Sanierung unter Denkmalschutz: Das ORF-Zentrum am Küniglberg als Modellfall für nachhaltige Gebäudetechnik

Die Sanierung von historischen Gebäudekomplexen stellt die Bauwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Bausubstanz aus den 1960er Jahren stammt, unter strengem Denkmalschutz steht und gleichzeitig modernste technische Anforderungen an eine Medienproduktionsstätte erfüllen muss. Ein herausragendes Beispiel für eine solche denkmalgerechte und energieeffiziente Gebäudesanierung ist das ORF-Zentrum am Küniglberg in Wien. Der Komplex, entworfen von Architekt Roland Rainer, wurde im Rahmen einer umfassenden Standortsanierung auf den neuesten technischen Stand gebracht und erhielt die Auszeichnung „klimaaktiv Gold“. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieses Projekts, das als Leuchtturmprojekt für die Sanierung von Bauten der Nachkriegsmoderne dient.

Architektonischer und historischer Kontext

Das ORF-Zentrum am Küniglberg, auch bekannt als „Betonburg am Küniglberg“, ist ein prägendes Beispiel der Architektur der 1960er Jahre. Geplant von Roland Rainer, wurde das Gebäude ab 1968 errichtet und zwischen 1972 und 1975 schrittweise in Betrieb genommen. Es handelt sich hierbei um das Hauptgebäude des ORF-Medienstandorts in Wien-Hietzing.

Im Jahr 2007 wurde weite Teile des Areals unter Denkmalschutz gestellt. Diese Einstufung bedeutet für Bauherren und Planer erhebliche Einschränkungen und Verpflichtungen. Die Fassade, die Grundstruktur und die architektonische Gestaltung müssen erhalten bleiben. Gleichzeitig mussten die Anforderungen an ein modernes Medienzentrum erfüllt werden, was eine hohe Flexibilität in der Innenraumgestaltung und eine massive Erneuerung der technischen Infrastruktur erforderte.

Die Sanierung begann offiziell im Jahr 2014. Ziel war es, alle Wiener ORF-Standorte am Küniglberg zu konsolidieren und die bestehenden Betriebsgebäude umfassend zu sanieren. Dabei stand die Errichtung eines neuen, multimedialen Newsrooms im Fokus, um Synergien zwischen den bislang getrennt arbeitenden Redaktionen (TV, Radio, Online) zu heben.

Die Herausforderung Denkmalschutz und Energieeffizienz

Die Sanierung von Gebäuden unter Denkmalschutz ist technisch und wirtschaftlich komplex. Die Anforderungen an die Energieeffizienz moderner Gebäude stehen oft im Widerspruch zur Erhaltung der historischen Bausubstanz. Im Fall des ORF-Zentrums wurde eine Lösung gefunden, die sowohl den Denkmalschutz als auch hohe energetische Standards berücksichtigt.

Das Projekt wurde nach den Richtlinien des österreichischen Förderprogramms „klimaaktiv“ umgesetzt. Für das Objekt 1, das Hauptgebäude, wurde die höchste Auszeichnung, „klimaaktiv Gold“, erreicht. Dies ist besonders bemerkenswert, da die Vorgaben durch den Denkmalschutz als schwierig eingestuft wurden. Trotz dieser Einschränkungen erzielte das Planungsteam 971 von 1000 möglichen Punkten im Bewertungssystem.

Die Sanierung zielte darauf ab, das Gebäude hinsichtlich des Energieverbrauchs, der Gebäudeausstattung und des Innenausbaus auf einen hochwertigen Standard zu bringen. Der gesamte Gebäudekomplex, der neben dem Objekt 1 auch die Objekte 2, 3, 4 und 6 umfasst, steht unter Denkmalschutz und wurde im Rahmen der Standortsanierung mit „klimaaktiv Gold“ ausgezeichnet.

Technische Planung und Projektabwicklung

Die Komplexität des Projekts erforderte eine professionelle Generalplanung. Für die Sanierung des ORF-Zentrums wurde eine Arge (Arbeitsgemeinschaft) aus dem Planungsbüro Vasko+Partner und den Architekten Jabornegg & Pálffy beauftragt. Diese übernahmen die Rolle des Generalplaners.

Die Entscheidung für die Sanierung am bestehenden Standort fiel nach mehrjährigen Planungen und Machbarkeitsstudien. Die Alternative, einen neuen Standort zu schaffen, wurde verworfen. Stattdessen entschied der ORF-Stiftungsrat für die Konsolidierung am Küniglberg unter Sanierung des Bestands und Erweiterung durch einen Neubau.

Ein zentraler Aspekt der Planung war die sogenannte Erdbebenertüchtigung. Laut einem Antrag der ORF-Geschäftsführung sollte das baufällige Gebäude nicht nur saniert, sondern auch auf moderne Sicherheitsstandards, insbesondere im Hinblick auf Erdbeben, gebracht werden. Dies erforderte tiefgreifende Eingriffe in die Bausubstanz, die in der ursprünglichen Planung der 1960er Jahre nicht vorgesehen waren.

Meilensteine der Baumaßnahmen

Der Bauablauf folgte einem straffen Zeitplan, der durch den laufenden Betrieb der Medienproduktion zusätzlich erschwert wurde.

  • 2014: Beginn der umfassenden Sanierung des Zentrums.
  • August 2019: Spatenstich für den Neubaukomplex.
  • Februar 2020: Grundsteinlegung.
  • Dezember 2021: Bautechnische Fertigstellung des Neubaus. In diesem Zuge erfolgte die Übergabe an die Haus- und Rundfunktechnik des ORF.

Ein wesentlicher Erfolg war, dass trotz gestiegener Bau- und Energiekosten sowie hoher Inflation sämtliche Maßnahmen innerhalb des bestehenden Zeit- und Kostenrahmens durchgeführt werden konnten. Zu den bereits abgeschlossenen Arbeiten gehörte der Einzug der ORF-Radiosender Ö3, Ö1 und FM4 sowie von ORF.at am Standort. Die Inbetriebnahme des Multimedialen Newsrooms war ein weiterer wichtiger Meilenstein.

Kostenstruktur und Budgetmanagement

Die finanzielle Dimension des Projekts ist beträchtlich. Laut einer Studie des Architekten Manfred Wehdorn aus dem Frühjahr eines nicht genau spezifizierten Jahres (vermutlich 2022/2023) belaufen sich die gesamten Baukosten für Sanierung und Ausbau des ORF-Zentrums auf knapp 300 Millionen Euro.

Eine andere Quelle gibt die Höhe des Bau- und Sanierungsprojekts mit 303,5 Millionen Euro an. Diese Summe spiegelt den Umfang der Modernisierung wider, die weit über eine einfache Renovierung hinausgeht und den Neubau von technischen Infrastrukturen (wie dem Newsroom) einschließt.

Die Kosten für die Generalplanerleistungen für weitere Objekte am Küniglberg sowie für die Projektsteuerung belaufen sich zusätzlich auf 23,4 Millionen Euro (Generalplaner) und 5,7 Millionen Euro (Projektsteuerung). Diese Rahmenbeträge zeigen die professionelle Struktur der Projektabwicklung.

Trotz dieser hohen Summen wurde in der Vergangenheit berichtet, dass das Projekt 17 Millionen Euro unter dem ursprünglichen Plan blieb. Aktuelle Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass die Projektorganisation aufgelöst werden soll, da ausständige Arbeiten erst später umgesetzt werden können. Dies könnte auf eine vorübergehende Pause oder eine Neuplanung von Detailarbeiten hindeuten.

Der Multimediale Newsroom als technisches Herzstück

Ein zentrales Element der Modernisierung ist der multimediale Newsroom. Die Anforderungen an den ORF laufen ständig höher, während Budget und Personalstand gleich bleiben sollen. Um mehr Plattformen mit öffentlich-rechtlicher Information zu bespielen, muss die Effizienz gesteigert werden.

Der Newsroom ermöglicht es, Synergien zwischen den bislang getrennt voneinander arbeitenden Redaktionen aus TV, Radio und Online zu nutzen. Die Generalplanerleistungen für die weiteren ORF-Gebäude am Küniglberg umfassen generelle Planungen für diesen trimedialen Newsroom. Sollte die Option eines gemeinsamen Newsrooms aller ORF-Redaktionen und eines gemeinsamen Standorts am Küniglberg vollständig gezogen werden, würde der ORF einen entsprechenden Architektenwettbewerb ausschreiben. Aktuell befindet sich das Projekt in der Umsetzung, wobei die bereits errichteten Bereiche die Basis für die zukünftige vollständige Konvergenz der Medienkanäle bilden.

Nachhaltigkeit und Energiestandards: klimaaktiv Gold

Die Auszeichnung „klimaaktiv Gold“ ist ein Qualitätsmerkmal für besonders energieeffiziente Gebäude. Im Kontext der Sanierung des ORF-Zentrums zeigt sie, dass es möglich ist, historische Bausubstanz energetisch aufzurüsten. Die Maßnahmen umfassten vermutlich eine Verbesserung der Gebäudehülle, eine Optimierung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sowie die Nutzung erneuerbarer Energien.

Die Sanierung wurde darauf ausgerichtet, den Energieverbrauch signifikant zu senken. Dies ist nicht nur aus ökologischen Gründen wichtig, sondern auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, da die Betriebskosten eines Medienzentrums enorm sind. Die hohe Punktzahl im klimaaktiv-System (971/1000) belegt, dass trotz Denkmalschutz sehr hohe energetische Standards erreicht werden können.

Die Rolle der Generalplaner und Architekten

Die Auswahl der Planer war entscheidend für den Erfolg des Projekts. Die Arge Vasko+Partner und Jabornegg & Pálffy verfügen über spezifische Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Bestandsgebäuden. Ihre Aufgabe umfasste nicht nur die statischen und energetischen Sanierungsarbeiten, sondern auch die Integration moderner Medientechnik in die historischen Räume.

Die Architekten Jabornegg & Pálffy sind bekannt für ihre Arbeit an sensiblen Bestandsgebäuden. Zusammen mit Vasko+Partner, einem großen Planungsbüro, bildeten sie das Rückgrat der Planung. Die Herausforderung lag darin, die strengen Vorgaben des Denkmalschutzes mit den hohen Anforderungen an die Funktionalität eines modernen Medienzentrums in Einklang zu bringen.

Aktueller Status und Ausblick

Der ORF-Mediencampus am Küniglberg ist inzwischen weitgehend fertiggestellt. Die wichtigsten Redaktionen und technischen Einrichtungen sind bezogen. Es stehen jedoch noch weitere Baumaßnahmen an, die sich auf Details konzentrieren.

Laut aktuellen Informationen aus dem Jahr 2024/2025 plant der ORF-General die Auflösung der Projektorganisation. Dies deutet darauf hin, dass die Phase der großen Bauarbeiten abgeschlossen ist und der Betrieb stabilisiert werden soll. Noch ausständige Arbeiten, die sich auf den Zugang zum ORF-Zentrum, die Sicherheitsinfrastruktur und die Empfangsbereiche beziehen, könnten erst später umgesetzt werden.

Diese Entscheidung zeigt, dass trotz der hohen Investitionen von über 300 Millionen Euro das Projektmanagement auf Kurs geblieben ist. Die Integration von Radiosendern und dem Newsroom ist erfolgt, und der ORF erfüllt seine Funktion als moderner Medienstandort.

Fazit

Die Sanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Gebäudetechnik und nachhaltiger Energiepolitik. Das Projekt beweist, dass historische Bauten aus den 1960er Jahren durch eine umfassende Sanierung nicht nur erhalten, sondern zu energieeffizienten und hochmodernen Arbeitsumgebungen transformiert werden können.

Die erreichte Auszeichnung „klimaaktiv Gold“ unterstreicht den technischen Erfolg des Vorhabens. Die Generalplaner Vasko+Partner und Jabornegg & Pálffy haben durch ihre Expertise eine Lösung gefunden, die die Anforderungen des Denkmalschutzes und die Bedürfnisse der Medienproduktion vereint. Die hohen Investitionssummen von rund 300 Millionen Euro wurden in eine Infrastruktur investiert, die den ORF für die Zukunft rüstet. Insbesondere der multimediale Newsroom bildet das Herzstück einer effizienten und konvergenten Medienproduktion. Für die Bauwirtschaft bleibt dieses Projekt als wichtiger Referenzfall für ähnliche Sanierungsvorhaben unter Denkmalschutz.

Quellen

  1. Sanierung Denkmalschutz Objekt 1, ORF Zentrum
  2. ORF-Zentrum Wien - Sanierung Objekt 1
  3. Sanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg: Nächste Bauphase
  4. Der ORF-Mediencampus
  5. Aktuelle Baumaßnahmen am ORF-Mediencampus
  6. 300 Millionen Bauprojekt des ORF bleibt 17 Millionen unter Plan
  7. Sanierung im Denkmalschutz - ORF Zentrum

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