PFAS-Kontamination in Berlin: Herausforderungen für die Trinkwasserversorgung und Sanierungsstrategien für Immobilien

Die Belastung von Grundwasser und Böden mit Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, stellt eine zunehmend kritische Herausforderung für die Trinkwasserversorgung und die Altlastensanierung in Berlin und Brandenburg dar. Diese synthetischen Chemikalien sind aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit und Wechselwirkung mit dem menschlichen Körper schwer abbaubar. Für Immobilienbesitzer, Bauherren und Sanierungsfirmen gewinnt die Thematik an Bedeutung, da PFAS-Kontaminationen nicht nur die Wasserversorgung betreffen, sondern auch bei Bodenverunreinigungen im Zuge von Bau- und Renovierungsarbeiten eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Wissenschaft, die rechtlichen Rahmenbedingungen gemäß dem PFAS-Leitfaden und die Sanierungsmaßnahmen, die für die Bewältigung dieser Umweltbelastung notwendig sind.

Die Herausforderung: Chemikalien ohne Zerfallsdatum

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) umfassen eine große Gruppe von Chemikalien, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften – Wasser-, fett- und schmutzabweisend – in vielen Produkten und industriellen Prozessen eingesetzt wurden. Die Quellen [3] und [4] beschreiben diese Stoffgruppe als eines der gravierendsten Umweltprobleme der Gegenwart. Die chemische Stabilität, die diesen Produkten ihre Nutzbarkeit verleiht, führt dazu, dass PFAS in der Umwelt nahezu nicht abgebaut werden. Sie verbleiben über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in Böden und Gewässern.

Für die Bau- und Immobilienbranche ist relevant, dass PFAS aufgrund ihrer Persistenz und mobilität im Grundwasser zu flächenhaften Kontaminationen führen können. Wie in Quelle [5] dargelegt, gewinnt die Stoffgruppe bei der Bearbeitung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen zunehmend an Bedeutung. Das bedeutet für Bauvorhaben auf ehemaligen Industrie- oder Gewerbegebieten sowie in der Nähe von Flugplätzen oder Feuerwehren, wo PFAS-haltige Löschschäume eingesetzt wurden, eine erhöhte Prüfungspflicht.

Aktuelle Situation in Berlin: Trinkwasserqualität und Gefährdungspotenzial

Die Situation in Berlin verdeutlicht die Dringlichkeit des Problems. Verschiedene Untersuchungen belegen die Verbreitung von PFAS im urbanen Wasserkreislauf. Das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB), die Berliner Wasserbetriebe (BWB) sowie das Umweltbundesamt (UBA) haben im Rahmen des Projekts PROMISCES die Quellen von PFAS im urbanen Wasserkreislauf untersucht (Quelle [3]).

Trotz dieser Bemühungen zeigt eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass PFAS in Berliner Grund- und Trinkwasserproben nachweisbar sind. Laut Quelle [4] fand der BUND in 42 von 46 Stichproben in Deutschland die gesundheitsschädlichen Substanzen. In Berlin wurden Proben aus Grundwasser-Schwengelpumpen und Trinkwasser im Regierungsviertel gezogen. Aktuell liegen die Werte laut BUND und Berliner Wasserbetrieben noch unter den derzeit geltenden Grenzwerten. Verbraucher können das Leitungswasser also bedenkenlos trinken, da die Wasserbetriebe eine strenge Eigenkontrolle durchführen.

Dennoch gibt es Spannungen hinsichtlich künftiger Grenzwerte. Quelle [4] berichtet, dass Proben in Zeuthen (nahe Berlin) bereits jetzt über den Werten liegen werden, die ab 2026 bzw. 2028 in der neuen Trinkwasserverordnung gelten sollen. Auch in Berlin gibt es Brunnen, deren Werte die künftigen Grenzwerte überschreiten.

Hotspot Wasserwerk Tegel: Verursacher und Versäumnisse

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Wasserwerk Tegel. Die Belastung dort ist auf das ehemalige Flughafengelände Tegel und die Feuerwache Süd zurückzuführen. Wie in Quelle [2] dargelegt, wurde über Jahre hinweg Löschschaum eingesetzt, der PFAS enthielt. Die sanierungspflichtigen Zustandsstörer sind laut Quelle [2] die Bundeswehr (Löschübungsbecken) und die Tegel Projekt GmbH bzw. das Land Berlin (Feuerwache Süd).

Trotz des langjährigen Wissens – bereits 2014 informierten die Berliner Wasserbetriebe über die Belastung – wurden laut Quelle [2] bisher von den Verursachern keine angemessenen Schritte zur Beseitigung der Kontamination unternommen. Es existieren keine Sicherungs- oder Sanierungsmaßnahmen im Vorfeld des Wasserwerks, sodass kontaminiertes Grundwasser weiterhin zu den Brunnen der Berliner Wasserbetriebe strömt.

Die Berliner Wasserbetriebe haben zwar Maßnahmen ergriffen, darunter den Betrieb einer Aufbereitungsanlage mit Aktivkohle zur Adsorption von PFAS (Quelle [2]). Diese Anlage bietet jedoch keine langfristige Lösung. Aktuell überschreiten 34 Brunnen den künftigen Grenzwert, was ab 2028 nicht mehr zulässig ist. Da die Wasserbetriebe in den Sommermonaten auf diese Brunnen angewiesen sind, um den Bedarf zu decken, wird die Wasserversorgung Berlins durch diese Entwicklung akut gefährdet.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Bewertungsgrundlagen

Für Bauunternehmen, Gutachter und Eigentümer von Grundstücken ist die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben essenziell. Der rechtliche Rahmen für die Bewertung von PFAS-Verunreinigungen wird durch den „Leitfaden zur PFAS-Bewertung“ definiert. Quelle [1] gibt an, dass dieser Leitfaden im Amtsblatt von Berlin am 17. Juni 2022 bekannt gegeben wurde und als gemeinsame Arbeits- und Vollzugshilfe der zuständigen Behörden und privaten Akteure dient.

Der Leitfaden enthält wichtige Hinweise zu: * Gesetzlichen Grundlagen * Erkundung und spezizierten Analyseverfahren * Wirkungspfadbezogenen Gefahrenbeurteilungen * Repräsentativen Fallbeispielen der Sanierung und Sicherung bei bestehenden Boden- und Gewässerverunreinigungen

Zusätzlich wurde der Leitfaden des Bundes zur PFAS-Bewertung in Nordrhein-Westfalen per Erlass vom 04.03.2022 eingeführt (Quelle [1]). Diese bundeseinheitlichen Bewertungsmethoden sind entscheidend, um die Sanierungsbedürftigkeit von Flächen zu bestimmen. Für Grundstückseigentümer bedeutet dies, dass bei Verdacht auf PFAS-Kontamination (z.B. durch ehemalige gewerbliche Nutzung oder Löschschäume) eine Untersuchung nach den Vorgaben dieser Leitfäden notwendig ist.

Sanierungsmanagement und Lösungsstrategien

Die Sanierung von PFAS-Kontaminationen ist technologisch anspruchsvoll. Wie in Quelle [5] erläutert, unterstützt die Arbeitshilfe des Umweltbundesamts „Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“ die zuständigen Behörden bei der Vorauswahl, Bewertung und Entscheidung für ein geeignetes und verhältnismäßiges Sanierungsverfahren.

Da PFAS eine heterogene Stoffgruppe mit unterschiedlichen Eigenschaften sind, gibt es kein Allheilmittel. Quelle [5] betont, dass Sanierungsverfahren einzelstoffspezifisch bewertet werden müssen. Die Arbeitshilfe zeigt Vor- und Nachteile, technische und genehmigungsrechtliche Voraussetzungen sowie die Nachhaltigkeit der Verfahren auf.

Für die Praxis bedeutet dies: 1. Ermittlung der Schadstoffquellen: Wie in der Berliner Fallstudie (Quelle [3]) gezeigt, ist die Identifikation der Quellen im urbanen Wasserkreislauf der erste Schritt. 2. Monitoring: Ein umfangreiches Monitoring im Einzugsgebiet der Wasserwerke ist notwendig, um weitere Hotspots zu identifizieren (Quelle [2]). 3. Sicherung vs. Sanierung: Während Sanierung (Beseitigung) das Ziel ist, sind oft zunächst Sicherungsmaßnahmen (z.B. durch Barrieren oder Pumpen) notwendig, um die Ausbreitung in Richtung Trinkwasserressourcen zu stoppen.

Das Projekt PROMISCES (Quelle [3]) liefert hierzu innovative Ansätze zur Überwachung und Reduzierung von PFAS-Verschmutzungen, die auch für die Sanierung von Altlasten in Berlin genutzt werden können.

Bedeutung für Immobilienbesitzer und Bauherren

Für Immobilienbesitzer und Bauherren in Berlin und Brandenburg ergeben sich aus der PFAS-Thematik mehrere Handlungsfelder:

  1. Boden- und Altlastenprüfung: Vor dem Kauf oder der Bebauung von Grundstücken, die potenziell belastet sein könnten (z.B. ehemalige Industrieflächen, Feuerwehrstandorte, Flächen in der Nähe des ehemaligen Flughafens Tegel), ist eine spezifische Analyse auf PFAS ratsam. Die in Quelle [1] genannten Analyseverfahren bieten hierfür die methodische Grundlage.
  2. Sanierungsbedarf: Sollte eine PFAS-Kontamination festgestellt werden, ist die Sanierung komplex. Hier greift die in Quelle [5] beschriebene Methodik des Sanierungsmanagements. Bauherren müssen einkalkulieren, dass spezielle Sanierungsverfahren notwendig sein können, die über Standardmaßnahmen hinausgehen.
  3. Gesundheitliche Aspekte: Auch wenn aktuell keine akute Gefahr vom Trinkwasser ausgeht (Quelle [4]), ist das langfristige Risiko durch PFAS im Grundwasser nicht zu unterschätzen. Eine Sanierung dient dem präventiven Gesundheitsschutz und erhöht langfristig die Sicherheit und den Wert einer Immobilie.

Fazit

Die PFAS-Kontamination in Berlin, insbesondere im Bereich des Wasserwerks Tegel, ist ein ernstzunehmendes Umweltproblem, das dringend politisches und technisches Handeln erfordert. Die Berliner Wasserbetriebe leisten mit Aufbereitungsanlagen zwar Vorarbeit, doch die Verursacher – Bund und Land – müssen endlich für die Beseitigung der Quellen sorgen, wie es in Quelle [2] gefordert wird. Für die Bau- und Immobilienbranche wird die Thematik immer relevanter.

Der PFAS-Leitfaden (Quelle [1]) und die Arbeitshilfe des Umweltbundesamts (Quelle [5]) bieten solide Instrumente für die Bewertung und Sanierung. Für Eigentümer von Grundstücken in sensiblen Lagen ist eine Überprüfung auf PFAS unerlässlich, um rechtliche und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Während das Monitoring (Quelle [3]) die Datenlage verbessert, bleibt die Beseitigung der Altlasten die zentrale Aufgabe, um die Trinkwasserqualität für Berlin dauerhaft zu sichern.

Quellen

  1. Leitfaden zur PFAS-Bewertung
  2. Grüne Berlin: Wasserverwaltung in Berlin sichern
  3. idw: PFAS in Europa und Berlin - Das Projekt PROMISCES
  4. rbb24: Trinkwasser PFAS Berlin Brandenburg
  5. Umweltbundesamt: Sanierungsmanagement für lokale flächenhafte PFAS

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