PFAS-Belastung in Düsseldorf: Herausforderungen und Sanierungsstrategien für Immobilien und Grundwasser

Die Verschmutzung von Boden und Grundwasser mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), oft auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, stellt eine der drängendsten Umweltaufgaben in Nordrhein-Westfalen dar. Insbesondere die Stadt Düsseldorf ist stark betroffen und steht vor enormen finanziellen und technischen Herausforderungen. Für Eigentümer von Immobilien, Bauunternehmen und Fachplaner ist das Verständnis dieser Belastungen, der rechtlichen Konsequenzen und der Sanierungsmethoden von entscheidender Bedeutung. Der Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen in der Vergangenheit hat zu langanhaltenden Kontaminationen geführt, die nun mit aufwendigen Maßnahmen bekämpft werden müssen.

Die Ursachen und die Verbreitung der Belastung

PFAS sind eine Gruppe synthetischer Chemikalien, die aufgrund ihrer water- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten und industriellen Prozessen eingesetzt werden. Ihre chemische Stabilität führt dazu, dass sie in der Umwelt kaum abgebaut werden können und sich über Jahrzehnte anreichern.

Historischer Einsatz von Löschschäumen

Ein wesentlicher Verursacher von PFAS-Kontaminationen in Düsseldorf ist der Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen durch die Feuerwehr. Ein prägnantes Beispiel ist der Brand in einer Lagerhalle in Düsseldorf-Gerresheim im Mai 2001. Die Feuerwehr setzte zum Löschen Standard-Löschschäume ein, die PFAS enthielten. Diese Chemikalien sickerten in den Boden und gelangten ins Grundwasser. Da der Verursacher des Brandes nie identifiziert werden konnte, blieb die Stadt Düsseldorf als Trägerin der Feuerwehr für die Folgen verantwortlich. Die Verschmutzung hat sich über eine Länge von etwa drei Kilometern im Grundwasser in Richtung Rhein ausgebreitet.

Gesundheitliche Risiken und Verbreitung

Die Eigenschaften der PFAS führen zu einer weiten Verbreitung in der Umwelt. Sie gelangen über das Grundwasser in die Nahrungskette. Laut den vorliegenden Informationen befinden sich PFAS mittlerweile in Eisbären, Pinguinen, Regen, Bäumen und auch im menschlichen Blut. Rund 10.000 verschiedene PFAS-Stoffe existieren, von denen einige von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krebserregend oder möglicherweise krebserregend eingestuft werden. Zudem bestehen Verdachtsmomente bezüglich einer Schädigung des Immunsystems, Leberproblemen und Fettleibigkeit. Bei den meisten Stoffen ist die gesundheitliche Bewertung jedoch noch nicht abgeschlossen.

Rechtliche Grundlagen und Verantwortlichkeiten

Die Sanierung von PFAS-Kontaminationen ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein rechtliches Problem. Die Verantwortlichkeiten für die Beseitigung von Umweltschäden sind klar geregelt, können aber in der Praxis schwer durchzusetzen sein.

Anspruch auf Folgenbeseitigung

Das Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf hat in einem Urteil klargestellt, dass ein Anspruch auf Folgenbeseitigung gegen den Verursacher eines Schadens besteht. Ziel ist die Wiederherstellung des früheren, rechtmäßigen Zustands. In dem vom VG Düsseldorf entschiedenen Fall handelte es sich um eine PFOS-Belastung (eine Untergruppe der PFAS), die durch den Einsatz von PFOS-versetztem Löschschaum der Feuerwehr verursacht wurde. Da die Feuerwehr als gemeindliche Einrichtung handelte, war die beklagte Gemeinde zur Beseitigung der Bodenbelastung verurteilt worden.

Entscheidungsfreiheit des Schädigers

Grundsätzlich obliegt es dem Hoheitsträger – also dem Verursacher – zu entscheiden, mit welchen Mitteln er den rechtmäßigen Zustand wiederherstellt. Das Gericht darf ihn lediglich zur Beseitigung der Störung verurteilen, nicht jedoch zu einer spezifischen Maßnahme wie einer Bodenauskofferung zwingen, solange andere Mittel zur Sanierung zur Verfügung stehen. Dennoch ist die Feuerwehr als Ursache für den Eintrag der Schadstoffe identifiziert, was die Verantwortlichkeit für die Sanierung festlegt.

Technische Sanierungsmaßnahmen in Düsseldorf

Die Sanierung von PFAS-Kontaminationen ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Die Stadt Düsseldorf hat verschiedene Anlagen in Betrieb genommen, um die Belastung im Grundwasser zu reduzieren.

Reinigung durch Pumpen und Filterung

Das grundlegende Prinzip der Sanierung in Düsseldorf basiert auf der sogenannten Pump-and-Treat-Methode. Das kontaminierte Grundwasser wird aus dem Boden gepumpt und durch eine Reinigungsanlage geleitet. In der Anlage wird das Wasser, oft durch Aktivkohlefilter, gereinigt, bevor es wieder in den Boden zurückgeleitet wird. In Düsseldorf sind bereits sechs solcher Anlagen in Betrieb. Eine dieser Anlagen, die sich im Einsatz für das Gebiet Gerresheim befindet, arbeitet seit etwa acht Jahren.

Aufwand und Dauer der Sanierung

Die Sanierung ist äußerst mühsam und aufwendig. Über hunderte Bodenproben wird die Ausbreitung der Verschmutzung durch die Grundwasserströmung überwacht. Da sich die Schadstofffahne bewegt, müssen die Pumpstationen alle paar Jahre versetzt werden, um effektiv zu bleiben. Ein Dezernent für Umwelt und Mobilität in Düsseldorf beschreibt die Aufgabe als „Generationenaufgabe“. Mit der derzeit eingesetzten Technik geht man davon aus, noch Jahrzehnte zu benötigen, um einen befriedigenden Zustand zu erreichen. Die Anlagen bestehen oft aus großen Filtereinheiten, die in Containern oder auf Stelzen untergebracht sind (z.B. acht blaue Fässer).

Kosten und Finanzielle Belastungen

Die finanziellen Folgen der PFAS-Verschmutzung sind enorm und belasten die Haushalte der Städte und Gemeinden nachhaltig.

Kosten für die Stadt Düsseldorf

Die Stadt Düsseldorf hat bereits erhebliche Mittel in die Aufklärung und Sanierung investiert. Laut den vorliegenden Informationen wurden mehr als zehn Millionen Euro für die Suche nach und Sanierung von PFAS-Verunreinigungen ausgegeben. Für die weitere Sanierung im spezifischen Gebiet Gerresheim plant die Stadt, in den nächsten 15 Jahren mit Kosten von etwa 22 Millionen Euro zu kalkulieren. Diese Kosten fallen an, weil die Stadt die Lasten selbst tragen muss, da der ursprüngliche Verursacher (Brandstifter) nicht ermittelt werden konnte.

Generationenaufgabe und Milliardenkosten

Experten warnen, dass die Sanierungskosten im gesamten Regionalplanungsraum Düsseldorf und in NRW in die Milliarden gehen könnten. Die Langlebigkeit der Chemikalien und die schwierige Entsorgung der belasteten Böden treiben die Kosten in ungeahnte Höhen. Die Stadt Düsseldorf hält spezielle Stellen (3,5 Vollzeitstellen) vor, die sich ausschließlich mit dem Thema PFAS befassen, was die Komplexität und den Personalaufwand verdeutlicht.

Herausforderungen bei der Entsorgung und Entsorgungskapazitäten

Ein großes Problem im Zuge der Sanierung ist nicht nur die Reinigung des Wassers, sondern auch die Entsorgung des belasteten Bodens und der Filtermaterialien.

Mangelnde Deponiekapazitäten

Seit Jahren steigt die Anzahl der PFAS-Fälle in Nordrhein-Westfalen stetig an. Eine große Herausforderung ist die stark limitierte Entsorgungskapazität. Deponien nehmen zunehmend weniger PFAS-kontaminierte Böden an. Dies führt zu einem Engpass, der die Sanierung von PFAS-Flächen massiv erschwert. Der Abfallwirtschaftsbetrieb AAV NRW hat hierzu Workshops durchgeführt, um Lösungen zu finden.

Immobilisierung auf Deponien

Als potenzielle Lösung für das Entsorgungsproblem wird die Immobilisierung von PFAS-belasteten Böden auf Deponien geprüft. Das Ziel solcher Projekte ist es, zu untersuchen, ob belastete Böden so stabilisiert werden können, dass sie sicher auf Deponien entsorgt werden können, ohne die Umwelt weiter zu gefährden. Solche Verfahren sind notwendig, da die herkömmliche Entsorgung an ihre Grenzen stößt.

PFAS im Regionalplanungsraum Düsseldorf

Die Belastung ist nicht auf die Stadtgrenzen beschränkt. Im gesamten Regionalplanungsraum Düsseldorf mehren sich die Hinweise auf PFAS im Grundwasser und Trinkwasser.

Verteilung der Belastungsherde

Jüngste Jahresberichte und Förderprogramme zur Gefahrenermittlung und Sanierung von Altlasten zeigen ein differenziertes Bild: * Stadt Düsseldorf: Diverse PFAS-bedingte Grundwassersanierungsanlagen sind in Betrieb. * Kreis Viersen: In einer Vermerk des Landkreises vom 14. März 2023 wurden fünf Standorte genannt, bei denen PFAS-Belastungen bekannt wurden. * Wasserwerk Willich-Anrath: Dort wurde ein Grundwasserschaden festgestellt. * Wasserwerk Hoppbruch/Mönchengladbach: Es wurden hohe PFAS-Gehalte im Einzugsbereich festgestellt. * Wuppertal: Hier finden Verdachtsflächen-Nacherhebungen statt.

Diese Daten belegen, dass das Problem flächendeckend ist und eine regionale Abstimmung der Sanierungsstrategien erforderlich macht.

Fazit

Die Bekämpfung der PFAS-Belastung in Düsseldorf und dem Umland ist eine komplexe Aufgabe, die Technik, Recht und Finanzen gleichermaßen fordert. Die historische Nutzung von PFAS-haltigen Löschschäumen stellt eine dauerhafte Belastung für Grundwasser und Boden dar, deren Beseitigung Generationen beschäftigen wird. Die Stadt Düsseldorf investiert Millionenbeträge in Pump-and-Treat-Anlagen, doch die Kosten für die Zukunft werden weiter steigen.

Für Immobilienbesitzer und Bauinteressenten in betroffenen Gebieten bedeutet dies, die Gefahren zu kennen und bei Grundstückskauf oder -bebauung auf eine sorgfältige Prüfung der Bodenbeschaffenheit zu achten. Die rechtliche Lage ist bei nachgewiesenem Verschulden (z.B. durch Feuerwehreinsatz) zwar klar, die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen gegen Verursacher bleibt jedoch oft schwierig. Die technische Sanierung erfordert langfristige Planung, und die Entsorgung der anfallenden Abfälle stellt eine zusätzliche Hürde dar, die nur durch Innovationen in der Bodenimmobilisierung bewältigt werden kann.

Quellen

  1. gwf-wasser.de
  2. kommunen.nrw
  3. gruene-regionalrat-duesseldorf.de
  4. tagesschau.de
  5. aav-nrw.de

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