanderreiht, etwa 6,5 Kilometer entspricht – eine Distanz, die dem Abstand von Rietberg nach Mastholte entspricht. Die Rammarbeiten führten, bedingt durch die Tiefe und Dichte der Pfähle, teilweise zu spürbaren Erschütterungen in der Umgebung, was bei den Anliegern für Verständnis sorgen musste. Diese intensive Vorbereitung des Baugrunds war die unabdingbare Voraussetzung für die Errichtung der Bodenplatte, in die bei der Grundsteinlegung im April 2022 eine Zeitkapsel in Form eines Kupferrohrs versenkt wurde.

Architektonische Planung und Bauausführung

Die Planung des Gebäudes oblag dem Architekturbüro Breithaupt aus Salzkotten. Die gestalterischen Planungen nahmen im Jahr 2020 Gestalt an, nachdem die Vorbereitungsarbeiten auf dem Areal am ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) begonnen hatten. Der Entwurf sah einen Baukörper vor, der sich durch Helligkeit und Funktionalität auszeichnet.

Das Gebäude erstreckt sich über drei Geschosse und bietet eine Nutzfläche von insgesamt 9.641 Quadratmetern. Der umbaute Raum beträgt 51.500 Kubikmeter. Architektonisch auffällig ist die helle Klinkerfassade, die dem Baukörper trotz seiner immensen Größe („Mammutprojekt“) eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Ein besonderes Merkmal ist der lange Flur, der sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt und eine Gehstrecke von 240 Metern bietet.

Ein entscheidender Faktor bei der Planung war die Lichthygiene. Der gesamte Neubau ist darauf ausgelegt, möglichst viel natürliches Licht in die Räume zu lassen. Dies wird durch zahlreiche Fenster, teilweise mit bodentiefer Ausführung, sowie durch Lichtkuppeln in den Decken realisiert. Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass das Gebäude auch ohne künstliche Beleuchtung als hell und offen wahrgenommen wird.

Während der mehr als vierjährigen Bauzeit, die 2021 ihren Startschuss nahm, war ein entscheidender strategischer Vorteil, dass die Schule in ihrem alten Gebäude bleiben konnte. Es mussten keine provisorischen Container als Ersatzunterkünfte aufgestellt werden. Dies sparte nicht nur Kosten, sondern ersparte der Schulgemeinschaft auch erhebliche organisatorische und psychische Belastungen. Die Bauarbeiten schritten rasant voran: Nach der Grundsteinlegung im April 2022 folgte das Richtfest bereits fünf Monate später im September 2022. Bis zur Fertigstellung verging jedoch noch weitere Zeit, da die ursprünglich angesetzten Kosten von 29,8 Millionen Euro überschritten wurden und sich auf 31,49 Millionen Euro (Stand zum Zeitpunkt des Richtfests) beliefen.

Funktionaler Aufbau und Raumprogramm

Das Raumprogramm des Gymnasiums Nepomucenum ist umfassend und auf die Bedürfnisse einer modernen Sekundarschule (Jahrgänge 7 bis 13) ausgelegt. Die Verteilung der Flächen gestaltet sich wie folgt:

  • Klassenzimmer: 30 Einheiten
  • Fachräume: 13 Räume (davon Biologie, Chemie, Physik, Kunst und Musik)
  • Nebenräume: 8 Räume
  • Kursräume: 4 Räume
  • Teamräume für Lehrkräfte: 5 Räume

Die Erschließung des dreigeschossigen Baukörpers erfolgt über fünf Treppenhäuser und einen Aufzug, was die Barrierefreiheit und die Erschließungssicherheit gewährleistet. Besondere Bedeutung wird den offenen Lernbereichen beigemessen. Diese sind entlang der Gänge vor den Klassenzimmern eingerichtet und sollen als „Lerncluster“ dienen. Sie ermöglichen flexible Arbeitsformen jenseits der klassischen Klassenzimmer-Tür. Zudem verfügt das Gebäude über eine große Mensa und einen Aula-Bereich, die zentralen Orte für das Schulleben darstellen.

Bauablauf und Zeitplan

Der Bauverlauf lässt sich anhand folgender Meilensteine rekonstruieren:

  • 2017: Planerische Wurzeln des Projekts in der Verwaltung.
  • 2020: Erste sicht- und hörbare Arbeiten auf dem Areal; Aufnahme der gestalterischen Planungen durch das Architekturbüro Breithaupt.
  • 2021: Start der eigentlichen Bauarbeiten (Gründung/ Pfahlrammung).
  • April 2022: Grundsteinlegung.
  • September 2022: Richtfest (ursprünglich geplant für den Sommer 2024, aber bereits 2022 abgehalten).
  • Osterferien 2025: Bezug des Gebäudes durch die Schule (ca. 1000 Schüler).
  • Mai 2025: Offizielle Einweihung und Tag der offenen Tür.

Die Verzögerung zwischen dem Richtfest (2022) und der Fertigstellung (2025) deutet auf eine intensive Ausbauphase hin, in der die Innenausbauarbeiten, die Installation der technischen Anlagen und die Fertigstellung der Freianlagen im Vordergrund standen.

Technische Ausstattung und Besonderheiten

Das Gebäude wurde als „moderner Bildungsort“ konzipiert. Neben der reinen Raumzahl ist die technische und pädagogische Infrastruktur relevant. Die Erwähnung von fünf Teamräumen für Lehrpersonal unterstreicht den Wunsch nach kooperativer Lehrervorbereitung. Die offenen Lernbereiche auf den Fluren spiegeln den pädagogischen Wandel zu selbstorganisiertem Lernen wider.

Auffallend ist auch die Fassadengestaltung. Die helle Klinkerfassade sorgt für ein repräsentatives Erscheinungsbild, das sich in das Umfeld einfügt, aber durch die moderne Auslegung (große Fensterflächen) den Charakter eines Neubaus betont. Die Erwähnung von „Verwinkelungen“ im Kontext der Fassade deutet darauf hin, dass der Baukörper nicht als einfacher Quader gestaltet ist, sondern durch Rücksprünge oder Vorsprünge eine dynamische Form erhält.

Die Einweihung und die Bedeutung für die Stadt

Die offizielle Übergabe des Gebäudes fand im Mai 2025 statt. In einer Feierstunde, an der Bürgermeister Andreas Sunder, der Schulleiter Matthias Stolper und der Architekt Andreas Breithaupt teilnahmen, wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Das symbolische Durchtrennen eines roten Bandes markierte das Ende der Bauarbeiten und den Beginn einer neuen Ära für das Gymnasium.

Bürgermeister Sunder bezeichnete das Projekt als „Herzensprojekt“ und „Jahrhundert-Baustelle“. Die Bedeutung für die Stadt Rietberg geht über den reinen Schulbau hinaus. Es ist ein Investition in die Bildung der kommenden Generationen. Die Tatsache, dass die Schule bereits vor der offiziellen Einweihung bezogen werden konnte (Osterferien 2025), zeugt von einer funktionalen Fertigstellung, die den Übergang vom alten zum neuen Gebäude reibungslos gestaltete.

Die Reaktionen der Schulleitung und der Schüler waren durchweg positiv. Der Schulleiter sprach von einem „Kraftakt“, der sich gelohnt habe, und den Schülern wurde eine harmonische Umgebung zugesprochen, die Raum für Entfaltung, Lernen und Wachstum bietet. Die Architektur des Gebäudes wird als „helle“ und „moderne“ Umgebung beschrieben, die Lust auf Lernen machen soll.

Zusammenfassung der Bauleistungen

Zur Veranschaulichung der Dimensionen des Projekts lassen sich die folgenden technischen Daten zusammenfassen:

Parameter Wert Hinweis
Gesamtkosten 31,49 Mio. € Ursprünglich 29,8 Mio. € geplant
Nutzfläche 9.641 m² Verteilt auf 3 Geschosse
Umbauter Raum 51.500 m³
Pfähle (Gründung) 347 Stück Länge: 22 m
Klassenzimmer 30
Fachräume 13
Flurlänge 240 m Gang von Anfang bis Ende
Bauzeit > 4 Jahre Start ca. 2021, Einweihung 2025

Fazit

Der Neubau des Gymnasiums Nepomucenum in Rietberg stellt ein Bauwerk dar, das durch eine sorgfältige geotechnische Vorbereitung (Pfahlgründung) und eine moderne, lichtorientierte Architektur geprägt ist. Die Planung und Umsetzung erfolgten über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren und mündeten in ein Gebäude, das sowohl in technischer als auch in pädagogischer Hinsicht den Ansprüchen einer modernen Schule gerecht wird. Die Entscheidung, auf Containerlösungen zu verzichten und die Bebauung direkt am bestehenden Standort durchzuführen, erwies sich als vorteilhaft für den Schulbetrieb. Mit einer Investitionssumme von rund 31,5 Millionen Euro hat die Stadt Rietberg eine substanzielle Investition in ihre Zukunft getätigt, die sich in den hellen Räumen, den vielfältigen Fachklassen und den offenen Lernbereichen widerspiegelt.

Quellen

  1. Rietberger Stadtanzeiger
  2. CarlMakesMedia
  3. Stadt Rietberg
  4. Die Glocke
  5. Stadt Rietberg
  6. Die Glocke

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