PFAS in Böden und Gewässern: Verfahren und Strategien zur Sanierung kontaminierter Standorte

Einleitung

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, stellen aufgrund ihrer chemischen Beständigkeit eine besondere Herausforderung für die Umweltsanierung dar. Die Stoffgruppe umfasst tausende verschiedene Chemikalien, die aufgrund ihrer thermischen Stabilität und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen biologischen und chemischen Abbau als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. Kontaminationen treten häufig auf ehemaligen Industriestandorten, Deponien oder Flächen auf, die mit feuerhemmenden Schäumungsmitteln belastet sind. Da PFAS sowohl im Boden als auch im Grundwasser nachgewiesen werden können und eine Mobilität aufweisen, die eine Ausbreitung über weite Distanzen ermöglicht, sind spezielle Sanierungskonzepte erforderlich.

Der Stand der Technik sieht derzeit vor, dass PFAS weder abiotisch noch biologisch abbaubar sind und eine thermische Stabilität aufweisen (Quelle 3). Dies erschwert eine Sanierung erheblich. Während für die Trinkwasserversorgung, beispielsweise in Städten wie Crailsheim, auf Filtrationstechniken zurückgegriffen werden kann, erfordert die Sanierung von belasteten Böden und Grundwasserkörpern den Einsatz komplexer Verfahren. Die vorliegenden Informationen beleuchten verschiedene Ansätze, von der thermischen Behandlung über den Einsatz von Biopolymeren bis hin zu innovativen Plasmaverfahren und biologischen Barrieren.

Eigenschaften und Verbreitung von PFAS

PFAS zeichnen sich durch eine hohe chemische und thermische Stabilität aus. Laut dem Umweltbundesamt sind die Stoffe weder abbaubar noch verändern sie sich unter normalen Umweltbedingungen (Quelle 3). Diese Persistenz führt dazu, dass PFAS im Boden verbleiben oder sich im Grundwasser verteilen. Eine Entfernung aus der Wasserphase ist technisch möglich, jedoch abhängig von der Kettenlänge des Schadstoffs.

Lange Ketten lassen sich aufgrund ihrer guten Adsorptionsfähigkeit durch Aktivkohlefilter entfernen. Kurzkettige PFAS hingegen sind sehr mobil und können von Standardfiltern nur unzureichend zurückgehalten werden. Dies führt dazu, dass Filter bei Belastung mit kurzkettigen PFAS deutlich häufiger ausgetauscht werden müssen (Quelle 3). Die Sanierung von Böden ist noch komplexer. Eine schadstofffreie Sanierung ist nach aktuellem Kenntnisstand gesichert nur durch eine thermische Bodenbehandlung mit Temperaturen über 1200 °C möglich. Die Deponierung PFAS-haltiger Böden wird als Problemverlagerung angesehen, da die Stoffe im Deponiekörper verbleiben und hohe Folgekosten verursachen können (Quelle 3).

Thermische Sanierung und Immobilisierung

Die thermische Behandlung ist das effektivste Mittel zur vollständigen Entfernung von PFAS aus Böden. Durch das Erhitzen auf über 1200 °C werden die stabilen Molekülketten zerstört und mineralisiert. Dieses Verfahren ist jedoch energieintensiv und teuer. Alternativen bietet die Immobilisierung. Hierbei werden verschiedene Methoden zur Verfügung gestellt, um die Schadstoffe im Boden zu binden und ihre Auswaschung ins Grundwasser zu verhindern (Quelle 3).

Ein Anbieter beschreibt ein Verfahren, das sowohl die Immobilisierung als auch die Auswaschung kombiniert. Ziel ist es, die PFAS aus dem Wasserkreislauf zu entfernen. Das Verfahren nutzt Biopolymere, um PFAS aus kontaminierten Böden auszuwaschen. Die Biopolymere bieten den PFAS attraktive Bindungsmöglichkeiten, sodass diese sich von der Bodenmatrix desorbieren und in die wässrige Lösung übergehen. Anschließend wird die belastete Spüllösung mittels Flotationstechnik aufgefangen und von den Schadstoffen befreit, sodass das Spülwasser wiederverwendet werden kann. Dieses Verfahren kann on-site (durchspülte Mieten) oder in-situ (Besprühen des Bodens und Abpumpen im oberflächennahen Grundwasser) realisiert werden (Quelle 1).

Biologische und physikalische Verfahren zur Grundwassersanierung

Für die Sanierung von Grundwasserschadensfahnen, also der Ausbreitung der Schadstoffe im Untergrund, stehen biologische und physikalische Barrieren zur Verfügung. Ein Ansatz ist die Kombination von Zusatzstoffen und sogenannten SourceStop™-Produkten. Diese Minimierung die weitere Auswaschung der Schadstoffe aus dem Boden und fördern den stimulierten biologischen Abbau der Schadstofffahne im Abstrom. Ziel ist es, die Konzentrationen unter den zulässigen Grenzwerten zu halten.

Um Rezeptoren im Abstrom zu schützen, können PlumeStop®-Barrieren eingesetzt werden. Dies sind flexible, nachhaltige Lösungen, die eine Risikominderung ermöglichen (Quelle 6). Diese Methoden sind insbesondere dann sinnvoll, wenn eine thermische Sanierung des gesamten Untergrunds nicht wirtschaftlich ist oder technisch nicht realisiert werden kann.

Innovative Technologien: Plasmaverfahren und Echtzeitüberwachung

Neben etablierten Verfahren gewinnen neue Technologien an Bedeutung. Ein Forschungskonsortium, beteiligt waren das IGB (Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei) und Partner aus Aachen, hat ein Verfahren entwickelt, das auf Plasmatechnologie basiert. Plasma ist ein ionisiertes, elektrisch aktives Gas, das durch Anlegen einer Hochspannung in einem Glas-Edelstahlzylinder erzeugt wird. Das kontaminierte Wasser wird durch diesen Reaktor geleitet. In der Plasmaatmosphäre werden die PFAS-Molekülketten aufgebrochen und sukzessive verkürzt. Nach mehreren Durchläufen und einer Verweilzeit von wenigen Stunden können die Gifte vollständig abgebaut und mineralisiert werden (Quelle 4).

Ein entscheidender Vorteil moderner Aufbereitungstechnologien ist die Integration von Echtzeit-Überwachung. Anbieter wie Oxyle ermöglichen eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung des Reinigungsprozesses. Im Gegensatz zu herkömmlichen Laboranalysen, die oft erst nach Wochen Ergebnisse liefern, ermöglicht die Echtzeit-Optimierung eine sofortige Reaktion auf Konzentrationsschwankungen. Dies führt zu Energieeinsparungen und stellt sicher, dass die strengen gesetzlichen Grenzwerte kontinuierlich eingehalten werden (Quelle 5). Angesichts der geplanten EU-Grenzwerte für PFAS in Trinkwasser ab 2026 rücken solche effizienten Verfahren in den Fokus der Wasserversorger und Industrie (Quelle 5).

Trinkwasserversorgung und Wasserkreisläufe

Während die Sanierung von Altlasten im Vordergrund steht, ist auch die Qualität der Trinkwasserversorgung ein wichtiges Thema. In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung die zulässigen Konzentrationen. Kommunale Wasserversorger, wie die Stadtwerke Crailsheim, stellen sicher, dass das Wasser den Qualitätsstandards entspricht. Die Bereitstellung von Trinkwasserspendern mit Festwasseranschluss, wie in Quelle 2 erwähnt, dient der Versorgung von Mitarbeitern, Schülern oder Kunden. Die Wasserkennzahlen in Crailsheim zeigen eine Härte im mittleren Bereich (ca. 12–13 °dH) und spezifische Gehalte an Calcium, Magnesium und Kalium. Aktuelle Informationen zur Wasserqualität und zu eventuellen Sanierungsmaßnahmen im Versorgungsgebiet sollten direkt bei den örtlichen Stadtwerken erfragt werden (Quelle 2).

Sanierungsstrategien für Immobilienbesitzer und Bauunternehmen

Für Eigentümer von Grundstücken, die PFAS-Kontaminationen vermuten oder nachweisen, ergeben sich aus den vorliegenden Informationen folgende Handlungsempfehlungen:

  1. Analyse: Eine exakte Analyse des Bodens und des Grundwassers ist unerlässlich. PFAS sind schwer nachzuweisen und erfordern spezielle analytische Methoden (Quelle 3).
  2. Sanierungskonzept: Je nach Schadstoffsituation und Untergrund muss ein individuelles Konzept erstellt werden.
    • Thermische Sanierung: Bei stark belasteten Böden zur vollständigen Entfernung.
    • Immobilisierung/Auswaschung: Wenn eine vollständige Entfernung nicht notwendig oder möglich ist, können Biopolymere zur Bindung und Extraktion eingesetzt werden (Quelle 1).
    • Grundwassersanierung: Bei Ausbreitung von Schadensfahnen können biologische Barrieren (PlumeStop) und Stimulierung des biologischen Abbaus (SourceStop) eingesetzt werden (Quelle 6).
  3. Technologische Wahl: Moderne Verfahren wie Plasmareaktoren (Quelle 4) oder Systeme mit Echtzeit-Monitoring (Quelle 5) bieten effiziente Alternativen zu herkömmlichen Methoden, insbesondere bei der Wasserreinigung.
  4. Kosten und Nutzen: Die Sanierung von PFAS ist aufwändig und teuer. Eine Deponierung des Materials verlagert das Problem nur und verursacht langfristig Kosten. Daher ist eine nachhaltige Sanierung am Ort meist die bessere Investition (Quelle 3).

Zusammenfassung der Verfahren

Die folgende Tabelle fasst die in den Quellen genannten Hauptverfahren zur PFAS-Sanierung zusammen:

Verfahren Anwendungsbereich Wirkungsweise Anmerkungen
Thermische Behandlung Böden Zerstörung bei >1200 °C Effektivste Methode, energieintensiv (Quelle 3).
Biopolymere (Auswaschung) Böden, Grundwasser Desorption der PFAS aus der Matrix, anschließende Flotation Innovativ, ermöglicht Wiederverwendung des Wassers (Quelle 1).
Aktivkohlefiltration Wasser Adsorption Wirksam bei langkettigen PFAS, begrenzt bei kurzkettigen (Quelle 3).
Plasmatechnologie Wasser Aufbrechen der Molekülketten Vollständiger Abbau möglich, Forschungsstand (Quelle 4).
Biologische Barrieren Grundwasser Immobilisierung und Abbau im Abstrom Risikominderung, Schutz von Rezeptoren (Quelle 6).
Echtzeit-Monitoring Prozesssteuerung Kontinuierliche Anpassung Effizienzsteigerung, Einhaltung von Grenzwerten (Quelle 5).

Fazit

Die Sanierung von PFAS-Kontaminationen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die ein tiefes Verständnis der Schadstoffeigenschaften und der verfügbaren Technologien erfordert. Da PFAS extrem persistent sind, reichen Standardverfahren oft nicht aus. Das Spektrum der Lösungen reicht von hochenergetischen thermischen Verfahren für Böden bis hin zu physikalisch-chemischen und biologischen Methoden für die Grundwassersanierung.

Besonders vielversprechend sind neuartige Ansätze wie die Auswaschung mit Biopolymeren, die eine Sanierung vor Ort mit geringerem Energieaufwand ermöglichen, sowie Plasmaverfahren, die eine vollständige Zerstörung der Schadstoffe im Wasser garantieren. Für die Praxis bedeutet dies, dass Sanierungskonzepte stets individuell auf den Standort und die spezifische Schadstoffsituation abgestimmt werden müssen. Die Investition in moderne Technologien zur Wasseraufbereitung und Überwachung ist dabei nicht nur ein Schutz der Umwelt, sondern auch eine Notwendigkeit, um künftige Grenzwerte der EU einzuhalten und die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern.

Quellen

  1. Sensatec - PFAS Sanierung
  2. Stadtwerke Crailsheim - Wasserqualität
  3. Umweltbundesamt - PFAS Sanierung in Böden und Grundwasser
  4. IGB - PFAS kontaminiertes Wasser wird wieder sauber
  5. ZFK - Neue Methode zerstört PFAS im Wasser
  6. Regenesis - PFAS Sanierungslösungen

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