Die Belastung von Böden und Grundwasser mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) stellt eine wachsende Herausforderung für die Bau- und Immobilienbranche sowie für die öffentliche Hand dar. Diese als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichneten Stoffgruppen sind aufgrund ihrer Persistenz und Langlebigkeit besonders problematisch. In Hamburg sind laut Umweltsenator Jens Kerstan 50 Flächen bekannt, die mit PFAS verunreinigt sind. Obwohl laut Kerstan keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung ausgeht, erfordert die Sanierung dieser Flächen aufgrund der Langzeitfolgen und der technischen Komplexität erhebliche Anstrengungen.
Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften von PFAS, den aktuellen Stand der Kontamination in Hamburg, rechtliche und politische Forderungen sowie bestehende Sanierungsverfahren, die für Eigentümer, Bauunternehmen und Sanierungsfirmen relevant sind.
Eigenschaften und Verbreitung von PFAS
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) zeichnen sich durch eine extrem stabile chemische Struktur aus. Diese Stabilität führt dazu, dass die Substanzen weder durch Wasser, Licht noch durch Mikroorganismen abgebaut werden können. Sie reichern sich in der Natur an und verbleiben über lange Zeiträume in Böden und Gewässern. Aufgrund dieser Eigenschaften werden sie als persistent beziehungsweise als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.
Die Verbreitung von PFAS ist mittlerweile global. Recherchen der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR haben ergeben, dass sich PFAS an mehr als 1500 Orten in Deutschland nachweisen lassen. Auch in Hamburg sind 50 Flächen als verunreinigt identifiziert. Umweltsenator Kerstan betont, dass seine Behörde seit zehn Jahren an der Erfassung historisch betroffener Flächen, der Durchführung von Proben und der Sanierung von Böden arbeitet. Diese Arbeit wird als „Sisyphusarbeit“ beschrieben, was die Schwierigkeit und Dauerhaftigkeit der Maßnahmen unterstreicht.
PFAS im Hamburger Trinkwasser
Ein zentraler Aspekt für die Bau- und Immobilienbranche ist die Qualität des Grundwassers und des Trinkwassers. Die Hamburger Wasserwerke (HAMBURG WASSER) prüfen das Trinkwasser engmaschig. Laut den vorliegenden Informationen liegen die Befunde von PFAS an allen Messstellen unterhalb des aktuellen Grenzwertes der Trinkwasserverordnung von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Zudem wird auch der zukünftige Grenzwert für PFAS-4, der ab Anfang 2028 gelten wird und 0,02 Mikrogramm pro Liter beträgt, weit unterschritten.
Ein wesentlicher Grund für die geringe Belastung des Hamburger Trinkwassers ist die Herkunft des Wassers. In Hamburg wird Trinkwasser ausschließlich aus Grundwasser aus Tiefen zwischen 20 und 429 Metern gefördert. Die durchlaufenen Bodenschichten fungieren als natürliche Filter, die Spurenstoffe wie PFAS zurückhalten. Im Gegensatz dazu sind PFAS eher ein Thema für Trinkwasser, das aus Oberflächengewässern wie Flüssen oder Stauseen gewonnen wird.
Politische Forderungen und Regulierung
Die Gefahren von PFAS führen zu politischen Initiativen auf Landes- und Bundesebene. In Hamburg fordern die Grünen eine konsequente Regulierung von PFAS-Chemikalien und eine Stärkung der Forschung nach Alternativen. Die politischen Forderungen zielen darauf ab, die Bundesregierung zu veranlassen, ihre Bemühungen zur umfassenden Regulierung von PFAS auf europäischer Ebene zu verstärken.
Konkret wird im Rahmen der europäischen REACH-Verordnung gefordert: * Ein umfassendes Verbot aller PFAS-Verbindungen, für die bereits Alternativen existieren. * Die Vermeidung von Substitutionen, bei denen regulierte PFAS durch ähnlich problematische, aber noch nicht regulierte Substanzen ersetzt werden. * Klare und strenge Übergangsfristen für den Ausstieg aus PFAS in Alltagsprodukten wie Lebensmittelverpackungen, Textilien und Kosmetika.
Zudem soll die Forschung an Hamburger Hochschulen und Forschungseinrichtungen gezielt auf die Entwicklung von PFAS-freien Alternativen für Anwendungsbereiche ausgerichtet werden, in denen derzeit noch keine adäquaten Ersatzstoffe verfügbar sind.
Sanierungsmanagement und Verfahren
Für die Sanierung von PFAS-kontaminierten Flächen existieren spezifische Herausforderungen. Das Umweltbundesamt hat eine Arbeitshilfe zum „Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“ veröffentlicht, die den zuständigen Behörden als Entscheidungsgrundlage dient. Aufgrund der unterschiedlichen Stoffeigenschaften der PFAS müssen Sanierungsverfahren einzeln bewertet werden. Die Arbeitshilfe zeigt Vor- und Nachteile der Verfahren, technische und genehmigungsrechtliche Voraussetzungen sowie deren Nachhaltigkeit auf.
Biotechnologische Sanierungsverfahren
Ein innovativer Ansatz zur Sanierung wird von Unternehmen wie Sensatec beschrieben. Da PFAS nach bisherigem Stand der Wissenschaft nicht biologisch oder chemisch abbaubar sind, konzentriert sich dieses Verfahren auf die Entfernung aus dem Wasserkreislauf.
Die technische Lösung basiert auf dem Einsatz von Biopolymeren. Diese Polymere bieten den PFAS attraktive Bindungsmöglichkeiten, was zu einer Desorption von der Bodenmatrix führt. Die PFAS treten in die wässrige Lösung über und können somit aus dem Boden ausgewaschen werden. Ein entscheidender Vorteil dieses Verfahrens ist die Integration einer Flotationstechnik. Damit wird die Spüllösung aufgefangen und von PFAS befreit, sodass das Spülwasser anschließend wiederverwendet werden kann. Dies erhöht die Nachhaltigkeit des Verfahrens.
Sensatec bietet diese Technologie sowohl on-site (in Form von durchspülten Mieten) als auch in-situ (durch Besprühen des Bodens mit Biopolymerlösung und Abpumpen des Spülwassers im oberflächennahen Grundwasser) an. Die Methodik wurde bereits auf verschiedenen Standorten erfolgreich getestet.
Zusammenfassung für die Praxis
Die Belastung mit PFAS erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung von Baumaßnahmen und Grundstückstransaktionen. Während die Hamburger Wasserwerke durch die tiefe Grundwasserförderung und Filtration eine hohe Trinkwasserqualität gewährleisten, erfordert die Sanierung belasteter Oberflächen und Böden spezielle Verfahren.
Für Bauunternehmen, Gutachter und Eigentümer bedeutet dies: 1. Prüfung der Historie: Bei Grundstücken, die potenziell industriell genutzt wurden, ist eine Überprüfung auf historische Altlasten ratsam. 2. Kenntnis der Sanierungsverfahren: Verfahren wie die Auswaschung mittels Biopolymeren bieten technische Lösungen, sind aber aufwendig und müssen im Einzelfall geprüft werden. 3. Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen: Die politische Entwicklung zielt auf strengere Verbote und Regulierungen hin, was zukünftig die Materialauswahl im Bauwesen beeinflussen wird.
Die Sanierung von PFAS-Flächen bleibt eine langfristige Aufgabe. Umweltsenator Kerstan versichert, dass die Behörden „am Ball bleiben“, um die Langzeitfolgen im Blick zu behalten und die betroffenen Flächen zu sanieren.
Fazit
Die Präsenz von PFAS in Böden und der Umwelt ist eine komplexe Aufgabe, die technische, rechtliche und forschungsbasierte Lösungen erfordert. In Hamburg sind 50 Flächen betroffen, wobei die Trinkwasserversorgung durch tiefe Grundwasserförderung gesichert bleibt. Die Politik arbeitet an strengeren Regulierungen, während die Forschung und Industrie Verfahren zur Sanierung entwickeln, die auf die Entfernung der Stoffe aus dem Boden abzielen, anstatt sie nur zu inertisieren. Für die Bau- und Immobilienbranche bleibt PFAS ein Thema, das langfristige Planungssicherheit und fachliche Expertise erfordert.