Einleitung
Das Olympische Dorf in München, errichtet für die Olympischen Spiele 1972, ist ein architektonisches Wahrzeichen und heute ein lebendiges Wohnquartier für rund 7.000 Menschen. Nach über 50 Jahren intensiver Nutzung ist eine umfassende Sanierung der Bausubstanz und der technischen Ausstattung unumgänglich. Die Modernisierungsmaßnahmen erstrecken sich über das gesamte Areal, wobei zwei Großprojekte im Fokus stehen: die Revitalisierung der sogenannten "Media-Linien" und der Öki-Station im Wohngebiet sowie die aufwendige Sanierung des ikonischen Zeltdaches im Olympiapark.
Diese Sanierungen sind nicht nur technische Notwendigkeiten, sondern stehen auch unter dem besonderen Schutz der Denkmalschutzbehörden. Die Herausforderung besteht darin, die originale Substanz und das Erscheinungsbild von 1972 so weit wie möglich zu erhalten, während gleichzeitig moderne Sicherheitsstandards und energetische Anforderungen erfüllt werden. Verantwortlich für die Instandhaltung und die Durchführung der Projekte sind die Olympiadorf-Beteiligungsgesellschaft (ODBG) und die Stadtwerke München (SWM) in enger Abstimmung mit der Olympiapark München GmbH. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Details, den Umfang und die Kosten der anstehenden Sanierungen.
Sanierung der Medienlinien und Öki-Station im Olympischen Dorf
Die Gestaltung des Olympischen Dorfs von 1972 ist geprägt von einem einzigartigen Farbkonzept, das die Wege zu den Wohnstraßen lenkt. Die Farben Blau, Grün und Orange verweisen auf die Connollystraße, Nadistraße und Straßbergerstraße. Im Zentrum am Helene-Mayer-Ring dominieren Gelb, Rot und Weiß. Diese gestalterischen Elemente sind heute integraler Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles.
Die Media-Linien: Technischer Zustand und Notwendigkeit der Sanierung
Die sogenannten Media-Linien, die ursprünglich als Orientierungshilfe und gestalterisches Element dienten, zeigen deutliche Alterungserscheinungen. Die mehr als 50 Jahre alten Systeme haben ihre technischen Funktionen weitgehend verloren. Die ursprünglichen Dächer, unter denen sich Bewohner früher trafen, existieren nicht mehr. Die charakteristischen, eigens angefertigten gebogenen Leuchtröhren wurden im Laufe der Zeit durch schmucklose Standardbeleuchtung ersetzt.
Eine Sanierung ist aus zwei Gründen zwingend erforderlich: Zum einen muss die technische Funktion wiederhergestellt werden, zum anderen verlangt der Denkmalschutz nach einer Auffrischung, die dem ursprünglichen Design gerecht wird. Die Olympiadorf-Beteiligungsgesellschaft (ODBG), die im Auftrag der Grundeigentümer das Dorf bewirtschaftet, hat die Verantwortung für diese Maßnahme übernommen.
Kosten und Förderung
Eine erste überschlägige Berechnung für die Sanierung der Media-Linien und der Öki-Station ergab Gesamtkosten im Bereich von knapp drei Millionen Euro. Die geschätzten Kosten für die Öki-Station liegen dabei im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Da die Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz allein voraussichtlich nicht ausreichen, plant die ODBG gemeinsam mit dem Kulturreferat einen Förderantrag zu stellen. Zusätzlich hat die Stiftung ein Spendenkonto mit dem Stichwort „Olympisches Dorf München“ eingerichtet, um die Finanzierung zu sichern. Der ODBG-Geschäftsführer Herbert Hantelmann bezeichnete die Erneuerung als "Herzensangelegenheit".
Die Sanierung des Zeltdaches im Olympiapark
Das Zeltdach des Olympiastadions ist das markanteste Bauwerk des Geländes und steht vollständig unter Denkmalschutz. Die Stadtwerke München (SWM) tragen als technische Verantwortliche für Betrieb und Instandhaltung die Verantwortung für dieses Mammutprojekt.
Umfang und technische Herausforderungen
Die Sanierung des Daches ist eine ingenieurstechnische Herausforderung, da sie im laufenden Betrieb stattfinden muss, um Veranstaltungen weiterhin zu ermöglichen. Die Dächer von Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle werden dabei sukzessive bearbeitet. Das Stadiondach wird saniert, während das Stadiongebäude für die Instandsetzung ohnehin gesperrt ist.
Der Modernisierungsumfang umfasst die Tragkonstruktion, das Seilnetz und die transparente Plexiglasdachhaut. Ein zentraler Grundsatz ist der Substanzerhalt der Tragkonstruktion und des Seilnetzes. Die ikonische Dachhaut mit einer Fläche von rund 78.700 Quadratmetern wird jedoch komplett erneuert, da dies aus Gründen der Tragsicherheit erforderlich ist. Auch die Flutlichtmasten werden ausgetauscht. Teile der Betonkonstruktion und ihrer Verankerung werden instandgesetzt, und der Korrosionsschutz der gesamten Seiltragkonstruktion wird generalsaniert.
Der Austausch der Dachhaut ist besonders komplex. Es handelt sich um den vollständigen Austausch von rund 11.000 Acrylglasplatten (in anderen Quellen als Plexiglasplatten bezeichnet), Puffer, Klemmprofilen und Fugenbändern. Diese Arbeiten erfordern Spezialfirmen.
Detaillierte Materialmengen und technische Spezifikationen
Laut den Planungen der SWM umfasst die Sanierung des Zeltdaches enorme Materialmengen, die den Umfang der Baumaßnahme verdeutlichen:
- Seile: Circa 12.400 Meter Hauptseile werden gereinigt und anschließend mit neuem Korrosionsschutz versehen.
- Klemmen: Circa 15.700 Seil- und Verbindungsklemmen werden in einem Spezialverfahren entschichtet, neu abgedichtet und neu beschichtet.
- Dachhaut: Circa 78.700 Quadratmeter Plexiglasplatten werden vollständig ausgetauscht.
- Befestigungselemente: Circa 157.000 Gummi-Metall-Puffer, die der Befestigung der Plexiglasplatten dienen, werden ersetzt.
- Randprofile: Circa 140 Kilometer Aluminium-Randklemmprofile werden ausgetauscht. Diese ermöglichen die Verbindung zwischen Acrylglasplatten und Fugenband, um eine geschlossene Dachfläche zu gewährleisten.
Zeitplan und Kosten
Die Planungen der SWM sind bereits weit fortgeschritten. Der Baubeginn ist für Mitte 2026 geplant. Die Sanierung des Olympiaparks ist eine komplexe Angelegenheit, die Weitsicht und Sachverstand erfordert, um das Ensemble für die kommenden Jahrzehnte fit zu machen.
Die Kosten für die Zeltdachsanierung belaufen sich auf über 283 Millionen Euro. Diese hohen Kosten sind unter anderem auf den vollständigen Austausch der zahlreichen Komponenten und die Notwendigkeit von Spezialfirmen zurückzuführen. Aufgrund der Haushaltslage der Stadt München ist vorgesehen, mit dem Freistaat Bayern, dem Bund und ggf. der Europäischen Union über eine finanzielle Beteiligung zu verhandeln. Der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft hat der Sanierung bereits zugestimmt; der Beschluss muss noch von der Vollversammlung des Stadtrats bestätigt werden.
Weitere Infrastrukturmaßnahmen am Standort
Neben den genannten Kernprojekten finden weitere Modernisierungen im Olympiapark und am Olympischen Dorf statt, um die Infrastruktur an aktuelle Bedürfnisse anzupassen.
Bus- und U-Bahnhof Olympiazentrum
Seit der Verlängerung der U-Bahn-Linie U3 bis Moosach ist der Busbahnhof über dem U-Bahnhof Olympiazentrum nicht mehr in Betrieb. Dennoch kommt ihm als zentraler Eingangspunkt in den Olympiapark, das Olympische Dorf und zum BMW-Werk eine wichtige Funktion zu. Hier finden Baumaßnahmen in mehreren Phasen statt:
- Bahnsteigdächer: Die maroden Bahnsteigdächer werden originalgetreu erneuert.
- Sanitäre Anlagen: Kioske und WC-Anlagen werden saniert.
- Grüner Auftakt: Gemäß Stadtratsbeschluss werden die versiegelten Flächen, auf denen früher Busse hielten, umgestaltet. Es entsteht ein "grüner Auftakt" mit attraktiven Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Brunnen.
- Ladeinfrastruktur: Die Stadtwerke planen, im nördlichen Teil Ladestationen für Elektroautos zu platzieren.
TUM-Campus
Am Standort entsteht zudem eine der modernsten Hochschulanlagen Europas in Holzbauweise. Der Neubau der TUM School of Medicine and Health nach dem Entwurf der Vorarlberger Architekten Dietrich Untertrifaller ist weitgehend abgeschlossen. Dies unterstreicht die Weiterentwicklung des Areals zu einem Mix aus Wohnen, Sport, Kultur und Wissenschaft.
Fazit
Die Sanierung des Olympischen Dorfs und des Olympiaparks stellt ein bedeutendes Vorhaben für die Stadt München dar. Es handelt sich um eine Notwendigkeit, die Bausubstanz nach über 50 Jahren zu erneuern und gleichzeitig ein architektonisches Erbe von internationalem Rang zu erhalten. Die Maßnahmen sind technisch anspruchsvoll, da sie größtenteils im laufenden Betrieb durchgeführt werden müssen und unter strengen denkmalschützerischen Auflagen stehen.
Die Sanierung der Media-Linien im Olympischen Dorf mit einem Volumen von rund drei Millionen Euro sichert den Charakter des Wohnquartiers. Die Erneuerung des Zeltdaches im Olympiapark ist mit über 283 Millionen Euro ein Projekt von enormer wirtschaftlicher und technischer Bedeutung. Der vollständige Austausch der Dachhaut, die Instandsetzung der Seiltragkonstruktion und die Sicherung der Betonfundamente sind essenziell, um die Nutzung als Veranstaltungsort und die strukturelle Integrität des Bauwerks für die Zukunft zu gewährleisten. Die Zusammenarbeit zwischen den städtischen Betrieben, den Denkmalschutzbehörden und politischen Gremien zeigt den strategischen Ansatz, dieses Wahrzeichen langfristig zu erhalten.