Einführung
Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), oft auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, stellen eine zunehmende Herausforderung für die Umwelt und insbesondere für die Grundwasserqualität in Nordrhein-Westfalen dar. Die Datenlage, die durch verschiedene Umweltbehörden, Ingenieurbüros und Presseberichte aus Düsseldorf zusammengestellt wurde, verdeutlicht ein diffiziles Problem: PFAS sind in der Natur kaum abbaubar, was ihre Sanierung zu einer komplexen Aufgabe macht. Insbesondere in Düsseldorf sind mehrere durch menschliches Handeln verursachte Grundwasserverunreinigungen bekannt, die eine dauerhafte Überwachung und Sanierung erfordern.
Für Immobilienbesitzer, Bauherren und Sanierungsfirmen in der Region Düsseldorf ist das Wissen um diese Kontaminationen entscheidend. Ob bei der Planung eines Grundstückskaufs, einer Altlastensanierung oder eines Neubaus – die Auseinandersetzung mit PFAS im Boden und Grundwasser ist unvermeidlich geworden. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Fachinformationen die Verbreitung von PFAS in Düsseldorf, die technischen Herausforderungen bei der Entsorgung belasteter Böden und die aktuellen Sanierungstechnologien, die von Ingenieurbüros und Fachunternehmen eingesetzt werden.
Verbreitung und Ursachen von PFAS in Düsseldorf
Die Untersuchungen des Umweltamtes der Stadt Düsseldorf und von Ingenieurbüros wie CDM Smith zeigen, dass PFAS-Kontaminationen in verschiedenen Düsseldorfer Stadtteilen nachgewiesen wurden. Die Belastungen sind dabei nicht flächendeckend, sondern konzentrieren sich auf spezifische Areale, deren Ursachen oft historisch bedingt sind.
Historische Eintragsquellen: Löschschaum und Industrie
Ein prominentes Beispiel für eine PFAS-Verunreinigung ist das Gebiet in Gerresheim. Hier wurde die Grundwasserverunreinigung im Jahr 2009 festgestellt, offensichtlich im Zusammenhang mit dem Löschschaumeinsatz beim Großbrand einer Lagerhalle im Jahr 2001. Der Einsatz von PFAS-haltigem Löschschaum führt zu einer schwerwiegenden Kontamination des Bodens und Grundwassers, da die Substanzen nicht abgebaut werden können. Laut einem Bericht der RP Online hat sich die Verunreinigung über eine Distanz von rund 3,5 Kilometern westlich bis zur Werdener Straße in Flingern ausgebreitet.
Neben Brandereignissen sind auch industrielle Eintragsquellen relevant. Im Verunreinigungsbereich Hilden/Benrath wurde im Jahr 2014 erstmals eine zusammenhängende PFAS-Grundwasserverunreinigung ermittelt. Hier geht der Haupteintrag laut den Informationen des Umweltamtes von einem Industriegelände nahe der Stadtgrenze zu Düsseldorf aus.
Routinemäßige Überwachung und Ausbreitung
Bereits im Jahr 2007 begann das Umweltamt im Rahmen der routinemäßigen Grundwasserüberwachung mit der Untersuchung von Messstellen auf PFAS. Besonders im Norden Düsseldorfs, in den Stadtteilen Kaiserswerth, Kalkum/Zeppenheim und Lichtenbroich/Flughafen, wurden ca. 50 Messstellen untersucht. Dabei zeigten sich flächig verteilte Belastungen mit zum Teil sehr hohen Analysewerten.
Um die Ausdehnung dieser Verunreinigungen zu kartieren, wurden in den Folgejahren neue Grundwassermessstellen gebaut. Ziel war es, die Ausbreitung der Schadstofffahne darzustellen und die Risiken für die Wasserversorgung und Grundstücksnutzung abzuschätzen. Die Untersuchungen durch CDM Smith im Auftrag des Umweltamtes bestätigten, dass im Projektgebiet hohe PFAS-Gehalte vorlagen, deren Herkunft und Zusammenhang zu dieser Zeit noch weitestgehend unbekannt waren.
Die Herausforderung: Entsorgung von PFAS-belasteten Böden
Ein Kernproblem bei der Sanierung von PFAS ist nicht nur die Entfernung der Schadstoffe aus dem Wasser, sondern auch die Entsorgung des belasteten Bodenmaterials. Da Deponien zunehmend weniger dieser Böden annehmen, steht die Sanierungspraxis vor einer großen Herausforderung.
Mangelnde Entsorgungskapazitäten
Das Problem ist überregional relevant. Die Anzahl von PFAS-Fällen steigt in Nordrhein-Westfalen seit Jahren stetig an. Die Bearbeitung stellt das Land, die Kommune und die Wirtschaft aufgrund der Eigenschaften der PFAS und stark limitierter Entsorgungskapazitäten vor große Herausforderungen. Um die Sanierungspraxis zu verbessern, hat der Abwasser- und Abfallverband NRW (AAV) in den Jahren 2017, 2019 und zuletzt 2024 Workshops und Erfahrungsaustausche zum Umgang mit PFAS-Belastungen in Boden und Grundwasser durchgeführt.
Projekt zur Immobilisierung
Als drängender Handlungsbedarf wurde 2019 die Entsorgung von mit PFAS belasteten Böden identifiziert. Daraufhin wurde durch den AAV ein Projekt initiiert, zu prüfen, ob PFAS-belastete Böden immobilisiert auf Deponien entsorgt werden können. Das Projekt gliedert sich in zwei Phasen. Ziel ist es, Verfahren zu etablieren, die eine sichere Endlagerung ermöglichen, ohne dass die Schadstoffe in die Umwelt gelangen.
Sanierungsverfahren: Technologische Ansätze zur Beseitigung
Da PFAS nach bisherigem Stand der Wissenschaft nicht biologisch oder chemisch abbaubar sind, konzentrieren sich moderne Sanierungsverfahren auf die Entfernung aus dem Kreislauf oder die dauerhafte Bindung (Immobilisierung). Ingenieurbüros und spezialisierte Firmen haben hier innovative Technologien entwickelt.
Auswaschung durch Biopolymere
Ein innovatives Verfahren, das von Unternehmen wie Sensatec beschrieben wird, basiert auf dem Einsatz von Biopolymeren. Das Ziel ist es, PFAS aus kontaminierten Böden auszuwaschen. Die Biopolymere bieten den PFAS attraktive Bindungsmöglichkeiten, sodass sich die Schadstoffe von der Bodenmatrix lösen (desorbieren) und in die wässrige Lösung übertreten. Anschließend können sie aus dem Boden ausgewaschen werden.
Dieses Verfahren kann technisch sowohl on-site (in Form von durchspülten Mieten) als auch in-situ (durch Besprühen des Bodens mit Biopolymerlösung und Abpumpen des Spülwassers im oberflächennahen Grundwasser) realisiert werden. Die von Sensatec entwickelte Flotationstechnik fängt die Spüllösung auf und befreit sie von PFAS, sodass das Spülwasser anschließend wiederverwendet werden kann.
Immobilisierung und Sanierung von Altlasten
Neben der Auswaschung ist die Immobilisierung ein zentraler Bestandteil der Sanierungsstrategie. Unternehmen, die sich auf Altlastensanierung spezialisiert haben (wie Abbruch Otto in Düsseldorf), bieten Full-Service-Lösungen an. Dazu gehören die Analyse, Sanierung und fachgerechte Entsorgung von Schadstoffen. Diese Unternehmen arbeiten gesetzeskonform und effizient, um eine nachhaltige Grundstücksnutzung zu gewährleisten. Die Sanierung umfasst oft die Asbest- und Schadstoffsanierung sowie den Erdbau.
Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen
Für Immobilienbesitzer und Bauinteressenten in Düsseldorf ist die Auseinandersetzung mit PFAS nicht vermeidbar. Das Umweltamt der Stadt Düsseldorf ist die zuständige Behörde, die die Verunreinigungen kartiert und Sanierungsmaßnahmen koordiniert.
Zuständigkeiten und Aufklärung
Das Umweltamt der Stadt Düsseldorf (Referat 54) ist Ansprechpartner für alle Themen rund um Altlasten und Grundwasserverunreinigungen. Wie aus den Quellen hervorgeht, ist man bemüht, Betroffene aufzuklären. Im Fall der Gerresheimer Verunreinigung, die durch einen Brandstifter verursacht wurde, der nie gefasst wurde, beschäftigt das Thema vor allem Kleingärtner im Umfeld, da die Verunreinigung über Jahrzehnte unentdeckt blieb.
Sanierungsdauer und Komplexität
Die Sanierung von PFAS-Verunreinigungen ist ein Langzeitprozess. Der Großbrand in Gerresheim liegt mittlerweile fast 25 Jahre zurück, und die Sanierung dauert bis heute an. Dies verdeutlicht, dass die Beseitigung dieser Schadstoffe extrem ressourcenintensiv ist und oft Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann. Für Grundstückseigentümer bedeutet dies, dass bei Kauf oder Bebauung eine gründliche Vorprüfung unerlässlich ist.
Dienstleister am Markt
Für die praktische Umsetzung von Sanierungen gibt es in Düsseldorf und Umgebung spezialisierte Dienstleister. Neben großen Ingenieurbüros, die die Untersuchungen und Planungen durchführen (z.B. CDM Smith), bieten lokale Unternehmen wie Abbruch Otto die praktische Umsetzung der Sanierung an. Diese verfügen über langjährige Erfahrung (bis zu 70 Jahre) und entwickeln individuelle Recycling- und Entsorgungskonzepte, um die Kosten zu optimieren und Umweltschutz zu gewährleisten.
Fazit
Die PFAS-Verunreinigung des Grundwassers in Düsseldorf ist ein komplexes Umweltproblem, das durch historische Ereignisse wie Brände und industrielle Nutzung verursacht wurde. Die Datenlage zeigt, dass die Schadstoffe in verschiedenen Stadtteilen (Gerresheim, Lohausen/Kaiserswerth, Hilden/Benrath, im Norden) nachgewiesen sind und eine flächige Kartierung durch Messstellen erfolgt ist.
Das Hauptproblem für die Sanierung liegt in der fehlenden Abbaubarkeit der PFAS und den begrenzten Entsorgungskapazitäten für belastete Böden. Um dies zu lösen, arbeiten Verbände und Behörden an Projekten zur Immobilisierung von PFAS auf Deponien. Gleichzeitig setzen Ingenieurbüros und Sanierungsfirmen auf innovative Verfahren wie die Auswaschung mit Biopolymeren, um die Schadstoffe aus dem Boden zu entfernen und das Wasser zu reinigen.
Für Eigentümer von Immobilien in der Region Düsseldorf bleibt die Erkenntnis: Eine gründliche Überprüfung des Bodens und Grundwassers auf PFAS ist vor jedem Erwerb oder jeder Bebauung unerlässlich. Die Sanierung ist ein aufwendiger Prozess, für den auf spezialisierte Unternehmen mit Expertise in der Altlastensanierung zurückgegriffen werden muss.