Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) befindet sich nach Jahren der finanziellen Schieflage und einer umfangreichen Restrukturierung auf einem stabilen Kurs. Eine milliardenschwere Finanzspritze, genehmigt von der EU-Kommission, bildet das Fundament für die geplante Neuausrichtung der Bank. Parallel dazu verzeichnet die NordLB steigende Gewinne und verbesserte Kennzahlen, was auf eine erfolgreiche Transformation hindeutet. Der Fokus der Bank hat sich dabei gewandelt: weg von riskanten internationalen Geschäften, hin zur Region und zu profitablen Kerngeschäftsfeldern.
Die Rettung durch die EU: Ein milliardenschweres Sanierungspaket
Die Zukunft der NordLB war lange Zeit ungewiss. Nach monatelangen Wartens erteilte die EU-Kommission schließlich das „Go“ für die Rettung der Bank. Dieser Schritt war entscheidend, um die geplante Restrukturierung in Angriff zu nehmen. Die Finanzspritze beläuft sich auf insgesamt 3,6 Milliarden Euro. Diese massive Kapitalzuführung soll die Bank auf eine solide Basis stellen und sie wieder profitabel und krisenresistent machen.
Die Finanzierung des Pakets verteilt sich auf die Hauptanteilseigner. Niedersachsen als Haupteigentümer übernimmt mit rund 2,3 Milliarden Euro den Großteil der Last. Sachsen-Anhalt, der zweite beteiligte Staat, plant, für seinen Anteil von knapp sechs Prozent einen Kredit in Höhe von 198 Millionen Euro aufzunehmen. Die Sparkassengruppe ist ebenfalls mit rund 1,1 Milliarden Euro beteiligt.
Der Staatsvertrag für diese Finanzspritze wurde bereits von den drei beteiligten Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern unterzeichnet. Nun müssen die Parlamente der Länder dem Vertrag zustimmen. Für die Bank bedeutet die Zustimmung aus Brüssel ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zur Neuausrichtung. Das Ziel des Bankvorstands ist klar: Die begonnene Umstrukturierung konsequent fortzusetzen, um sich am Markt als profitable und krisenresistente Bank zu etablieren.
Durch die geplante Kapitalerhöhung soll die Kernkapitalquote der Bank auf 14 Prozent steigen. Ende September lag diese wichtige Risikokennzahl noch bei lediglich 6,53 Prozent. Ein Anstieg auf 14 Prozent würde die Stabilität der Bank erheblich stärken und sie widerstandsfähiger gegen künftige Krisen machen.
Steigende Gewinne und verbesserte Kennzahlen
Parallel zur abgeschlossenen Sanierungsphase zeigt die NordLB im operativen Geschäft eine deutliche Verbesserung ihrer Ergebnisse. Die Bank hat ihre fünfjährige Sanierungsphase abgeschlossen und schließt diese mit Erfolg ab. Die Strategie, die Bank kleiner, profitabler, risikoärmer und regionaler zu machen, scheint aufzugehen.
Im Jahr 2024 stieg der Vorsteuergewinn auf 356 Millionen Euro. Das war ein Anstieg von gut 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und das beste Ergebnis seit 2015. Der Nettogewinn belief sich auf 627 Millionen Euro, was einem Zuwachs von rund 400 Millionen Euro gegenüber 2023 entspricht. Dieser massive Sprung wurde teilweise durch einen positiven Steuereffekt aus der Aktivierung latenter Steuern begünstigt.
Auch im ersten Halbjahr 2025 setzte sich dieser Trend fort. Das Vorsteuerergebnis kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 264 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg um über elf Prozent auf 212 Millionen Euro. Der Bankvorstandsvorsitzende Jörg Frischholz wertete diese Zahlen als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses. Es sei gelungen, die Profitabilität der Bank weiter auszubauen.
Die positive Entwicklung zeigt sich auch in den Halbjahreszahlen des Jahres 2024. Damals stieg der Vorsteuergewinn bereits um 50 Prozent auf 224 Millionen Euro. Der Nettogewinn belief sich auf 195 Millionen Euro, ein Zuwachs von 80 Prozent. Interessanterweise lag der Gewinn in der ersten Hälfte von 2024 sogar höher als vor der Krise im Jahr 2019, als faule Schiffskredite die Bank in Schwierigkeiten brachten. Während die NordLB im ersten Halbjahr 2019 noch 149 Millionen Euro verdiente, waren es 2020 nur noch vier Millionen. Die aktuelle Entwicklung zeigt also eine deutliche Überholung der Leistung aus der Zeit vor der Krise.
Strukturelle Veränderungen und Fokussierung auf die Region
Die Sanierung der NordLB war nicht nur durch Kapitalzuführung, sondern auch durch tiefgreifende strukturelle Veränderungen geprägt. Die Bank hat in den vergangenen Jahren konsequent auf ein kleineres, risikoärmeres und regionaleres Geschäftsmodell gesetzt.
Ein wesentlicher Schritt war die Beendigung des Flugzeugfinanzierungsgeschäfts. Nach mehr als 40 Jahren hat die Landesbank diesen Bereich aufgegeben. Ebenso zieht sich die NordLB weitgehend aus ihren Aktivitäten in Asien zurück. Diese Schritte sind Teil der Strategie, sich stärker auf den norddeutschen Raum zu fokussieren. Die Bank versteht sich nun explizit als Landesbank für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und übernimmt in diesen Bundesländern (sowie in Mecklenburg-Vorpommern) die Aufgabe einer Sparkassenzentralbank. Durch die Braunschweigische Landessparkasse (BLSK) verfügt der Konzern über 88 Standorte im Braunschweiger Land.
Die konsequente Umsetzung dieser Strategie wird von den Eigentümern und Aufsichtsgremien positiv bewertet. Der niedersächsische Finanzminister und Aufsichtsratschef Gerald Heere lobte Vorstandschef Jörg Frischholz, der maßgeblich dazu beigetragen habe, die NordLB in einer sehr schwierigen Phase zurück in die Erfolgsspur zu bringen. In Anerkennung seiner Leistung wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2030 verlängert.
Operative Effizienz und Kostenmanagement
Neben der strategischen Neuausrichtung ist auch das operative Kostenmanagement ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der NordLB. Die Bank hat es geschafft, die Kosten nahezu stabil zu halten, während die Erträge deutlich stiegen.
Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Erträge auf 781 Millionen Euro (Vorjahr: 722 Millionen Euro). Das Zinsergebnis ging zwar leicht zurück, bedingt durch das gesunkene Zinsumfeld, doch das Provisionsergebnis legte deutlich zu. Dieser Anstieg ist unter anderem einem dynamischen Wertpapiergeschäft zu verdanken.
Gleichzeitig blieb der Verwaltungsaufwand mit 421 Millionen Euro fast unverändert zum Vorjahreswert von 417 Millionen Euro. Dieses Verhältnis von Aufwand und Erträgen, die sogenannte Cost-Income-Ratio, verbesserte sich signifikant von 57,8 Prozent im Jahr 2024 auf 53,8 Prozent. Eine niedrigere Ratio bedeutet, dass die Bank weniger Kosten im Verhältnis zu ihren Erträgen generiert, was auf eine höhere Effizienz hindeutet.
Auch die Rendite auf das Eigenkapital vor Steuern (ROE) stieg im ersten Halbjahr 2025 auf 7,0 Prozent (Vorjahr: 6,3 Prozent). Diese Kennzahl ist ein wichtiges Maß für die Rentabilität einer Bank und zeigt, wie effektiv sie das eingesetzte Kapital zur Erwirtschaftung von Gewinnen nutzt.
Kritische Stimmen und offene Fragen
Trotz der positiven finanziellen Entwicklung und der Zustimmung der EU-Kommission gibt es auch Kritik an der Sanierung der NordLB. Aus den Reihen der beteiligten Bundesländer wurden Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des neuen Geschäftsmodells geäußert.
Stefan Wenzel, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, warnte, dass ein gutes Geschäftsmodell damit immer noch nicht in Sicht sei. Auch aus Sachsen-Anhalt kam Kritik. Der Linken-Finanzexperte Swen Knöchel bezeichnete die Rettung als Fortsetzung der alten Bank mit neuem Personal und weniger Personal. Er forderte sogar, dass Sachsen-Anhalt aus der Landesbank aussteigen solle, da das Land mit knapp sechs Prozent kaum Einfluss auf die NordLB nehmen könne.
Diese Kritikpunkte zeigen, dass die Sanierung der NordLB auch politisch nicht unumstritten ist. Während die Zahlen sprechen, bleiben die Fragen nach der langfristigen strategischen Ausrichtung und der Rolle der Bundesländer als Eigentümer bestehen.
Fazit
Die Norddeutsche Landesbank hat einen entscheidenden Wendepunkt erreicht. Nach Jahren der Schieflage, ausgelöst durch faule Schiffskredite, und einer umfangreichen Sanierungsphase präsentiert sich die Bank wieder als stabiles und profitables Institut. Die milliardenschwere Finanzspritze der EU und der beteiligten Länder hat den Weg für eine Neuausrichtung geebnet. Die strategische Fokussierung auf den norddeutschen Raum, der Verzicht auf risikoreiche internationale Geschäfte und ein konsequentes Kostenmanagement führen zu steigenden Gewinnen und verbesserten Kennzahlen. Die NordLB hat ihre Transformation erfolgreich abgeschlossen und ist nun auf einem soliden Fundament für die Zukunft.