Integrierte städtebauliche Entwicklung und Sanierung der Oerlinghäuser Südstadt

Die Stadt Oerlinghausen steht an der Schwelle zu einer umfassenden städtebaulichen Transformation. Insbesondere der Stadtteil Südstadt, eine in den 1960er und 1970er Jahren errichtete Stadterweiterung, befindet sich im Fokus strategischer Maßnahmen zur Aufwertung und Sanierung. Ziel dieser Initiative ist es, die baulichen und sozialen Defizite des Areals zu beseitigen und den Stadtteil zukunftsfähig auszurichten. Die vorliegende Informationsschrift für Immobilienbesitzer, Bauinteressenten und Handwerker gibt einen detaillierten Überblick über die aktuellen Planungen, rechtlichen Grundlagen, Fördermöglichkeiten und konkreten Baumaßnahmen in Oerlinghausen-Südstadt.

Rechtliche Grundlagen und städtebauliche Konzepte

Die Sanierung der Südstadt basiert auf einem mehrstufigen Planungsprozess, der die rechtliche Absicherung und die Einbindung von Fördermitteln gewährleistet. Zentrale Bedeutung kommt hierbei dem „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK)“ zu, das als strategisches Leitmodell dient.

Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK)

Das ISEK für die Südstadt wurde aufbauend auf dem energetischen Quartierskonzept „KlimaQuartier Südstadt“ erarbeitet. Es wurde vom Rat der Stadt Oerlinghausen am 25. Februar 2016 beschlossen. Das primäre Ziel des Konzepts ist es, durch gezielte Maßnahmen eine städtebauliche Aufwertung des Stadtteils zu erreichen und vorhandene städtebauliche Missstände zu beseitigen.

Parallel dazu wurde auch für die Innenstadt von Oerlinghausen ein ISEK beschlossen. Dies unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz der Stadtverwaltung, die Innenstadt und die Südstadt als zentrale Entwicklungsbereiche zu verstehen. Die Innenstadt verkörpert dabei mit ihrem historischen Bereich in Hanglage am Teutoburger Wald die Geschichte des Ortes, während die Südstadt als Erweiterungsgebiet modernen Wohn- und Lebensstandard bieten soll, der jedoch einer Sanierung bedarf.

Die Sanierungssatzung als rechtliches Instrument

Eine wesentliche Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Städtebaufördermitteln des Bundes und des Landes ist die Ausweisung eines Sanierungsgebietes. Für die Südstadt hat der Rat der Stadt Oerlinghausen am 25. August 2016 eine Sanierungssatzung gemäß § 142 des Baugesetzbuches (BauGB) beschlossen. Diese Satzung umfasst weite Teile der Südstadt.

Die Sanierungssatzung rechtlich verankert die Notwendigkeit der Maßnahmen und eröffnet der Stadt sowie privaten Bauherren Zugang zu erheblichen finanziellen Zuschüssen. Sie dient als rechtliche Grundlage für die städtebauliche Erneuerung und die Beseitigung von Missständen in dem Gebiet, das in den 60er und 70er Jahren errichtet wurde und seitdem keine umfassende Sanierung erfahren hat.

Finanzierung und Förderung

Die Umsetzung der umfangreichen Sanierungs- und Entwicklungsvorhaben ist ohne externe Finanzierungsmittel kaum realisierbar. Die Stadt Oerlinghausen hat daher eine Strategie zur Maximierung der Förderquote entwickelt.

Städtebauförderung und Eigenanteile

Die Kosten für die geplanten Maßnahmen im Sanierungsgebiet Südstadt wurden mit rund 8,6 Millionen Euro veranschlagt. Davon sind laut aktuellen Planungen 6 Millionen Euro förderfähig. Der Fördersatz von Bund und Land liegt derzeit bei 60 Prozent. Dies bedeutet, dass die Stadt Oerlinghausen einen erheblichen Eigenanteil von 40 Prozent tragen muss, um die Sanierung voranzutreiben.

Die Laufzeit der Förderung ist bis zum Jahr 2024 angesetzt, was den Handlungsdruck für die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen erhöht. Bereits im März wurde ein erster Städtebaufördermittel-Antrag bei der Bezirksregierung eingereicht, um die Finanzierung zu sichern.

Beteiligung privater Investoren

Ein wichtiger Aspekt der Sanierung ist die Einbindung privater Investoren. Ein prominentes Beispiel ist die Conle-Siedlung, die als zentrales Thema in der Südstadt diskutiert wird. Da die Gebäude einem privaten Investor gehören, kann die Stadt nicht über deren Kopf hinweg entscheiden. Es ist jedoch bekannt, dass für die Außensanierung eine Bauanfrage gestellt wurde. Dies gilt als Indiz für das Interesse des Investors am Weiterbestand und an der Aufwertung des Areals.

Konkrete Maßnahmen und Infrastrukturprojekte

Die Sanierung der Südstadt umfasst nicht nur die bauliche Substanz, sondern auch die Aufwertung der öffentlichen Räume und sozialen Infrastruktur.

Neugestaltung des Südstadt-Parks

Ein zentrales Projekt ist die Neugestaltung des Südstadt-Parks. Es handelt sich hierbei um die Grünfläche zwischen Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Mennoniten-Gemeindehaus, katholischem Kindergarten und Stadtteilzentrum. Die Bauarbeiten für den neuen Südstadt-Park beginnen im August 2025 und sind bis März 2026 geplant.

Während dieser Bauphase sind erhebliche Einschränkungen für die Bevölkerung zu erwarten. Aus Sicherheitsgründen müssen die dort befindlichen Fußwege teilweise gesperrt werden. Zunächst wird die komplette Fläche abgesperrt; je nach Baufortschritt sollen jedoch Teilflächen wieder für die öffentliche Nutzung freigegeben werden. Nach Fertigstellung verspricht die Stadt eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität.

Spielplätze und Freizeitangebote

Im Zuge der Aufwertung des öffentlichen Raums spielt die Verbesserung von Spiel- und Bewegungsangeboten eine wichtige Rolle. Es ist geplant, im Südstadtpark nicht nur Spielplätze für Kinder und Jugendliche zu schaffen, sondern auch Bewegungsangebote wie Calisthenics-Geräte (Trimm-dich-Geräte) für alle Generationen zu installieren. Parallel dazu ist eine kontinuierliche Sanierung und Modernisierung bestehender Spielplätze notwendig, um sichere und zeitgemäße Aufenthaltsmöglichkeiten zu gewährleisten. Exemplarisch für bereits abgeschlossene Maßnahmen wird die neue Grundschule samt Spielplatz „Neue Mitte“ genannt.

Freibad am Kalkofen

Ein weiteres großes Projekt, das die Lebensqualität in der Südstadt und ganz Oerlinghausen nachhaltig steigern soll, ist der Neubau des Freibads am Kalkofen. Nach über 10 Jahren Planungsphase und Engagement lokaler Politik ist nun die Umsetzung beschlossen. Der geplante Termin zur Neueröffnung ist der Sommer 2027. Dieses Projekt wird eng begleitet, um ein modernes, lebendiges Freizeitangebot für alle Bürger zu realisieren.

Schulstandort Südstadtschule

Die Zukunft des Schulstandorts in der Südstadt ist noch Gegenstand politischer Diskussionen. Es wird davon ausgegangen, dass bis Ende des Jahres eine Entscheidung fällt, ob die Südstadtschule am Standort erhalten bleibt. Verschiedene Varianten sind in Prüfung, darunter die Konzentration des Schulerstands an einem Standort (entweder Südstadt oder Lipperreihe) oder der Erhalt beider Standorte im Verbund. Fest steht, dass die Sanierung der Schule im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) als Maßnahme aufgeführt ist, unabhängig von der endgültigen Standortentscheidung.

Wirtschaftliche Aspekte und Bürgerbeteiligung

Die Sanierung der Südstadt ist auch ein wirtschaftliches Vorhaben. Es gilt, die wirtschaftliche Stärke des Stadtteils zu fördern. Die Stadt Oerlinghausen entwickelt den Bereich Südstadt und Innenstadt über das Förderprogramm weiter, wobei Bürgerbeteiligungen eine wichtige Rolle spielen. Es finden regelmäßige Informationsveranstaltungen statt, bei denen Vertreter der Stadtverwaltung (z.B. der Beigeordnete Hans-Jörg Düning-Gast und Carsten Lottner von der Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft) den Planungsstand diskutieren.

Fazit

Die Sanierung der Oerlinghäuser Südstadt ist ein komplexes, langfristiges Vorhaben, das auf einem soliden rechtlichen und planerischen Fundament basiert. Durch die Ausweisung als Sanierungsgebiet und den Beschluss des ISEK hat die Stadt die Weichen für eine umfassende Aufwertung gestellt. Die Finanzierung ist durch Städtebaufördermittel und Eigenanteile der Stadt gesichert, wobei die Zusammenarbeit mit privaten Investoren entscheidend für den Erfolg ist.

Für Eigentümer und Bewohner bedeutet dies eine Phase der Veränderung, die mit temporären Einschränkungen, insbesondere durch die Neugestaltung des Südstadt-Parks ab August 2025, verbunden ist. Langfristig profitieren alle von einer moderneren Infrastruktur, verbesserten Wohn- und Freizeitangeboten sowie einer gesteigerten Aufenthaltsqualität. Die Entwicklung der Südstadt ist ein Paradebeispiel für gelingende Stadterneuerung im Sinne einer modernen, zukunftsfähigen Kommune.

Quellen

  1. Stadt Oerlinghausen - Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK)
  2. LZ.de - Neue Aussichten für die Südstadt
  3. CDU Oerlinghausen - Team aus der Südstadt informiert
  4. LWZ24 - Oerlinghausen: Fußwege-Sperrungen in der Südstadt
  5. Stadt Oerlinghausen - Meldungen: Fußweg-Sperrung Südstadt

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