Sanierung des Parkhauses am Hauptbahnhof West in Ingolstadt: Eine Analyse der Baumaßnahmen und technischen Modernisierungen

Einleitung

Das Parkhaus am Hauptbahnhof West in Ingolstadt ist eine zentrale Parkanlage, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000 eine wichtige Funktion für Berufspendler und Urlauber erfüllt. Aufgrund der intensiven Nutzung und der daraus resultierenden Belastungen war eine umfassende Sanierung notwendig, um die Bausubstanz zu erhalten und die Sicherheit zu gewährleisten. Zwischen März 2018 und Oktober 2019 führte die Ingolstädter Parkraumgesellschaft (IFG) die Arbeiten in zwei Bauabschnitten durch. Diese Maßnahmen umfassten nicht nur die statische Sanierung der Betonkonstruktion, sondern auch die vollständige Modernisierung der Parktechnik und Sicherheitssysteme. Der folgende Artikel beleuchtet die durchgeführten Bauleistungen, die technischen Verbesserungen und die Auswirkungen auf die Nutzer, basierend auf den vorliegenden Informationen der Parkraumgesellschaft.

Hintergrund und Notwendigkeit der Sanierung

Das Parkhaus West wurde im Jahr 2000 eröffnet und etablierte sich schnell als eine der wichtigsten Parkmöglichkeiten an der Verkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof. Die starke frequentierung führte im Laufe der Zeit zu erheblichen Beanspruchungen der Bausubstanz. Laut den Informationen der IFG hat sich eine Anzahl von Gebäudeschäden gebildet, die eine Sanierung zur Gewährleistung der Standsicherheit zwingend erforderlich machten.

Ein wesentlicher Faktor für die Schäden war die jahrelange Einwirkung von Umwelteinflüssen, insbesondere im Winter. Durch das Anfahren der Parkdecks mit Schnee und Eis wird Streusalz in das Gebäudeinnere eingetragen. Dieses Salz dringt in den Beton ein und führt zu einer Korrosion der Bewehrungsstähle. Wenn die Korrosionsschäden einen kritischen Grad erreichen, kann die Tragfähigkeit der Betondecken beeinträchtigt werden. Um die Verkehrssicherheit des Parkhauses langfristig zu gewährleisten, war ein Eingriff in die Bausubstanz unumgänglich.

Durchführung der Sanierung in zwei Bauabschnitten

Um die Parkplatznutzung während der Sanierungsarbeiten so weit wie möglich aufrechtzuerhalten, entschied sich die IFG für eine Aufteilung in zwei Bauabschnitte.

Erster Bauabschnitt (März bis Oktober 2018)

Im ersten Schritt wurden die oberen Ebenen 5 bis 8 saniert. Diese Ebenen wurden komplett gesperrt, um die Arbeiten sicher durchführen zu können. Während dieser Zeit standen die unteren Ebenen weiterhin zur Verfügung, was die Parkplatzsuche für die Nutzer erleichterte.

Zweiter Bauabschnitt (März bis Oktober 2019)

Der zweite Bauabschnitt umfasste die verbleibenden Ebenen 0 bis 4. Hier mussten die Nutzer auf alternative Parkmöglichkeiten ausweichen. Die Arbeiten in diesem Abschnitt waren besonders aufwendig, da hier die Hauptverkehrsflächen und die Zufahrten liegen.

Am 30. Oktober 2019 konnte das Parkhaus schließlich wieder vollständig eröffnet werden. Die Gesamtdauer der Sanierung belief sich damit auf ca. 19 Monate.

Maßnahmen an der Bausubstanz

Die Kernarbeiten konzentrierten sich auf die Wiederherstellung der Standsicherheit und die Beseitigung von Schäden, die durch Korrosion und Witterungseinflüsse entstanden waren.

Entfernung von geschädigtem Beton

Die oberste Betonschicht der Stahlbetonkonstruktion war stark mit Chloriden belastet. Chloride sind der Hauptauslöser für die Korrosion von Stahlbeton. Um die geschädigte Schicht zu entfernen, wurden verschiedene Verfahren angewendet: * Abfräsen: Die kontaminierte Schicht wurde mechanisch abgefräst. * Hochdruckwasserstrahlen: Anschließend wurde mit Hochdruckwasserstrahlen restliches Material bis zur Bewehrung abgetragen. Dieses Verfahren ist besonders schonend für die verbleibende Bausubstanz und bereitet den Untergrund für die nachfolgenden Schichten vor.

Nach der Entfernung der geschädigten Schichten erfolgte eine neue Aufbetonierung. Dabei handelt es sich um eine Rüttelverdichtung von Frischbeton, um eine homogene und tragfähige Schicht herzustellen.

Austausch der Betondecke in Ebene 3

Ein besonders schwerwiegender Schaden lag in der Ebene 3 vor. Hier musste die Betondecke aufgrund enormer Korrosionsschäden vollständig ausgetauscht werden. Ein solcher Totalaustausch ist eine komplexe Bauleistung, da er die Sicherung der angrenzenden Bereiche und die exakte Ausführung der neuen Decke erfordert, um die statischen Anforderungen wiederherzustellen.

Instandsetzung der Betonsockel

Nicht nur die Decken, sondern auch die tragenden Säulen und Sockel wiesen Schwachstellen auf. Im Zuge der Generalüberholung wurden diese Schäden in den Ebenen 1 bis 8 beseitigt.

Einbau neuer Rinnen und Abdichtungen

Wassereintrag und die Ableitung von Schmelzwasser sind entscheidend für die Langlebigkeit einer Tiefgarage oder eines Parkhauses. * Neue Rinnen: In den Ebenen 1 bis 8 wurden neue Rinnen eingebaut. Diese sorgen für eine effiziente Ableitung des Wassers und verhindern stehende Pfützen, die erneut zu Schäden führen könnten. * Neue Beschichtung: Auf den Verkehrsflächen wurde ein neues Epoxidharzsystem aufgebracht. Epoxidharz-Beschichtungen zeichnen sich durch eine hohe Beständigkeit gegen Chemikalien (wie Salze) und mechanische Belastung aus. Zudem sorgen sie für eine helle und saubere Oberfläche, was die Helligkeit im Parkhaus erhöht und den Nutzern mehr Sicherheit gibt.

Modernisierung der Parktechnik und Sicherheitssysteme

Neben den strukturellen Arbeiten wurden die technischen Anlagen des Parkhauses vollständig erneuert, um den aktuellen Standards zu entsprechen und den Betrieb zu optimieren.

Ticketloses Parksysten und Barrierefreiheit

Eine der größten Änderungen für die Nutzer war die Umstellung auf ein ticketloses Parksysten. Ab September 2019 (kurz vor der finalen Eröffnung) entfielen die herkömmlichen Parkscheine. * Kennzeichenerfassung: Das System erfasst das Kennzeichen des Fahrzeugs bei der Einfahrt. Die Bezahlung kann vor dem Verlassen des Hauses an Automaten oder direkt an den Schranken erfolgen. * Zahlungsmethoden: Das neue System ermöglicht eine Vielzahl von Zahlungsoptionen: Münzen, Scheine, Girocard (ec-Karte) sowie die digitalen Wallets Google Pay und Apple Pay. Zudem wurde die Funktion "parkIN connected" integriert, die eine digitale Abrechnung über eine App ermöglicht.

Diese Modernisierung dient der Beschleunigung des Verkehrsflusses und erhöht den Komfort für die Nutzer, da Wartezeiten an Parkscheinautomaten entfallen.

Schrankenanlagen und Kassenautomaten

Die komplette Schrankenanlage wurde erneuert. Moderne Schranken arbeiten schneller und zuverlässiger, was insbesondere bei stark frequentierten Zeiten (Berufsverkehr) wichtig ist. Auch die Kassenautomaten wurden ausgetauscht, um die neuen Bezahlverfahren und die ticketlose Abrechnung zu unterstützen.

Überwachung und Sicherheitstechnik

Die Sicherheit der Nutzer und der Fahrzeuge hat oberste Priorität. * Moderne Kameras: Es wurden modernere Kameras installiert. Diese bieten eine bessere Bildqualität und ermöglichen eine effektivere Überwachung der Parkbereiche, Ein- und Ausfahrten sowie der Gehwege. Dies dient sowohl der Verhinderung von Diebstählen als auch der Klärung von Unfällen. * Brandmeldeanlage: Ein besonders wichtiger Punkt war die Umrüstung der gesamten Haus- und Sicherheitstechnik. Hierbei wurde explizit die Brandmeldeanlage genannt. Eine funktionierende Brandmeldeanlage ist in Tiefgaragen und Parkhäusern aufgrund der hohen Brandlast durch Kraftfahrzeuge und der begrenzten Fluchtwege essenziell. Die Modernisierung garantiert eine schnellere Erkennung von Brandherden und eine automatische Alarmierung.

Fazit

Die Sanierung des Parkhauses am Hauptbahnhof West in Ingolstadt stellt ein Musterbeispiel für eine umfassende Gebäuderenovierung unter laufendem Betrieb dar. Durch die geteilte Planung in zwei Bauabschnitte konnte die Parkplatzkapazität weitgehend erhalten bleiben. Die technischen Maßnahmen zielten auf die Beseitigung von Korrosionsschäden (insbesondere durch Streusalzbelastung) und die Wiederherstellung der Standsicherheit. Besonders hervorzuheben ist der Austausch der Betondecke in Ebene 3 sowie die umfassende Sanierung der Betonflächen durch Abfräsen und Aufbetonieren.

Gleichzeitig wurde die Anlage technologisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Einführung des ticketlosen Parkens mit Kennzeichenerfassung und die Erweiterung der Zahlungsoptionen verbessern die Nutzererfahrung signifikant. Die Investitionen in die Sicherheitstechnik, insbesondere die neue Brandmeldeanlage und moderne Kameras, erhöhen den Schutz von Personen und Eigentum. Die Wiedereröffnung am 30. Oktober 2019 stellte sicher, dass die Verkehrsverbindung Ingolstadt-Hauptbahnhof ihre Funktion als zentraler Mobilitätsknotenpunkt mit ausreichend Parkkapazität behält.

Quellen

  1. Parkhaus Hauptbahnhof West - Ingolstadt IFG
  2. Endlich ist es so weit - Regionalreporter
  3. Parkhaus am Hauptbahnhof wird nach Sanierung wieder geöffnet - Ingolstadt IFG

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