Die wirtschaftliche Schieflage eines Unternehmens stellt eine erhebliche Herausforderung für die Geschäftsführung, die Belegschaft und die gesamte Wertschöpfungskette dar. Insbesondere in technisch anspruchsvollen und kapitalintensiven Branchen wie der Schmiedeindustrie sind strukturierte Sanierungsprozesse oft der einzige Weg zur Rettung eines Betriebs. Ein prominentes Beispiel für einen erfolgreichen Sanierungsweg unter Insolvenzschutz ist die KB Schmiedetechnik GmbH. Dieser Artikel beleuchtet den Prozess der Restrukturierung im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens, basierend auf den vorliegenden Informationen zum Verfahrensverlauf.
Die Ausgangssituation: Wirtschaftliche Schieflage und Ursachenanalyse
Die KB Schmiedetechnik, ein traditionsreiches Unternehmen der Gesenkschmiede, sah sich Ende 2018 einer existenziellen Krise gegenüber. Die Ursachen für die angespannte Liquiditätslage waren vielschichtig und für viele Industrieunternehmen typisch. Laut den vorliegenden Informationen wurde die wirtschaftliche Schieflage maßgeblich durch zwei Faktoren ausgelöst: die Verschiebung eines Großauftrags und einen Auftragsrückgang im Energiebereich.
Der Verlust oder die zeitliche Verschiebung eines Großauftrags wirkt sich bei Spezialherstellern oft verheerend aus, da im Vorfeld bereits hohe Anlaufkosten für Materialbeschaffung, Planung und eventuelle Vorproduktion angefallen waren. Diese Kosten können nicht kurzfristig kompensiert werden. Hinzu kam der konjunkturelle Rückgang im Energiebereich, einem wichtigen Marktsegment für Schmiedeprodukte. Die Kombination aus bereits getätigten Fixkosten für einen ausfallenden Auftrag und sinkenden Umsätzen in einem Kerngeschäft führte unweigerlich zu einer Liquiditätskrise, die eine klassische Insolvenz unmöglich machte und den Weg für eine Restrukturierung eröffnete.
Die Entscheidung für die Eigenverwaltung
Angesichts der Situation entschied sich die Geschäftsführung unter Angelika Schulte und Thomas Henneke für einen Sanierungsweg, der die Kontinuität des Unternehmens in den Vordergrund stellt: die Eigenverwaltung. Diese Form der Insolvenzbearbeitung wurde im Jahr 2012 gesetzlich verankert und zielt darauf ab, das Fortführungsziel eines Unternehmens zu sichern, während gleichzeitig die Insolvenzordnung eingehalten wird.
Im Gegensatz zur regulären Insolvenzverwaltung, bei der ein Insolvenzverwalter die Kontrolle übernimmt, bleibt in der Eigenverwaltung die unternehmerische Verantwortung bei der bisherigen Geschäftsführung. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da das spezifische Know-how der Führungsebene und deren persönliche Kundenbeziehungen für die Sanierung essenziell sind. Das Amtsgericht Hagen stimmte dem Antrag des Unternehmens im Dezember 2018 zu und ordnete die Eigenverwaltung an. Kurz darauf, am 1. April 2019, wurde das formelle Insolvenzverfahren eröffnet, was den rechtlichen Rahmen für die Sanierung schuf.
Struktur und Ablauf des Sanierungsverfahrens
Ein Eigenverwaltungsverfahren ist ein komplexer rechtlicher und operativer Prozess, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Schuldner, Gläubigern und Gericht erfordert.
Die Rolle der Geschäftsführung und des Sanierungsexperten
Obwohl die Geschäftsführung die Verantwortung behält, ist sie nicht sich selbst überlassen. Um die Komplexität des Verfahrens zu bewältigen, wurde Sanierungsexperte Nils Averbeck (zunächst von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp, später Michels Restrukturierung GmbH) an die Seite gestellt. Seine Aufgabe war es, die Geschäftsführung operativ zu unterstützen und die Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich zu begleiten. Diese Konstellation aus interner Verantwortung und externer Expertise ermöglichte es, ein tragfähiges Sanierungskonzept zu entwickeln, das auf die spezifischen Bedürfnisse des Schmiedebetriebs zugeschnitten war.
Die Aufsicht durch den Sachwalter
Ein weiterer zentraler Baustein des Verfahrens ist die Bestellung eines Sachwalters durch das Gericht. In diesem Fall war Rechtsanwalt Dr. Markus Wischemeyer von der Kanzlei White & Case als Sachwalter bestellt. Der Sachwalter übernimmt eine Aufsichtsfunktion. Er prüft die wirtschaftliche Lage des Schuldners und überwacht die Geschäftsführung im Interesse der Gläubiger. Gleichzeitig begleitete er die Planerstellung. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung, dem Sanierungsexperten und dem Sachwalter war entscheidend für die Akzeptanz des Sanierungskonzepts bei den Gläubigern.
Das Sanierungskonzept: Operative und Personelle Maßnahmen
Das Kernstück jeder Sanierung ist das Sanierungskonzept. Es muss die Ursachen der Krise beseitigen und eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit sicherstellen. Für die KB Schmiedetechnik sah das Konzept vor allem Optimierungsmaßnahmen in der Produktion vor.
Produktivitätssteigerung in der Fertigung
Ein Schwerpunkt lag auf der Verkürzung der Rüstzeiten. In der Schmiedeindustrie, in der häufig auf verschiedene Aufträge umgerüstet werden muss, sind kurze Rüstzeiten ein entscheidender Faktor für die Effizienz und Kostenstruktur. Durch die Optimierung der Fertigungsprozesse und die intensive Prüfung der Kostenstruktur sollte die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gestärkt werden. Es ging darum, aus den bestehenden Ressourcen mehr Produktivität herauszuholen, ohne in erster Linie in neue Maschinen investieren zu müssen.
Anpassung der Personalkosten und Stellenabbau
Eine unpopuläre, aber oft notwendige Maßnahme zur Sanierung von Kostenstrukturen ist die Anpassung des Personaleinsatzes. Die vorliegenden Informationen belegen, dass die KB Schmiedetechnik die Personalkosten anpassen musste. Konkret wurde über einen moderaten Stellenabbau verhandelt. Die Geschäftsführung führte hierüber Gespräche mit dem Betriebsrat.
Die Auswirkungen dieser Personalanpassungen waren bereits im Verlauf des Verfahrens spürbar. Während das Unternehmen im Dezember 2018 noch 110 Mitarbeiter beschäftigte, wurde im August 2020 berichtet, dass weiterhin rund 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dies deutet darauf hin, dass der Stellenabbau im Vergleich zum Ausmaß der Krise moderat gehalten wurde und man bemüht war, einen Großteil der Belegschaft zu erhalten. Die Belegschaft wurde in einer Betriebsversammlung über die Entwicklungen informiert, was für die Transparenz und Akzeptanz des Prozesses wichtig war.
Der Ausgang der Sanierung: Erfolgreiche Beendigung
Der Erfolg einer Sanierung in Eigenverwaltung hängt maßgeblich von der Zustimmung der Gläubiger ab. Diese müssen einem Insolvenzplan zustimmen, der die Rückzahlungsquoten und die Zukunft des Unternehmens regelt.
Annahme des Insolvenzplanes
Ein entscheidender Meilenstein wurde im Juli 2020 erreicht: Die Gläubiger der KB Schmiedetechnik nahmen den Insolvenzplan einstimmig an. Diese Einstimmigkeit war ein starkes Signal für das Vertrauen in das Konzept und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Die Kunden spielten hierbei eine ebenso wichtige Rolle wie die Lieferanten. Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens hielten die Kunden nicht nur an ihren bestehenden Aufträgen fest, sondern platzierten auch neue. Dieses Vertrauen war ein wesentlicher Faktor für die Liquiditätssicherung während des Verfahrens.
Aufhebung des Verfahrens und Ausblick
Auf Basis der einstimmigen Annahme des Plans durch die Gläubigerversammlung hob das Amtsgericht Hagen am 31. Juli 2020 das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung auf. Dies markierte das formelle Ende der Insolvenz und den Start in eine sanierte Zukunft.
Nils Averbeck, der die Sanierung begleitete, betonte den Erfolg der Maßnahmen: Die KB Schmiedetechnik habe ihre Renditefähigkeit zurückgewonnen. Das Unternehmen blickte mit rund 100 Mitarbeitern und dem gewonnenen Vertrauen der Kunden optimistisch in die Zukunft. Die Geschäftsführung bedankte sich ausdrücklich bei Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden für die Treue während der Verfahrenszeit.
Fazit: Lehren aus der Sanierung der KB Schmiedetechnik
Die Sanierung der KB Schmiedetechnik GmbH ist ein lehrreiches Beispiel für die Rettung eines technisch orientierten Traditionsunternehmens. Der Prozess zeigt, dass eine wirtschaftliche Schieflage nicht das Ende bedeuten muss, wenn frühzeitig der richtige Weg gewählt wird.
Der Erfolg basierte auf mehreren Säulen: 1. Frühzeitige Entscheidung: Die Geschäftsführung erkannte die Krise und wählte proaktiv den Weg der Eigenverwaltung. 2. Spezifisches Sanierungskonzept: Maßnahmen zur Prozessoptimierung (Rüstzeitverkürzung) und eine moderate Personalanpassung stellten die Wirtschaftlichkeit wieder her. 3. Rechtliches Instrument der Eigenverwaltung: Dies ermöglichte es, die Kontinuität der Geschäftsführung und des Know-hows zu sichern, was für die Kundenbindung entscheidend war. 4. Unterstützung der Stakeholder: Das Vertrauen der Kunden, die Kooperation der Lieferanten und die konstruktive Arbeit mit Sachwalter und Gericht führten zur einstimmigen Annahme des Insolvenzplans.
Für andere Unternehmen in der Bau- und Fertigungsindustrie zeigt dieser Fall, dass strukturierte Restrukturierung unter Insolvenzschutz ein effektives Instrument zur Rettung von Arbeitsplätzen und zur Sicherung von Wertschöpfungsketten sein kann.
Quellen
- Buchalik Brömmekamp: Restrukturierung der KB Schmiedetechnik macht deutliche Fortschritte
- RWS Verlag: Buchalik Brömmekamp - Restrukturierung der KB Schmiedetechnik durch Eigenverwaltung
- Indat: Buchalik Brömmekamp - Restrukturierung der KB Schmiedetechnik durch Eigenverwaltung
- RWS Verlag: KB Schmiedetechnik beendet erfolgreich Insolvenz in Eigenverwaltung
- Michels Inso: KB Schmiedetechnik beendet erfolgreich Insolvenz in Eigenverwaltung