Denkmalgerechte Dachsanierung am Hummelsteiner Schloss in Nürnberg: Eine Fallstudie zu Planung, Kosten und Ausführung

Die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden stellt Bauherren, Planer und Handwerker vor besondere Herausforderungen. Hierbei müssen moderne Anforderungen an Energieeffizienz und Bausubstanz mit dem Erhalt historischer Bausubstanz und architektonischer Besonderheiten in Einklang gebracht werden. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche komplexen Bauaufgabe ist die umfangreiche Dach- und Fassadensanierung am Hummelsteiner Schloss in Nürnberg. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen den Verlauf, die technischen Maßnahmen und die Kosten dieser denkmalgerechten Sanierung und zieht daraus Rückschlüsse für vergleichbare Bauprojekte.

Die Ausgangslage: Historische Bausubstanz und schädigungsbedingte Notwendigkeit

Das Hummelsteiner Schloss, gelegen im gleichnamigen Park in Nürnberg, ist ein Bauwerk mit einer langen und wechselvollen Geschichte. Die Anlage geht auf eine Errichtung als Weiherhaus im Jahr 1487 zurück und gehört zum Typ der Nürnberger Herrensitze. Über die Jahrhunderte hinweg, insbesondere vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, wurden Umbau- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt. Nach der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte im Jahr 1948 der Wiederaufbau des Wohnhauses.

Das dreigeschossige Wohnhaus ist Teil einer größeren Anlage, die aus zwei Ecktürmen, einer Umwehrung und einem rückwärtigen, eingeschossigen Gebäude (in dem sich das Umweltpädagogische Zentrum befindet) besteht. Da die Stadt Nürnberg das Gebäude zu Wohnzwecken vermietet, bestand ein dringender Bedarf an einer funktionsfähigen und sicheren Bausubstanz. Im Zuge der Instandhaltung wurden massive Schäden an der Dachkonstruktion festgestellt, die eine sofortige Sanierung unvermeidlich machten.

Die Sanierung begann im Februar 2019 und wurde im Frühjahr 2020 abgeschlossen. Der Umfang der Schäden erforderte eine vollständige Entkernung des Dachgeschosses, um die darunterliegenden Holzbalkendecken und die Statik des Gebäudes zu sichern.

Planung und Kosten: Eine städtische Investition in die Bausicherheit

Bei der Sanierung von Denkmälern ist die Koordination zwischen Bauherr, Planer und ausführenden Firmen entscheidend. In diesem Fall war das städtische Hochbauamt Nürnberg der Bauherr, was die Bedeutung der Maßnahme für die städtische Infrastruktur unterstreicht.

Die finanzielle Dimension des Projekts ist für Bauinteressanten von hohem Interesse. Die ursprüngliche Kostenschätzung für die Dach- und Dachgeschoss-Sanierung belief sich auf rund 770.000 Euro. Nach Abschluss aller Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass der finale Aufwand bei approximately 900.000 Euro lag. Diese Kostensteigerung verdeutlicht das Risiko bei Sanierungen alter Bausubstanz, bei dem oft erst nach Freilegung der Konstruktion der volle Umfang der Schäden erkennbar wird.

Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich begleitete den Prozess und erläuterte die Maßnahmen. Die Investition deckte dabei nicht nur die Dachdeckung ab, sondern umfasste auch die Sanierung der darunterliegenden Wohnungen und die Fassadenrenovierung.

Technische Maßnahmen: Denkmalgerechte Sanierung im Detail

Die technische Durchführung der Sanierung am Hummelsteiner Schloss lässt sich in mehrere Kernbereiche unterteilen, die für die Planung vergleichbarer Projekte als Leitfaden dienen können.

1. Sicherung und Freilegung der Holzdachkonstruktion

Der erste Schritt bestand in der vollständigen Gerüststellung des Wohnhauses. Da massive Schäden an der Holzdachkonstruktion und den Anschlusspunkten zur Holzbalkendecke vorlagen, musste das Dachgeschoss komplett entkernt werden. Nur durch die Freilegung der gesamten Dach- und Holzbalkenkonstruktion war eine fundierte Sanierung möglich.

Eine zentrale statische Notwendigkeit war die Ausrichtung des Dachtragwerks. Im Zuge der Schäden waren Zerrbalken verloren gegangen oder defekt. Das Hochbauamt ergänzte daher fehlende, statisch notwendige Zerrbalken, um die Tragfähigkeit des Dachstuhls wiederherzustellen. Ebenso mussten die Mauerlatten entlang der Traufe fast vollständig ersetzt werden. Diese Arbeitsschritte sind essenziell, um die Standfestigkeit des Daches gegen Windlasten und Schneelasten zu gewährleisten.

2. Neue Dachdeckung und Dachform

Nach der statischen Sicherung erfolgte die Neueindeckung des Daches. Das Hummelsteiner Schloss verfügt über ein Satteldach mit vier Ecktürmen. Für die Deckung wurden rote Biberschwanzziegel verwendet. Diese Ziegelart ist ein klassischer Vertreter unter den Dachpfannen und passt aufgrund ihrer Form und Farbgebung gut zu historischen Bauten.

Ein besonderes Merkmal der neuen Dachgestaltung sind die Regenrinnen. Sie wurden aus Kupferblech angefertigt und inklusive der Anschlüsse verlegt. Kupfer als Material bietet nicht nur eine hohe Langlebigkeit, sondern entwickelt mit der Zeit eine schützende Patina, was den denkmalgerechten Charakter unterstützt.

3. Wärmedämmung und Wohnraumkomfort (Gebäudehülle)

Moderne Sanierungsstandards verlangen nach einer Verbesserung der Energieeffizienz, auch bei denkmalgeschützten Gebäuden. Im Hummelsteiner Schloss wurde die Wärmedämmung in der Dachgeschosswohnung ertüchtigt. Die Dachschrägen wurden gedämmt und anschließend verkleidet. Diese Maßnahme reduziert den Heizenergiebedarf und verbessert das Wohnklima erheblich.

Auch der Boden im Dachgeschoss wurde erneuert. Die Verlegung eines neuen Bodenbelags rundet die Sanierung des Wohnraums ab.

4. Erneuerung der Heizung und Sanitärinstallation

Zur Modernisierung der Haustechnik wurde eine alte Nachtspeicherheizung durch eine moderne Gasetagenheizung ersetzt. Dieser Schritt verbessert die Effizienz der Wärmeversorgung und bietet den Mietern eine bessere Bedienbarkeit. Zudem wurde das Bad im Dachgeschoss neu gefliest.

Besonders bemerkenswert ist, dass im Zuge der Dachgeschoss-Sanierung auch die darunterliegende Wohnung renoviert wurde. Dies ist oft notwendig, um Schäden zu beheben, die durch undichte Dachbereiche entstanden sind, oder um Anschlüsse für neue Haustechnik zu legen.

5. Fassadensanierung und Denkmalschutz

Eine Dachsanierung ist oft mit einer Fassadensanierung verbunden. Auch am Hummelsteiner Schloss wurden Risse an den Außenwänden behoben. Das gesamte Gebäude wurde verputzt und gestrichen. Hierbei wurde bewusst auf eine denkmalgerechte Farbgebung geachtet: In Abstimmung mit den Sandsteinelementen des Schlosses wurde eine monochrome Farbgebung gewählt. Diese Entscheidung unterstreicht die sensiblen Anforderungen an die Optik historischer Gebäude, bei denen ein einheitlicher Farbton im Vordergrund steht.

Besondere Herausforderungen: Wohnnutzung und Verkehrssicherung

Sanierungen an bewohnten Denkmälern bringen logistische Herausforderungen mit sich. Da die Mieter während der Sanierung ausziehen mussten, um die umfangreichen Arbeiten (Entkernung, Fassadenarbeiten, Dachdeckung) durchführen zu können, planten die Verantwortlichen den Zeitrahmen so, dass die Rückkehr der Bewohner bereits Ende April möglich war.

Ein weiterer Aspekt, der in der Quellenlage (Source 5) diskutiert wird, ist die Balance zwischen öffentlichem Interesse und Privatsphäre. Da das Schloss zu Wohnzwecken vermietet ist, haben die Bewohner ein Interesse an Abschirmung. Dennoch wird vorgeschlagen, den Zugang zum Park und eventuell Führungen (wie am Zeltnerschloss) zu ermöglichen. Zudem besteht eine Verkehrssicherungspflicht. Im Park gelegene alte Eichen sollen daher umzäunt werden, um Besucher vor herabstürzenden Ästen zu schützen. Diese Aspekte zeigen, dass eine Sanierung nicht nur das Gebäude selbst betrifft, sondern auch die Einbindung in die städtische Umgebung und die Sicherheit der Nutzer.

Fazit: Lehren aus der Sanierung des Hummelsteiner Schlosses

Die Sanierung des Hummelsteiner Schlosses in Nürnberg ist ein Musterbeispiel für eine gelungene, denkmalgerechte Instandsetzung. Für Bauherren und Planer lassen sich daraus mehrere wesentliche Erkenntnisse ableiten:

  1. Kostentransparenz und Puffer: Die ursprünglichen Kostenschätzungen (770.000 €) und die tatsächlichen Kosten (900.000 €) zeigen, dass bei Sanierungen alter Bausubstanz immer mit unvorhergesehenen Schäden (z.B. an der Holzkonstruktion) zu rechnen ist. Ein finanzieller Puffer ist unerlässlich.
  2. Integrale Betrachtung: Eine Dachsanierung betrifft oft mehr als nur das Dach. Die Anschlusspunkte zur Holzbalkendecke, die darunterliegenden Wohnungen (Wärmedämmung, Bodenbelag, Bad) und die Fassade müssen mit einbezogen werden, um ein nachhaltiges Ergebnis zu erzielen.
  3. Materialwahl: Die Verwendung von traditionellen Materialien wie Biberschwanzziegeln und Kupfer für Rinnen ist nicht nur funktional, sondern erhöht auch den Denkmalwert und die Langlebigkeit der Bauteile.
  4. Statik vor Optik: Die Sanierung begann mit der Freilegung und statischen Sicherung (Ergänzung von Zerrbalken, Ausrichtung des Tragwerks). Erst auf diesem Fundament konnten die ästhetischen Arbeiten aufbauen.
  5. Energieeffizienz im Denkmal: Durch die Nachdämmung der Dachschrägen und den Austausch der Heizungsanlage wurde der Gebäudestandard deutlich verbessert, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren.

Zusammenfassend demonstriert das Projekt, dass moderne Sanierungstechniken und respektvoller Umgang mit historischer Bausubstanz nicht im Widerspruch stehen müssen. Durch sorgfältige Planung und handwerkliches Können können Gebäude wie das Hummelsteiner Schloss für zukünftige Generationen bewahrt und gleichzeitig komfortabel und energieeffizient bewohnbar gemacht werden.

Quellen

  1. MarktSpiegel: Ein neues Dach für das Hummelsteiner Schloss
  2. Nürnberg.de: Pressemitteilung Nr. 112 / 07.02.2019
  3. Ziegler Architekt: Pressestimmen
  4. Nürnberg.de: Pressemitteilung Nr. 435 / 28.04.2020
  5. ÖDP Nürnberg: Hummelsteiner Park

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