Sanierung von PFC-Altlasten in Bayern: Herausforderungen, Sanierungsmaßnahmen und rechtliche Rahmenbedingungen

Einleitung

Per- und polyfluorierte Kohlenstoffverbindungen (PFC) stellen eine erhebliche Belastung für Böden und Gewässer in Bayern dar, insbesondere im Zusammenhang mit ehemaligen militärischen Standorten. Die Quellensituation liegt häufig in historischen Anwendungen von Löschschäumen, die über Jahrzehnte hinweg zu großflächigen Kontaminationen geführt haben. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Sanierung dieser Altlasten ein komplexes und drängendes Thema für Eigentümer, Anwohner und Behörden ist. Besonders betroffen sind Gebiete um ehemalige Bundeswehrstandorte wie den Fliegerhorst Penzing, den NATO-Flugplatz Neuburg und den Flugplatz Manching, wo das Ausmaß der Belastung in Oberflächengewässern und im Grundwasser zu erheblicher Besorgnis führt.

Die Herausforderungen bei der Sanierung von PFC-Altlasten sind vielschichtig. Sie umfassen nicht nur die technische Bewältigung der Schadstoffe, sondern auch die Abstimmung zwischen verschiedenen Behörden und die Sicherstellung einer schnellen Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Während politische Gremien über Beschleunigungsanträge debattieren, sehen betroffene Bürgerinitiativen und Umweltverbände Handlungsbedarf, um eine weitere Ausbreitung der Schadstoffe zu verhindern und die Gesundheit der Anwohner zu schützen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation, die technischen Maßnahmen zur Sicherung von Schadstellen sowie die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen im Umgang mit PFC-Kontaminationen.

Die aktuelle Situation und politische Diskussion

Die politische Debatte um die Sanierung von PFC-Altlasten in Bayern ist von unterschiedlichen Auffassungen über die Dringlichkeit und die Verantwortlichkeiten geprägt. In einer Sitzung des Umweltausschusses wurde ein Antrag der Grünen Fraktion zur Beschleunigung der Sanierung von PFC-Altlasten abgelehnt. Die ablehnende Haltung der CSU-Fraktion wurde damit begründet, dass das Landesamt für Umwelt bereits umfassende Monitoring-Programme durchführe und sich die Staatsregierung kürzlich bei der Bundesministerin für eine beschleunigte Sanierung eingesetzt habe. Aus Sicht der CSU wurde der Antrag daher als "positiv erledigt" betrachtet.

Kritik an diesem Vorgehen kommt von der SPD und den Grünen. Der SPD-Abgeordnete von Brunn wirft den Behörden Untätigkeit und "Dienst nach Vorschrift" vor und verweist darauf, dass die Sanierungsarbeiten bisher an den wenigsten ehemaligen Bundeswehrstandorten mit PFC-Altlasten abgeschlossen seien. Der Grünen-Abgeordnete Johannes Becher, der den Landkreis Pfaffenhofen vertritt, zeigte sich verärgert über die Ablehnung. Er fordert im Zusammenhang mit dem Flugplatz Manching eine unverzügliche Errichtung einer Abstromsicherung, um die weitere Ausbreitung von PFC in die umliegenden Gewässer zu verhindern. Becher kritisiert, dass ein Verweis auf das Landesamt und die Bundesebene den betroffenen Anliegern an den ehemaligen Bundeswehr-Standorten nicht hilft und kündigte an, das Thema im Landtag weiterzuverfolgen, da die Sanierungsgeschwindigkeit der Bundeswehr als "absolut unbefriedigend" eingestuft wird.

Quellen und Ausbreitung der PFC-Kontamination

Die Hauptursache für die PFC-Belastung in Gewässersystemen wie dem Verlorenen Bach und der Friedberger Ach liegt in der jahrzehntelangen Verwendung von PFC-haltigem Löschmittel auf Geländen ehemaliger militärischer Einrichtungen. Das PFC sickert in Oberflächen- und Grundwasser und wird über den Grundwasserabstrom transportiert. Beispielsweise liegt die Quelle für die Belastung im Ortsteil Rosing laut BN-Kreisgruppe Augsburg beim NATO-Flugplatz in Neuburg-Zell. Ebenso sind der Fliegerhorst Penzing und der Flugplatz Manching als bekannte PFC-Quellen identifiziert.

Die Ausbreitung der Schadstoffe erfolgt über den Grundwasserabstrom nach Norden, wobei die Quellen des Verlorenen Baches, der später zur Friedberger Ach wird, betroffen sind. Die Belastung ist so erheblich, dass an allen Probenahmestellen im Verlorenen Bach und der Friedberger Ach die in der Oberflächengewässerverordnung (OGwV) festgelegte Umweltqualitätsnorm (UQN) der Leitkomponente PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) von 0,65 ng/l deutlich überschritten wird. Dies gilt trotz der Tatsache, dass die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge an PFOS für den Menschen in den Jahren 2018 und 2020 aufgrund von entwicklungsbedingten toxischen Effekten, verringertem Geburtsgewicht, reduzierter Antikörperbildung und erhöhten Cholesterinkonzentrationen deutlich herabgesetzt wurde.

Gesundheitliche Risiken und Nahrungskettenbelastung

Die Belastung durch PFC dringt nicht nur in die Gewässer ein, sondern gelangt auch in die Nahrungskette. Die Aufnahme erfolgt über kontaminiertes Futter für Nutztiere und über Fische. Besorgniserregend ist der Nachweis von PFC in Hühnereiern auf einem Hof im Ortsteil Rosing. Anwohner und Umweltverbände warnen daher davor, Bewässerung von Nutzpflanzen mit Wasser aus dem Verlorenen Bach oder der Friedberger Ach zu nutzen sowie Nutztiere mit Bachwasser zu tränken oder kontaminiertes Futter zu verabreichen. Diese Maßnahmen sind präventiv notwendig, um die Anreicherung von PFC in der Nahrungskette zu vermeiden.

Das Gesundheitsrisiko wird durch Umweltingenieur Gerhard Merches aus Altötting detailliert erläutert. Die Herabsetzung der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge für PFOS erfolgte aufgrund schwerwiegender gesundheitlicher Effekte. Dazu gehören entwicklungsbedingte toxische Effekte, verringerte Geburtsgewichte, eine verringerte Antikörperbildung, was das Immunsystem schwächt, und erhöhte LDL- und Gesamtcholesterin-Konzentrationen. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit von Sanierungsmaßnahmen und Schutzvorkehrungen für die betroffene Bevölkerung.

Technische Sanierungsmaßnahmen und Herausforderungen

Die Sanierung von PFC-Kontaminationen ist technisch anspruchsvoll und wird als extrem schwierig und kostspielig eingestuft, insbesondere bei großflächigen Belastungen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat eine Arbeitshilfe zum "Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen" veröffentlicht, die zuständigen Behörden bei der Auswahl und Bewertung von Sanierungslösungen unterstützen soll. Diese Handreichung ist notwendig, da bei PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, zu denen PFC gehören) noch nicht auf umfangreiche Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann wie bei "üblichen Schadstoffen". Die Arbeitshilfe zeigt Rahmenbedingungen und flankierende Maßnahmen auf und benennt Vor- und Nachteile verschiedener Sanierungstechnologien.

Konkrete Maßnahmen vor Ort sind bereits in Planung oder teilweise umgesetzt. Am Fliegerhorst Penzing, der als Hotspot der Verunreinigung gilt, wurden bereits umfangreiche Detailuntersuchungsgutachten erstellt. Aufgrund der Ergebnisse werden derzeit Sanierungsvarianten geprüft. Das Landratsamt Landsberg gibt jedoch zu bedenken, dass nicht absehbar ist, wann das Ziel der Wiederherstellung des guten Zustands von Grund- und Oberflächengewässern erreicht werden kann.

Am Feuerlöschübungsbecken in Penzing wurden bereits Sicherungsmaßnahmen etabliert. Diese umfassen: * Die Reinigung und Entfernung des PFC aus dem Wasser. * Die Verhinderung, dass kontaminiertes Wasser in den Boden und somit ins Grundwasser eindringen kann.

Trotz dieser Maßnahmen ist der Weg zur vollständigen Sanierung noch weit. Für weitere Maßnahmen, wie die Fassung von kontaminiertem Grundwasser, werden vermutlich noch einige Jahre benötigt, bis Erfolge sichtbar werden. Um die weitere Ausbreitung zu stoppen, fordern Umweltverbände (Bund Naturschutz BN) den Bau hydraulischer Sperren, sogenannter Abstromsicherungen. Diese Maßnahme, die auch am Flugplatz Manching gefordert wird, soll verhindern, dass noch mehr verseuchtes Grundwasser die ehemaligen militärischen Standorte verlässt.

Organisatorische Herausforderungen und Forderungen

Neben den technischen Aspekten spielen organisatorische Strukturen eine entscheidende Rolle. Die Sanierung von Liegenschaften der Bundeswehr obliegt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Bürgerinitiativen und Umweltverbände fordern einen stärkeren Druck aus den Regionen, damit die Bima ihre Sanierungen vorantreibt. Zudem wird ein bayernweites systematisches Monitoring als unerlässlich erachtet.

Ein weiteres Problem ist die Abstimmung über Landkreisgrenzen hinweg. Das Landratsamt Donau-Ries sprach eine Verzehrswarnung für Fische aus der Friedberger Ach erst zwei Jahre nach den anderen betroffenen Landkreisen aus. Der Bund Naturschutz fordert daher ein schnelles Handeln der Behörden über Landkreisgrenzen hinweg für das gesamte Flusssystem. Die Kooperation der Behörden über Zuständigkeiten hinweg ist essenziell, um die komplexe Problematik der Boden- und Gewässerbelastungen im und um die ehemaligen Fliegerhorste effektiv zu bewältigen.

Die Gemeinde Penzing, die Stadt Landsberg und der Landkreis Landsberg planen derzeit die Nachnutzung des Geländes des Fliegerhorsts Penzing. Diese Planungen machen eine schnelle und effektive Sanierung noch dringlicher, um zukünftige Nutzungen nicht zu gefährden.

Fazit

Die Sanierung von PFC-Altlasten in Bayern ist ein langfristiges und komplexes Vorhaben, das technische, organisatorische und politische Herausforderungen vereint. Die Belastungen, die von ehemaligen militärischen Standorten ausgehen, haben bereits zu erheblichen Schäden in den örtlichen Gewässersystemen und der Nahrungskette geführt. Obwohl erste Sicherungsmaßnahmen an den Hotspots umgesetzt werden, ist die Geschwindigkeit der Sanierung Gegenstand politischer Debatten und Kritik von Umweltverbänden.

Für Eigentümer von Immobilien und Grundstücken in betroffenen Gebieten sowie für die örtliche Bevölkerung bedeuten die Kontaminationen erhebliche Einschränkungen und Risiken. Die Notwendigkeit, auf Wasserquellen aus belasteten Gewässern zu verzichten und Tiere vor Kontaminationen zu schützen, zeigt die unmittelbare Auswirkung auf die Land- und Hauswirtschaft. Gleichzeitig verdeutlichen die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Risiken die Dringlichkeit, die Sanierung voranzutreiben.

Der Weg zu einer vollständigen Sanierung erfordert die konsequente Umsetzung der in der Arbeitshilfe des Umweltbundesamtes beschriebenen Managementkonzepte, eine verbesserte Zusammenarbeit der Behörden über Landkreisgrenzen hinweg und die Bereitschaft der verantwortlichen Träger, insbesondere der Bundeswehr und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die notwendigen Ressourcen für eine beschleunigte Sanierung bereitzustellen. Nur durch ein koordiniertes Vorgehen auf allen Ebenen kann die Gefahr für Mensch und Umwelt langfristig eingedämmt werden.

Quellen

  1. Johannes Becher - Antrag zur Sanierung von PFC-Altlasten abgelehnt
  2. Bund Naturschutz - Sanierung des PFC-Schadens am Fliegerhorst Penzing muss schnellstmöglich erfolgen
  3. Bundesumweltministerium - Belastung von Böden durch PFAS und PFC

Ähnliche Beiträge