Die Modernisierung und der Erweiterungsbau von Schulgebäuden stellen komplexe Projekte dar, die nicht nur die architektonische Substanz betreffen, sondern auch die pädagogische Infrastruktur, die technische Ausstattung und die Finanzierung maßgeblich beeinflussen. Ein prominentes Beispiel für eine solche Transformation ist die Paul-Gerhardt-Schule in Rheine. Dieser Artikel beleuchtet detailliert den Um- und Erweiterungsbau dieser Grundschule, der im September 2023 eingeweiht wurde. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus offiziellen Pressemitteilungen, städtischen Dokumentationen und Schulveröffentlichungen wird ein umfassendes Bild über die Planung, die durchgeführten Baumaßnahmen, die eingesetzten Materialien sowie die Finanzierung durch Förderprogramme gezeichnet.
Projektüberblick und Zeitplan
Das Bauvorhaben an der Paul-Gerhardt-Schule in Rheine war ein umfangreiches Projekt, das sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren erstreckte. Der offizielle Baubeginn war im Februar 2021, und die feierliche Einweihung des fertiggestellten Komplexes fand am Dienstag, den 26. September 2023, statt. Ziel der Maßnahme war es, die Schule an die Anforderungen moderner Pädagogik anzupassen und den bestehenden Gebäudebestand zu sanieren.
Während der Bauarbeiten war der Schulbetrieb in ein Ausweichquartier verlegt worden. Die Paul-Gerhardt-Schule zog für die Dauer der Arbeiten in das Gebäude der ehemaligen Overbergschule um, um den Unterricht ungehindert fortsetzen zu können.
Architektonische Konzepte und Erweiterungen
Das architektonische Konzept sah eine Erweiterung des bestehenden, einbündigen Gebäudebestands vor. Die Erweiterung wurde effizient an den zum Schulhof gelegenen Fluren angedockt, was eine optimale Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ermöglichte. Die Baumaßnahmen umfassten mehrere Bereiche:
Die Erweiterungsbauten
Ein wesentlicher Bestandteil war der Anbau an der rechten Giebelseite der Schule. Hier entstanden im Obergeschoss neue Klassenzimmer, während im Erdgeschoss eine neue Aula eröffnet wurde, die den Eingangsbereich der Schule maßgeblich aufwertete.
Das Selbstlernzentrum
In prominenter Lage, direkt im Eingangsbereich, wurde ein neues Selbstlernzentrum geschaffen. Dieses Bereich zeichnet sich durch eine großzügige Verglasung aus, die nicht nur für eine helle Atmosphäre sorgt, sondern auch einen visuellen Bezug zum Schulhof herstellt und die Transparenz im Gebäude fördert.
Die Sporthalle
Parallel zum Schulgebäude wurde eine neue Einfeldsporthalle geplant und realisiert. Diese Halle ist konzeptionell so angelegt, dass sie nicht nur der Paul-Gerhardt-Schule, sondern auch anderen Schulen wie der Elsa-Brandström-Realschule zur Verfügung steht. Darüber hinaus soll der Vereins- und Breitensport die Halle außerhalb der Schulzeiten nutzen können, was die Integration der Schule in das lokale Gemeinschaftsleben stärkt.
Außenanlagen
Neben den Gebäudestrukturen wurde auch der Schulhof vollständig neu gestaltet. Ein besonderes Merkmal ist die Einrichtung eines "grünen Klassenzimmers", das den Unterricht im Freien ermöglicht und die Verbindung von Lernen und Natur fördert.
Technische und materielle Ausstattung
Die Modernisierung der Paul-Gerhardt-Schule umfasste auch eine grundlegende Überarbeitung der technischen Infrastruktur und der verwendeten Baumaterialien. Die Details sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:
| Bereich | Maßnahme / Spezifikation |
|---|---|
| Außenwände | Verblender |
| Dachkonstruktion | Flachdach und Satteldach |
| Deckenbereich | Gipslochdecken und Rasterdecken |
| Fußböden | Linoleum und Fliesen |
| Gebäudetechnik | Kombination aus Geothermie, Photovoltaik und einer Gasheizung |
| Gesamtfläche Schule | ca. 2.600 m² |
| Gesamtfläche Sporthalle | (Daten nicht vollständig in der Quelle) |
Die Gebäudeumhüllung wurde mit Verblendern realisiert, was auf eine moderne und zugleich langlebige Fassadengestaltung hindeutet. Im Innenbereich kamen standardisierte, bewährte Systeme wie Gipslochdecken und Rasterdecken zum Einsatz, die eine einfache Installation der Haustechnik ermöglichen. Die Wahl von Linoleum und Fliesen für die Fußböden bietet eine Kombination aus langlebigen, ökologischen und pflegeleichten Oberflächen.
Besonders hervorzuheben ist das Energiekonzept. Durch die Nutzung von Geothermie und Photovoltaik wird ein signifanter Beitrag zur Nachhaltigkeit und Senkung der Betriebskosten geleistet. Die Integration einer Gasheizung dient vermutlich als Spitzenlastdeckung oder Backup-System, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Pädagogische Infrastruktur und Betreuung
Die baulichen Veränderungen hatten direkten Einfluss auf die pädagogische Arbeit und die Betreuungsangebote der Schule.
Die Offene Ganztagschule (OGS) und Zusätzliche Betreuung (ZB)
Die Paul-Gerhardt-Schule beherbergt eine Offene Ganztagschule (OGS) sowie ein Angebot zur Zusätzlichen Betreuung (ZB). Aktuell besuchen 130 Kinder diese Einrichtung, die von acht pädagogischen Fachkräften und einem Freiwilligendienstler betreut wird. Für die Hausaufgabenbetreuung stehen zusätzlich drei Hausaufgabenkräfte zur Verfügung.
Die Betreuungszeiten während der regulären Schulzeit sind: * OGS: 11:30 Uhr bis 16:30 Uhr (freitags bis 16:00 Uhr) * ZB: 11:30 Uhr bis 14:00 Uhr
Die Räumlichkeiten für diese Angebote wurden im Zeitraum von 2021 bis 2023 frisch renoviert bzw. neu gebaut und bieten den Kindern vielseitig eingerichtete Räume für Freizeit, Spiel und Lernen.
Betreuungsangebote
Das pädagogische Angebot ist strukturiert: * ZB: Dienstags AG Lesespaß, donnerstags Bewegungsgangebot. * OGS: Nach dem Mittagessen findet ein jahrgangsbezogener Sitzkreis statt, gefolgt von der Hausaufgabenbetreuung (ebenfalls jahrgangsweise). Gegen 15:00 Uhr folgt eine Gruppenrunde im Gruppenraum, danach können die Kinder verschiedene weitere Angebote wahrnehmen.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung des Gesamtprojekts war ein komplexes Geflecht aus städtischen Mitteln und staatlichen Förderprogrammen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund sechs Millionen Euro.
Förderprogramme der NRW.BANK
Ein wesentlicher Teil der Finanzierung wurde durch die NRW.BANK sichergestellt. Insgesamt wurden Fördermittel in Höhe von 2,6 Millionen Euro aus zwei spezifischen Programmen in Anspruch genommen:
- Programm „NRW.BANK.Gute Schule 2020“: Hieraus wurden 600.000 Euro bezogen.
- Programm „NRW.BANK.Moderne Schule“: Hieraus wurden 2.000.000 Euro (zwei Millionen Euro) bezogen.
Diese Förderung war für die Stadt Rheine kostenfrei, da das Land Nordrhein-Westfalen alle Tilgungsleistungen und anfallenden Zinsen übernimmt.
Das Qualitätssiegel
Als Anerkennung für die erfolgreiche Modernisierung und die Inanspruchnahme der Fördermittel erhielt die Paul-Gerhardt-Schule die offizielle Plakette „Gute Schule“. Dieses Qualitätssiegel unterstreicht den Standard der entstandenen Infrastruktur.
Hintergrund der Förderprogramme
Das Programm „NRW.BANK.Gute Schule 2020“ wurde am 1. Januar 2017 aufgelegt und stand den Kommunen vier Jahre lang zur Verfügung. Es sah eine Gesamtsumme von zwei Milliarden Euro vor (je 500 Millionen Euro vom Land und der NRW.BANK), die für Sanierungen, Modernisierungen und Digitalisierungsprojekte eingesetzt werden konnten. Nach Auslaufen dieses Programms ermöglicht die NRW.BANK weiterhin zinsgünstige Finanzierungen über das Programm „NRW.BANK.Moderne Schule“.
Organisation und Verwaltung
Für die operative Führung der Schule und die Abwicklung der Kommunikation wurde eine klare Struktur etabliert. Die Schule ist unter der Adresse Wieteschstraße 24, 48431 Rheine, erreichbar.
Ansprechpartner und Sprechzeiten
Die Erreichbarkeit der Schulleitung und des Verwaltungspersonals ist wie folgt geregelt: * Sekretariat (Frau Müller): Aktuell gesichert nur dienstags von 8:00 Uhr bis 12:30 Uhr. * Rektorin (Frau Meyer): Täglich in der Schule zu erreichen. * Konrektorin (Frau Wehmschulte): Sprechzeiten nach individueller Absprache über das Sekretariat. * Hausmeister (Herr Nitschke): Täglich von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr. * Koordinatorin der Betreuungsangebote (Frau Schulte-Klümper): Täglich von 10:00 bis 11:30 Uhr persönlich oder telefonisch.
Für Krankmeldungen oder andere Nachrichten sind Anrufbeantworter installiert, die genutzt werden können; das Personal meldet sich im Bedarfsfall zurück.
Bewertung der Baumaßnahme aus Expertensicht
Die Umsetzung der Baumaßnahme an der Paul-Gerhardt-Schule folgt modernen bauphysikalischen und pädagogischen Standards. Die Kombination aus Sanierung des Bestands und gezielter Erweiterung ist ein wirtschaftlich sinnvoller Ansatz. Durch das Andocken der Erweiterung an bestehende Flure wird die Wegeökonomie im Gebäude optimiert, was den Betriebsablauf effizienter macht.
Die gewählte Gebäudehülle (Verblender) und die Dachformen (Flach- und Satteldach) deuten auf eine Standardisierung hin, die Wartungskosten langfristig reduzieren sollte. Die technische Ausstattung mit Geothermie und Photovoltaik entspricht dem aktuellen Stand der Technik für energieeffiziente Gebäude und spiegelt den Willen der Stadt Rheine wider, in nachhaltige Infrastrukturen zu investieren.
Die Finanzierung durch die NRW.BANK zeigt, wie wichtig die Kooperation zwischen Kommunen und Landesförderbanken ist, um solche Investitionen ohne direkte Belastung der Haushalte umsetzen zu können. Die Verleihung des "Guten Schule"-Siegels bestätigt, dass die Investitionen den definierten Qualitätskriterien entsprechen.
Fazit
Die Modernisierung und Erweiterung der Paul-Gerhardt-Schule in Rheine stellt ein Musterbeispiel für gelungene öffentliche Bauvorhaben dar. Durch die Kombination aus Sanierung des Bestands, dem Bau moderner Erweiterungsbauten für Klassenzimmer und Aula sowie der Errichtung einer neuen Sporthalle wurde ein zeitgemäßer und funktionaler Schulkomplex geschaffen.
Die Investition von rund sechs Millionen Euro, finanziert durch städtische Mittel und hohe Förderungen der NRW.BANK, hat zu einer signifikanten Aufwertung der pädagogischen Infrastruktur geführt. Die Integration moderner Heiztechniken (Geothermie/Photovoltaik) und die schaffung eines "grünen Klassenzimmers" unterstreichen den Anspruch auf Nachhaltigkeit. Für Bauinteressenten und Immobilienverwalter zeigt das Projekt zudem die Bedeutung von Förderprogrammen und die Effizienz von Erweiterungsbauten im Vergleich zu Neubauten auf den ersten Standorten. Die Schule ist nun nicht nur ein Ort des Lernens, sondern ein moderner, energieeffizienter und kommunikativ offener Treffpunkt für Kinder, Eltern und den Vereinssport.