Historische Hochhäuser in Nürnberg: Denkmalschutz, Fassadensanierung und energetische Modernisierung

Die Skyline von Nürnberg ist geprägt von einer Mischung aus mittelalterlicher Bausubstanz und architektonischen Zeugnissen des Wiederaufbaus nach 1945. Insbesondere die Hochhäuser aus den 1950er und 1960er Jahren stehen heute im Fokus von Sanierungsmaßnahmen, die eine Balance zwischen Denkmalschutz, modernen Nutzungsanforderungen und energetischer Effizienz finden müssen. Zwei markante Beispiele aus den vorliegenden Quellen illustrieren die Komplexität solcher Vorhaben: Das Plärrer-Hochhaus, einst das höchste Gebäude Bayerns, und ein weiteres Hochhaus in der GBW-Gruppe. Diese Projekte zeigen Wege auf, wie Baudenkmäler der Nachkriegszeit nachhaltig gesichert und für die Zukunft fit gemacht werden können.

Die Bedeutung von Hochhäusern der Nachkriegszeit

Hochhäuser der 1950er Jahre sind mehr als nur Bürogebäude; sie sind Symbole des Wiederaufbaus und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Das Plärrer-Hochhaus, fertiggestellt im Oktober 1953, war mit seinen 15 Stockwerken und einer Höhe von 56 Metern zunächst das höchste Gebäude Bayerns (Source 4). Architekt Wilhelm Schlegtendal entwarf einen Komplex, der aus einem Hochhaus und einem dreigeschossigen Gebäuderiegel besteht. Sein Entstehen in einer Stadlandschaft aus Ruinen und Brachen wurde als hoffnungsvolles Zeichen des Wiederaufbaus verstanden (Source 4). Auch wenn es heute nicht mehr das höchste Gebäude ist, bleibt es ein wichtiger Bestandteil der Nürnberger Innenstadt und Sitz der Städtischen Werke Nürnberg.

Diese Gebäude weisen jedoch spezifische bauliche Mängel auf, die nach Jahrzehnten einer Sanierung bedürfen. Oft handelt es sich um Stahlbetonbauweise, wie bei einem zwölfgeschossigen Mehrfamilienhaus aus den späten 1960er Jahren, das deutliche bauphysikalische und sicherheitsrelevante Mängel aufwies (Source 2). Die Notwendigkeit für Sanierungen ergibt sich daher nicht nur aus dem Denkmalschutz, sondern vor allem aus der Notwendigkeit, die Substanz zu erhalten und die Gebäude den aktuellen technischen Standards anzupassen.

Denkmalschutz und architektonische Besonderheiten

Ein zentraler Aspekt bei der Sanierung von Baudenkmälern ist die Wahrung des historischen Charakters. Das Plärrer-Hochhaus steht seit 1988 unter Denkmalschutz (Source 1). Ein architektonisches Highlight ist die Teestube im 15. Stock, die über die Jahre zu einem beliebten Repräsentationsraum wurde und einen der schönsten Ausblicke über Nürnberg bietet (Source 4).

Besonders markant ist die Gestaltung der Fassade. Die Fassaden des Plärrer-Hochhauses sind ab dem fünften Geschoss um je einen Zentimeter pro Etage eingezogen, um einen schlankeren Eindruck zu erzeugen. Insgesamt beträgt die Verjüngung bis zum Dach zehn Zentimeter auf jeder Seite (Source 4). Diese feine architektonische Raffinesse stellt eine Herausforderung bei der Fassadensanierung dar, da sie originalgetreu wiedergegeben werden muss.

Ein besonderes Merkmal des Gebäudes waren ursprünglich 1.060 Schwingflügelfenster. Diese Fenster prägten das Erscheinungsbild entscheidend. Aufgrund der Einfachverglasung und der schlechten Wärmedämmung wurden sie in den 1980er Jahren durch schlichte Drehkippflügelfenster ersetzt. Eine aktuelle Sanierung sah vor, die Schwingflügelfenster wiederherzustellen, um dem Denkmalschutz gerecht zu werden, allerdings ohne auf moderne Anforderungen wie Wärmeschutz und Langlebigkeit zu verzichten (Source 3). Die Fenster werden mittels vierseitiger Beschlagsteile verschlossen, die sich umlaufend in ihren Aussenrahmen verriegeln und allseitig festziehen (Source 3).

Energetische Sanierung und Modernisierung der Technik

Die Sanierung von Hochhäusern umfasst weit mehr als nur die Fassade. Ein Kernziel ist die Verbesserung der Energieeffizienz und die Anpassung der technischen Infrastruktur. Bei der Kernsanierung des Plärrer-Hochhauses von 2016 bis 2019 waren 38 Gewerke aus 44 Unternehmen beteiligt. Das Projekt umfasste enorme Logistik und Umfang: 900 Tonnen Abbruchmaterial und 400 Kilometer neu verlegte Kabel zeugen vom Aufwand (Source 1).

Zu den wesentlichen Maßnahmen gehörten: * Verstärkung der Betondecken: Dies dient der statischen Sicherheit und der Tragfähigkeit. * Außendämmung und neue Fenster: Um die Energieeffizienz zu verbessern, erhielt das Haus eine Außendämmung und neue Fenster (Source 1). Das Ziel war es, den Wärmeverlust signifikant zu reduzieren. * Dachausbesserungen und Photovoltaik: Die Dächer wurden saniert und auf dem Längsbau wurden Photovoltaikanlagen installiert, um den Anteil erneuerbarer Energien zu steigern (Source 1). * Brandschutz und Infrastruktur: Ein zentraler Beweggrund für die Sanierung war die Anpassung der Brandschutzeinrichtungen und der gesamten Infrastruktur an den aktuellen Stand der Technik (Source 1).

Ein anderes Projekt, die Fassadensanierung eines zwölfgeschossigen Hauses durch die GBW Gruppe, zielte ebenfalls auf die energetische Ertüchtigung bei bewohntem Zustand ab. Ziel war es, die bauphysikalischen Mängel zu beseitigen (Source 2). Hier wurde ein Gutachten von Bräuning + Partner und eine Tragwerksplanung durch IB Peters.Schüßler.Sperr hinzugezogen, um die technische Umsetzung zu planen.

Herausforderungen bei Sanierungen im Bestand

Die Sanierung von Hochhäusern, die sich in Benutzung befinden, stellt hohe Anforderungen an die Logistik und Organisation. Beim Plärrer-Hochhaus mussten während der Sanierung rund 550 Mitarbeiter der N-ERGIE, der VAG und der Städtischen Werke Nürnberg für drei Jahre in benachbarte Gebäude umziehen (Source 1). Dies unterstreicht den erheblichen organisatorischen Aufwand, der mit solchen Großprojekten verbunden ist.

Auch bei bewohnten Gebäuden ist die Organisation komplex. Die Sanierung eines Hochhauses im bewohnten Zustand erfordert eine sorgfältige Planung, um die Bewohner nicht zu stark zu beeinträchtigen, während gleichzeitig sicherheitsrelevante Mängel behoben werden (Source 2). Die Tragwerksplanung muss präzise erfolgen, um die Stabilität des Gebäudes während und nach den Arbeiten zu gewährleisten.

Alternative: Abriss oder Sanierung?

Nicht jedes Hochhaus der Nachkriegszeit wird automatisch saniert. In Nürnberg gibt es auch Diskussionen über das Schicksal anderer markanter Hochhäuser. Beim sogenannten Ergo-Hochhaus am Hauptbahnhof standen Abriss oder Sanierung zur Debatte. Die Entscheidung der Eigentümerin Sontowski & Partner Group fiel letztendlich, die Details sind jedoch den Quellen nicht zu entnehmen (Source 5). Dies zeigt, dass wirtschaftliche Faktoren und zukünftige Nutzungsplanungen oft über den Erhalt entscheiden.

Ein anderes Beispiel für den Erhalt historischer Bausubstanz, wenn auch in einem kleineren Maßstab, ist das "Haus zum Savoyischen Kreuz". Nach über zehn Jahren Leerstand übernahm die Industrie- und Handelskammer Nürnberg das Gebäude. Die geplante Sanierung bis 2026 umfasst die Einrichtung eines Cafés im Erdgeschoss, moderner Büroflächen in drei Etagen und einer Stadtwohnung im Dachgeschoss (Source 6). Auch hier steht der Erhalt als "historisches Kleinod" und lebendiges Stück Stadtgeschichte im Vordergrund.

Die Planung und Ausführung von Fassadensanierungen

Für Bauherren und Immobilienverwalter bieten die beschriebenen Projekte wichtige Anhaltspunkte für die Planung von Sanierungen.

Analyse und Gutachten

Vor Beginn jeder Sanierung steht eine detaillierte Analyse des Bestands. Im Fall des GBW-Hochhauses wurde ein Gutachten durch Bräuning + Partner erstellt, um die Mängel zu dokumentieren (Source 2). Dies ist essenziell, um den genauen Sanierungsbedarf zu ermitteln – sei es bei der Betonsubstanz, der Dämmung oder der Fensterkonstruktion.

Auswahl der Gewerke

Die Koordination vieler Gewerke ist entscheidend. Im Plärrer-Hochhaus arbeiteten 38 Gewerke zusammen (Source 1). Für eine Fassadensanierung sind typischerweise folgende Gewerke relevant: * Gerüstbau * Abbruch und Entsorgung * Maurer und Betonarbeiten (z.B. Verstärkung der Decken) * Dämmarbeiten (Außendämmung) * Fensterbau (Herstellung/Neuanfertigung nach Denkmalschutzvorgaben) * Malerarbeiten * Elektroinstallation (neue Kabelverlegung)

Spezifische Anforderungen bei Denkmalschutz

Wie am Beispiel der Schwingflügelfenster des Plärrer-Hochhauses (Source 3) zu sehen ist, erfordert der Denkmalschutz oft maßgefertigte Lösungen. Standardfenster reichen hier nicht aus. Architekten und Handwerker müssen historische Formen mit modernen Anforderungen an Wärmedämmung (z.B. Wärmeschutzglas) und Sicherheit vereinbaren. Die Wiederherstellung der vierseitigen Verriegelungstechnik ist ein Beispiel für die Detailgenauigkeit, die hierbei nötig ist.

Energetische Gesamtkonzepte

Eine Sanierung sollte immer ganzheitlich gedacht werden. Die Installation von Photovoltaikanlagen (Source 1) oder die Verlegung von 400 Kilometern neuer Kabel (Source 1) deuten auf eine tiefgreifende Modernisierung der Haustechnik hin. Für Gebäudebesitzer bedeutet dies, dass Sanierung nicht nur Fassade bedeutet, sondern auch die Prüfung und Erneuerung von Heizung, Strom und Datenleitungen.

Fazit

Die Sanierung von Hochhäusern in Nürnberg, exemplarisch dargestellt am Plärrer-Hochhaus und weiteren Projekten, ist ein komplexes Unterfangen, das architektonische Sensibilität, technische Expertise und logistische Planung erfordert. Die Gebäude der 1950er und 1960er Jahre sind wichtige Zeugnisse der Stadtgeschichte und des Wiederaufbaus. Ihr Erhalt ist unter Denkmalschutz gestellt und ökologisch sinnvoll, da er die energetische Effizienz modernisiert.

Erfolgreiche Sanierungen zeigen, dass sich historische Bausubstanz und moderne Anforderungen an Wärmeschutz, Brandschutz und Nutzungskomfort vereinbaren lassen. Ob durch die Wiederherstellung historischer Fensterformen, den Einbau von Photovoltaik oder die Verstärkung von Betondecken – die Maßnahmen sind vielfältig. Für Eigentümer solcher Immobilien bedeutet dies: Eine frühzeitige Planung, die Einbindung von Fachplanern und die Auseinandersetzung mit den Vorgaben des Denkmalschutzes sind der Schlüssel zum Erfolg. So können auch große Gebäude wie das Plärrer-Hochhaus, das einst Symbol des Aufbruchs war, zu nachhaltigen und modernen Gebäuden der Zukunft werden.

Quellen

  1. N-ERGIE Magazin
  2. db-architektur
  3. Forster Systems
  4. Städtische Werke Nürnberg
  5. NN.de
  6. Tauberbau

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