Einleitung
Die Entscheidung zwischen einem Neubau und einer Sanierung bestehender Gebäude ist eine der zentralen Weichenstellungen in der öffentlichen Bauwirtschaft, die nicht nur finanzielle, sondern auch städtebauliche und funktionale Aspekte umfasst. Ein prominentes Beispiel für eine solche Entscheidung stellt der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der Verbandsgemeinde Pellenz dar. Nach langen Planungen und einer einstimmigen Entscheidung des Rates wurde der Spatenstich für das neue Rathaus in Plaidt vorgenommen, welches die Verwaltung von Andernach an den zentralen Ort der Verbandsgemeinde verlegt. Dieser Schritt unterstreicht den Trend zur Bürgernähe und zur Schaffung moderner, energieeffizienter Verwaltungszentren.
Der Neubau wurde als die wirtschaftlichere Alternative zur Sanierung des alten Standortes identifiziert. Ein Gutachten bescheinigte, dass die Errichtung eines neuen Gebäudes preiswerter sei als die Instandsetzung des maroden Altbaus in Andernach, wo bereits dringende Sanierungsarbeiten und ein Wasserrohrbruch für Probleme sorgten. Mit einer Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro bei zuwendungsfähigen Gesamtkosten von etwa 3,9 Millionen Euro wurde das Projekt finanziell abgesichert. Der folgende Artikel beleuchtet die architektonische Konzeption, die Bauausführung sowie die innovativen, nachhaltigen Technologien, die in diesem Bauvorhaben zum Einsatz kamen.
Die Entscheidung für den Neubau: Analyse der Notwendigkeit
Die Verbandsgemeinde Pellenz stand vor der Herausforderung, die räumlichen Gegebenheiten ihrer Verwaltung anzupassen. Das bisherige Rathaus in Andernach wies gravierende Mängel auf. Der Sitzungssaal war für die ordnungsgemäße Abwicklung der Geschäftsabläufe häufig zu klein, und der Zustand des Gebäudes erforderte ohnehin dringende Sanierungsmaßnahmen. Hinzu kam ein akuter Vorfall in Form eines Wasserrohrbruchs, der die Probleme am Standort Andernach verdeutlichte.
Die politische Führung der Verbandsgemeinde beschloss daher Ende 2011 einstimmig einen Neubau. Entscheidend für diese Wahl war die wirtschaftliche Bewertung durch ein Gutachten, das belegte, dass ein Neubau preiswerter sei als die Sanierung des Altbaus. Ministerialdirektor Thomas Linnertz, der in Vertretung für Innenminister Roger Lewentz auftrat, bestätigte diese wirtschaftliche Kalkulation als wesentlichen Faktor für die Entscheidung.
Die Förderung durch das Land
Finanziell gestützt wurde das Vorhaben durch das Land Rheinland-Pfalz. Mit Zuwendungen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro beteiligte sich das Land an den Gesamtkosten. In einer Quelle werden die zuwendungsfähigen Gesamtkosten mit 3.869.000 Euro angegeben, in einer anderen mit 3.689.000 Euro. Der Fördersatz des Landes belief sich auf rund 38 bis nahezu 40 Prozent. Diese staatliche Beteiligung unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Region und die Unterstützung moderner Verwaltungsstrukturen.
Architektonische Gestaltung und Städtebau
Das neue Rathaus entstand nach den Plänen der Stuttgarter Architekten Wittfoht und wurde als Atriumsbau konzipiert. Das Bauwerk gliedert sich funktional und ästhetisch in zwei wesentliche Bauteile, die eine differenzierte städtebauliche Einbindung ermöglichen.
Sockelzone und schwebender Baukörper
Die architektonische Konzeption basiert auf einem erdgebundenen Sockelgeschoss, in dem sich publikumsintensive Servicebüros, gemeinschaftliche Einrichtungen und der Sitzungssaal befinden. Dieser Teil des Gebäudes ist für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich und bildet das Herzstück der Interaktion zwischen Verwaltung und Gemeinde.
Darüber schwebt ein weit auskragender Westflügel im Obergeschoss. In diesem Bereich sind die Verwaltungsräume der Fachbereiche sowie das Bürgermeisterbüro untergebracht. Diese Bauweise erzeugt ein visuell leichtes Erscheinungsbild und schafft unter dem Auskragen einen begrünten Innenhof, der als Puffer- und Aufenthaltszone dient. Der Entwurf gewann den Wettbewerb mit Bewerbungsverfahren und erhielt den 1. Preis.
Maßzahlen und Nutzungsflächen
Die Dimensionen des Bauwerks verdeutlichen den Umfang des Projekts. Die Bruttogrundfläche (BGF) beträgt 2.270 m², während das Bruttoraumvolumen (BRI) bei 8.700 m³ liegt. Der Bau gliedert sich in einen Innenhof, der durch die Überlagerung der Bauteile entsteht, und zwei Dachterrassen auf dem begrünten Flachdach. Diese Terrassen schaffen zusätzliche Aufenthaltsqualität in der warmen Jahreszeit und bieten Sitzungsmöglichkeiten im Freien.
Der Ratssaal ist architektonisch besonders hervorgehoben. Er durchdringt die Dachfläche und erlangt hierdurch eine Höhe, die seiner Funktion und Bedeutung als zentraler politischer Raum gerecht wird. Die Planung und Ausführung erstreckten sich von April 2014 bis Juni 2017.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz: Ein Klimaschutzprojekt
Das neue Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde Pellenz setzt Maßstäbe in puncto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Im Jahr 2018 wurde das Gebäude mit der „Klimaschutz-Hausnummer“ für besonderes Engagement gewürdigt. Die Energiekonzeption basiert auf einer intelligenten Kombination erneuerbarer Energien und moderner Klimatisierung.
Geothermie und Wärmepumpe
Zentrales Element der Heizung und Kühlung ist eine Sole/Wasser-Wärmepumpe. Diese nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs, um das Gebäude energieeffizient zu temperieren. Für diesen Zweck wurden sieben Erdsonden bis zu einer Tiefe von fast 100 Metern in den Boden gebohrt.
Im Winter pumpt die Wärmepumpe die Erdwärme auf das gewünschte Heiztemperaturniveau. Im Sommer wird die Geothermie direkt eingesetzt, um dem Verwaltungsgebäude Wärme zu entziehen und an das Erdreich abzugeben. Dieses Prinzip der regenerativen Kühlung reduziert den Bedarf an konventionellen Klimaanlagen erheblich.
Weitere Energiesysteme
Neben der Geothermie kommt eine moderne Brennstoffzelle zum Einsatz. Diese wandelt Erdgas in Strom und Wärme um (KWK-Prinzip), was die Energieeffizienz des Gesamtsystems erhöht. Zudem sorgt eine energieeffiziente LED-Beleuchtung für eine signifikante Stromersparnis in den 35 Einzel- und Doppelbüros, die für 63 Mitarbeiter Platz bieten.
Dachbegrünung und Mikroklima
Eine umfassende Dachbegrünung unterstützt die Klimaregulierung. Sie hilft, das Mikroklima im Sommer zu stabilisieren und zu regulieren. Zudem verlängert die Begrünung die Haltbarkeit der Dachabdichtung, da sie die Einflüsse von Witterung und Klima abmildert. Auf dem Dach wird zudem ein Nutzgarten für Mitarbeiter gepflegt, was den Aspekt der Nachhaltigkeit um einen sozialen und praktischen Faktor erweitert.
Bauausführung und Logistik
Die Realisierung des Bauvorhabens erforderte eine präzise Planung und Logistik. Der erste Spatenstich markierte den Beginn der Bauarbeiten, an dem Vertreter der Politik, der Kirche und der Verwaltung teilnahmen.
Zeitplanung und Gewerke
Nachdem der Baugrund hergerichtet war, begann die Phase der Fundamentierung. Die Einbringung der Bohrpfähle stellte eine logistische Herausforderung dar, da die beauftragte Firma König auf den Schwertransport der Bohranlage von einer anderen Baustelle warten musste. Da der Transport durch verschiedene Bundesländer führt, war die Genehmigung aufwendig.
Laut Planung begannen Mitte September die Rohbauarbeiten. Im Oktober folgten die Vergaben weiterer Gewerke, darunter Gerüstbau, Zimmerarbeiten und Dachabdichtungsarbeiten. Die Fertigstellung des Gebäudes erfolgte 2017, nach einer Bauzeit von etwa zwei Jahren.
Tragwerksplanung
Für die statische Sicherheit des Bauwerks war das Ingenieurbüro Breinlinger verantwortlich (Fachbereich Hochbau). Besondere Aufmerksamkeit galt dem weit auskragenden Obergeschoss, das eine stabile Tragwerksplanung erforderte, um die „schwebende“ Optik sicherzustellen.
Fazit
Der Neubau des Rathauses der Verbandsgemeinde Pellenz in Plaidt ist ein Paradebeispiel für eine zukunftsweisende öffentliche Bauinvestition. Die Entscheidung für einen Neubau gegenüber einer Sanierung wurde durch wirtschaftliche Analysen und den Zustand des alten Gebäudes in Andernach begründet. Durch die Förderung des Landes Rheinland-Pfalz konnte das Projekt finanziert werden.
Das Ergebnis ist ein architektonisch ansprechendes Gebäude, das durch seine offene und transparente Gestaltung geprägt ist. Es erfüllt nicht nur funktionale Anforderungen durch eine klare Zonierung von öffentlichem und Verwaltungsbereich, sondern setzt auch in Bezug auf Nachhaltigkeit Maßstäbe. Die Nutzung von Geothermie, einer Brennstoffzelle und einer umfangreichen Dachbegrünung macht das Gebäude zu einem Klimaschutzprojekt, das als Vorbild für ähnliche Vorhaben dienen kann. Zentraler Aspekt bleibt die Stärkung der Identität der Bürger mit ihrer Verbandsgemeinde durch eine Verwaltung, die den Mittelpunkt der Region bildet.
Quellen
- Marc Ruland - Land fördert neues Rathaus in der VG Pellenz
- Marc Ruland - Landesmittel für Verbandsgemeindeverwaltung Pellenz
- Blick Aktuell - Mit dem Gebäude bekommt die VG Pellenz ein neues Gesicht
- Energie Experten - Geothermie heizt und kühlt Rathausneubau in Plaidt
- Breinlinger - Rathaus Verbandsgemeinde Pellenz
- Wittfoht Architekten - Rathaus VG Pellenz