Sanierung des Otterbads Ottersberg: Analyse einer komplexen Bauaufgabe zwischen Förderung und technischen Herausforderungen

Einleitung

Die Sanierung von kommunalen Schwimmbädern stellt die Bauwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Diese umfassen nicht nur die technische Modernisierung von oft Jahrzehnte alten Infrastrukturen, sondern auch die energetische Aufwertung und die Sicherung der finanziellen Machbarkeit durch Förderprogramme. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche Baumaßnahme ist die umfangreiche Renovierung des Hallenbades in Ottersberg. Die vorliegenden Informationen beschreiben eine Sanierung, die unter den Bedingungen steigender Materialkosten und unvorhergesehener baulicher Gegebenheiten eines Altbaus durchgeführt wurde. Der folgende Artikel beleuchtet die Planung, die Durchführung und die wirtschaftlichen Aspekte dieser Baustelle, wobei der Fokus auf den für die Bauausführung relevanten Fakten liegt.

Ausgangslage und Notwendigkeit der Sanierung

Das Otterbad in Ottersberg dient als zentraler Bestandteil eines Gebäude- und Sportanlagenensembles zwischen zwei weiterführenden Schulen. Es erfüllt eine wichtige Funktion als Schulschwimmbad für mehrere Schulen und Kindergärten und ist ein sozio-kulturelles Zentrum. Aufgrund des Alters der Anlage waren die Voraussetzungen, um dieser Rolle gerecht zu werden, nicht mehr gegeben.

Baulicher Zustand und Zielsetzung

Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem Alter der Halle, die rund 40 Jahre alt war. Eine Untersuchung des Dachbereichs ergab Undichtigkeiten, die eine Sanierung unumgänglich machten. Das primäre Ziel der Maßnahme war es, das Hallenbad energetisch und technisch auf den neuesten Stand zu bringen und gleichzeitig besucherfreundlich zu modernisieren.

Zu den Sanierungszielen gehörten: * Die bauliche und energetische Aufwertung der Gebäudehülle. * Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen und der Energiekosten. * Die barrierefreie Gestaltung der Anlage. * Die Schaffung von Platz für ehrenamtliche Aktivitäten durch die Umnutzung einer ehemaligen Gaststätte in einen Mehrzweckraum.

Finanzierung und Förderung

Für eine Bauaufgabe dieser Größenordnung war die Sicherung der Finanzierung ein kritischer Faktor. Die geschätzten Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 3 Millionen Euro (nach anderen Angaben 3,2 Millionen Euro).

Bundeszuschuss und kommunale Beteiligung

Ein entscheidender Schritt zur Realisierung des Vorhabens war die Bewilligung eines Bundeszuschusses in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Dieser Zuschuss stammte aus einem Sonderprogramm des Deutschen Bundestages zur Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur. Ohne diese staatliche Förderung hätte die Zukunft der Einrichtung in Frage gestanden; man wäre lediglich auf Reparaturen („Flicken“) beschränkt geblieben.

Die verbleibenden Kosten mussten durch den Betreiber, das gemeindeeigene Elektrizitätswerk (EWO), finanziert werden. Hier waren Kofinanzierungssummen von 1,6 Millionen Euro oder 1,8 Millionen Euro im Spiel, die aus dem Haushalt des EWO bereitgestellt werden mussten. Die politischen Gremien mussten diese Mittel im Rahmen des Wirtschaftsplans bewilligen.

Planung und Vorbereitung der Baumaßnahme

Die Vorbereitung der Sanierung umfasste mehrere Phasen, von der konzeptionellen Planung bis zur Ausschreibung der Gewerke.

Ausschreibung und Vergabe

Ein zentraler Schritt war das Vergabeverfahren. Nachdem ein erstes Ausschreibungsverfahren durchgeführt worden war, musste dieses wiederholt werden. Im wiederholten Verfahren konnten für jedes Gewerk Auftragnehmer gefunden werden. Die geprüften Angebote wurden vom Verwaltungsausschuss freigegeben und vom Rechnungsprüfungsamt Verden genehmigt.

Zeitplanung und Inbetriebnahme

Die ursprüngliche Planung sah vor, die Baumaßnahmen im August zu beginnen. Eine Besonderheit der Planung war die Gewährleistung des Betriebs: Der Plan sah vor, zunächst Arbeiten im Wümmekieker und den Außenbereichen durchzuführen, sodass der Innenbereich vor Witterung geschützt blieb und theoretisch ein Badebetrieb hätte weitergeführt werden können. Aufgrund der COVID-19-Pandemie war dies jedoch nicht möglich.

Die Fertigstellung sollte ursprünglich bis Ende September erfolgen. Spätestens zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres sollte das Bad wieder öffnen. Aufgrund von Verzögerungen wurde jedoch deutlich, dass eine Eröffnung noch im Jahr der ursprünglichen Planung unwahrscheinlich war. Die Sanierungsarbeiten zogen sich bis ins neue Jahr.

Technische Sanierungsmaßnahmen

Die eigentlichen Bauarbeiten umfassten eine Vielzahl von Gewerken. Die Herausforderung lag in der Sanierung eines Altbaus, bei dem bauliche Gegebenheiten erst während der Arbeiten erkennbar wurden.

Gebäudehülle und Energieeffizienz

Ein wesentlicher Bestandteil war die energetische Modernisierung der Gebäudehülle. Dies beinhaltete die Erneuerung der Fensterfassade. Um das Gefühl von Weite zu schaffen und den Energieverbrauch zu senken, wurde die Fassade nach außen hinter die Stützpfeiler verlegt. Diese Maßnahme sorgte für mehr Licht und eine bessere Optik.

Innenraumsanierung

Im Innenbereich wurden umfangreiche Arbeiten durchgeführt: * Beckenbereich: Die Bodenflächen und die Becken selbst wurden neu gefliest. * Wände: Wände wurden weiß gestrichen. * Wärmebänke: Die Umhüllungen der Wärmebänke wurden frisch ummantelt. * Sanitär- und Nassbereiche: Es wurden schick geflieste Duschen installiert. Zusätzliche Sammelumkleiden wurden geschaffen, um den Komfort zu erhöhen. * Eingangsbereich: Der Eingangs- und Kassenbereich wurde neu gestaltet. Auch hier wurde ein Upgrade des Kassensystems genutzt, wobei die durch die Pandemie bedingte Schließung als Zeitfenster diente.

Barrierefreiheit

Ein explizites Ziel war die barrierefreie Gestaltung, um die Nutzung für alle Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen.

Herausforderungen während der Bauausführung

Während der Bauphase traten Schwierigkeiten auf, die typisch für Sanierungen von Altbausubstanz sind, aber dennoch einen erheblichen Einfluss auf den Projektablauf hatten.

Unvorhergesehene Probleme im Altbau

Da es sich um einen Altbau handelte, tauchten bei den Sanierungsarbeiten immer wieder neue Probleme auf. Diese führten zu unvorhersehbaren Zusatzarbeiten, die nicht in der ursprünglichen Kalkulation vorgesehen waren.

Kostensteigerungen

Die Sanierung war von erheblichen Kostensteigerungen betroffen. Die ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten von 3,3 Millionen Euro mussten nach oben angepasst werden. Zwei Hauptfaktoren waren hierfür verantwortlich: 1. Gestiegene Materialkosten: Die Preise für Baumaterialien stiegen während der Planungs- und Bauphase immens an. 2. Zusätzliche Arbeiten: Die während der Bauarbeiten entdeckten Probleme erforderten zusätzlichen Aufwand und damit zusätzliche Mittel.

Die Projektleitung durch Helge Dannat (Chef des Elektrizitätswerks) und René Grabowski (Leiter des Otterbads) sah sich damit konfrontiert, die gestiegenen Kosten zu managen und dennoch das Ziel einer funktionsfähigen und modernisierten Anlage zu erreichen.

Inbetriebnahme und neue Nutzungsstruktur

Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wurde die Anlage schließlich eingeweiht. Die offizielle Einweihung markierte den Start der Nutzung durch die Öffentlichkeit.

Eröffnung und Nutzungsstart

Der Betrieb wurde gestaffelt wieder aufgenommen: * Kita- und Schulschwimmen: Start am Montag nach der Einweihung. * Öffentlicher Badebetrieb: Start am 2. Mai. * Schwimm- und Aquafitnesskurse: Beginn ab dem 9. Mai.

Neue Räumlichkeiten

Durch die Umnutzung der ehemaligen Gaststätte entstand ein Mehrzweckraum. Dieser soll genutzt werden, um ehrenamtliche Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Damit erweitert sich die Funktion des Otterbads über die reine Badenutzung hinaus.

Fazit

Die Sanierung des Otterbads Ottersberg stellt eine umfangreiche und komplexe Bauaufgabe dar, die Aspekte der Energieeffizienz, der Barrierefreiheit und der technischen Modernisierung verband. Der Erfolg der Maßnahme war stark abhängig von der erfolgreichen Anschubfinanzierung durch Bundesmittel, welche die Grundlage für eine umfassende Erneuerung statt einer bloßen Instandhaltung bildete.

Die Baustelle verdeutlicht die typischen Risiken bei der Sanierung von Altbausubstanz: Unvorhersehbare bauliche Gegebenheiten und explodierende Materialkosten führten zu Termin- und Kostenverschiebungen. Dennoch konnte eine moderne, energetisch optimierte und barrierefreie Anlage geschaffen werden, die ihren Platz als soziales und sportliches Zentrum behauptet. Für Bauherren und Planer zeigt das Projekt, dass bei der Sanierung alter Bausubstanz immer ein Puffer für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant werden muss.

Quellen

  1. Sportzentrum Otterbad
  2. Kreiszeitung: Saniertes Otterbad vor Neustart
  3. Andreas Mattfeldt: Bundeszuschuss macht die umfangreiche Sanierung des Otterbades erst möglich
  4. Kreiszeitung: 1,4 Millionen Euro für Otterbad
  5. Weser Kurier: Gebührenaenderung Otterbad und Seesanierung geplant
  6. Weser Kurier: Sanierung des Ottersberger Hallenbads zieht sich bis ins neue Jahr
  7. Weser Kurier: Sanierung des Ottersberger Hallenbades steht kurz bevor

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