Partliner-Kurzliner-Sanierung: Effiziente, punktuelle Reparatur für Abwasserleitungen

Einleitung

Im Bereich der Kanalsanierung gewinnen grabenlose Verfahren zunehmend an Bedeutung, da sie kostspielige und aufwändige Ausgrabungen vermeiden. Eine besonders effiziente Methode zur Beseitigung lokaler Schäden ist die Sanierung mit Partlinern, auch bekannt als Kurzliner-Verfahren. Diese Technologie ermöglicht die gezielte Instandsetzung von defekten Rohrabschnitten, ohne das gesamte Leitungsnetz erneuern zu müssen. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus Fachquellen beleuchtet dieser Artikel die Technologie, ihre Anwendungsbereiche, die spezifischen Produkteigenschaften und die Vorteile dieses Sanierungsverfahrens.

Was ist ein Partliner (Kurzliner)?

Ein Partliner, oft synonym als Kurzliner bezeichnet, ist ein spezielles Sanierungselement, das für die partielle Reparatur von Rohrleitungen entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine gefaltete GFK-Matte (Glasfaser-Matte), die mit einem speziellen Harz getränkt wird. Dieses System wird exakt auf den Innendurchmesser des zu sanierenden Kanalabschnitts zugeschnitten.

Der Einbau erfolgt mittels eines Packers, der den vorimprägnierten Schlauch an die beschädigte Stelle transportiert. Anschließend wird der Packer mit Druckluft aufgeblasen, wodurch das Laminat fest an die Rohrwandung gepresst wird. Dieser Prozess ermöglicht es, dass sich der mit Harz getränkte Kurzliner dauerhaft mit der Rohrwandung verklebt und aushärtet. Nach dem Aushärten bildet der Partliner eine feste, dichte und stabile Verbindung mit dem bestehenden Rohr, wodurch die ursprüngliche Funktion des Kanals vollständig wiederhergestellt wird.

Anwendungsbereiche und Schadensbilder

Die Kurzliner-Sanierung ist speziell für den Einsatz bei partiellen Schäden konzipiert. Diese Methoden sind besonders vorteilhaft, da sie eine minimalinvasive Vorgehensweise darstellen und somit die Notwendigkeit für umfangreiche Ausgrabungen reduzieren.

Typische Schadensbilder, die mit dem Partliner-Verfahren behoben werden können, sind: * Risse im Rohr * Undichte Muffen * Größere Löcher * Komplexe Ausbrüche * Fehlbohrungen * Spannungsrisse * Spülschäden * Fehlende Wandungsteile

Das Verfahren ermöglicht es, auch größere Schäden mit Harz auszufüllen und die Leitung wieder in Stand zu setzen. Es wird für die grabenlose Reparatur von Kanalrohren im Bereich von DN 70 bis DN 800 eingesetzt.

Das PARTLINER™-System und seine Zulassungen

Das Verfahren zeichnet sich durch hohe Qualitätsstandards aus. Das Original PARTLINER™-System, in Verbindung mit dem Härter RE60 und einer 1415g/m² Glasfasermatte, verfügt über die DIBt-Zulassung (Z-42.3-538) für die partielle Sanierung schadhafter, erdverlegter Abwasserleitungen. Diese Zulassung gilt auch für die Reparatur von Schlauchlinern bei den genannten Schadensbildern.

Das System bietet zudem ein hohes Maß an Arbeitssicherheit und dokumentiert den Einbau automatisch. Eine besondere Innovation ist das „PARTLINER™-System“, das aus drei Bausteinen besteht: einer App (PARTLINER™ Control), einem Sanierungsanhänger und dem spezifischen Harz. Die App steuert den Mischvorgang und berechnet automatisch die richtige Menge Harz und Härter. Der Sanierungsanhänger ermöglicht witterungsunabhängiges Arbeiten auf der Baustelle, ausgestattet mit einem leistungsstarken Akkupack und Solarzellen für autarkes Arbeiten.

Materialien und technische Spezifikationen

Die Materialien des PARTLINER™-Systems sind auf Langlebigkeit und chemische Resistenz ausgelegt. Das Harz zeichnet sich durch herausragende Klebfähigkeit und extrem hohe chemische Resistenz aus. Zudem ist der PARTLINER™ hochdruckspülfest und temperaturstabil bis 140 Grad Celsius.

Technische Daten des PARTLINER™ Harzes

Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Spezifikationen des PARTLINER™ Harzes zusammen, basierend auf den Herstellerangaben:

Merkmal Spezifikation
Farbe Linerfarben / transparent (nach Aushärtung)
Dichte ca. 1,05 kg/Liter
Verbrauch ca. 2 kg/m² bei Verwendung der 1415g/m²-GFK-Matte
Topfzeit (bei 20°C) ca. 25 min (mit Härter RE38)
ca. 35 min (mit Härter RE60)
Ausformzeit (bei 10°C) ca. 2,5 h (mit Härter RE38)
ca. 4-5 h (mit Härter RE60)
Verpackungseinheit (VPE) 10 kg Kanister PARTLINER™ Harz
5 kg Kanister Härter RE38
5 kg Kanister Härter RE60

Zusätzlich zum Harzsystem wird ein ECR-Glasfaserlaminat verwendet, das sich durch besondere Korrosionsfestigkeit auszeichnet. Der PARTLINER™ härtet zu einem 3 bis 4 mm starken, statisch und chemisch hoch belastbaren Kurzrohr aus.

Durchführung der Sanierung

Eine erfolgreiche Sanierung erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und Ausführung. Der typische Ablauf gestaltet sich wie folgt:

  1. Inspektion und Lokalisierung: Vor der Sanierung erfolgt eine Kanal TV-Inspektion des betroffenen Abschnitts. Eine Kanalkamera liefert detaillierte Aufnahmen der Rohrinnenwände, um den genauen Schadensort und -umfang zu identifizieren.
  2. Reinigung: Das Rohr wird gründlich gereinigt, um eine optimale Haftung des Sanierungsmaterials zu gewährleisten. Verunreinigungen wie Wurzeleinwüchse werden entfernt.
  3. Präparation und Einbau: Der Partliner wird passgenau zugeschnitten und mit Harz getränkt. Mittels Packers wird er zur Schadstelle transportiert und mit Druckluft an die Rohrwandung gepresst.
  4. Aushärtung: Der Liner härtet aus und bildet eine dauerhafte Verbindung mit dem Altrohr.

Eignung für verschiedene Rohrmaterialien

Das Partliner-Verfahren ist für die meisten gängigen Rohrmaterialien geeignet. Eine Ausnahme bilden HDPE-Rohre (Polyethyl hoher Dichte). Für diese Rohrart gibt es derzeit kein Kunstharz, das sich dauerhaft mit HDPE verbinden lässt. Bei HDPE-Rohren wird deshalb meist eine Inliner-Sanierung bevorzugt.

Vorteile der Partliner-Sanierung

Die Sanierung mit Partlinern bietet gegenüber einer vollständigen Rohrsanierung oder Komplettsanierung mittels eines Inliners mehrere entscheidende Vorteile:

  • Kosteneffizienz: Durch die punktuelle Reparatur reduzieren sich Arbeits-, Material- und Reparaturkosten erheblich.
  • Zeitersparnis: Da nur die beschädigten Abschnitte behandelt werden müssen, ist die Sanierung deutlich schneller als eine Komplettsanierung. Dies minimiert Betriebsunterbrechungen.
  • Minimaler Eingriff: Die Methode ist minimalinvasiv und reduziert die Notwendigkeit für große Ausgrabungen, was die Umweltbelastung minimiert.
  • Flexibilität: Der Partliner ist anpassungsfähig an komplexe Rohrabschnitte wie Biegungen und Verzweigungen.
  • Langlebigkeit: Eine korrekt durchgeführte Partliner-Sanierung kann die Lebensdauer des betroffenen Rohrabschnitts um viele Jahre verlängern, oft vergleichbar mit einer vollständigen Rohrsanierung.
  • Statische und chemische Belastbarkeit: Der ausgehärtete Liner ist 3 bis 4 mm stark und hoch belastbar.

Einfluss auf den Innendurchmesser

Ein oft gestelltes Problem bei Sanierungen ist die Reduzierung des Rohrquerschnitts. Bei der Partliner-Sanierung ist dieser Effekt minimal. Der Einsatz eines Partliners reduziert den Innendurchmesser des Kanals nur um etwa 3-5 %. Diese geringfügige Veränderung ist in der Regel unkritisch und beeinträchtigt die Funktionalität des Kanals nicht.

Fazit

Die Partliner- oder Kurzliner-Sanierung stellt ein hoch effizientes Verfahren zur punktuellen Reparatur von Schäden in Abwasserleitungen dar. Sie bietet eine technologisch ausgereifte Alternative zur aufwändigen Komplettsanierung, insbesondere bei lokalen Defekten wie Rissen, undichten Muffen oder Löchern. Durch die Verwendung spezialisierter Materialien wie GFK-Matten und chemisch resistenten Harzen sowie die Unterstützung durch moderne Systeme wie das PARTLINER™-System mit automatisierter Dokumentation und Mischung, wird eine hohe Qualität und Langlebigkeit der Reparatur gewährleistet. Für Eigentümer und Fachbetriebe bedeutet dies eine Kosten- und Zeitsparnis bei minimaler Umweltbelastung und maximaler Funktionsfähigkeit der sanierten Leitungen.

Quellen

  1. GKS Swiss - Partliner / Kurzliner
  2. Resin Innovation - Partliner Harz
  3. Rohrdoc - Kurzliner Sanierung
  4. Resin Innovation - Partliner System
  5. Abwasser-Service Völkner - Kanalsanierung

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