Generalsanierung der Otto-Hahn-Schulen in Bergisch Gladbach: Ein umfassender Fachbericht zu Planung, Durchführung und Herausforderungen

Die Generalsanierung von Schulgebäuden stellt für Kommunen und Bauunternehmen eine der komplexesten Aufgaben im modernen Baumanagement dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Sanierung bei laufendem Betrieb erfolgen muss, wie das Beispiel der Otto-Hahn-Schulen in Bergisch Gladbach verdeutlicht. Der folgende Fachbeitrag beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die strategischen Entscheidungen, technischen Herausforderungen und den Ablauf dieses umfangreichen Bauvorhabens.

Ausgangslage und Notwendigkeit der Sanierung

Das Schulzentrum an der Saaler Mühle in Bergisch Gladbach, das aus einem ehemaligen Schul- und Sportzentrum aus dem Jahr 1973 hervorging, beheimatet heute die Otto-Hahn-Realschule und das Otto-Hahn-Gymnasium. Mit rund 1.700 Schülerinnen und Schülern ist es eines der größten Schulzentren der Region.

Die Entscheidung der Stadt Bergisch Gladbach für eine Generalsanierung fiel aufgrund einer kumulierten Bewertung gravierender Mängel. Laut den vorliegenden Informationen waren umfangreiche Brandschutzmängel der entscheidende Faktor. Brandschutz ist in öffentlichen Gebäuden, insbesondere in Schulen, eine nicht verhandelbare Größe. Die defizitäre Ausstattung in diesem Bereich stellte ein unkalkulierbares Risiko für den laufenden Betrieb und die Sicherheit der Nutzer dar.

Hinzu kam der sanierungsbedürftige Gebäudezustand. Gebäude aus den 1970er Jahren weisen oft Bauschäden auf, die über normale Abnutzung hinausgehen. Die Substanz des Stahlbetonskelettbaus war saniert werden, um die Langlebigkeit der Immobilie zu gewährleisten.

Ein weiterer kritischer Punkt waren die ausgeschöpften Raumkapazitäten. Die Anforderungen an moderne Schulen haben sich gewandelt. Die Berücksichtigung der Inklusion und Barrierefreiheit erfordert mehr Platz und flexible Raumkonzepte, als das ursprüngliche Gebäude von 1973 vorgab. Auch die Anforderungen an digitale Infrastruktur, wie WLAN und digitale Tafelanlagen, die mittlerweile in allen Klassenräumen installiert sind, machten bauliche Anpassungen notwendig.

Projektplanung und Generalplanung

Im Jahr 2014 beauftragte die Stadt Bergisch Gladbach die Firma agn (Allgemeine Gesellschaft für Nutzbau) im Rahmen einer öffentlichen Vergabe mit den Leistungen der Generalplanung. Ein europaweites Ausschreibungsverfahren im Jahr 2013 hatte den Weg für diese Entscheidung geebnet.

Die Rolle des Generalplaners ist in einem solchen Projekt umfassend. agn verantwortete die gesamte Planung und Ausführung. Dies beinhaltet die Koordination aller Gewerke, die Erstellung der Baupläne, die Überwachung der Baumaßnahmen und die Sicherstellung der Einhaltung von Vorschriften.

Ein besonderes Ereignis markierte den Start der Sanierung: Da im Zuge der Abrissarbeiten der ursprüngliche Grundstein wieder ans Licht kam, entschied sich die Stadt für eine symbolische erneute Grundsteinlegung. Dabei wurden sowohl der alte, wiedergefundene Stein als auch ein neuer Grundstein gesetzt. Dies unterstrich das Bestreben, die Historie des Gebäudes mit der Notwendigkeit eines Neuanfangs zu verbinden.

Herausforderung: Sanierung bei laufendem Betrieb

Die vielleicht größte Herausforderung des Projekts war die Durchführung der Sanierung bei laufendem Schulbetrieb. Die Entscheidung, die Unterrichtsräume in Container auszulagern, war aus logistischer und pädagogischer Sicht notwendig, um den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Diese Vorgehensweise bringt spezifische Herausforderungen mit sich: * Logistik: Der Transport von über 1.700 Schülern und Lehrern zwischen dem Hauptgebäude und den Containern sowie die Versorgung der Container mit Strom, Wasser und Wärme erforderten eine detaillierte Planung. * Lärm und Staub: Die Sanierungsarbeiten fanden in unmittelbarer Nähe zum provisorischen Unterrichtsbetrieb statt. Dies erforderte Maßnahmen zum Schutz der Schüler und Lehrer vor Lärm und Baustaub. * Koordination: Die Abstimmung zwischen den Bauarbeiten und dem Schultagesablauf war essenziell, um den Unterricht nicht zu stören.

Die Container dienten als provisorische Klassenhäuser. Die Notwendigkeit, diese zu nutzen, zeigt das Ausmaß der Sanierung: Es war kein Oberflächenrenovierung, sondern eine Kernsanierung, bei der das Gebäude bis auf die tragende Substanz weitgehend entkernt wurde.

Technische Aspekte der Generalsanierung

Das Bestandsgebäude wurde als Stahlbetonskelettbau mit Flachdächern auf unterschiedlichem Niveau beschrieben. Ein begrünter Innenhof auf der oberen Ebene ist Teil der Architektur.

Brandschutz

Die Sanierung musste die umfangreichen Brandschutzmängel beheben. In Schulgebäuden bedeutet dies in der Regel die Installation von: * Brandmeldeanlagen (BMA) * Rauchabzugsanlagen * feuerwiderstandsfähigen Türen und Wänden * ausreichenden Fluchtwegen

Die Tatsache, dass dies als Hauptgrund für die Sanierung genannt wird, lässt darauf schließen, dass die Anforderungen nicht durch Nachrüstung im Bestand, sondern nur durch eine tiefgreifende bauliche Veränderung erfüllt werden konnten.

Gebäudehülle und Dach

Die Flachdächer waren Sanierungsbedürftig. Eine Sanierung von Flachdächern umfasst in der Regel die Dachabdichtung, die Dämmung (heute nach EnEV oft auf einem hohen Niveau) und die Prüfung der Entwässerung. Die Unterteilung des Gebäudes in Split-Level-Bauweise mit unterschiedlichen Dachniveaus erschwert die Abdichtung und die Wärmedämmung, da hier Anschlüsse und Dachdurchdringungen komplex sind.

Innenraum und Technik

Die Innenräume wurden komplett saniert. Die Ausstattung mit digitalen Tafelanlagen und WLAN war bereits im Bestand vorhanden, wurde aber vermutlich im Zuge der Sanierung modernisiert oder auf den neuesten Stand gebracht. Die Werk- und Kunsträume befanden sich in einem eingeschossigen Flachdachanbau, der ebenfalls saniert wurde.

Ein wichtiger Aspekt moderner Schulsanierung ist die Barrierefreiheit. Da dies in der Projektbeschreibung explizit genannt wurde, umfasst die Sanierung vermutlich den Einbau von Aufzügen, rampenlosen Übergängen und barrierefreien Sanitäranlagen.

Zeitplan und Verzögerungen

Der Zeitplan des Projekts war ambitioniert und stieß auf Herausforderungen. Die Sanierung begann im Januar 2016. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass nach vier Jahren Bauzeit (also ca. Ende 2019/Anfang 2020) der Einzug in die neuen Räume erfolgen würde.

Tatsächlich kam es jedoch zu erheblichen Verzögerungen. Im Oktober/November 2020 teilte die Stadtverwaltung mit, dass ein Einzug in diesem Jahr nicht mehr gelingen werde. Die Gründe für die Verzögerung werden in den Quellen nicht detailliert aufgeschlüsselt, jedoch wird erwähnt, dass sich die Stadt in "intensiven Gesprächen mit Handwerkern und Bauunternehmung" befand. Dies deutet auf Probleme in der Auftragsabwicklung oder bei der Verfügbarkeit von Handwerksbetrieben hin.

Die Verzögerungen hatten Auswirkungen auf andere Bauprojekte der Stadt. Die Unterrichtscontainer, die für die Otto-Hahn-Schulen genutzt wurden, waren dringend benötigt für: 1. Die Generalsanierung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums. 2. Den Neubau der Gemeinschaftsgrundschule an der Karl-Philipp-Straße in Bensberg.

Die Blockade dieser Ressourcen (Container) führte dazu, dass diese Projekte ebenfalls nicht wie geplant starten konnten. Dies zeigt die hohe Abhängigkeit von Baurecht und Logistik in der kommunalen Bauverwaltung.

Abschluss und Übergabe

Trotz der Verzögerungen wurde das Projekt abgeschlossen. Die Übergabe des sanierten Schulzentrums an die Stadt Bergisch Gladbach erfolgte offiziell mit einer Feierstunde. Das Generalplanungsunternehmen agn rheinmain übergab das Gebäude an Bürgermeister Lutz Urbach.

Die Feier markierte den symbolischen Start des Betriebs. Die Schule erhielt eine Schultüte als Symbol für den Neuanfang. Die Übergabe fand unter Corona-Bedingten Beschränkungen statt, was die Terminplanung des Endes der Bauarbeiten in die Zeit der Pandemie einordnet.

Der Umzug

Der Umzug von den Containern in die sanierten Räume war ein eigenes logistisches Projekt. Er begann am 25. Januar. Eine beauftragte Umzugsfirma räumte die Container und verteilte das Mobiliar und die Materialien in den neuen Räumen.

Besonders hervorgehoben wurde die akribische Vorbereitung durch die Schule. Durch eine genaue Beschriftung von Kartons und Räumen wurde der Umzug reibungslos ermöglicht. Auch wenn der letzte Schliff (Elektrik, Lüftung, Beleuchtung) in den ersten Wochen nach dem Umzug noch ausstand, war das Gebäude grundsätzlich bezugsfertig.

Zusammenfassung der technischen Fakten

Die Otto-Hahn-Schule ist ein Stahlbetonskelettbaus aus dem Jahr 1973. Die Generalsanierung umfasste folgende Bereiche: * Struktur: Sanierung des Stahlbetonskeletts, Neugestaltung der Innenräume. * Hülle: Sanierung der Flachdächer und Fassade. * Technik: Modernisierung der Haustechnik (Heizung, Lüftung, Sanitär), Installation moderner digitaler Infrastruktur. * Brandschutz: Komplette Nachrüstung zur Behebung von Mängeln. * Barrierefreiheit: Anpassung an moderne Inklusionsstandards.

Das Projekt diente als Musterbeispiel für die Herausforderungen des modernen Schulbaus: Die Notwendigkeit, historische Bausubstanz mit heutigen Sicherheits- und Komfortstandards (EnEV, Barrierefreiheit, Digitalisierung) zu vereinbaren, während der laufende Schulbetrieb aufrechterhalten werden muss.

Fazit

Die Generalsanierung der Otto-Hahn-Schulen in Bergisch Gladbach war ein Mammutprojekt, das die Grenzen klassischer Bauplanung aufzeigte. Die Notwendigkeit der Sanierung war aufgrund von Brandschutz, Bausubstanz und Platzmangel unumgänglich. Die Entscheidung für eine Generalplanung und die Durchführung bei laufendem Betrieb stellte alle Beteiligten vor immense logistische und technische Herausforderungen.

Trotz erheblicher Verzögerungen von mehreren Jahren und den damit verbundenen Auswirkungen auf andere kommunale Bauvorhaben konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Die Übergabe des hochmodernen Schulzentrums unterstreicht, dass eine solide Planung und die Fähigkeit zur Krisenbewältigung im modernen Baugewerbe essenziell sind. Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Immobilienwirtschaft bleibt die Erkenntnis: Bei Komplexsanierungen ist das Risiko von Terminüberschreitungen hoch, eine detaillierte Ressourcenplanung (wie die der Container) ist jedoch Schlüssel zum Erfolg.

Quellen

  1. Erneute Grundsteinlegung für Otto-Hahn-Schulen
  2. Otto-Hahn-Schule Bergisch Gladbach
  3. Übergabe Feier der sanierten Otto-Hahn-Schulen
  4. Otto-Hahn-Schulen in Bergisch Gladbach: Trotz vier Jahren Bauzeit Einzug in neue Klassen verzögert sich
  5. Sanierung der Otto-Hahn-Schulen vor der Vollendung
  6. Die maroden Schulgebäude sind Bergisch Gladbachs größte Baustelle

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